Rosa Liste München
| Rosa Liste München | |
|---|---|
| Logo | |
| Datei:Rosa-Liste-München Logo.png | |
| Basisdaten | |
| Art | Wählergruppe |
| Ausrichtung | LGBTI*-Politik |
| Gründungsdatum | 2. September 1989 |
| Gründungsort | München |
| Vorsitzende | Andreas Klose, Wolfgang Scheel, Karin Willers |
| Adressen | |
| Adresse | Lindwurmstraße 73 80337 München |
| Website | rosaliste.de |
Die WählerInneninitiative Rosa Liste München e. V. ist eine politische Gruppierung in München, die die Interessen von Schwulen, Lesben, Bisexuellen, Transgeschlechtlichen und Intergeschlechtlichen (LGBTI*) auf kommunaler Ebene vertritt.<ref>Wahlprogramm 2020–2026. (PDF; 302 kB) Rosa Liste München e. V., abgerufen am 8. Februar 2022.</ref><ref>Geänderte Satzung von 2015</ref> Sie schärft auch das Bewusstsein für die Existenz der „rosa Stimme“ und den Einfluss, den sie auf Wahlprozesse hat.
Die Bezeichnung wurde gewählt, weil „unter diesem Namen […] die Polizei in München bis 1987 bekannte Homosexuelle registriert“ hatte. „Der junge Verein übernahm den Begriff […] und verkehrte ihn ins Positive.“<ref name="scherf">Martina Scherf: Lebendige queere Szene: Einzelkämpfer. In: Süddeutsche Zeitung. 7. Juni 2016, abgerufen am 8. Februar 2022.</ref>
Geschichte
Den Anstoß zur Gründung gab der grüne Stadtrat und VSG-Mitglied Gerd Wolter mit der Absicht, bei den Stadtratswahlen 1990 mit einer eigenen Liste teilzunehmen. An der Gründungsveranstaltung der Rosa Liste München am 2. September 1989 nahmen in der Müllerstr. 44 in den damaligen Räumen des SUB 48 Personen aus verschiedenen schwul-lesbischen Gruppen<ref>Vertretene Gruppen: Autonome Frauenbewegung, HuK (Homosexuelle und Kirche e. V.), Münchner Löwen Club (MLC), Münchner Aids-Hilfe e. V. (MüAH), Rosa Freizeit, Rosa Telefon, Schwulenreferat Universität LMU (GSU), Schwulenreferat Universität Weihenstephan, Schwules Kommunikations- und Kulturzentrum e. V. (Sub)), Südwind, Verein für sexuelle Gleichberechtigung e. V. (VSG) (Protokoll des Gründungstreffens am 2. September mit Teilnehmer*innenliste, archiviert im Forum Queeres Archiv München e. V.)</ref> teil<ref name="gruendungstreffen">Bericht über das Gründungstreffen: Middelhoff, Horst: Schwule Männer in den Stadtrat jetzt!, in: VSG rosa info, Okt/Nov 89, S. 3</ref>. Bei der Wahlversammlung am 8. Oktober 1989 im Münchner Zunfthaus stellten die 136 Teilnehmer eine „schwulesbische Liste“ auf, zum ersten Mal in der Geschichte der Bundesrepublik.<ref>Einladung zur Wahlversammlung in: VSG rosa info, Okt/Nov 89, S. 3</ref><ref>Protokoll der Wahlversammlung (archiviert im Forum Queeres Archiv München);
Rosa Liste München: Presseerklärung zur Wahlversammlung am 8. Oktober (Scan siehe rechts oben)</ref> Als Spitzenkandidat wurde der Student Thomas Niederbühl nominiert; Gerd Wolter wurde auf Platz 2 gewählt.
Nachdem die Rosa Liste bei den Stadtratswahlen 1990 und 1994 mit 1,0 % bzw. 1,1 % knapp den Einzug in den Stadtrat verpasst hatte, erreichte sie bei der Kommunalwahl 1996<ref>Die 80 StadtratskandidatInnen in: Zeitung rosa liste, Nr. 12 (März '96), S. 6</ref> 1,8 % der Stimmen und einen Sitz im Stadtrat. Mit Thomas Niederbühl zog europaweit erstmals ein Vertreter einer schwul-lesbischen Wählergruppe in ein Kommunalparlament ein. Auch lokale Prominenz wie Petra Perle oder Peter Ambacher<ref>Steckbrief zu Peter Ambacher (Miss Piggy). Forum Queeres Archiv München (Bayerstr.77a Rg 3, 80335 München), abgerufen am 23. Oktober 2020.</ref> (bekannt als Miss Piggy), der stadtweiter Häufelkönig wurde, hatten sich 1996 auf der Rosa Liste zur Wahl stellen lassen.
Bei den folgenden Stadtratswahlen gewann die Rosa Liste weiterhin jeweils ein Mandat im Stadtrat, welches stets durch Niederbühl wahrgenommen wird. Seit 1994 kandidierten auch Lesben für den Wahlvorschlag, mit Marion Hölczl (2002) und Rita Braaz (2008 und 2014) als lesbischen Spitzenkandidatinnen auf Platz 2.
Im Stadtrat bildet die Rosa Liste seit 1996 eine Fraktionsgemeinschaft mit den Grünen. SPD, Grüne und Rosa Liste stellten von 1996 bis 2014 und wieder ab 2020 die Regierungs-Koalition im Münchener Rathaus.
Zum 10-jährigen Bestehen zieht Thomas Niederbühl in einem Interview im Herbst 1999 eine Zwischenbilanz.<ref>Schwul-lesbischer Aufschwung in München durch Rosa Liste, in: Zeitung rosa liste, Nr. 26 (Aug/Sept '99), S. 7-9 u. 12</ref> 1999 forderte die Rosa Liste erfolgreich einen in Deutschland erstmaligen Antidiskriminierungszusatz bei städtischen Stellenausschreibungen<ref>Festschrift „20 jahre rosa liste münchen“ (= Festschrift), Seite 23</ref>. Seit 2003 wird auf ihren Vorschlag hin im Münchner Rathaus die Abschlussparty des CSD (Rathaus-Clubbing) gefeiert.<ref>Festschrift, Seite 31</ref> Außerdem ist die Rosa Liste Mitbegründerin von Pink Christmas, des ältesten schwul-lesbischen Weihnachtsmarktes weltweit, der seit 2005 besteht.<ref>Festschrift, Seite 34</ref> 2010 wurde mit ihrer Hilfe die Koordinierungsstelle für gleichgeschlechtliche Lebensweisen gegründet.<ref>Münchner Regenbogen-Stiftung, Programm, Seite 8 und 12</ref> Außerdem unterstützt die Rosa Liste die seit 2013 bestehende Szenepartnerschaft München-Kiew.<ref>Programm, Seite 9</ref>
Im Jahr 2016 benannte Niederbühl als aktuelles Projekt, „homosexuelle Flüchtlinge [zu] unterstützen […]. Auf der anderen Seite gebe es die Sorge vor schwulenfeindlichen Übergriffen durch Migranten, die aus Gesellschaften kommen, in denen Schwulsein als kriminell gilt.“<ref name="MF">Müller, Felix: 20 Jahre Rosa Liste im Stadtrat. Der Mann, der München Toleranz lehrte, Münchner Merkur vom 24. Mai 2016, Abschnitt München, S. 31 (= Müller, Merkur)</ref> Auf die Frage nach den Aufgaben der näheren Zukunft zählte er auf: „Wohnformen, Jung und Alt, Trans- und Intersexualität.“<ref>Bernd Müller: 5 Fragen an Stadtrat Thomas Niederbühl, Zeitschrift "Leo" vom Juni 2016, S. 5.</ref>
Überregionale Bedeutung
Thomas Niederbühls Wahl zeigte bald Wirkung über die Stadtgrenzen hinaus und international. Er wurde 1997 von den Berliner Schwulengruppen eingeladen, denn diese dachten „ernsthaft darüber nach, eine ROSA LISTE aus Protest gegen die geplanten Sparmaßnahmen von CDU und SPD zu gründen“,<ref>Zeitung rosa liste, Nr. 16 (Feb/März ’97), S. 5</ref> wozu es wegen der bald folgenden Bürgermeisterwahl von Klaus Wowereit als erstem offen schwulen Spitzenpolitiker und Chef einer neuen, queerfreundlichen Koalition nicht kam. Kölner Queers jedoch gründeten – die Rosa Liste als „vorbildliches Modell“<ref>„Schwul-lesbischer Aufschwung in München durch Rosa Liste“, in: Zeitung rosa liste, Nr. 26 (Aug/Sept ’99), S. 7</ref> im Blick – die Regenbogenliste für die Kommunalwahl 1999. Diese errang im Bezirk „Innenstadt“ mit seinem queeren Viertel einen Sitz, trat 2004 aber nicht mehr an.<ref>Schminke, Clemes: Die Wunschwelt eines Politikers, Kölner Stadtanzeiger, 18. September 2004</ref>
Politische Hochschulgruppen mit dem Namen „Rosa Liste“ und einer queeren und feministischen Programmatik kandidierten erfolgreich seit 2015 in Marburg<ref>Rosa Liste drittstärkste Kraft im Frankfurter Studierendenparlament. In: queer.de. 13. Juli 2022, abgerufen am 15. Juli 2022 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> und seit 2019 in Frankfurt.<ref>Student*innenparlament. In: AStA Marburg. Abgerufen am 15. Juli 2022.</ref>
2001 initiierte die Rosa Liste die Einladung von zwei internationalen, queeren Kongressen nach München, der International Gay and Lesbian Travel Association (IGLTA) (7.–10. Juni) und vom 14. bis 17. Juni des Weltkongresses der LGBT-Juden (WCGLBTJ, aktueller Name: Keshet Ga’avah).<ref>Our History, auf glbtjews.org</ref><ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Festschrift, Seite 24–27 ( des Vorlage:IconExternal vom 24. Dezember 2015 im Internet Archive) Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.</ref>
Organisation
Die Rosa Liste ist als eingetragener Verein organisiert. Der ehrenamtliche Vorstand besteht aus Andreas Klose, Wolfgang Scheel und Karin Willers.<ref>Vorstand. Rosa Liste München e. V., abgerufen am 8. Februar 2022 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
Nachdem sich die Geschäftsstelle fast zwei Jahrzehnte in der Klenzestraße 43 befand, ist sie nun unter der Lindwurmstraße 73 zu erreichen.
Wahlergebnisse und Mandatsträger (München)
Siehe auch: Ergebnisse der Kommunalwahlen in München
Stadtrat
Die Rosa Liste ist seit 1990 zu allen Stadtratswahlen in München angetreten und erreichte seit 1996 dabei stets genau einen Sitz.
| Kommunalwahl<ref name=":0">Kommunalwahl. Landeshauptstadt München, abgerufen am 8. Februar 2022.</ref> | Stimmenanteil | Sitzanzahl | Mandatsträger |
|---|---|---|---|
| 1990<ref>Hier sind die meisten der 28 Stadtrats-KandidatInnen der Rosa Liste aufgelistet: Südwind 1/90, S. 6f</ref> | 1,0 % | – | – |
| 1994<ref>Die 35 "KandidatInnen der ROSA LISTE zur Wahl '94" in: Zeitung rosa liste, Nr 3 (Juni '94), S. 2</ref> | 1,1 % | – | – |
| 1996 | 1,8 % | 1 | Thomas Niederbühl |
| 2002 | 2,0 % | 1 | |
| 2008 | 1,9 % | 1 | |
| 2014 | 1,9 % | 1 | |
| 2020 | 1,0 % | 1 | |
| 2026 | 1,0 % | 1 | Bernd Müller |
Bezirksausschüsse
Bei der Kommunalwahl 1990 erreichte die Rosa Liste in vier der alten Bezirksausschüsse je einen Abgeordneten: Isarvorstadt/Schlachthof-Viertel, Isarvorstadt/Glockenbachviertel, Haidhausen und Schwabing-Nord/Milbertshofen/Am Hart. Im September 1992 wurden die Bezirksausschüsse auf die noch heute bestehende Größe zugeschnitten und die Abgeordneten neu verteilt.
| Kommunalwahl<ref name=":0" /> | BA 1 | BA 2 | BA 3 | BA 5 |
|---|---|---|---|---|
| 1990 | 1 | 1 | 1 | 1 |
| 1994 | – | 1 | – | 1 |
| 1996 | – | 2 (7,5 %) | – | 1 (4,1 %) |
| 2002 | – | 3 (11,0 %) | – | – |
| 2008 | – | 3 (12,9 %) | – | – |
| 2014 | – | 3 (14,0 %) | – | – |
| 2020 | – | 2 (7,6 %) | – | – |
| 2026 | – | 1 (5,9 %) | – | – |
Außerdem stellte die Rosa Liste von 2002 mit Alexander Miklosy bis zu seinem Tod im Dezember 2018 und danach mit Andreas Klose bis 2020 den Bezirksausschussvorsitzenden im BA 2 Ludwigsvorstadt-Isarvorstadt.<ref>Die Mitglieder des BA 2 – Alexander Miklosy (Rosa Liste). Stadt München, abgerufen am 8. Februar 2022.</ref><ref>Eva von Steinburg: Andreas Klose: Alexander Miklosy war mein politischer Mentor. In: Abendzeitung. 27. Februar 2019, abgerufen am 8. Februar 2022.</ref>
Literatur, Quellen
- Südwind – die schwule Zeitschrift in München (6 Ausgaben pro Jahr), 1/90 – 5/93 (Nach Parteigründung berichtete Südwind in jeder Ausgabe ausführlich über die Rosa Liste<ref>"Der Südwind unterstützt die ROSA LISTE." (Editorial, in Südwind 1/90, S. 3)</ref>, ab 6/92 bis 5/93 mit einer eigenen „Seite der Rosa Liste“.)
- Zeitung rosa liste muenchen, Nr. 1 (April 1994) – Nr. 32 (Mai 2005)<ref>Südwind und Zeitung rosa liste muenchen können eingesehen werden im Forum Queeres Archiv München e. V.</ref>
- Film (DVD): Der Freiheit eine Gasse brechen. Münchens schwule Geschichte (hrsg. vom forum homosexualität und geschichte muenchen), 2005, Kapitel 9: Rosa Liste
- Festschrift 20 jahre rosa liste münchen. 1989–2009
- Wahlprogramm 1990, in: Südwind 1/90, S. 9–14
- Wahlprogramm 1996, in: Zeitung rosa liste muenchen (Sonderausgabe)
- Wahlprogramm 2002 Lesben und Schwule bewegen München
- Wahlprogramm 2008 Vielfalt bereichert die Stadt
- Wahlprogramm 2014 rosa liste Sichtbar, engagiert, authentisch
- Wahlprogramm 2020 – 2026
- Wahlprogramm 2026 – 2032
Weblinks
- rosaliste.de und auf Facebook – Rosa Liste München e. V.
Anmerkungen
<references />