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Romanèchit

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Romanèchit
Datei:Romanechite.jpg
Romanèchite, Fundort: Marquette County, Michigan/USA.
Allgemeines und Klassifikation
IMA-Nummer

1982 s.p.<ref name="IMA-Liste" />

IMA-Symbol

Rmn<ref name="Warr" />

Chemische Formel
  • (Ba,H2O)2(Mn+4,Mn+3)5O10<ref name="IMA-Liste" />
  • (Ba,H2O)2Mn5O10<ref name="StrunzNickel" />
Mineralklasse
(und ggf. Abteilung)
Oxide und Hydroxide
System-Nummer nach
Lapis-Systematik
(nach Strunz und Weiß)
Strunz (9. Aufl.)
Dana

IV/D.09-030<ref name="Lapis" />

4.DK.10
07.09.02.02
Kristallographische Daten
Kristallsystem monoklin
Kristallklasse; Symbol monoklin-prismatisch; 2/m
Raumgruppe C2/m (Nr. 12)Vorlage:Raumgruppe/12<ref name="StrunzNickel" />
Gitterparameter a = 13,93 Å; b = 2,85 Å; c = 9,68 Å
β = 92,4°<ref name="StrunzNickel" />
Formeleinheiten Z = 2<ref name="StrunzNickel" />
Physikalische Eigenschaften
Mohshärte 5 bis 6 (VHN100 = 514 bis 715)<ref name="Handbookofmineralogy" />
Dichte (g/cm3) gemessen: 4,70 bis 4,74; berechnet: [4,90]<ref name="Handbookofmineralogy" />
Spaltbarkeit fehlt<ref name="Lapis" />
Farbe stahlgrau, eisenschwarz<ref name="Handbookofmineralogy" />
Strichfarbe schwarz bis bräunlichschwarz<ref name="Handbookofmineralogy" />
Transparenz undurchsichtig (opak)<ref name="Handbookofmineralogy" />
Glanz halbmetallisch, matt<ref name="Handbookofmineralogy" />
Weitere Eigenschaften
Chemisches Verhalten löslich in HCl unter Chlorentwicklung

Romanèchit ist ein eher selten vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der „Oxide und Hydroxide“ mit der chemischen Zusammensetzung (Ba,H2O)2(Mn+4,Mn+3)5O10 und damit chemisch gesehen ein Barium-Mangan-Oxid. Das Barium in der Formel kann teilweise durch Wasser (H2O) und vierwertige Mangan teilweise durch dreiwertiges Mangan diadoch ersetzt sein.

Romanèchit kristallisiert im monoklinen Kristallsystem, ist in jeder Form undurchsichtig (opak) und entwickelt nur selten kleine, ausgeprägte Kristalle in Form von Nadeln. Meistens bildet er traubenförmige Aggregate von grauer bis anthrazitähnlicher oder schwarzer Farbe.

Das Mineral ist ein wichtiges Manganerz und bildet den Hauptbestandteil von Psilomelan, das heute nicht mehr als eigenständiges Mineral, sondern als eine Mischung verschiedener Manganoxide, wie Romanèchit, Hollandit und anderen, angesehen wird. Aus diesem Grund kann Romanèchit auch nicht als eine Varietät des Psilomelans angesehen werden, bzw. sollten die beiden Namen nicht synonym verwendet werden.

Seine Mohshärte beträgt 5 bis 6 und seine Dichte liegt im Bereich von 4,7 bis 4,9 g/cm3.

Etymologie und Geschichte

Datei:Museo de La Plata - Romanechita.jpg
Romanechite (Museo de La Plata)

Eine erste Analyse und Beschreibung des „schwarzen Barium-Manganoxids“ ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Vorlage:lang:103: attempt to index field 'wikibase' (a nil value)) aus Romanèche erfolgte durch Haidinger, die Edward Turner 1828 im Fachmagazin The Philosophical Magazine publizierte. Benannt wurde das Mineral durch Antoine Lacroix nach dessen Typlokalität.

Als Typlokalität für den Romanèchit gilt die Mangan-Lagerstätte nahe der Gemeinde Romanèche-Thorins im französischen Département Saône-et-Loire. Das Typmaterial von Romanèchit wird im Natural History Museum in London unter der Sammlungsnummer 69160 aufbewahrt.<ref name="Handbookofmineralogy" /> Dem Typmineral-Katalog der International Mineralogical Association (IMA) zufolge besteht auch die Möglichkeit, dass sich Typmaterial im Muséum national d’histoire naturelle (MHN) befindet. Allerdings findet sich in der dortigen Auflistung der Typusexemplare kein Hinweis darauf.<ref name="IMA-Typmaterialkatalog" />

Romanèchit war bereits lange vor der Gründung der International Mineralogical Association (IMA) bekannt und als eigenständige Mineralart anerkannt. Damit hätte Romanèchit theoretisch den Status eines grandfathered Mineral. Da das Mineral allerdings in verschiedenen Publikationen auch als Psilomelan angesprochen wurde, legte die Commission on new minerals and mineral names der IMA in der 1982 erfolgten Publikation der Zusammenfassung ihrer wichtigsten Entscheidungen fest, dass das spezifische Ba-Mn-Oxid als Romanèchit und nicht als Psilomelan bezeichnet werden soll.<ref name="IMA-1982" /> Da dies automatisch eine nachträgliche Ankerkennung für den Romanèchit bedeutete, wird das Mineral seitdem in der „Liste der Minerale und Mineralnamen“ der IMA unter der Summenanerkennung „IMA 1982 s.p.“ (special procedure) geführt.<ref name="IMA-Liste" /> Die seit 2021 ebenfalls von der IMA/CNMNC anerkannte Kurzbezeichnung (auch Mineral-Symbol) von MineralName lautet „Rmn“.<ref name="Warr" />

Klassifikation

In der veralteten 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz war der Romanèchit noch nicht aufgeführt. In der zugehörigen Publikation Mineralogische Tabellen (8. Auflage) von Karl Hugo Strunz und Christel Tennyson wird Romanèchit allerdings im Mineralregister erwähnt, wo er als Gemenge aus teils Psilomelan (C. Frondel & E. Wm. Heinrich 1942) und teils Kryptomelan (Gruner 1943) deklariert ist.<ref name="StrunzTennyson" />

In der zuletzt 2018 überarbeiteten Lapis-Systematik nach Stefan Weiß, die formal auf der alten Systematik von Karl Hugo Strunz in der 8. Auflage basiert, erhielt das Mineral die System- und Mineralnummer IV/D.09-030. Dies entspricht der Klasse der „Oxide und Hydroxide“ und dort der Abteilung „Oxide mit dem Stoffmengenverhältnis Metall : Sauerstoff = 1 : 2 (MO2 und verwandte Verbindungen)“, wo Romanèchit zusammen mit Todorokit und Woodruffit eine unbenannte Gruppe mit der Systemnummer IV/D.09 bildet.<ref name="Lapis" />

Die von der IMA zuletzt 2009 aktualisierte<ref name="IMA-Liste-2009" /> 9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Romanèchit in die Klasse der „Oxide (Hydroxide, V[5,6]-Vanadate, Arsenite, Antimonite, Bismutite, Sulfite, Selenite, Tellurite, Iodate)“ und dort in die Abteilung „Metall : Sauerstoff = 1 : 2 und vergleichbare“ ein. Hier ist das Mineral in der Unterabteilung „Mit großen (± mittelgroßen) Kationen; Tunnelstrukturen“ zu finden, wo es zusammen mit Kryptomelan, Strontiomelan und Todorokit die „Kryptomelangruppe“ mit der Systemnummer 4.DK.10 bildet.

In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen Systematik der Minerale nach Dana hat Romanèchit die System- und Mineralnummer 07.09.02.02. Das entspricht der Klasse der „Oxide und Hydroxide“ und dort der Abteilung und gleichnamigen Unterabteilung „Mehrfache Oxide“. Hier findet er sich in einer unbenannten Gruppe mit der Systemnummer 07.09.02, in der auch Psilomelan eingeordnet ist.

Kristallstruktur

Romanèchit kristallisiert monoklin in der Raumgruppe C2/m (Raumgruppen-Nr. 12)Vorlage:Raumgruppe/12 mit den Gitterparametern a = 13,93 Å; b = 2,85 Å; c = 9,68 Å und β = 92,4° sowie zwei Formeleinheiten pro Elementarzelle.<ref name="StrunzNickel" />

Das Manganoxid bildet im Romanèchit ein oktaedrisches Gerüst, wobei der durch das Mn(II) bedingte, negative Ladungsüberschuss nicht durch Mn(IV) kompensiert wird, sondern durch die Einlagerung von Kationen in die großen Tunnelstruktur. Die Struktur ähnelt dabei der von Zeolithen. Trotz der Ähnlichkeit der chemischen Zusammensetzung und der Kristallstruktur sind keine Mischkristalle zwischen Romanèchit, Hollandit, Coronadit, Todorokit und Woodruffit bekannt.

Eigenschaften

Das in der Tunnelstruktur des Romanèchit eingelagerte Wasser entweicht bei über 200 °C. In konzentrierter Salzsäure löst sich das Mineral auf, wobei sich Chlor entwickelt (vgl. die chemischen Reaktionen von Mangan(IV)-oxid).

Bildung und Fundorte

Romanèchit ist ein Verwitterungsprodukt von manganhaltigen Oxiden, Carbonaten oder Silikaten. Es kommt typischerweise vergesellschaftet mit Baryt, Braunit, Calcit, Chalkophanit, Goethit, Hausmannit, Pyrolusit und Quarz vor.<ref name="Handbookofmineralogy" />

Als relativ seltene Mineralbildung kann Romanèchit an verschiedenen Orten zum Teil zwar reichlich vorhanden sein, insgesamt ist er aber wenig verbreitet. Weltweit sind bisher etwas mehr als 300 Vorkommen für Romanèchit dokumentiert.<ref name="Mindat-Anzahl" /> Größere, historische Stufen sind vor allem aus Romanèche, Département Saône-et-Loire/Frankreich bekannt.

Weitere Fundorte sind unter anderem Elgersburg und Öhrenstock in Thüringen, ferner die Manganerzlagerstätten von Cia turi/Georgien und Nikopol/Ukraine sowie Lead Geo und die Horney-Inseln in Schottland.<ref name="Fundorte" />

Verwendung

Romanèchit ist ein wichtiges Manganerz und wird überwiegend für die Herstellung von Stahl verwendet.

Siehe auch

Literatur

  • F. Zambonini, V. Cagliotti: Nuove ricerche sulla composizione chimica della romanechite. In: Periodico di Mineralogia. 1931, S. 73–80.

Weblinks

  • Romanèchit. In: Mineralienatlas Lexikon. Geolitho Stiftung;
  • Romanèchite. In: mindat.org. Hudson Institute of Mineralogy, abgerufen am 25. Dezember 2025 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).
  • David Barthelmy: MineralNamee Mineral Data. In: webmineral.com. Abgerufen am 1. April 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).
  • IMA Database of Mineral Properties – Romanèchite. In: rruff.info. RRUFF Project; (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).
  • Romanèchite search results. In: rruff.net. Database of Raman spectroscopy, X-ray diffraction and chemistry of minerals (RRUFF); (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).
  • American-Mineralogist-Crystal-Structure-Database – Romanèchite. In: rruff.geo.arizona.edu. (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).

Einzelnachweise

<references> <ref name="Fundorte"> Fundortliste für Romanèchite beim Mineralienatlas (deutsch) und bei Mindat (englisch), abgerufen am 25. Dezember 2025. </ref> <ref name="Handbookofmineralogy"> </ref> <ref name="IMA-1982"> </ref> <ref name="IMA-Liste"> Vorlage:IMA-Liste </ref> <ref name="IMA-Liste-2009"> Ernest H. Nickel, Monte C. Nichols: IMA/CNMNC List of Minerals 2009. (PDF; 1,9 MB) In: cnmnc.units.it. IMA/CNMNC, Januar 2009, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 29. Juli 2024; abgerufen am 30. Juli 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="IMA-Typmaterialkatalog"> Catalogue of Type Mineral Specimens – R. (PDF 169 kB) Commission on Museums (IMA), 10. Februar 2021, abgerufen am 25. Dezember 2025. </ref> <ref name="Lapis"> </ref> <ref name="Mindat-Anzahl"> Localities for Romanèchite. In: mindat.org. Hudson Institute of Mineralogy, abgerufen am 25. Dezember 2025 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="StrunzNickel"> </ref> <ref name="StrunzTennyson"> Karl Hugo Strunz, Christel Tennyson: Mineralogische Tabellen. 8. Auflage. Akademische Verlagsgesellschaft Geest & Portig KG, Leipzig 1982, S. 570. </ref> <ref name="Warr"> </ref> </references>