Rolf Müller (Molekularbiologe)
Rolf Müller (* 13. August 1953) ist ein deutscher Molekularbiologe mit Forschungsschwerpunkten in der Tumorbiologie und translationalen Onkologie. Von 1987 bis 2019 war er Professor (W3) für Molekularbiologie an der Philipps-Universität Marburg. Anschließend hatte er an derselben Universität die Seniorprofessur für Translationale Onkologie der Anneliese-Pohl-Stiftung bis Ende 2025 inne.<ref>Profil Rolf Müller auf Researchgate. Abgerufen am 2. Februar 2026.</ref>
Leben und Wirken
Müllers wissenschaftliches Interesse galt von Beginn an der Erforschung onkogener intra- und interzellulärer Signalmechanismen.
Nach dem Biologiestudium an der Ruhr-Universität Bochum (Diplom 1972) promovierte Müller 1979 an der Universität Essen bei Manfred Rajewsky im Forschungsbereich der Reparatur alkyl-modifizierter DNA (PMID 6850601). Von 1981 bis 1983 war er Postdoktorand am Salk Institute for Biological Studies in La Jolla (USA) in der Arbeitsgruppe von Inder Verma. Dort gelang ihm eine wegweisende Entdeckung mit dem Nachweis der Expression von Proto-Onkogenen in spezifischen Geweben während der Pränatalentwicklung der Maus, unter anderem Fos, Fms, Kras und Abl (PMID 6877368, PMID 6308423, PMID 6641714).
Im Anschluss daran übernahm er eine Gruppenleiterposition am Europäischen Laboratorium für Molekularbiologie (EMBL) in Heidelberg. Dort konnte er zeigen, dass Fos mit spezifischen Differenzierungsprozessen funktionell assoziiert ist (PMID 6541297, PMID 6479151, PMID 3887183), im Rahmen einer Sofortantwort auf Wachstumsfaktoren induziert wird (PMID 6334806) sowie durch Heterodimerisierung mit Jun den Transkriptionsfaktor AP-1 bildet (PMID 2506451, PMID 2494459, PMID 2492453), um so als Master-Regulator der zellulären Antwort auf externe Stimuli zu agieren.
Im Jahr 1987 habilitierte er sich im Fach Molekular- und Zellbiologie und folgte im selben Jahr einem Ruf auf eine Professur für Tumorforschung an der Universität Marburg. Dort erweiterte er seine Forschung im Bereich der intrazellulären Signalregulation auf den Zellzyklusregulator Cyclin D1, die zellzyklusphasen-spezifische Genregulation und den ligandenregulierten Transkriptionsfaktor PPARβ/δ. Dabei konnte er unter anderem zeigen, dass Cyclin D1 – im Gegensatz zu klassischen Cyclinen – nicht zellzyklusphasenspezifisch reguliert wird, sondern durch Mitogene beim Übergang von G0 nach G1 induziert wird (PMID 8389378), und entdeckte einen neuen Mechanismus der Genregulation in der G2-Phase des Zellzyklus (PMID 7828585, PMID 8599118). Darüber hinaus wies seine Arbeitsgruppe das onkogene Potenzial von PPARβ/δ in vivo nach (PMID 17641685, PMID 23208498), entwickelte im Rahmen eines Kooperationsprojekts hocheffiziente, bioverfügbare Antagonisten gegen PPARβ/δ (PMID 22369181) und deckte eine neue Rolle von PPARβ/δ in Makrophagen auf (PMID 25934804, PMID 25398837).
In den letzten Jahren lag ein besonderer Schwerpunkt auf translationalen Forschungsarbeiten zum humanen Ovarialkarzinom in enger Zusammenarbeit mit der Klinik für Gynäkologie am Universitätsklinikum Marburg. Im Fokus standen dabei die Rolle tumorassoziierter Makrophagen (PMID 23784932) sowie die Aufklärung des interzellulären Signalnetzwerks in der Tumormikroumgebung. Von besonderem Interesse war hier die Identifizierung überlebensassoziierter Protein- und Lipidmediatoren, darunter mehrere Zytokine (PMID 27215396, PMID 31588238, PMID 34841720), das Adhäsionsmolekül BCAM (PMID 36647260), der Lipidmediator Lysophosphatidsäure (LPA) (PMID 37064875) sowie die ungesättigte Fettsäure Arachidonsäure (PMID 33391540).
Neben seiner Forschung lehrte Müller in den Studiengängen Medizin und Humanbiologie und war in verschiedenen wissenschaftsorganisatorischen Funktionen aktiv. Seit 2013 leitete er das Zentrum für Tumor- und Immunbiologie (ZTI) in Marburg, an dessen Einrichtung er maßgeblich beteiligt war. Von 2010 bis 2022 war er zudem Forschungsdekan des Fachbereichs Medizin und von 2000 bis 2019 Direktor des Instituts für Molekularbiologie und Tumorforschung (IMT).
Er war an mehreren Sonderforschungsbereichen (SFB) der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) beteiligt, unter anderem als Sprecher des SFB 215 („Tumor und Endokrinium“), des SFB 397 („Multifaktorielle Nucleoprotein-Komplexe“), der DFG-Forschergruppe „Transkriptionskontrolle der Zelldifferenzierung“ sowie des DFG-Schwerpunkts „Zellzykluskontrolle“. Von 2008 bis 2012 koordinierte er den LOEWE-Schwerpunkt „Tumor und Entzündung“.
Müller ist Autor und Koautor von über 250 wissenschaftlichen Publikationen. Für seine Arbeiten zur Regulation der Genexpression durch onkogene Signalwege und zur Zellzyklusregulation wurde er unter anderem mit dem Robert-Koch-Förderpreis (1987), dem Gottfried-Wilhelm-Leibniz-Preis der DFG (1991) sowie dem Deutschen Krebspreis (2000) ausgezeichnet. Im Jahr 1990 wurde er zum Mitglied der European Molecular Biology Organization (EMBO) gewählt.
Schriften
- Immunologische Quantifizierung von O6-Aethylguanin [O-Aethylguanin] in DNS nach Alkylierung durch das Cancerogen N-Aethyl-N-Nitrosoharnstoff in vivo und in vitro. Gesamthochschule Essen, 1979 (Dissertation).
- Funktion und Regulation des Proto-Onkogens c-Fos. Universität Essen, 1987 (Habilitationsschrift).
Weblinks
Einzelnachweise
<references />
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Müller, Rolf |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Molekularbiologe |
| GEBURTSDATUM | 13. August 1953 |