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Rolf Becker (Schauspieler)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Datei:Rolf Becker - Elmshorn 2016 04.jpg
Rolf Becker (2016)

Rolf Becker (* 31. März 1935 in Leipzig; † 12. Dezember 2025 in Hamburg) war ein deutscher Schauspieler, Synchron- und Hörspielsprecher. Er begann seine Karriere an den Münchner Kammerspielen und wirkte ab 1961 in über 200 Film- und Fernsehproduktionen mit. Eine seiner bekanntesten Rollen war jene des Otto Stein in der Fernsehserie In aller Freundschaft, die er von 2006 bis zu seinem Tod spielte.

Leben und Karriere

Herkunft und Ausbildung

Becker war der Sohn eines Wehrmachts-Offiziers. Er wuchs bei seinen Großeltern in Osterstedt in Schleswig-Holstein auf. 1943 wurde sein Vater als Soldat im Krieg getötet. Ab 1945 besuchte er das Alte Gymnasium in Bremen. Nach seinem Abitur nahm Becker von 1956 bis 1958 Schauspielunterricht an der Otto-Falckenberg-Schule in München. Das notwendige Geld verdiente er sich als Bühnentechniker.<ref>Rolf Becker im Munzinger-Archiv, abgerufen am 15. März 2022 (Artikelanfang frei abrufbar)</ref>

Theater

1957 gab Rolf Becker sein Bühnendebüt an den Münchner Kammerspielen in dem Schauspiel Die Affäre Dreyfus von Hans José Rehfisch und Wilhelm Herzog. Ab 1958 war er am Staatstheater Darmstadt und ab 1962 am Stadttheater Ulm tätig. 1963 wechselte er an das Theater Bremen, wo er auch inszenierte und ab 1965 Oberspielleiter der Oper war. 1969 wurde er fristlos entlassen und arbeitete danach als freier Schauspieler.<ref>Film- und Fernsehmuseum Hamburg: Personen: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Rolf Becker (Memento vom 26. September 2007 im Internet Archive)</ref> Ab 1971 war Becker in Hamburg am Deutschen Schauspielhaus engagiert.

Film und Fernsehen

Ab Anfang der 1960er-Jahre wurde Becker durch Rollen in Theater- und Literaturverfilmungen des deutschen Fernsehens bekannt. Er spielte u. a. 1962 in der Neuverfilmung der Affäre Blum von Robert Adolf Stemmle, verkörperte 1966 den Pilot Officer in Bratkartoffeln inbegriffen nach Arnold Wesker, 1969 den Sohn Johannes in der Heinrich-Böll-Satire Nicht nur zur Weihnachtszeit, 1972 den Preußenkönig Friedrich den Großen in dem Sechsteiler Die merkwürdige Lebensgeschichte des Friedrich Freiherrn von der Trenck und 1975 die Rolle des Carlos Henke in Erziehung durch Dienstmädchen nach Robert Wolfgang Schnell.<ref>Rolf Becker. In: filmportal.de. Abgerufen am 22. August 2024.</ref>

Unter der Regie von Franz Peter Wirth verkörperte er 1978 den Octavio Piccolomini in der vierteiligen Wallenstein-Verfilmung nach Golo Mann und 1982 Wilhelm von Oranien in der Fernsehfassung des Egmont. Außerdem trat er unter dessen Regie als Bernd von Vitzewitz im Sechsteiler Vor dem Sturm nach Theodor Fontane und als Herzog Alba in Friedrich Schillers Don Carlos auf.<ref>Rolf Becker. Deutsches Filmhaus, 13. Dezember 2025, abgerufen am 12. Dezember 2025.</ref>

Zu Beckers Auftritten in Kinoproduktionen des Neuen Deutschen Films zählen Rollen in Cardillac (1969) von Edgar Reitz, Ich bin ein Elefant, Madame (1969) von Peter Zadek und Ich liebe Dich, ich töte Dich (1971) von Uwe Brandner. 1975 spielte er unter der Regie von Volker Schlöndorff den Staatsanwalt Peter Hach in der Böll-Verfilmung Die verlorene Ehre der Katharina Blum. 1999 trat er in der deutsch-ungarischen Koproduktion Ein Lied von Liebe und Tod – Gloomy Sunday von Rolf Schübel auf. Becker stellte darin den alten deutschen Geschäftsmann Hans Wieck dar, der in Budapest nach seiner Jugendliebe forscht. Sein jugendliches Pendant, ein SS-Offizier in Budapest, wurde von seinem Sohn Ben Becker verkörpert.

2001 spielte er in Klaus Gietingers satirischem Roadmovie Heinrich der Säger den kauzigen Bahnhofsvorsteher Kurt Grantke. Seine Filmtochter Teresa wurde von Beckers Tochter Meret dargestellt. 2017 war er als Sepp in Laura Lackmanns Filmkomödie Zwei im falschen Film letztmals auf der Kinoleinwand zu sehen.

Im Fernsehen spielte Becker zusammen mit Hannelore Elsner in den Filmen Tam Tam oder Wohin die Reise geht (1989) und in Der Zauberkasten (1990). Anfang der 2000er-Jahre wirkte er in den melodramatischen Spielfilmen der ZDF-Herzkino-Reihen Rosamunde Pilcher und Inga Lindström, aber auch in zahlreichen Fernsehfilmen wie in Matti Geschonnecks Romanverfilmung Die Nachrichten (2005), im Liebesdrama Mutterglück (2006) von Christian Görlitz, und in Eine Robbe zum Verlieben (2006) von Christine Kabisch sowie deren Fortsetzung Eine Robbe und das große Glück (2007), die unter der Regie von Imogen Kimmel entstand.

Hinzu kamen zahlreiche Gastauftritte in verschiedenen Fernsehserien und -reihen wie Derrick, Der Alte, Tatort, Ein Fall für zwei, Die Männer vom K3, Hecht & Haie, Der Mond scheint auch für Untermieter, Der Bulle von Tölz, Charlotte Link, Küstenwache und Großstadtrevier.<ref>Filmografie Rolf Becker. imfernsehen GmbH & Co KG, 29. Januar 2023, abgerufen am 22. August 2024.</ref>

Becker übernahm überdies auch durchgehende Serienrollen, wie beispielsweise als Herbert Moll in der Arztserie Freunde fürs Leben (1992–1993), neben Richy Müller und Ursula Karusseit als loyaler Lokalbetreiber Ecki in der Krimiserie Die Stadtindianer und an der Seite von Hans Teuscher als Peter Stavenhagen in der Familienserie Der Nelkenkönig (1994).

Ab März 2006 (Folge 300) übernahm Rolf Becker die Figur des Otto Stein, des ehemaligen Cafeteria-Mitarbeiters der Sachsenklinik und Vaters von Dr. Martin Stein (Bernhard Bettermann), in der ARD-Krankenhausserie In aller Freundschaft,<ref>Rolf Becker. In: Das Erste. mdr.de, abgerufen am 22. August 2024.</ref><ref>Otto Stein. In: In aller Freudschaft Wiki. Abgerufen am 22. August 2024.</ref> wo er bereits im Oktober 1998 (Folge 1) als Arno Maybach<ref>In aller Freundschaft Staffel 1, Folge 1: In Leipzig. In: fernsehserien.de. Abgerufen am 15. Dezember 2025.</ref> und im Dezember 2005 (Folge 290) als Viktor Hauer<ref>In aller Freundschaft Staffel 8, Folge 41: Hochzeitsglocken. In: fernsehserien.de. 13. August 2025, abgerufen am 15. Dezember 2025.</ref> in einer Gastrolle zu sehen gewesen war. Im September 2022 spielte er dort in der 987. Folge mit dem Titel Ein guter Mensch erstmals neben seinem leiblichen Sohn Ben Becker.<ref>In aller Freundschaft Dreharbeiten: Das erste Mal zusammen vor der Kamera: Rolf und Ben Becker. In: mdr.de. 19. September 2022, abgerufen am 19. September 2022.</ref><ref>In aller Freundschaft Staffel 25, Folge 24: Ein guter Mensch. In: fernsehserien.de. 5. Dezember 2025, abgerufen am 15. Dezember 2025.</ref> Seinen letzten Auftritt in der Serie hatte Becker in der am 9. Dezember 2025 ausgestrahlten 1117. Folge, in der Otto Stein sein langjähriges Einfamilienhaus verkauft und in eine Seniorenresidenz zieht. Die Folge in der sein Serientod thematisiert wird, soll im Herbst 2026 ausgestrahlt werden.<ref>„In aller Freundschaft“-Urgestein starb vor Monaten: Warum Serienabschied noch auf sich warten lässt. 12. April 2026, abgerufen am 12. April 2026.</ref><ref>Nach Rolf Beckers Tod: Seine "In aller Freundschaft"-Figur Otto Stein soll 2026 verabschiedet werden. 9. April 2026, abgerufen am 12. April 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>

Sprechtätigkeiten

Becker betätigte sich neben seiner Arbeit auf der Bühne und vor der Kamera als Synchronsprecher, u. a. lieh er seine Stimme Ben Cross 1985 in Palast der Winde, Jeremy Irons 1994 in Geschichten aus Hollywood, Jacques Perrin 1986 in Der Panther, sowie 1999 dem Titelhelden des deutsch-französisch-kanadischen Zeichentrickfilms Babar – Der König der Elefanten.<ref>Rolf Becker. In: Deutsche Synchronkartei. Abgerufen am 22. August 2024.</ref> Außerdem sprach Becker für Werbespots und wurde als Sprecher von Fernsehdokumentationsfilmen (u. a. Schnee von gestern) und Kindersendungen beschäftigt. 2003 sprach er den Kommentartext zu dem Luxemburger Schauspielerporträt René Deltgen – Der sanfte Rebell. Ab 2005 arbeitete er zudem mit dem Silberfuchs-Verlag zusammen und war dort Stammsprecher der Hörbuch-Reihe Länder hören – Kulturen entdecken, die er auch live als Lesungen mit Musikbegleitung aufführte. Im Reformationsjahr 2017 hielt er zusammen mit dem Schlagzeuger Stefan Weinzierl Konzert-Lesungen aus dem Hörbuch Martin Luther – Freiheit, Gnade, Mensch.<ref>Stefan Weinzierl – Termine. In: stefanweinzierl.de. 13. August 2017, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 2. Februar 2017; abgerufen am 13. Dezember 2025.</ref>

Politisches Engagement

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Rolf Becker (2012)

Privates und Tod

Rolf Becker war mit der Schauspielerin Monika Hansen (1942–2025) verheiratet. 1971 ließ sich das Ehepaar scheiden. Der Ehe entstammen Ben Becker (* 1964) und Meret Becker (* 1969), die nach der Scheidung von ihrem Stiefvater Otto Sander (1941–2013) großgezogen wurden und ebenfalls Schauspieler sind. Ab 1980 war er mit der Schauspielerin und Schauspiel-Dozentin Sylvia Wempner (* 1954) verheiratet. Mit ihr hatte er zwei Kinder. 2004 nahm das Paar mit Anton Wempner ein Adoptivkind an, das 2012 die Titelrolle in dem Film Zappelphilipp spielte.<ref>Die Einmischerin. In: Hamburger Abendblatt. 1. März 2014, abgerufen am 1. März 2014.</ref><ref>Rolf Becker: ARD-Star aus „In aller Freundschaft“ mit 90 Jahren gestorben. In: faz.net. 12. Dezember 2025, abgerufen am 12. Dezember 2025.</ref> Das Ehepaar Becker/Wempner war in umwelt- und friedenspolitischen Fragen aktiv. Ab 1971 lebte er in Hamburg und später in Schneverdingen-Wintermoor.

Rolf Becker starb am 12. Dezember 2025 im Alter von 90 Jahren in einem Hospiz in Hamburg.<ref name=":0">Schauspieler Rolf Becker ist tot. In: Der Spiegel. 12. Dezember 2025, ISSN 2195-1349 (spiegel.de [abgerufen am 12. Dezember 2025]).</ref> Am 7. Januar 2026 fand zu seinen Ehren eine Trauerfeier in der Heiligen-Dreieinigkeits-Kirche in Hamburg-St. Georg statt, bei der unter anderem sein Sohn Ben Becker, Schauspielkollege Bernhard Bettermann und Bischöfin Kirsten Fehrs Trauerreden hielten. Seine Urne wurde auf dem Geschwister-Scholl-Feld auf dem Friedhof Ohlsdorf beigesetzt.<ref>Bewegende Trauerfeier für Schauspieler Rolf Becker. In: welt.de. 7. Januar 2026, abgerufen am 7. Januar 2026.</ref>

Filmografie

Spielfilme

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Fernsehserien und -reihen

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Hörspiele und Hörbücher

Lesungen

Publikationen

  • Dichter unbekannt Heinrich-Heine-Textfolge von Rolf Becker und Claus Bremer. Eigenverlag, Hamburg 1973.
  • Immer noch Kommunist? Erinnerungen von Paul Elflein. Herausgegeben von Rolf Becker und Claus Bremer. Hamburg 1978, ISBN 3-87975-157-9.
  • 28 Jahre in der Todeszelle. Artikel über Mumia Abu-Jamal.
  • Ich bin so knallvergnügt erwacht – Ein Ringelnatz–Hörvergnügen, mit Frank Fröhlich, Goldmund Hörbücher, Dresden 2019, ISBN 978-3-939669-31-9.

Literatur

Weblinks

Commons: Rolf Becker – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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