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Roesesches Hölzchen

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Datei:Eisenach von Wartburg 2.jpg
Blick von der Wartburg über das Roesesche Hölzchen
Datei:ESA Map Roese.png
Übersichtsplan
Datei:ESA MOENCH NONNE.jpg
Mönch und Nonne
Datei:Johann Wolfgang Goethe, Wartburg mit Mönch und Nonne, 14.12.1807.jpg
Goethes skizzierten Eindrücke mit Mönch und Nonne
Datei:ESA DKM ROESE.jpg
Der Roesestein am Zugang zum Metilstein.
Datei:ESA PARK ROESE 1.jpg
In den Fels eingetiefter Sitzplatz am Panoramaweg
Datei:ESA PARK ROESE 2.jpg
Am Metilstein – war das die Sonnenuhr oder der Sockel einer Statue?
Datei:ESA PARK ROESE 3.jpg
Der nackte Fels lässt erahnen, wie schwierig die Wiederaufforstung des Gebietes war.

Das Roesesche Hölzchen ist ein bereits vor 1800 angelegter Waldpark in Eisenach, im nördlichen Vorgelände der Wartburg.

Lage

Zwischen der westlichen Altstadt und der Wartburg erheben sich der Metilstein und der Schindersberg, zwei bewaldete Anhöhen mit reizvollen Ausblicken auf das Eisenacher Stadtgebiet. Das Roesesche Hölzchen erstreckt sich in diesem bergigen Gelände vom Südrand des Alten Friedhof bis an den Zeisiggrund (siehe Karte). Es ermöglicht einen mäßig steilen, schattigen Aufstieg zur Wartburg mit einem Besuch der Burgruine Metilstein zu verbinden.

Geschichte

Ende 1787 hatte der Eisenacher Kaufmann Christian Friedrich Roese durch Erbschaft einen ausgedehnten Bezirk in der Eisenacher Wildbann erhalten, der sich unmittelbar südlich an den Alten Friedhof anschloss und durch weitere Zukäufe und Widmungen schließlich bis an die Gemarkungsgrenze der Wartburg heranreichte. Der ursprüngliche Roesesche Berggarten erweiterte sich im 19. Jahrhundert bis an den Schloßberg, den Zeisiggrund und den Siechenberg im Frankfurter Thale (Georgental) und fasste den Metilstein und Leeden in sich.<ref name="AR1">August Roese Das Roesesche Hölzchen. In: Beiträge zur Geschichte Eisenachs. Heft VIII. Eisenach 1898. 19 S.</ref>

In mühevoller und langjähriger Aufbauarbeit ließ Roese ab 1792 an den Berghängen des Metilstein Terrassen anlegen, Mutterboden auf den Felsen tragen und experimentierte mit der Pflanzung von unterschiedlichsten Baumarten und exotischen Gewächsen.<ref name="AR2">August Roese Das Roesesche Hölzchen. In: Beiträge zur Geschichte Eisenachs. Heft VIII. Eisenach 1898. 19 S.</ref> Für die Erschließung des Berges ließ er auf eigene Kosten Promenadewege anlegen und erbaute auf dem Gipfel einen hölzernen Aussichtsturm. Auf diese Weise gelang es ihm auch die Aufmerksamkeit Goethes zu erlangen, der in seinem Tagebuch vermerkte:

Am 22. August 1801 gelangten wir nach Eisenach, begrüßten die Wartburg und den Mädelstein, wo sich manche Erinnerung von 20 Jahren her belebte. Die Anlagen des Kaufmannes Roese waren zu einer neuartigen , unerwarteten Gegenstand indessen herangewachsen.

– <templatestyles src="Person/styles.css" />Goethe, Tagebuch<ref name="Mählr">Bernd Mähler, Heinrich Weigel Gärten und Parke in Eisenach. In: Eisenacher Schriften zur Heimatkunde, Heft 33. Eisenach 1985, S. 32.</ref>

Auch andere hochgestellte Persönlichkeiten weilten hier, wie ein im Thüringer Museum aufbewahrtes Gästebuch belegt.<ref name="ESA">Bergmann, Gerd: Das Roesesche Hölzchen. In: MFB Verlagsgesellschaft mbH Eisenach (Hrsg.): StadtZeit. Stadtjournal mit Informationen aus dem Wartburgkreis. Juniheft. Druck- und Verlagshaus Frisch, Eisenach 1998, S. 36–38.</ref> Am 8. Februar 1806 verstarb Christian Friedrich Roese. Seine Erben, zu denen auch der spätere Eisenacher Oberbürgermeister August Roese gehörte, setzten sein Werk fort. Die inzwischen zu einem Gehölz herangewachsene Pflanzung im südlichen Teil des Grundstücks wurde 1830 mit der Gründung der Eisenacher Forstlehranstalt Gottlob König zum vielbesuchten Lehrbeispiel für den Waldanbau; König nutzte das Roesesche Hölzchen als eine Art Versuchsstation im Kleinen, auch ließ er weitere Saat- und Pflanzmethoden erproben.<ref name="ESA" /> Der nördliche und westliche Teil des Grundstücks, in dem sich markante Felspartien befinden, wurde mit Fleiß verschönt. Es wurden Statuen erworben und aufgestellt, eine künstliche Grotte geschaffen, die Ruine des Metilstein untersucht und eine Kunstruine errichtet, Inschriftentafeln an den Felsen angebracht, eine Sonnenuhr aufgestellt und ein Tempelchen als Teehäuschen erbaut. Um 1840 war das Roesesche Hölzchen eine der beliebtesten Spazierwege in der Umgebung der Stadt und wurde beim Aufstieg zur Wartburg bevorzugt.<ref name="AR">August Roese Das Roesesche Hölzchen. In: Beiträge zur Geschichte Eisenachs. Heft VIII. Eisenach 1898. 19 S.</ref>

Der Niedergang erfolgte rasch und unerwartet. In den unruhigen Zeiten, die mit der Revolution von 1848 auch in Eisenach hereinbrach, wurde der offene Park zum beliebten Treffpunkt der aufrührerischen Jugend; durch Vandalismus und Mutwillen wurden die Statuen zerstört, die Anlagen beschädigt und verschmutzt; alle Versuche, durch Einzäunung und eine Parkaufsicht den Fortbestand der Anlage zu sichern misslangen. Hinzu kamen die Zerstörungen, welche die Naturgewalten hinterließen, so die Herbststürme in den Jahren 1868 und 1876. Diesen Kräften waren die zahlreichen exotischen Bäume in der exponierten Lage meist schutzlos ausgeliefert und wurden vernichtet.<ref name="AR" /> 1945 ging auch das Tempelchen verloren, ein geplanter Wiederaufbau fand bisher nicht statt.<ref name="Baedecker">Heinrich Weigel In alten Baedeckern geblättert In: Heimatblätter – EP-Report 4, Marburg 1994, S. 61.</ref>

Es fehlte nicht an Versuchen, das stadtnahe Gelände sinnvoll zu nutzen und als Park wiederzubeleben: am 20. Juli 1902 wurde hier das vielbesuchte Eisenacher Licht-, Luft- und Sonnenbad eröffnet. Es war ein eingezäuntes Freigelände und ermöglichte den Besuchern abgeschirmt vor neugierigen Blicken der Öffentlichkeit die Freikörperkultur zu betreiben. In der Nachbarschaft entstand 1954 ein Ferienlager und das bis 1989 im Bau befindliche Ferienheim der Fahrzeugelektriker – heute eine Ruine. 1912 wurde zwischen dem Denkmal Roesestein und der Gaststätte Hennesburg eine bei der Jugend beliebte Rodelbahn erschaffen.<ref name="Mähler">Bernd Mähler, Heinrich Weigel Gärten und Parke in Eisenach. In: Eisenacher Schriften zur Heimatkunde, Heft 33. Eisenach 1985, S. 33.</ref> Der Bereich der Lehr- und Versuchspflanzung wurde in den 1940er Jahren eingezäunt und als Vogelschutzgehölz unter Naturschutz gestellt, das Gebiet war bis 1990 nicht zugänglich und verwilderte.

Gegenwärtiger Zustand

Von der einstigen Parkanlage ist das Wegenetz noch größtenteils erhalten und begehbar, das Waldgelände ist ein beliebter Aufenthalt und Erholungsgebiet am Stadtrand. Die auf dem Metilstein befindliche Burgruine Metilstein ist als Bodendenkmal ausgewiesen. Das Areal des Roeseschen Hölzchens fällt unter die Gestaltungssatzung Blaue Linie und ist somit vor einer Bebauung geschützt.<ref name="ESA" />

Literatur

  • Bernd Mähler, Heinrich Weigel Gärten und Parke in Eisenach. In: Eisenacher Schriften zur Heimatkunde, Heft 33. Eisenach 1985, S. 31–34.
  • August Roese Das Roesesche Hölzchen. In: Beiträge zur Geschichte Eisenachs. Heft VIII. Eisenach 1898. 19 S.

Einzelnachweise

<references />

Koordinaten: 50° 58′ 19″ N, 10° 18′ 29″ O

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