Richard Roesicke
Richard Roesicke (* 24. Juli 1845 in Berlin; † 21. Juli 1903) war ein deutscher Unternehmer und Politiker.
Familie
Richard Adolph Maximilian Karl Roesicke war der älteste Sohn des Textilkaufmanns Friedrich Julius Adolf Roesicke (1817–1886), Mitinhaber des bekannten Berliner Leinengeschäfts Goschenhofer & Roesicke, und Pauline Goschenhofer. Einer seiner Brüder war der Reichstagsabgeordnete Gustav Roesicke (1856–1924). Sein Sohn war der Chemiker Adolf Roesicke.
Leben
Roesicke besuchte von 1856 bis 1861 das Französische Gymnasium in Berlin und absolvierte danach eine kaufmännische Lehre als Tuchhändler in Frankfurt am Main, die er 1864 abschloss. Noch im gleichen Jahr erwarb sein Vater die Berliner Schultheiss-Brauerei für 210 000 Taler, übertrug seinem Sohn einen Teil der Anteile und ernannte ihn zum kaufmännischen Leiter des noch handwerksmäßig produzierenden Betriebes. 1867 wurde Roesicke Mitinhaber des Unternehmens und begann damit, dieses zu einem industriellen Großbetrieb auszubauen. Er verlegte die Produktion an den Standort der Lagerkeller in der Schönhauser Allee 39, wo er 1868 mehrere angrenzende Grundstücke erwarb. In den Folgejahren entstand dort ein moderner Produktionskomplex mit neuer Technik (Dampfbetrieb, Kälteanlage), der von 1887 bis 1907 durch den Architekten Franz Schwechten komplett umgestaltet und um einen Ausschank erweitert wurde. Das Gelände steht heute unter Denkmalschutz und wird als Kulturbrauerei vielfältig kulturell genutzt.
1871 wandelte Roesicke die Schultheiss-Brauerei in eine Aktiengesellschaft mit einem Stammkapital von 900.000 Mark um und brachte sie an die Börse. Noch im gleichen Jahr wurde das Stammkapital, den Gründerboom nutzend, auf 1.500.000 Mark erhöht. Roesicke erweiterte mit dem eingeworbenen Geld den Produktionsbetrieb in der Schönhauser Allee und erwarb weitere Brauereien, 1891 die Berliner Braugesellschaft Tivoli in Kreuzberg) (Abteilung II) und 1896 die Brauerei „Zum Waldschlösschen“ in Dessau (Abteilung III). In Dessau entstand in den Folgejahren ein weiterer großer Produktionskomplex der Schultheiss-Brauerei. Damit war die Schultheiss-Brauerei zur größten Brauerei Deutschlands aufgestiegen und hielt diese Stellung bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs. 1883 gehörte Roesicke zu den maßgeblichen Initiatoren bei der Gründung der Versuchs- und Lehranstalt für Brauerei.
1893/94 ließ Roesicke sich in Potsdam einen repräsentativen Landsitz in einem 4,5 Hektar großen Parkgelände errichten. Architekt der heute unter Denkmalschutz stehenden Villa Luisenhof in der Templiner Straße 21, benannt nach Roesickes Ehefrau, war ebenfalls Franz Schwechten.
Roesicke kümmerte sich auch um soziale Belange der Mitarbeiter, unter anderem durch eine betriebliche Unfallversicherung. Von 1890 bis 1898 war er Vorsitzender des Verbandes der Berufsgenossenschaften.<ref>Vgl. Quellensammlung zur Geschichte der deutschen Sozialpolitik 1867 bis 1914, III. Abteilung: Ausbau und Differenzierung der Sozialpolitik seit Beginn des Neuen Kurses (1890–1904), 2. Band, Die Revision der Unfallversicherungsgesetze und die Praxis der Unfallversicherung, bearbeitet von Wolfgang Ayaß, Darmstadt 2009, S. 1, 4–7, 50, 58, 60, 69–71, 76, 85, 87, 137, 139 f., 173, 176, 195 f., 200, 210, 212, 223, 259 f., 265, 287, 333, 350, 372, 383–388, 390, 400, 402 f., 415–418, 493, 507–510, 512 f., 515–520, 527–529, 539.</ref> Von 1886 bis 1893 war er stellvertretendes nichtständiges Mitglied des Reichsversicherungsamts.
Roesicke starb am 21. Juli 1903 mit knapp 58 Jahren an den Folgen einer schweren Operation. Seine letzte Ruhe fand er in einem von Franz Schwechten 1886 entworfenen Mausoleum auf dem St.-Petri-Luisenstadt-Friedhof in Berlin-Friedrichshain.
Abgeordneter
Von 1890 bis 1903 war Roesicke Abgeordneter im Deutschen Reichstag für den Reichstagswahlkreis Herzogtum Anhalt 1 (Dessau, Zerbst), den er vier Mal hintereinander (1890,<ref>Vgl. seine Wahlrede vor Arbeitern in Dessau. In: Quellensammlung zur Geschichte der deutschen Sozialpolitik 1867 bis 1914, III. Abteilung: Ausbau und Differenzierung der Sozialpolitik seit Beginn des Neuen Kurses (1890–1904), 1. Band, Grundfragen der Sozialpolitik, bearbeitet von Wolfgang Ayaß, Darmstadt 2016, Nr. 27.</ref> 1893, 1898 und 1903) gewann. Roesicke war zunächst fraktionslos, schloss sich aber um die Jahrhundertwende der Freisinnigen Vereinigung an. Seinen Sitz im 11. Reichstag konnte Roesicke nicht mehr einnehmen, da er wenige Wochen nach seiner Wahl am 21. Juli 1903, drei Tage vor seinem 58. Geburtstag, verstarb. Bei der Nachwahl gewann sein Parteikollege Karl Schrader das Mandat.<ref>Zu den einzelnen Wahlen siehe Carl-Wilhelm Reibel: Handbuch der Reichstagswahlen 1890–1918. Bündnisse, Ergebnisse, Kandidaten. 2. Halbband. Droste, Düsseldorf 2007, S. 1446–1451.</ref>
Literatur
- Anton Bettelheim (Hrsg.): Biographisches Jahrbuch und deutscher Nekrolog. Band 8: 1903. Reimer, Berlin 1905
- Friedrich Hayduck: Richard Roesicke. Ein großer Sozialpolitiker. In: Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte des Brauwesens; Berlin 1952, S. 7–24
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- Eckhard Hansen, Florian Tennstedt (Hrsg.) u. a.: Biographisches Lexikon zur Geschichte der deutschen Sozialpolitik 1871 bis 1945. Band 1: Sozialpolitiker im Deutschen Kaiserreich 1871 bis 1918. Kassel University Press, Kassel 2010, ISBN 978-3-86219-038-6, S. 130 f.; uni-kassel.de (PDF; 2,2 MB).
- Walther Killy, Rudolf Vierhaus (Hrsg.): Deutsche Biographische Enzyklopädie. Band 8. Saur, München u. a. 1998
- Hermann Pachnicke: Führende Männer im alten und im neuen Reich. Hobbing, Berlin 1930
- Erich Borkenhagen: 125 Jahre Schultheiss-Brauerei. Die Geschichte des Schultheiss-Bieres in Berlin von 1842 bis 1967. Selbstverlag Schultheiss-Brauerei, Berlin 1967
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Weblinks
- Biografie Richard Roesicke auf diegeschichteberlins.de
- Geschichte der Kulturbrauerei Berlin
- Villa Luisenhof
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- {{#if: 2036 | Biografie von {{#if: Richard Roesicke | Richard Roesicke | Richard Roesicke }}. In: Heinrich Best: Datenbank der Abgeordneten der Reichstage des Kaiserreichs 1867/71 bis 1918 (Biorab – Kaiserreich) | Biografie von {{#if: Richard Roesicke | Richard Roesicke | Richard Roesicke }}. In: Heinrich Best: Datenbank der Abgeordneten der Reichstage des Kaiserreichs 1867/71 bis 1918 (Biorab – Kaiserreich) (der genaue Datensatz muss mit der Suchfunktion ermittelt werden)}}
- Nachlass BArch N 1054
Einzelnachweise
<references />
Vorlage:Navigationsleiste Abgeordnete des Reichstagswahlkreises Herzogtum Anhalt 1
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