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Reunionskrieg (1683–1684)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Reunionskrieg
Datei:Van der Meulen Prise de Luxembourg.jpg
Einnahme Luxemburgs im Juni 1684
Datum 26. Oktober 1683 – 15. August 1684
Ort Pyrenäen, Spanische Niederlande, Erzstift Trier, Mittelmeer
Ausgang französischer Sieg
Friedensschluss bilaterale Vereinbarungen und Regensburger Stillstand
Konfliktparteien

Frankreich Konigreich 1791Datei:Royal Standard of the King of France.svg Frankreich

Spanien 1506Datei:Flag of Cross of Burgundy.svg Spanien
Republik der Vereinigten NiederlandeDatei:Statenvlag.svg Vereinigte Niederlande
Republik GenuaDatei:Flag of Genoa.svg Genua

Vorlage:Linkbox Schlachten im Reunionskrieg 1683/84

Der Reunionskrieg von 1683 bis 1684 war Teil der Reunionspolitik von Ludwig XIV. Der weitgehend vergessene Konflikt<ref>John A. Lynn: The wars of Louis XIV. 1667–1714. London 1999, S. 166.</ref> wird teilweise als kürzester und erfolgreichster Krieg Ludwigs XIV. bezeichnet.<ref>William Young: International Politics and Warfare in the Age of Louis XIV and Peter the Great. A Guide to the historical Literature. Universe, New York NY u. a. 2004, ISBN 0-595-32992-6, S. 220.</ref> Direkt daran beteiligt waren Frankreich auf der einen Seite und das von den Niederlanden auf der anderen Seite unterstützte Spanien. Indirekt beteiligt war das Heilige Römische Reich. Das wichtigste Ereignis war die Belagerung und Eroberung von Luxemburg. Der Krieg endete mit dem Regensburger Stillstand. In diesem wurden dem französischen König seine Erwerbungen der letzten Jahrzehnte für eine Dauer von zwanzig Jahren von Kaiser und Reich anerkannt.

Vorgeschichte

Ludwig XIV. betrieb mit der Reunionspolitik eine Politik der Expansion, die nicht zuletzt auch auf die Gewinnung von Reichsterritorien abzielte. Ohne größere Gegenwehr konnte Frankreich wichtige Gebiete und strategisch wichtige Städte in Besitz nehmen. Dabei kam der Einnahme Straßburgs 1681 eine besonders wichtige Rolle zu. Zur Sicherung der erworbenen Gebiete ließ Ludwig XIV. die Festung Saarlouis anlegen. Außerdem wurden Landau, Pfalzburg und Hüningen befestigt.

Datei:Vauban picture.jpg
Sébastien Le Prestre de Vauban

Ein weiteres Hauptziel war es, Luxemburg zu gewinnen, das zwar von Spanien verwaltet wurde, aber offiziell weiter zum Reich gehörte. Die Stadt Luxemburg erschien Sébastien Le Prestre de Vauban als Festung zur Verteidigung Frankreichs als strategisch zentral.<ref>John A. Lynn: The grand strategy of the grand siecle. Learning from the wars of Louis XIV. In: Williamson Murray, Richard Hart Sinnreich, James Lacey (Hrsg.): The Shaping of grand Strategy. Policy, Diplomacy, and War. Cambridge University Press, Cambridge u. a. 2011, ISBN 978-0-521-76126-0, S. 34–62, hier S. 38.</ref> Seit 1681 wurde die Stadt belagert, ehe die Franzosen die Belagerung im März 1682 aufhoben. Am Ziel, die Stadt zu gewinnen, hielt Ludwig XIV. allerdings fest.

Nach vergeblichen Verhandlungen zwischen Frankreich und dem Reich, die bis Ende 1682 andauerten, setzte sich Kaiser Leopold I. gegen die mit den Franzosen verbündeten Brandenburger und ihre rheinischen Verbündeten durch, die Reunionen notfalls auch militärisch rückgängig zu machen, um die im Westfälischen Frieden und dem Friede von Nimwegen definierten Besitzstände wieder zu gewinnen. Zwischen Kaiser, den Niederlanden, Schweden und Spanien wurde 1683 in Den Haag ein Bündnis geschlossen. Im Reich kam es zu weiteren Bündnissen von Reichskreisen und Reichsständen in der Laxenburger Allianz. Die Planungen für einen Krieg gegen Frankreich waren weit gediehen, als der Große Türkenkrieg ausbrach und in dessen Verlauf Wien belagert wurde. Dadurch waren die Kräfte von Kaiser und Reich im Osten gebunden.<ref>Michael Kotulla: Deutsche Verfassungsgeschichte. Vom Alten Reich bis Weimar (1495–1934). Springer, Berlin u. a. 2008, ISBN 978-3-540-48705-0, S. 127 f.</ref>

Der kaiserliche Sieg bei der Belagerung von Wien im September 1683 drohte dann das Mächtegleichgewicht zu Gunsten des Kaisers zu verschieben. Ludwig reagierte darauf, indem er Druck auf Spanien als den inzwischen schwächeren Nachbarstaat ausübte.<ref name="Volker Press 1715">Volker Press: Kriege und Krisen. Deutschland 1600–1715 (= Neue deutsche Geschichte. 5). Beck, München 1991, ISBN 3-406-30817-1, S. 428.</ref>

Verlauf

Feldzug 1683

Im Herbst 1683 drohte Ludwig XIV., dass die Spanischen Niederlande eine französische Armee von 35.000 Mann zu unterhalten hätten, und ließ von der Bevölkerung hohe Kontributionen eintreiben. Dies veranlasste Spanien und die Niederlande zu einem Bündnis. Am 26. Oktober erklärte Spanien Frankreich offiziell den Krieg.<ref>Vor allem in der älteren Literatur wird häufig der 11. Dezember als Tag der offiziellen spanischen Kriegserklärung genannt. z. B. Heinrich Leo: Zwölf Bücher niederländischer Geschichten. Teil 2: Enthaltend die letzten sechs Bücher oder Die Geschichte der Niederlande vom Beginn der Herrschaft des Hauses Burgund bis 1830. Eduard Anton, Halle 1835, S. 865.</ref>

Datei:Louis de Crevant (1628-1694).jpg
Louis de Crévant, Herzog von Humières, französischer Befehlshaber in Flandern

Frankreich versuchte durch verschiedene Zugeständnisse vergeblich, die Niederlande von der Teilnahme am Krieg abzuhalten. Die Niederlande gingen nicht darauf ein und schickten eine kleine Armee von 10.000 Mann zur Unterstützung der Spanier. Allerdings wollte Wilhelm III. deutlich energischer gegen Ludwig XIV. vorgehen, stieß damit aber auf den Widerstand der reichen Stadt Amsterdam.<ref>Horst Lademacher: Freiheit – Religion – Gewissen. Die Grenzen der religiösen Toleranz in der Republik. In: Horst Lademacher, Simon Groenveld (Hrsg.): Krieg und Kultur. Die Rezeption von Krieg und Frieden in der Niederländischen Republik und im Deutschen Reich 1568–1646. Waxmann, Münster u. a. 1998, ISBN 3-89325-575-3, S. 500.</ref>

Hilfe aus dem Heiligen Römischen Reich insbesondere den österreichischen Ländern kam nicht, da der Krieg gegen die Türken alle Kräfte band.

Ludwig XIV. entsandte starke Kräfte unter Louis de Crévant, duc d’Humières nach Flandern als dem Hauptkriegsschauplatz, während das französische Engagement an den Pyrenäen deutlich geringer war. Der Krieg auf dem nördlichen Kriegsschauplatz wurde brutal geführt. Er war begleitet von Zerstörungen, dem Abbrennen von Feldern, dem Eintreiben hoher Kontributionen und anderen Verheerungen. Das brutale Vorgehen sollte die öffentliche Meinung beeinflussen, und die Bevölkerung sollte dazu veranlasst werden, Druck auf die spanischen Herren auszuüben, um damit den Krieg zu beschleunigen.<ref>John A. Lynn: A brutal necessity? The Devastion of the Palatinate, 1688–1689. In: Mark Grimsley, Clifford J. Rogers (Hrsg.): Civilians in the path of war. University of Nebraska Press, Lincoln NE u. a. 2002, ISBN 0-8032-2182-7, S. 79–110, hier S. 101.</ref> Ludwig XIV. befahl seinem Marschall de Humières: „Ich gebe Ihnen Befehl, fünfzig Häuser oder Dörfer in Brand zu stecken, für nur eines, wenn ihm dies in meinen Landen geschehen sollte.“<ref>Uwe Schultz: Der Herrscher von Versailles. Ludwig XIV. und seine Zeit. Beck, München 2006, ISBN 3-406-54989-6, S. 223.</ref> Mörser wurden wie bei der Beschießung von Mons als eine Art Terrorwaffe eingesetzt. Die eigenen Truppen blieben ungefährdet, während die Bombardierungen, gegen die es keine Abwehr gab, in den Städten große Verwüstungen anrichteten.<ref>John A. Lynn: Giant of the grand siècle. The French Army, 1610–1715. Cambridge University Press, Cambridge 1997, ISBN 0-521-57273-8, S. 507.</ref>

Die spanischen Streitkräfte unter dem Statthalter Otto de Grana waren schwach und konnten von der französischen Armee ohne größere Mühe in Schach gehalten werden. Noch im Jahr 1683 belagerten die Franzosen erfolgreich Courtrai und Diksmuide. Oudenarde wurde bombardiert und die Stadt dabei in Brand geschossen.

Allerdings war Ludwig XIV. bestrebt, den Krieg zu begrenzen. Er hatte bereits am 5. November bei Herausgabe Luxemburgs und weiterer Gebiete Spanien Verständigung angeboten, im Gegenzug würde er auf alle Ansprüche in Flandern verzichten. Am 17. Februar bot er Spanien einen auf zwanzig Jahre begrenzten Waffenstillstand an. Dasselbe Angebot hatte er bereits im Juli 1683 dem Kaiser gemacht. Weder Spanien noch die Niederlande gingen auf dieses Angebot ein, daher ging der Krieg weiter.<ref>Wout Troost: William III, the Stadholder-King. A Political Biography. Ashgate, Aldershot u. a. 2005, ISBN 0-7546-5071-5, S. 170.</ref>

Datei:Bombardment of Genes by Duquesne 1684 Beaulieu le Donjon.jpg
Bombardierung von Genua

Im Dezember 1683 wurde Luxemburg bombardiert und durch Vauban vergeblich belagert. Die Gegend um Brügge wurde geplündert. Auch eine Vorstadt von Brüssel wurde in Brand gesteckt.

Feldzug 1684

Während des Feldzuges von 1684 marschierten zwei französische Armeen ins spanische Navarra und nach Katalonien. Die spanischen Truppen waren nicht mobilisiert, und die Franzosen kämpften gegen bewaffnete Bauern.<ref name="Martin Andrew Sharp Hume 1788">Martin Andrew Sharp Hume: Spain. Its greatness and decay (1479–1788). 3rd edition, reprinted. Revised by Edward Armstrong. University Press, Cambridge 1931, S. 306.</ref> Vergeblich versuchten die Franzosen, das katalanische Girona zu erobern. Zuvor hatte Bernardin Gigault, marquis de Bellefonds im Mai 1684 die Spanier am Ter geschlagen.

Auf dem nördlichen Kriegsschauplatz deckten Ludwig XIV. und Friedrich von Schomberg den erneuten Vorstoß auf Luxemburg. Die Belagerung von Luxemburg vom 27. April bis zum 7. Juni 1684 war die bedeutendste Auseinandersetzung dieses Krieges zwischen Frankreich und Spanien. Die Stadt wurde am 7. Juni 1684 durch François de Créquy eingenommen.

Ein Nebenkriegsschauplatz war Genua, das von Frankreich als spanienfreundlich eingeschätzt wurde. Die Stadt hatte für Spanien Galeeren gebaut, dafür wurde sie von der französischen Flotte unter Abraham Duquesne bombardiert. Große Teile der Stadt, darunter auch der Dogenpalast, wurden durch 14.000 Granaten zerstört. Anschließend wurde Genua gebrandschatzt und geplündert.<ref>Uwe Schultz: Der Herrscher von Versailles. Ludwig XIV. und seine Zeit. Beck, München 2006, ISBN 3-406-54989-6, S. 222.</ref>

Nach der Eroberung Luxemburgs marschierten die Franzosen auf Trier und nahmen die Stadt ein. Die Festungswerke wurden zerstört. Mit Billigung des Kölner Kurfürsten rückten französische Truppen auch in Kurköln ein.

Leopold I. war zeitweise versucht, gegen das französische Vorgehen gewaltsam vorzugehen, und ließ Truppen in Richtung Rhein marschieren. Letztlich entschied er sich dagegen, weil der Krieg gegen die Osmanen wichtiger schien.<ref>Ekkehard Eickhoff: Venedig, Wien und die Osmanen. Umbruch in Südosteuropa 1645–1700. Verbesserte und um ein Vorwort erweiterte Neuausgabe. Klett-Cotta, Stuttgart 1988, ISBN 3-608-93138-4, S. 376.</ref> Auch versuchte er vergeblich, Friedrich Wilhelm von Brandenburg von seinem Bündnis mit Frankreich abzubringen. Ohne Hilfe anderer Mächte konnte Spanien die Franzosen nicht aus Luxemburg vertreiben.<ref name="Volker Press 1715" />

Kriegsende und Folgen

Datei:Low Countries 1700.png
Spanische Niederlande um 1700

Mit der Eroberung von Luxemburg hatte Ludwig XIV. sein wichtigstes Kriegsziel erreicht und bemühte sich um Frieden. Es gelang ihm, die Niederlande zu einem Separatfrieden zu bewegen. Gegen den Willen von Wilhelm III. schlossen die Niederlande am 23. Juni einen auf zwanzig Jahre befristeten Frieden.<ref>Klaus Malettke: Die Bourbonen. Band 1: Von Heinrich IV. bis Ludwig XIV. 1589–1715. Kohlhammer, Stuttgart 2008, ISBN 978-3-17-020581-9, S. 218.</ref>

Das endgültige Ende des Krieges wurde mit dem Frieden von Regensburg, auch Regensburger Stillstand, am 15. August 1684 besiegelt. Darin musste Spanien auf Luxemburg, Bouvines, Chimay und Beaumont verzichten. Nach der Zerstörung ihrer Festungswerke kamen Courtrai und Diksmuide zurück an Spanien.<ref name="Martin Andrew Sharp Hume 1788" /> Danach wurden Ludwig XIV. alle bis 1681 durchgeführten Erwerbungen im Rahmen der Reunionspolitik sowie der Besitz von Straßburg und Kehl für zwanzig Jahre zugestanden. Frankreich hatte damit Zeit gewonnen, die erworbenen Gebiete auf Dauer zu integrieren.<ref name="Volker Press 1715" /> Allerdings brachte Ludwig XIV. durch seine Expansionspolitik die europäischen Mächte gegen sich auf. Umgekehrt hatte der Kaiser mit dem Friedensschluss den Rücken frei, um offensiv gegen die Osmanen vorzugehen und diese aus Ungarn zu vertreiben.<ref>Karl Otmar von Aretin: Das Alte Reich. 1648–1806. Band 1: Föderalistische oder hierarchische Ordnung. 1648–1684. Klett-Cotta, Stuttgart 1993, ISBN 3-608-91488-9, S. 15.</ref> Dadurch gewann der Kaiser im Westen wieder Spielraum. Der Friede von Regensburg hielt nur vier Jahre, ehe mit dem Pfälzischen Erbfolgekrieg ein großer europäischer Krieg ausbrach.

Literatur

  • Cathal J. Nolan: Wars of the age of Louis XIV, 1650–1715. An encyclopedia of global warfare and civilization. Greenwood Press, Westport CT u. a. 2008, ISBN 978-0-313-33046-9, S. 516 f.
  • John A. Lynn: The Wars of Louis XIV. 1667–1714. Longman, London u. a. 1999, ISBN 0-582-05629-2.
  • John A. Lynn: The French Wars 1667–1714. The Sun king at war (= Essential Histories. 34). Osprey, Oxford 2002, ISBN 1-84176-361-6, S. 47 f.
  • Olaf van Nimwegen: De veertigjarige oorlog 1672–1712. De strijd van de Nederlanders tegen de Zonnekoning. Boom, Amsterdam 2020, ISBN 978-90-446-3871-4.
  • Martin Wrede: Ludwig XIV. Der Kriegsherr aus Versailles. Theiss, Darmstadt 2015, ISBN 978-3-8062-3160-1.

Einzelnachweise

<references />