René Reinicke
René Reinicke (* 1860 in Strenznaundorf, Provinz Sachsen; † 20. Juli 1926 in Steingaden) war ein deutscher Maler und Illustrator.
Leben
René Reinicke studierte zunächst an der Kunstschule Weimar unter den Mentor Alexandre Struys. Hier legte er das Fundament für seinen Realismus. Struys war bekannt für sozialkritische Themen – ein Einfluss, den man später in Reinickes scharfer Beobachtungsgabe für die Gesellschaft wiederfindet. Später wechselte er zu Eduard von Gebhardt an die Kunstakademie Düsseldorf über.
Ab 1884 studierte er an der Münchner Akademie. 1885 unternahm Reinicke mit Mentor Bruno Piglhein eine Reise nach Palästina. Nach seiner Rückkehr nach München arbeitete Reinicke als Graphiker und Illustrator für die Fliegenden Blätter und andere bekannte Jugendstil-Zeitschriften.<ref>Ludwig Hollweck: Karikaturen: von d. Fliegenden Blättern z. Simplicissimus ; 1844–1914, Süddeutscher Verlag, 1973, Seite 101f</ref>
Neben seiner Haupttätigkeit für die Münchner Zeitschriften und im gesamten deutschem Reich – Fliegende Blätter (München), Gartenlaube (Berlin/Leipzig), Jugend (München), Die Kunst für Alle, Moderne Kunst (Berlin), Über Land und Meer (Stuttgart), Schalk (Berlin) – war er ein gefragter Künstler für führende europäische und internationale Magazine:
- Frankreich: Publikationen in namhaften Pariser Journalen nach seinem Erfolg auf der Weltausstellung 1900.
- USA: Regelmäßige Beiträge für das renommierte Scribner’s Magazine, wo er als Vertreter europäischer Eleganz galt.
- Europaweit: Illustrationen für verschiedene englische und italienische Kunst- und Satirezeitschriften.
Ab 1887 war er auf verschiedenen Ausstellungen Berlin, Paris, New York, Chicago, Wien vertreten. 1897 erhielt er auf der Großen Berliner Kunstausstellung eine kleine Goldmedaille.
Ein Höhepunkt seiner internationalen Karriere war die Teilnahme an der Weltausstellung in Paris 1900 (Exposition Universelle). Als Teil der offiziellen deutschen Kunstauswahl präsentierte Reinicke Werke, die seinen Ruf als einer der führenden Chronisten des modernen Lebens festigten.
Reinicke illustrierte unter anderem den Novellenband „Wen die Götter lieben“ der Schriftstellerin Clara Viebig, der 1903 im Verlag Karl Krabbe in Stuttgart erschien. 1904 Ernennung zum Königlichen Professor.
1904 gründete Reinicke zusammen mit Carl Strathmann, Max Eduard Giese, Hans Beat Wieland, Wilhelm Jakob Hertling, Hugo Kreyssig, Josua von Gietl, Rudolf Köselitz, Paul Leuteritz, Hans Gabriel Jentzsch, Fritz von Hellingrath und Karl Itschner den „Verein Münchener Aquarellisten“.<ref>Die Kunst für Alle, Heft 19 vom 1. Juli 1904, S. 460 (Digitalisat)</ref>
Ein weiterer Meilenstein seines Schaffens war die Große Berliner Kunstausstellung 1908. Dort wurden seine Werke im Raum 8a präsentiert, der speziell den Münchner Aquarellisten gewidmet war. Diese prominente Platzierung unterstrich seine führende Rolle innerhalb der Münchner Schule und festigte seine Anerkennung in der Reichshauptstadt.
In der Nacht auf den 8. November 1918 wurde der Freistaat Bayern durch Kurt Eisner ausgerufen; das bayerische Königshaus der Wittelsbacher wurde abgesetzt. Viele Originale von René Reinicke und auch von seinem Bruder Emil Reinicke wurden aus Galerien in München geraubt.
Im April/Mai 1921 wurde er im Rahmen von Ausstellungen in München (z. B. in Verbindung mit Ritter von Meissl) geführt.
René Reinicke starb in Steingaden, wo er sich zuletzt aufgehalten hat, nachdem er seinen Wohnsitz in Bad Heilbrunn (Hangweg 11) aufgegeben hatte. Helene Reinicke, seine Nichte, pflegte ihn und versuchte zu ihren Lebzeiten den wenigen Nachlass zu verwalten der systematisch in den wilden Zeiten der Revolution 1918 verloren ging.
Werk
Reinicke wurde durch seine realistischen Darstellungen des großstädtischen und bürgerlichen Lebens bekannt. Hierzu trugen insbesondere 41 Kupfertiefdrucke von Ölgemälden und Tuschezeichnungen bei, die er in einem Münchener Kunstverlag 1890 unter dem Titel Spiegelbilder aus dem Leben herausbrachte.<ref>René Reinicke: Spiegelbilder aus dem Leben. Scenen aus dem Highlife und dem Volke, im Kupferdruck nach Oelmalereien und Tuschzeichnungen. Kunstverlag Friedrich Adolf Ackermann, München 1890</ref> Motive und Thematik seiner Bilder zeigen Parallelen zu Adolph Menzel und Ernst Liebermann. Dem technischen Fortschritt des industriellen Zeitalters setzte Reinicke in seinen Werken oft eine genaue Charakteristik und traditionelle Gewohnheiten seiner Modelle gegenüber. München mit seinen dörflichen Vororten bot Kulissen, die Reinicke aufgriff.
Literatur
- Ernst Holzinger, Hans-Joachim Ziemke: Die Gemälde des 19. Jahrhunderts. Städelsches Kunstinstitut (Frankfurt am Main), Verlag Philipp von Zabern, Mainz 1972<ref>Buchausschnitt</ref>
Weblinks
- René Reinicke in HeidICON, Illustrationen aus den Fliegenden Blättern
Einzelnachweise
<references />
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Reinicke, René |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Maler und Illustrator |
| GEBURTSDATUM | 1860 |
| GEBURTSORT | Strenznaundorf, Provinz Sachsen |
| STERBEDATUM | 20. Juli 1926 |
| STERBEORT | Steingaden |