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Raue Gänsedistel

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Raue Gänsedistel
Datei:20131013Sonchus asper1.jpg

Raue Gänsedistel (Sonchus asper)

Systematik
Euasteriden II
Ordnung: Asternartige (Asterales)
Familie: Korbblütler (Asteraceae)
Unterfamilie: Cichorioideae
Gattung: Gänsedisteln (Sonchus)
Art: Raue Gänsedistel
Wissenschaftlicher Name
Sonchus asper
(L.) Hill

Die Raue Gänsedistel<ref name="InfoFlora" /><ref name="FloraWebArt" /> (Sonchus asper) ist eine Pflanzenart aus der Gattung der Gänsedisteln (Sonchus) innerhalb der Familie der Korbblütler (Asteraceae).<ref name="FoNA2006" /><ref name="FoC2011" />

Beschreibung

Datei:SonchusAsper4.jpg
Fruchtstand mit Korbhülle, Achänen und Pappus
Datei:Sonchus asper 15-p.bot-sonch.asper-10.jpg
Fruchtstand
Datei:(MHNT) Sonchus asper - Plant habit.jpg
Habitus
Datei:Sonchus asper — Flora Batava — Volume v7.jpg
Illustration aus Flora Batava, Volume 7
Datei:Gekroesde melkdistel 17-06-2006 9.58.04.JPG
Stängel und Laublattbasis
Datei:S.asper-rbas-1.jpg
Blattrosette

Vegetative Merkmale

Die Raue Gänsedistel ist eine einjährige, selten auch winterannuelle krautige Pflanze, die Wuchshöhen von 30 bis 80 oder bis zu 120 Zentimetern, in seltenen Fällen jedoch sogar über 200 Zentimetern, erreicht.<ref name="FoNA2006" /> Der aufrechte, hohle,<ref name="FoNA2006" /> fleischige, meist verzweigte Stängel ist kahl oder im obersten Teil mit Stieldrüsen behaart.<ref name="Hegi1987" />

Die Laubblätter sind in einer grundständigen Rosette und wechselständig am Stängel verteilt angeordnet.<ref name="FoNA2006" /> Die etwas steifen Blattspreiten sind derb (starrer als die der Kohl-Gänsedistel), dunkelgrün und oberseits glänzend.<ref name="InfoFlora" /> Der Blattrand ist stechend-dornig gewimpert oder fein stachelig und stechend gezähnt.<ref name="InfoFlora" /> Die Blattspreite kann von tief fiederspaltig bis nahezu ungeteilt<ref name="InfoFlora" /> mit spatelförmigem Umriss variieren. Am stängelumgreifenden Blattgrund befinden sich gerundete, deutlich an den Stängel anliegende Öhrchen; diese runden Öhrchen sind auch ein Kennzeichen gegenüber der ähnlichen Gemüse-Gänsedistel (Sonchus oleraceus). Bei den unteren Laubblättern ist die Blattspreite in einen geflügelten Stiel verschmälert, die mittleren und oberen sind mit herzförmigem stängelumfassenden Grund sitzend.<ref name="Hegi1987" /> Bei den mittleren Stängelblättern ist die Blattspreite bei einer Länge von 6 bis 30 Zentimetern sowie einer Breite von 1 bis 15 Zentimetern im Umriss spatelförmig, länglich bis verkehrt-eiförmig oder lanzettlich bis geöhrter Basis und oft fiederlappigem Rand, der meist stechend gezähnt ist. Ihre Blattabschnitte sind mehr oder weniger dreieckig und der Endabschnitt ist meist größer als die seitlichen.<ref name="FoNA2006" />

Generative Merkmale

Die Blütezeit reicht von Juni bis Oktober.<ref name="InfoFlora" /><ref name="BiolFlor" /> Die Körbchen sind in einem rispigen Gesamtblütenstand angeordnet. Die Korbschäfte sind mit gestielten Drüsenhaaren bedeckt, oft blau-bereift<ref name="FoNA2006" /> und im obersten Bereich schwach keulig verdickt.<ref name="Hegi1987" /> Die Hülle ist 12 bis 15 Millimeter hoch,<ref name="FoNA2006" /><ref name="Hegi1987" /> am Grund zuletzt weit bauchig und in der Mitte eingeschnürt.<ref name="Hegi1987" /> Die Hüllblätter sind lanzettlich bis linealisch, auf der Innenseite stark glänzend<ref name="Hegi1987" /> und mit gestielten Drüsenhaaren bedeckt.<ref name="Hegi1987" /> Es sind nur gelbe und unterseits rötlich-grau überlaufene Zungenblüten vorhanden. Die Zunge der Zungenblüte ist meist kürzer als die Kronröhre.<ref name="FoNA2006" /> Die Griffel sind dunkel.<ref name="Hegi1987" />

Die strohfarbenen bis rötlich-braunen Achänen sind 2 bis 3 Millimeter lang, deutlich abgeflacht und mehr oder weniger geflügelt, beiderseits mit je drei oder selten fünf Längsrippen versehen, auf der Fläche und zwischen den Rippen glatt<ref name="FoNA2006" /> und nicht querrunzelig.<ref name="Hegi1987" /> Der weiße Pappus ist 6 bis 9 Millimeter lang.<ref name="FoNA2006" />

Chromosomensatz

Die Chromosomengrundzahl beträgt x = 9; es liegt Diploidie mit einer Chromosomenzahl von 2n = 18 vor.<ref name="InfoFlora" /><ref name="FloraWebArt" /><ref name="FoNA2006" /><ref name="FoC2011" /><ref name="BiolFlor" /><ref name="Oberdorfer2001" />

Ökologie

Datei:Bombus lapidarius - Sonchus asper - Keila.jpg
Blütenbesuch durch eine Steinhummel (Bombus lapidarius)

Blütenbesucher sind meist Schwebfliegen (Syrphidae) und Schmetterlinge.<ref name="Hegi1987" />

Die Diasporen, es sind die Achänen, werden unter anderem durch Wiesenameisen der Gattung Tetramorium ausgebreitet. An einem 140 Zentimeter hohen Pflanzenexemplar wurden 220 Körbchen mit je etwa 250 Achänen, also insgesamt etwa 55.000 Früchte festgestellt.<ref name="Düll2011" />

Gallbildende Insekten sind Aulax sonchi und Cystiphora sonchi.<ref name="Hegi1987" />

Vorkommen

Sonchus asper ist in Makaronesien, Eurasien und Afrika weitverbreitet.<ref name="GRIN" /> Es gibt Fundortangaben für die Kanaren, Madeira, Algerien, Marokko, Tunesien, Libyen, Ägypten, den Sinai, Israel, den Jemen, Eritrea, Äthiopien, den Sudan, Somalia, Kenia, Tansania, Uganda, Kamerun, die Demokratische Republik Kongo, Ruanda, Senegal, Angola, Mosambik, Malawi, Sambia, Simbabwe, Botswana, Madagaskar, Afghanistan, den Iran, Irak, Jordanien, den Libanon, Syrien, die Türkei, Ciskaukasien, Armenien, Aserbaidschan, Georgien, Dagestan, Kasachstan, Kirgisistan, Tadschikistan, Turkmenistan, Usbekistan, Sibirien, Russlands Fernem Osten, Indien, Pakistan, Nepal, die Niederlande, Belgien, das Vereinigte Königreich, Irland, Dänemark, Norwegen, Schweden, Finnland, Deutschland, Österreich, die Schweiz, Tschechien, Ungarn, Polen, die Slowakei, den europäischen Teil Russlands, Belarus, Estland, Litauen, Lettland, die Ukraine, die Krim, Moldawien, Albanien, Bulgarien, Kroatien, Bosnien und Herzegowina, Montenegro, Rumänien, Serbien, Slowenien, Nordmazedonien, Griechenland, Kreta, Zypern, Italien, Sardinien, Sizilien, Spanien, die Balearen, Korsika, Frankreich sowie Portugal.<ref name="GRIN" /> Sonchus asper ist fast weltweit ein Neophyt, beispielsweise in der Neuen Welt, in Australien, Neuseeland, auf den Azoren, Mauritius, Reunion, im Himalaya, in Taiwan, Tibet, China und auf Inseln im Pazifik.<ref name="FoNA2006" /><ref name="FoC2011" /><ref name="GRIN" /> In Deutschland ist sie als „verbreitet“ eingestuft.

Die Raue Gänsedistel besiedelt Wegränder, Schuttplätze, Gärten, Äcker und Ufer, bevorzugt an frischen bis feuchten Standorten. Sie gedeiht auf frischen bis feuchten, nährstoffreichen, neutral-milden, humosen, sandigen oder reinen Lehmböden.<ref name="Oberdorfer2001" /> Sie ist pflanzensoziologisch in Mitteleuropa eine Charakterart der Ordnung Polygono-Chenopodietalia. Sie kommt auch in Pflanzengesellschaften der Verbände Chenopodion rubri und Arction und in grundfeuchten Secalietea-Gesellschaften vor.<ref name="Oberdorfer2001" /> In den Allgäuer Alpen steigt sie im Tiroler Teil oberhalb Elbigenalp bis zu einer Höhenlage von 1250 Metern auf.<ref name="Dörr-Lippert2004" /> In der Schweiz erreicht sie im Engadin bei St. Moritz eine Höhenlage von 1800 Meter.<ref name="Hegi1987" />

Über den Zivilisationseinfluss liegen nach Kunick und Wittig bei der Rauen Gänsedistel folgende Aussagen vor: polyhemerob: Sie kommt in Sonderkulturen, wie Obst- sowie Weinbau und Ackerfruchtfolgen mit stark selektierter Beikrautflora, auf Abfalldeponien, Abraumhalden, Trümmerschuttflächen und teilversiegelten Flächen beispielsweise auf gepflasterten Wegen sowie geschotterten Gleisanlagen und anhaltend stark veränderten Biotopen vor. Die Raue Gänsedistel ist a-euhemerob also gedeiht sie in Ackerfluren mit typisch entwickelter Unkrautflora, des Ansaatgrünlandes, armer Zierrasen, der Intensivforste mit kaum entwickelter Krautschicht und Rieselfelder. Sie ist urbanoneutral, es liegt keine Tendenz zu siedlungsnahen oder siedlungsfernen Standorten vor.<ref name="FloraWebArt" />

Die ökologischen Zeigerwerte nach Ellenberg sind: Lichtzahl 7 = Halblichtpflanze, Temperaturzahl 5 = Mäßigwärmezeiger, Kontinentalitätszahl = indifferent, Feuchtezahl 6 = Frische- bis Nässezeiger, Feuchtewechsel = keinen Wechsel der Feuchte zeigend, Reaktionszahl 7 = Schwachbasenzeiger, Stickstoffzahl 7 = Stickstoffreichtum zeigend, Salzzahl 1 = salzertragend, aber meist keinen oder geringen Salzgehalt zeigend, Schwermetallresistenz = nicht schwermetallresistent.<ref name="FloraWebArt" />

Die ökologischen Zeigerwerte nach Landolt et al. 2010 sind in der Schweiz: Feuchtezahl F = 3+ (feucht), Lichtzahl L = 4 (hell), Reaktionszahl R = 3 (schwach sauer bis neutral), Temperaturzahl T = 3+ (unter-montan und ober-kollin), Nährstoffzahl N = 4 (nährstoffreich), Kontinentalitätszahl K = 3 (subozeanisch bis subkontinental), Salztoleranz = 1 (tolerant).<ref name="InfoFlora" />

Systematik

Die Erstveröffentlichung erfolgte 1753 als Varietät Sonchus oleraceus var. asper durch Carl von Linné in Species Plantarum, Tomus II, Seite 794. Die Einstufung als Art Sonchus asper <templatestyles src="Person/styles.css" />(L.) Hill wurde 1769 durch John Hill in Herbarium Britannicum ... Band 1, S. 47 veröffentlicht.<ref name="FoNA2006" /><ref name="Euro+Med" /> Das Artepitheton asper bedeutet „rau“. Ein weiteres Synonym für Sonchus asper <templatestyles src="Person/styles.css" />(L.) Hill ist Sonchus spinosus <templatestyles src="Person/styles.css" />Lam.<ref name="Euro+Med" />

Je nach Autor gibt es etwa zwei Unterarten:<ref name="Euro+Med" /><ref name="GRIN" />

  • Sonchus asper <templatestyles src="Person/styles.css" />(L.) Hill subsp. asper<ref name="Euro+Med" /><ref name="GRIN" />
  • Blaugrüne Raue Gänsedistel (Sonchus asper subsp. glaucescens <templatestyles src="Person/styles.css" />(Jord.) Ball, Syn.: Sonchus glaucescens <templatestyles src="Person/styles.css" />Jord., Sonchus eryngiifolius <templatestyles src="Person/styles.css" />Grossh., Sonchus nymanii <templatestyles src="Person/styles.css" />Tineo & Guss., Sonchus asper subsp. nymanii <templatestyles src="Person/styles.css" />(Tineo & Guss.) Hegi)<ref name="Euro+Med" /><ref name="GRIN" /><ref name="FloraWebGlaucescens" />

Literatur

  • Werner Rothmaler (Begr.), Eckehart J. Jäger, Klaus Werner (Hrsg.): Exkursionsflora von Deutschland, Band 4: Gefäßpflanzen: Kritischer Band. 9. Auflage. Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg, Berlin 2002, ISBN 3-8274-0917-9.

Einzelnachweise

<references> <ref name="BiolFlor"> Raue Gänsedistel. In: BiolFlor, der Datenbank biologisch-ökologischer Merkmale der Flora von Deutschland. </ref> <ref name="GRIN"> Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GRIN“ ist nicht vorhanden. im Germplasm Resources Information Network (GRIN), USDA, ARS, National Genetic Resources Program. National Germplasm Resources Laboratory, Beltsville, Maryland. Abgerufen am Vorlage:FormatDateSimple. </ref> <ref name="FloraWebArt"> Sonchus asper (L.) Hill (Raue Gänsedistel). auf FloraWeb.deVorlage:Abrufdatum </ref> <ref name="FloraWebGlaucescens"> Sonchus asper subsp. glaucescens (Jord.) Ball (Blaugrüne Raue Gänsedistel). auf FloraWeb.deVorlage:Abrufdatum </ref> <ref name="InfoFlora"> Sonchus asper Hill In: Info Flora, dem nationalen Daten- und Informationszentrum der Schweizer Flora. Abgerufen am Vorlage:FormatDateSimple. </ref> <ref name="Düll2011"> </ref> <ref name="Oberdorfer2001"> Erich Oberdorfer: Pflanzensoziologische Exkursionsflora für Deutschland und angrenzende Gebiete. 8. Auflage. Stuttgart, Verlag Eugen Ulmer, 2001, ISBN 3-8001-3131-5, S. 991. </ref> <ref name="FoC2011"> Zhu Shi, Norbert Kilian: Sonchus Linnaeus. In: Wu Zheng-yi, Peter H. Raven, Deyuan Hong (Hrsg.): Flora of China, Volume 20–21: Asteraceae. Science Press und Missouri Botanical Garden Press, Beijing und St. Louis 2011, ISBN 978-1-935641-07-0. Sonchus asper (Linnaeus) Hill. S. 241 - textgleich online wie gedrucktes Werk. </ref> <ref name="FoNA2006"> Philip E. Hyatt : Sonchus Linnaeus. In: Flora of North America Editorial Committee (Hrsg.): Flora of North America North of Mexico. Volume 19: Magnoliophyta: Asteridae, part 6: Asteraceae, part 1 (Mutisieae–Anthemideae). Oxford University Press, New York und Oxford, 2006, ISBN 0-19-530563-9. Sonchus asper (Linnaeus) Hill. S. 275 - textgleich online wie gedrucktes Werk. </ref> <ref name="Dörr-Lippert2004"> Erhard Dörr, Wolfgang Lippert: Flora des Allgäus und seiner Umgebung. Band 2, IHW, Eching 2004, ISBN 3-930167-61-1, S. 667. </ref> <ref name="Hegi1987"> Gerhard Wagenitz et al.: Familie Compositae II. S. 1109–1110. In: Gustav Hegi: Illustrierte Flora von Mitteleuropa. 2. Auflage Band VI, Teil 3, Verlag Paul Parey, Berlin, Hamburg 1987, ISBN 3-489-86020-9. </ref> <ref name="Euro+Med"> Werner Greuter, 2006+: Compositae (pro parte majore). In: W. Greuter, E. von Raab-Straube (Hrsg.): Compositae. Datenblatt Sonchus asper In: Euro+Med Plantbase - the information resource for Euro-Mediterranean plant diversity. </ref> </references>

Weblinks

Commons: Raue Gänsedistel (Sonchus asper) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien