Ramses Shaffy
Ramses Shaffy (* 29. August 1933 in Neuilly-sur-Seine, Frankreich; † 1. Dezember 2009 in Amsterdam, Niederlande; eigentlich Didi Snellen) war ein niederländischer Chansonnier und Schauspieler. Nach einer Tätigkeit an der Stadsschouwburg Amsterdam wechselte er in den 1960er Jahren ins Gesangsfach. 1964 gründete er eine eigene Theatergruppe, das Shaffy Chantant, die zahlreiche musikalisch-literarische Programme aufführte. Einige seiner Lieder wurden im niederländischen Sprachraum zu Klassikern der Unterhaltungsmusik. Er arbeitete eng mit der Sängerin Liesbeth List zusammen.
Biografie
Shaffy, aufgewachsen unter dem Namen Didi Snellen, wurde in einem Vorort der französischen Hauptstadt Paris als Sohn eines ägyptischen Diplomaten und einer polnischen Gräfin geboren. Er wuchs bei seiner Mutter in Cannes in Südfrankreich auf. Als sie an Tuberkulose erkrankte, kam er in die Niederlande, zunächst zu einer Tante in Utrecht, dann in ein Kinderheim und schließlich im Alter von sechs Jahren zu Pflegeeltern in Leiden. Den Abschied von seiner Mutter verarbeitete er später in seinem Lied De trein naar het noorden („Der Zug nach Norden“).
Nach dem Besuch der Mittelschule, die er ohne Abschluss verließ, wurde er 1952 an der Amsterdamer Schauspielschule angenommen. Mit Mitschülern seiner Klasse brachte er 1955 ein erstes Stück auf die Bühne, Olé la Marguerita. In den Folgejahren war er bei der Nederlandse Comedie an der Stadsschouwburg Amsterdam in verschiedenen Rollen zu sehen, so als Anatol in dem gleichnamigen Stück von Arthur Schnitzler, in Süßer Vogel Jugend von Tennessee Williams und Shakespeares Sommernachtstraum. Einige der Aufführungen wurden vom niederländischen Fernsehen ausgestrahlt. Zusammen mit seinem Partner Joop Admiraal reiste er 1960 nach Rom in der Hoffnung, dort als Filmschauspieler Arbeit zu finden, kehrte aber unverrichteter Dinge zurück. Die Briefe aus dieser Zeit an ihre gemeinsame Freundin Shireen Strooker wurden 2004 unter dem Titel Brieven uit Rome als Buch veröffentlicht.
Unter dem Titel Come with me entstand in englischer Sprache seine erste Schallplattenaufnahme. 1961 nahm er als Sänger am Knokke-Songfestival teil. Als er während einer Theateraufführung nach der Pause nicht wieder auf der Bühne erschien, angeblich weil er sie nicht mehr fand, kam sein Engagement bei der Nederlandse Comedie zu einem Ende. Danach spielte er noch einige kleinere Rollen an anderen Bühnen.
Im Jahr 1964 rief er eine eigene Theatergruppe, das Shaffy Chantant, ins Leben und feierte mit dieser am 22. Oktober 1964 in Amsterdam mit einem literarisch-poetischen Programm Premiere. In seinem Ensemble arbeitete er lange Zeit mit der Sängerin Liesbeth List und dem Pianisten Louis van Dijk zusammen. Aus dieser Zeit stammt eines seiner bekanntesten Lieder, Shaffy Cantate, das 1966 als Single veröffentlicht wurde. Mit der Eigenkomposition Sammy erreichte er 1966 Platz 2 der niederländischen Hitparade. Eine Reihe weiterer bekannter Musiker, darunter Thijs van Leer, dem Shaffy später das Lied Jij bent nu daarbinnen widmete, waren kurze Zeit Mitglied des Ensembles.
1967 übernahm er die Hauptrolle in drei Spielfilmen: An der Seite von Johnny Lion spielte er in Liefdesbekentenissen von Wim Verstappen und unter der Regie von Lennaert Nijgh in Een vreemde vogel. Für seine Darstellung eines parasitären Bonvivants in Erik Terpstras De verloedering van De Swieps wurde Shaffy mit dem Musikpreis Edison ausgezeichnet.
Zusammen mit Liesbeth List entstand 1968 die Aufnahme Pastorale,<ref>{{#switch:
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Ab Beginn der 1980er Jahre war Shaffy wieder in mehreren Spielfilmen zu sehen. Mit seiner Darstellung des Don Quijote in dem Musical Der Mann von La Mancha beim Koninklijk Ballet van Vlaanderen erntete er großen Beifall. Auch spielte er in der belgisch-niederländischen TV-Serie Willem van Oranje in der Rolle des Grafen Egmont.
Der niederländische Dokumentarfilmer Pieter Fleury drehte 2002 über Shaffy die Dokumentation Ramses: Où est mon prince, die beim Niederländischen Filmfestival in Utrecht mit einem Goldenen Kalb ausgezeichnet wurde. 2003 schrieb Bas Steman seine Biografie, Naakt in de orkaan („Nackt in einem Orkan“).
Nachdem er mehrmals nachts in den Straßen Passanten belästigt hatte, kam Shaffy in ein Pflegeheim in Amsterdam. Sein langjähriger Alkoholismus hatte ein Korsakow-Syndrom und Epilepsie ausgelöst.
Im Jahr 2005 stand Shaffy mit einer neuen Version von Laat me (Original aus dem Jahr 1978) erstmals seit Jahren wieder in der Hitparade. Diesmal nahm er das Lied zusammen mit der Band Alderliefste und Liesbeth List auf. Am 11. Juli 2008 sang er anlässlich des flämischen Nationalfeiertags in Belgien, des Feestdag van Vlaanderen, zusammen mit der Band Alderliefste Laat me live bei einem Open-Air-Konzert in St. Niklaas.
Shaffys letzter Auftritt fand am 27. November 2009 in der Laurenskerk in Rotterdam statt. Trotz seiner Krankheit spielte er im Rahmen der Verleihung des Laurenspenning der Stadt Rotterdam an Sander de Kramer Klavier.
Am 5. Mai 2009 wurde bekannt, dass Shaffy an Speiseröhrenkrebs erkrankt war. Dessen Folgen erlag er am 1. Dezember 2009 im Alter von 76 Jahren. Am 7. Dezember fand im Theater Carré in Amsterdam eine Abschiedsfeier für ihn statt. Beerdigt wurde Shaffy am 8. Dezember 2009 auf dem Amsterdamer Friedhof Zorgvlied. Sein Grab liegt unter einem jungen Baum, der während der Beerdigung mit roten und weißen Bändern geschmückt war, auf deren jedem ein Wort aus dem Text Zing, vecht, huil, bid, lach, werk en bewonder. Niet zonder ons stand („Singen, kämpfen, weinen, beten, lachen, arbeiten und bewundern. Nicht ohne uns“.)
Preise und Auszeichnungen
- 1967: Edison
- 1971: Louis-David-Preis
- 1980: Gouden Harp, der Stichting Buma Cultuur
- 2002: Blijvend Applaus Prijs geehrt.
- 2003: Radio 2 Zendtijdprijs
- 2006: Edison Œuvre Prijs voor Kleinkunst; am 31. Mai 2006 Erster Empfänger des neuen Preises
- 2007: Enthüllung einer Büste mit seinem Abbild in der Amsterdamer Schouwburg am 6. November
Diskografie
Alben
Weitere Alben
- 1966: Ramses II
- 1969: Sunset Sunkiss
- 1970: Zonder Bagage
- 1972: Wij zullen doorgaan
- 1975: We leven nog
- 1980: Ramses Live
- 1988: Sterven van geluk
- 1997: Ramses ’97
- 2002: Muziek uit de film Ramses
- 2011: Nederlandstalige popklassiekers (mit Liesbeth List, NL: Vorlage:Schallplatte)
Singles
Literatur
- Johannes S. Berning: Ramses Shaffy. Mensch und Sänger. Agenda-Verlag, Münster 2021, ISBN 978-3-89688-696-5.
Weblinks
- Website Ramses Shaffy (niederländisch)
- Ramses Shaffy in der Popencyclopedie des Muziek Centrum Nederland (niederländisch)
- Vorlage:IMDb
Einzelnachweise
<references />
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