Ramón María del Valle-Inclán
Ramón María del Valle-Inclán (* 28. Oktober 1866 in Vilanova de Arousa, Galicien; † 5. Januar 1936 in Santiago de Compostela) war ein spanischer Dramatiker, Romancier und Journalist und gehörte zur Generación del 98. Er gilt als Erfinder der literarischen Gattung des „Esperpento“, ein dramatisches Genre bizarr-bösartiger Schockstücke.
Leben
Ramón María del Valle-Inclán begann ein Studium der Rechtswissenschaft,<ref name=":0">Alonso Zamora Vicente: Biografía. In: Ramón María del Valle-Inclán: Tirano Banderas. In: Alonso Zamora Vicente (Hrsg.): Austral Básicos. Espasa, Barcelona 2012, ISBN 978-84-670-0858-6, S. 4.</ref> das er jedoch nicht abschloss. Nach journalistischer Tätigkeit in Madrid ließ er sich in Mexiko nieder, wo er seine Arbeit als Journalist mit der Aneignung des Modernismo verband.<ref name=":0" /> Nach Madrid zurückgekehrt, machte er sich unter den dortigen Kulturschaffenden für dessen Verbreitung stark. Mit Miguel de Unamuno beteiligte er sich an der Opposition gegen die rechtsgerichtete Diktatur von Miguel Primo de Rivera in Spanien.<ref>Bartolomé Bennassar, Jean-Pierre Amalric, Jacques Beyrie, Lucienne Domergue: Histoire des Espagnols – XVIIIe–XXe siècle (= Marguerite de Marcillac [Hrsg.]: Collection Tempus. Band 2, Nr. 378). 2. Auflage. Éditions Perrin, Paris 2011, ISBN 978-2-262-03441-2, S. 391.</ref> Ideologisch entwickelte er sich vom Konservatismus während seiner Jugend zu linken und progressiven Positionen, insbesondere nach dem Ersten Weltkrieg. Infolge einer Schlägerei mit dem Schriftsteller Manuel Bueno Bengoechea verlor er seinen linken Arm.<ref>Jon Juaristi, Juan Ignacio Alonso: El canon español – El legado de la cultura española a la civilización. La esfera de los libros, Madrid 2022, ISBN 978-84-1384-281-3 (spanisch).</ref> Kurz vor seinem Lebensende machte er eine weitere politische Kehrtwende und befürwortete den Faschismus.<ref>José-Luis Martín, Carlos Martínez Shaw, Javier Tusell: Historia de España. Hrsg.: Javier Tusell (= Colleción Pesamiento). Ediciones Taurus, Madrid 1998, ISBN 84-306-0264-X, S. 652 f.</ref>
Bedeutung
Valle-Inclán wird als einer der bedeutendsten und sicherlich als der radikalste unter den Dramatikern angesehen, die im frühen 20. Jahrhundert die Subversion gegen den im spanischen Theaterestablishment herrschenden Traditionalismus vorantrieben. Besondere Bedeutung kommt seinem dramatischen Werk auch durch den Einfluss zu, den es auf nachfolgende Schriftstellergenerationen hatte.
Valle-Incláns Werke (z. B. Wunderworte und Glanz der Bohème) attackieren, was er als die Heuchelei, das Moralisieren und die Sentimentalität der bourgeoisen Dramatiker ansah, und zeichnen ein satirisch-düsteres Bild von den Denk- und Lebensweisen der herrschenden Klasse. Er nimmt insbesondere Konzepte wie die männliche Ehre, den Militarismus, den Patriotismus und die Ehrerbietung gegenüber der Krone und der katholischen Kirche aufs Korn. Er porträtierte auch politische Figuren der spanischen Vergangenheit auf respektlose Weise und verwendete eine obszöne Sprache und vulgäre Bilder, um Theatralik und Euphemismen anzugreifen.
Valle-Incláns Stücke waren nicht nur politisch subversiv, sondern erforderten oft auch intensive Proben und eine Bühnentechnik, die weit über die Fähigkeiten der kommerziellen Theatergruppen hinausgingen. Es gab komplexe, schwer zu realisierende Spezialeffekte und rasche, oft drastische Wechsel des Bühnenbilds.
Valle-Inclán schrieb auch bedeutende Romane, darunter Tirano Banderas, der den lateinamerikanischen Diktatorenroman (z. B. Yo el supremo, dt. Ich, der Allmächtige von Augusto Roa Bastos) stark beeinflusste. Der später für das Theater adaptierte Roman Tirano Banderas soll an der Figur des mexikanischen Diktators Porfirio Díaz<ref name=":02">Claude Fell: Des dictatures de roman. In: Olivier Compagnon (Hrsg.): Une histoire de l’Amérique latine des Conquistadors à nos jours. Nouveau monde éditions/L’Histoire, Paris 2025, ISBN 978-2-38094-752-6, S. 135–143, hier S. 136 f.</ref> angelehnt sein.
Werke in deutscher Übersetzung
Dramen
- Wunderworte. Glanz der Bohème. Zwei Theaterstücke. Übersetzt von Fritz Vogelgsang. Klett-Cotta, 1983, ISBN 3-608-95080-X
- Karneval der Krieger. Drei Schauerpossen: Der Staatsrock des Verblichenen. Die Hörner von Leutnant Firlefanz. Die Hauptmannstochter. Übersetzt von Fritz Vogelgsang. Klett-Cotta, 1982, ISBN 3-608-95003-6
- Barbarische Komödien: Silbergesicht. Wappenadler. Wolfsballade. Übersetzt von Fritz Vogelgsang. Klett-Cotta, 1984, ISBN 3-608-95190-3
Prosa
- Tyrann Banderas. Roman des tropischen Amerika. Übersetzt von Anton M. Rothbauer. Goverts, Stuttgart 1961
- Frühlingssonate. Memoiren des Marquès de Bradomín. Übersetzt von Anneliese Botond. Bibliothek Suhrkamp, 1980, ISBN 3-518-01668-7
- Der Karlistenkrieg. Roman-Trilogie: Die Kreuzfahrer des Königs. Im Flammenschein. Gerfalken aus der Vorzeit. Übersetzt von Fritz Vogelgsang. Klett-Cotta, 1981, ISBN 3-12-901981-2
- Adega. Eine tausendjährige Historie. Übersetzt von Fritz Vogelgsang. Klett-Cotta, 1986, ISBN 3-608-95191-1
Weblinks
- Asociación Cultural Amigos de Valle-Inclán
- Vorlage:IAI
- Literatur von und über Ramón María del Valle-Inclán im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Werke von und über Ramón María del Valle-Inclán in der Deutschen Digitalen Bibliothek
- Literatur von und über Ramón María del Valle-Inclán im Katalog der Bibliothek des Instituto Cervantes in Deutschland
Einzelnachweise
<references />
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Valle-Inclán, Ramón María del |
| KURZBESCHREIBUNG | spanischer Dramatiker und Romancier |
| GEBURTSDATUM | 28. Oktober 1866 |
| GEBURTSORT | Vilanova de Arousa, Galicien |
| STERBEDATUM | 5. Januar 1936 |
| STERBEORT | Santiago de Compostela |