Rait (Mineral)
| Rait | |
|---|---|
| Allgemeines und Klassifikation | |
| IMA-Nummer |
1972-010<ref name="IMA-Liste" /> |
| IMA-Symbol |
Rai<ref name="Warr"></ref> |
| Chemische Formel |
|
| Mineralklasse (und ggf. Abteilung) |
Silikate und Germanate |
| System-Nummer nach Lapis-Systematik (nach Strunz und Weiß) Strunz (9. Aufl.) Dana |
VIII/F.24-030 9.EE.55 78.05.08.01 |
| Kristallographische Daten | |
| Kristallsystem | monoklin |
| Kristallklasse; Symbol | monoklin-prismatisch; 2/m<ref name="Webmineral" /> |
| Raumgruppe | C2/m (Nr. 12)<ref name="StrunzNickel" /> |
| Gitterparameter | a = 15,1 Å; b = 17,6 Å; c = 5,29 Å β = 100,5°<ref name="StrunzNickel" /> |
| Formeleinheiten | Z = 2<ref name="StrunzNickel" /> |
| Physikalische Eigenschaften | |
| Mohshärte | 3 |
| Dichte (g/cm3) | 2,32 bis 2,39 |
| Spaltbarkeit | perfekt nach {100}, {010}, {001} |
| Farbe | goldgelb, rötlichbraun bis rotviolett<ref name="Lapis" /> |
| Strichfarbe | weiß<ref name="Lapis" /> bis gelb<ref name="Handbookofmineralogy" /> |
| Transparenz | durchscheinend |
| Glanz | Glasglanz |
| Kristalloptik | |
| Brechungsindizes | nα = 1,540 nβ = 1,542 nγ 1,550<ref name="Mindat" /> |
| Doppelbrechung | δ 0,010<ref name="Mindat" /> |
| Optischer Charakter | zweiachsig negativ |
| Achsenwinkel | 2V = 53°<ref name="Mindat" /> |
| Pleochroismus | farblos – gelblich – goldbraun |
| Weitere Eigenschaften | |
| Chemisches Verhalten | zersetzt sich in verdünnter HCl- oder HNO3-Lösung zu skelettartigen Silikarückständen |
Rait ist ein sehr selten vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der „Silikate und Germanate“ mit der chemischen Zusammensetzung Na3Mn3Ti0,25[OH|Si4O10]2·10H2O<ref name="StrunzNickel" /> wobei die Ergebnisse der wenigen Analysen leicht differieren. Strukturell gehört Rait zu den Schichtsilikaten.
Rait kristallisiert im monoklinen Kristallsystem und entwickelt radialstrahlige Mineral-Aggregate aus nadelförmigen, bis etwa zwei Millimeter langen Kristallen. Das Mineral ist durchscheinend und von goldgelber oder rötlichbrauner bis rotvioletter Farbe mit einem glasähnlichen Glanz auf den Oberflächen. Die Strichfarbe ist gelbweiß, die Dichte beträgt 2,32 bis 2,39 g/cm3 und die Mohshärte ist 3.
Etymologie und Geschichte
Entdeckt wurde Rait zusammen mit Zorit im sogenannten „Jubiläumspegmatit“ (russisch: Юбилейная, auch Yubileinaya, Yubileinoye, Jubilejnaja oder Jubileinaja), einem Alkalipegmatit am Berg Karnassurt im Lowosero-Tundra auf der Halbinsel Kola in der nordwestrussischen Oblast Murmansk. Die Analyse und Erstbeschreibung erfolgte durch A. N. Merkow, I. W. Wussen, Je. A. Goiko, Je. A. Kultschizkaja, Ju. P. Menschikow und A. P. Nedoresowa (russisch: А. Н. Мерьков, И. В. Вуссен, Е. А. Гойко, Е. А. Кульчицкая, Ю. П. Меньшиков и А. П. Недорезова), die das Mineral nach dem Schilfboot „Ra“ zu Ehren der internationalen Gruppe von Wissenschaftlern, die unter der Leitung von Thor Heyerdahl auf der „Ra“ den Atlantik überquerten.
Das Mineralogenteam reichte seine Analyseergebnisse und den gewählten 1972 zur Prüfung bei der International Mineralogical Association ein (interne Eingangs-Nr. der IMA: 1972-010<ref name="IMA-Liste" />), die den Rait als eigenständige Mineralart anerkannte. Die Publikation der Erstbeschreibung folgte noch im gleichen Jahr im russischen Fachmagazin Записки Всесоюзного Минералогического Общества [Sapiski Wsessojusnogo Mineralogitscheskogo Obschtschestwa], ebenso wie die Bestätigung der Anerkennung unter dem Titel New Mineral Names englischsprachigen Fachmagazin American Mineralogist.
Typmaterial des Minerals wird im Geologischen Institut der Russischen Akademie der Wissenschaften Kola (GIKB) in Apatity unter den Sammlungs-Nr. 3206 und 3271, im Mineralogisches Museum, benannt nach A. J. Fersman (FMM) in Moskau unter der Sammlungs-Nr. 74489 sowie an der Staatlichen Universität Sankt Petersburg (Sammlungs-Nr. 19047) und im Mineralogischen Museum (Sammlungs-Nr. 1060/1-4) in Sankt Petersburg aufbewahrt.<ref name="IMA-Typmineralkatalog" /><ref name="IMA-Depositories" />
Klassifikation
In der veralteten 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz ist Rait noch nicht verzeichnet. Einzig im Lapis-Mineralienverzeichnis nach Stefan Weiß, das sich aus Rücksicht auf private Sammler und institutionelle Sammlungen noch an dieser alten Form der Systematik von Karl Hugo Strunz orientiert, erhielt das Mineral die System- und Mineral-Nr. VIII/F.24-30. In der „Lapis-Systematik“ entspricht dies der Klasse der „Silikate und Germanate“ und dort der Abteilung „Ketten- und Bandsilikate“, wobei in den Gruppen VIII/F.24 bis VIII/F.26 Minerale mit aus Viererketten [Si4O12]8− bestehenden Strukturen einsortiert sind. Rait bildet hier zusammen mit Balangeroit, Gageit, Leukophan und Magbasit eine eigenständige, aber unbenannte Gruppe (Stand 2018).<ref name="Lapis" />
Die seit 2001 gültige und von der IMA zuletzt 2009 aktualisierte<ref name="IMA-Liste-2009" /> 9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Rait dagegen in die Abteilung der „Schichtsilikate (Phyllosilikate)“ ein. Diese ist zudem weiter unterteilt nach Struktur der Schichten, so dass das Mineral entsprechend seinem Aufbau in der Unterabteilung „Einfache tetraedrische Netze aus 6-gliedrigen Ringen, verbunden über oktaedrische Netze oder Bänder“ zu finden ist, wo es als einziges Mitglied die unbenannte Gruppe 9.EE.55 bildet.
Auch die vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchliche Systematik der Minerale nach Dana ordnet den Rait in die Klasse der „Silikate und Germanate“, dort jedoch in die Abteilung „Unklassifizierte Silikatminerale“ ein. Hier ist er als einziges Mitglied in der unbenannten Gruppe 78.05.08 innerhalb der Unterabteilung „Unklassifizierte Silikate: mögliche Schichtsilikate“ zu finden.
Kristallstruktur
Rait kristallisiert im monoklinen Kristallsystem in der Raumgruppe C2/m (Raumgruppen-Nr. 12) mit den Gitterparametern a = 15,1 Å, b = 17,6 Å, c = 5,29 Å und β = 100,5° sowie zwei Formeleinheiten pro Elementarzelle.<ref name="StrunzNickel" />
Eigenschaften
Das Mineral ist unlöslich in Wasser und zersetzt sich in verdünnter Salzsäure und Salpetersäure zu skelettartigen Silicarückständen.
Bildung und Fundorte
An seiner Typlokalität im „Jubiläumspegmatit“ auf der russischen Halbinsel Kola bildete sich Rait an Wänden von Brüchen und Hohlräumen der alkalireichen Pegmatite, die mit Nephelin gefüllt waren. Als Begleitminerale fanden sich Aegirin, Mountainit, Natrolith und das an dieser Stelle ebenfalls erstmals entdeckte Mineral Zorit.
Weltweit sind von dem sehr selten vorkommenden Mineral nur wenige Fundorte dokumentiert. Außer an seiner Typlokalität fand sich das Mineral in Russland bisher nur noch im „Nastrophitovyi“-Pegmatit der Umbozero Mine am ebenfalls zum Lowosero-Tundra-Massiv gehörenden Berg Alluaiw.
Im Steinbruch „Carrière Poudrette“ am Mont Saint-Hilaire in der kanadischen Provinz Québec trat Rait außer mit den bereits genannten Begleitern noch in Paragenese mit Albit, Analcim, Ankylit, Epididymit, Eudialyt, Nenadkevichit, Serandit und Sodalith auf.
Weitere bisher bekannte Fundorte sind die polymetallische Skarn-Lagerstätte Baiyinnuo nahe Chifeng im Autonomen Gebiet Innere Mongolei der Volksrepublik China, der Steinbruch Demix-Varennes nahe Varennes und Saint-Amable in der kanadischen Provinz Québec, eine Skarn-Lagerstätte nahe der Bergbausiedlung Băița (Bihor) sowie die Grube Paulus bei Ocna de Fier (deutsch Eisenstein) in Rumänien sowie alte Schürfen in der Gemeinde Hodruša-Hámre (auch Hodritsch) in der Mittelslowakei (Stand 2021).<ref name="Fundorte" />
Siehe auch
Literatur
Weblinks
- Rait. In: Mineralienatlas Lexikon. Geolitho Stiftung
- search results. In: rruff.info. Database of Raman spectroscopy, X-ray diffraction and chemistry of minerals (RRUFF) (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).
- American-Mineralogist-Crystal-Structure-Database – Raite. In: rruff.geo.arizona.edu. (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).
Einzelnachweise
<references> <ref name="Handbookofmineralogy"> </ref> <ref name="Fundorte"> Fundortliste für Rait beim Mineralienatlas und bei Mindat, abgerufen am 15. Mai 2021. </ref> <ref name="IMA-Liste-2009"> Ernest H. Nickel, Monte C. Nichols: IMA/CNMNC List of Minerals 2009. (PDF; 1,9 MB) In: cnmnc.units.it. IMA/CNMNC, Januar 2009, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 29. Juli 2024; abgerufen am 30. Juli 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="IMA-Liste">Malcolm Back, Cristian Biagioni, William D. Birch, Michel Blondieau, Hans-Peter Boja und andere: The New IMA List of Minerals – A Work in Progress – Updated: July 2024. (PDF; 3,6 MB) In: cnmnc.units.it. IMA/CNMNC, Marco Pasero, Juli 2024, abgerufen am 13. August 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> <ref name="IMA-Typmineralkatalog"> Catalogue of Type Mineral Specimens – R. (PDF 169 kB) Commission on Museums (IMA), 10. Februar 2021, abgerufen am 17. Mai 2021. </ref> <ref name="IMA-Depositories"> Catalogue of Type Mineral Specimens – Depositories. (PDF 311 kB) Commission on Museums (IMA), 18. Dezember 2010, abgerufen am 17. Mai 2021. </ref> <ref name="Lapis"> Stefan Weiß: Das große Lapis Mineralienverzeichnis. Alle Mineralien von A – Z und ihre Eigenschaften. Stand 03/2018. 7., vollkommen neu bearbeitete und ergänzte Auflage. Weise, München 2018, ISBN 978-3-921656-83-9. </ref> <ref name="Mindat"> Raite. In: mindat.org. Hudson Institute of Mineralogy, abgerufen am 15. Mai 2021 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="StrunzNickel"> </ref> <ref name="Webmineral"> David Barthelmy: Raite Mineral Data. In: webmineral.com. Abgerufen am 15. Mai 2021 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> </references>