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Provença-Tunnel

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Vorlage:Infobox Tunnel

Der Tunnel Sants–La Sagrera (der als eine von mehreren verschiedenen diskutierten Varianten auch Provença-Tunnel genannt wurde) ist ein zweigleisiger einröhriger Eisenbahntunnel in Barcelona. Er wurde am 8. Januar 2013 eröffnet und verbindet regelspurig den Bahnhof Sants im Südwesten der Stadt mit dem neuen Bahnhof Sagrera, der im Nordosten entsteht. Er ist nach dem Aragó- und Meridiana-Tunnel der jüngste der drei Eisenbahntunnel in der Innenstadt. Mit Hilfe des neuen Tunnels sind durchgehende Fahrten von der Schnellfahrstrecke Madrid–Barcelona auf die Schnellfahrstrecke Barcelona–Figueras–Französische Grenze möglich.

Technik

Der Tunnel hat eine Länge von 5,6 Kilometern, wovon 4,8 Kilometer mit Hilfe einer Tunnelbohrmaschine erstellt wurden.<ref name="economia2009-01-16">La tuneladora del AVE empezará a perforar Barcelona a finales de septiembre Meldung vom 16. Januar 2009</ref> Die 105 Meter<ref name="adif1">Vorlage:Webarchiv Informationsseite von Adif</ref> lange und 2300 Tonnen schwere Maschine stammt vom deutschen Hersteller Herrenknecht.<ref name="hispavista">Vorlage:Webarchiv. Meldung vom 9. Februar 2009</ref> Nachdem sich die Inbetriebnahme der Tunnelbohrmaschine mehrfach verschob,<ref name="hispavista" /><ref name="davidvallespi2009-11-30">Vorlage:Webarchiv (PDF; 17 kB) Meldung vom 30. November 2009</ref> begann der Vortrieb schließlich Ende März 2010.<ref name="infranken">Bahn baut Tunnel neben Sagrada Familia Meldung vom 27. März 2010</ref> Die Tunnelbohrmaschine arbeitet sich dabei von La Sagrera aus in Richtung Sants<ref name="adif1" /> vor. Der maschinelle Vortrieb wurde im August 2011 beendet.<ref>AVE-Tunnel beendet Meldung auf Arena-Online</ref> Der Tunnelquerschnitt beträgt 85 Quadratmeter, die Röhre hat einen Durchmesser von 10,4 Meter, die maximale Überdeckung beträgt 41 Meter.<ref name="adif1" /> Die ersten (von La Sagrera aus gesehen) 422 Meter und die letzten 395 Meter des Tunnels wurden in offener Bauweise erstellt.<ref name="adif2">Vorlage:Webarchiv Informationsseite von Adif</ref> Der Tunnel hat zwölf Notausgänge.<ref name="adif2" /> Er unterquert fünf Tunnelröhren der Metro Barcelona sowie je eine der Ferrocarrils de la Generalitat de Catalunya und der Renfe.<ref>adif.es (PDF; 15 MB)Schematische Darstellung des Tunnelverlaufs</ref>

Im Februar 2008 sind die Arbeiten an ein Konsortium aus drei Firmen vergeben worden. Die Bauzeit sollte 35 Monate betragen.<ref>Vorlage:Webarchiv Meldung der Railway Gazette International vom 8. Februar 2008</ref> Die Kosten für den Bau des Tunnels wurden auf 179,3 Millionen Euro veranschlagt.<ref name="hispavista" /> Zwei Gleise liegen dabei in einer Röhre.<ref>Vorlage:Webarchiv</ref> Der Tunnel verläuft weitestgehend unter den Straßenzügen Carrer Provença, Avinguda Diagonal und Carrer Mallorca.<ref name="lukor2009-05-06"> La alemana Herrenknecht finaliza las tuneladoras que perforarán los túneles del AVE en Barcelona y Gerona Meldung vom 6. Mai 2009</ref><ref>Vorlage:Webarchiv</ref> Wegen des Verlaufs unter der Carrer Provença entstand die Bezeichnung als tunel Provença im Gegensatz zu anderen Verläufen, z. B. entlang der Küste, als tunel litoral.

Am 26. Juli 2011 erreichte die Tunnelbohrmaschine nach fast 5,1 km durch den Untergrund die Ausstiegsgrube im Bereich der Kreuzung der Straßen Provença und Entença.<ref name="Via Libre 2011-07-27">Concluye la excavación del túnel de alta velocidad Sants-La Sagrera, en Barcelona Artikel in Via Libre vom 27. Juli 2011</ref>

Kritik

Die Planungen für den Tunnel stießen in Barcelona auf Kritik. Kritiker behaupteten, die Röhre werde unter zahlreichen Gebäuden hindurchgeführt, der Bauherr Adif behauptete das Gegenteil.<ref name="adif1" /> Auch die Nähe zur Sagrada Família hat Proteste hervorgerufen. Die Fundamente der in Bau befindlichen Kirche wurden mit wenig seitlichem Abstand unterfahren.<ref>Vorlage:Webarchiv</ref> Während das Fundament der Kirche bis in eine Tiefe von 16 Metern reicht, liegt der Tunnel an dieser Stelle 30 Meter tief.<ref>Der Tunnel und das Gottvertrauen. In: Berliner Zeitung, 14. Juni 2007</ref> 104 Pfähle im Erdreich sollen das Bauwerk schützen.<ref name="infranken" /> Sie haben jeweils einen Durchmesser von 1,5 Meter und reichen 40 Meter in die Tiefe.<ref name="adif1" /> Die UNESCO lehnte es ab, die Kirche wegen der Arbeiten auf die Rote Liste des gefährdeten Welterbes zu setzen.<ref>Selon l’Unesco, le TGV ne menace pas la Sagrada Família à Barcelone Meldung vom 29. Juni 2009</ref> Nach ursprünglicher Planung sollten die Bauarbeiten im August 2010 am Fuße der Kirche ankommen.<ref name="transportebcn2010-01-24">La tuneladora del AVE llegará a la Sagrada Família en pleno agosto Meldung vom 24. Januar 2010.</ref> Schlussendlich passierte die Tunnelbohrmaschine die Kirche im Oktober 2010.<ref>Le tunnel du TGV à Barcelone a dépassé la Sagrada Família Artikel in La Clau vom 18. Oktober 2010</ref> Das Gaudi-Gebäude Casa Milà wurde im Februar 2011 unterfahren.<ref>La tuneladora del AVE pasa por debajo de la Pedrera sin afectar su estructura. elperiodico.com, 22. Februar 2011.</ref>

Die Kathedrale Sagrada Familia wurde nicht beschädigt. Im Juni hatte die Audiencia Nacional, der oberste Gerichtshof, die Klage der Dombaugemeinschaft der Sagrada Familia und anderer gegen den Bau des Tunnels abgelehnt.<ref name="Via Libre 2011-06-30">La Audiencia Nacional avala las obras del túnel Sants-La Sagrera. In: Via Libre, 30. Juni 2011</ref>

Weblinks

Einzelnachweise

<references />