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Propranolol

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Vorlage:Infobox Chemikalie

Propranolol ist ein Arzneistoff aus der Substanzgruppe der Betablocker und wird unter anderem zur Behandlung der arteriellen Hypertonie (Bluthochdruck) und bei Herzrhythmusstörungen eingesetzt. Es wurde in den 1960er Jahren von James Whyte Black entwickelt,<ref>J.W. Black, A.F. Crowther, R.G. Shanks, L.H. Smith, A.C. Dornhorst: A new beta-adrenergic receptor antagonist. In: The Lancet, 1964, 283, S. 1080–1001.</ref> der 1988 für seine Beiträge zum Verständnis biochemischer Prinzipien der Arzneimitteltherapie den Nobelpreis für Medizin erhielt.<ref>James W. Black: Autobiography. nobelprize.org</ref>

Eigenschaften

Propranolol ist sehr gut fettlöslich und hat eine gute ZNS-Gängigkeit. Pharmazeutisch eingesetzt wird es in Form seines Salzsäuresalzes (Hydrochlorids). Propranololhydrochlorid ist löslich in Wasser und Ethanol (96 Prozent) und praktisch unlöslich in Heptan.<ref>Monografie Propranolol hydrochloride. In: European Pharmacopoeia. 10th Edition (Ph. Eur. 10.0). EDQM Council of Europe, 2019.</ref>

Pharmakodynamik

Betablocker blockieren spezifisch sympathische β-Adrenozeptoren, ohne sie zu aktivieren (keine intrinsische Aktivität). Propranolol gehört zu den alten, nicht herzselektiven Betablockern, die neben β1-auch an β2-Adrenozeptoren binden.

Pharmakokinetik

Propranolol unterliegt einem ausgeprägten First-Pass-Effekt, und daher beträgt die Bioverfügbarkeit nur ca. 30 %. Der Abbau findet in der Leber statt.

Die Plasmahalbwertszeit beträgt 3 bis 4 Stunden.<ref>G. Geisslinger, S. Menzel, T. Gudermann, B. Hinz, P. Roth (Hrsg.): Mutschler Arzneimittelwirkungen. 11. Auflage. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, Stuttgart 2020, S. 355.</ref>

Anwendungsgebiete

Propranolol wird ebenso wie andere Betablocker eingesetzt, z. B. für die Behandlung von

Daneben können nichtselektive Betablocker auch bei Migräne sowie essentiellem Tremor (hier als Mittel der ersten Wahl) angewandt werden. Bei der Behandlung von posttraumatischen Belastungsstörungen wird Propranolol als Off-Label-Use gegen Intrusionen und Übererregbarkeit eingesetzt.<ref>Traumatisierung, Posttraumatische Belastungsstörung (PTSD), Anpassungsstörung, akute Belastungsreaktion. Psychiatriegespräch.de</ref> Für den Einsatz gegen körperliche Angstsymptome gibt es keine ausreichenden Nachweise der Wirksamkeit, nach denen eine routinemäßige Anwendung empfohlen werden könnte.<ref name="PMID26487439">S. A. Steenen, A. J. van Wijk, G. J. van der Heijden, R. van Westrhenen, J. de Lange, A. de Jongh: Propranolol for the treatment of anxiety disorders: Systematic review and meta-analysis. In: Journal of psychopharmacology, Februar 2016, Band 30, Nummer 2, S. 128–139; doi:10.1177/0269881115612236, PMID 26487439, Vorlage:PMC (Review).</ref>

Nebenwirkungen

  • Initialer Blutdruckanstieg,
  • Auslösung von Asthmaanfällen,
  • Synkopen,
  • periphere Durchblutungsstörungen.<ref>DAZ, 26. März 2009, Nr. 13.</ref>

Stereochemie

Arzneimittel enthalten den Arzneistoff als Racemat (1:1-Gemisch der Enantiomere), wobei aus grundsätzlichen Überlegungen die Verwendung des besser bzw. nebenwirkungsärmer wirksamen Enantiomers zu bevorzugen wäre. Der Bedeutung der Enantiomeren-Reinheit von synthetisch hergestellten Wirkstoffen wird zunehmend Beachtung gegeben, denn die beiden Enantiomeren eines chiralen Arzneistoffes zeigen fast immer eine unterschiedliche Pharmakologie und Pharmakokinetik. Das wurde früher aus Unkenntnis über stereochemische Zusammenhänge oft ignoriert.<ref>Vorlage:Literatur</ref> Das aktive Stereoisomer (Eutomer) ist die (S)-Form von Propranolol.<ref name="Agustiana">Vorlage:Literatur</ref>

Verwendung als Dopingmittel

Dank seiner Eigenschaft, die Herzfrequenz zu senken und dem natürlichen physiologischen Tremor entgegenzuwirken, wird Propranolol auch als verbotenes Dopingmittel im Schießsport eingesetzt. Bekanntester Fall ist der nordkoreanische Pistolenschütze Kim Jong-su, dem bei den Olympischen Sommerspielen 2008 in Peking seine Silbermedaille mit der Freien Pistole und seine Bronzemedaille mit der Luftpistole nach einem positiven Test auf Propranolol aberkannt wurde.<ref>Vorlage:Webarchiv ARD, 15. August 2008; Olympia-Berichterstattung.</ref>

Trivia

In der DDR war die Einnahme einer Überdosis Propranolol (Obsidan) eine häufig gewählte Suizidmethode.<ref>Vorlage:Der Spiegel</ref>

Seit 1990 wird Propranolol in der Liste der unentbehrlichen Arzneimittel der Weltgesundheitsorganisation geführt.

Propranolol spielt eine zentrale Rolle in Hugh Howeys Romanserie Silo.

Handelsnamen

Monopräparate
Beta-Tablinen (D), Dociton (D), Inderal (A, CH), Obsidan (D), Prophylux (D), Generika (D, CH), Syprol (UK)

Kombinationspräparate
Beta-Turfa (D), Dociretic (D), Dociteren (D), Pertenso (D), Propra comp (D), Triamteren tri-comp (D), Hemangiol

Literatur

Einzelnachweise

<references />

Vorlage:Gesundheitshinweis