Prisma (Broschüre)
Prisma (Abkürzung für: prima radikales info sammelsurium militanter aktionen) ist eine handbuchartige Broschüre anonymer Autoren, die zu militanten Aktionen anleitet. Die Broschüre kam 2010 in Umlauf. In Papierform wurde Prisma hauptsächlich in Berlin, Hamburg und Niedersachsen verbreitet.<ref>Abendblatt: Linksextreme Broschüre erklärt: So baust du eine Bombe, 5. Juni 2010</ref>
Die Beiträge waren zum Teil erneute Abdrucke und Weiterentwicklungen von Beiträgen der Zeitschriften radikal und interim.<ref name="hamburg">Verfassungsschutzbericht Hamburg 2010 (PDF; 5,8 MB), S. 99</ref>
Inhalt
In der 80-seitigen Broschüre im DIN-A-4-Format werden verschiedene Themen des politischen Widerstands abgehandelt. Neben einem theoretischen Teil zu „Zielen und Beweggründen militanter Politik“ findet sich Anleitungen zur Durchführung von Anschlägen, zur Dokumentation, zu sicherheitstechnischen Aspekten, zu Taktiken für Sabotageaktionen und zur Vermeidung von Spuren, detaillierte Baupläne von Brandsätzen und Hinweise zum Vorgehen der Ermittlungsbehörden.<ref name="pattex">taz: Mit Pattex zum Nobelkarossentod, 7. Juni 2010</ref>
Ermittlungen
Während der Ermittlungen zu den Herausgebern der Broschüre durchsuchte die Staatsanwaltschaft Berlin am 28. und 29. April 2010 auf Grundlage eines allgemeinen Beschlagnahmebeschlusses des Amtsgerichts Berlin-Tiergarten mehrere Buchläden und linke Projekte in Berlin.<ref>Innenminister Uwe Schünemann beantwortet die Kleine Anfrage der Abgeordneten Matthias Nerlich, Wittich Schobert und André Wiese (CDU): Zeitschrift Prisma: „Bau dir deine eigene Bombe“</ref> Dabei wurden Exemplare der Broschüre beschlagnahmt.<ref name="pattex"/> Eine Ermittlung gegen die Buchläden selbst wegen Anleitung zu Straftaten war Grund für die Gründung der Initiative unzensiert lesen<ref name="ErkBuch">M99, oh21, Schwarze Risse: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Erklärung zur Durchsuchungswelle in Berliner linken Buch- und Infoläden ( vom 25. Oktober 2011 im Internet Archive), abgerufen am 12. Januar 2011.</ref> und wurde im Juni 2011 eingestellt.<ref>Peter Nowak: Verfahren gegen linke Buchhändler eingestellt. In: Neues Deutschland vom 15. Juni 2011, abgerufen am 11. August 2011.</ref>
Am 9. Juni 2010 durchsuchte die Berliner Justiz die Geschäftsräume des Berliner Internetproviders JP Berlin, auf dessen Server eine vom Kunden projektwerkstatt.de eingestellte PDF-Kopie der Prisma gefunden wurde, und beschlagnahmte Computer und Festplatten. Durch die Aktion waren 10.000 Webseiten vorübergehend nicht erreichbar.<ref>taz: Aktivisten vom Netz genommen, 10. Juni 2010</ref>
Bewertung durch den Verfassungsschutz
Der Leiter des niedersächsischen Verfassungsschutzes, Hans-Werner Wargel, kommentierte, dass mit der Prisma in „bislang unbekannter Akribie und Professionalität zu Straftaten aufgerufen“ werde.<ref>Der Spiegel Anleitung aus dem Untergrund, 7. Juni 2011</ref> Die Broschüre wurde im Verfassungsschutzbericht 2010 des Bundes<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Bundesverfassungsschutzbericht 2010 ( vom 10. Mai 2012 im Internet Archive) (PDF; 4,3 MB), S. 137</ref> sowie Hamburgs,<ref name="hamburg"/> Bayerns, Berlins, Niedersachsen<ref>Verfassungsschutzbericht Niedersachsen 2010, S. 172</ref> und weiterer Länder behandelt.
Einzelnachweise
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