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Präsident des Europäischen Parlaments

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Vorlage:Infobox Amt

Der Präsident des Europäischen Parlaments, auch oft als EU-Parlamentspräsident bezeichnet, leitet die Aktivitäten des Europäischen Parlaments und die dem Parlament unterstellten Institutionen. Seit dem 18. Januar 2022 ist Roberta Metsola Präsidentin des Europäischen Parlaments.

Aufgaben

Als Parlamentspräsident hat sie den Vorsitz bei den Plenarsitzungen und repräsentiert das Parlament in allen Außenangelegenheiten, etwa gegenüber anderen EU-Institutionen oder auf internationaler Ebene. Bei den Gipfeltreffen des Europäischen Rates erstattet sie den Staats- und Regierungschefs Bericht über die Standpunkte des Parlaments.

Zusammen mit dem Vorsitzenden des Rates der EU unterzeichnet sie die nach dem ordentlichen Gesetzgebungsverfahren erlassenen EU-Rechtsakte, bevor diese im Amtsblatt der Europäischen Union veröffentlicht werden (Art. 297 AEU-Vertrag).

Im Einzelnen sind die Aufgaben des Parlamentspräsidenten in Art. 20 der Geschäftsordnung des Europäischen Parlaments geregelt.<ref>Art. 20 der Geschäftsordnung auf der Homepage des Europäischen Parlaments.</ref>

Präsidium

Die Präsidentin wird von einem Präsidium unterstützt, das auch als Büro bezeichnet wird. Das Büro ist die für das Budget des Parlaments und für Verwaltungsangelegenheiten verantwortliche Behörde. Es besteht aus der Präsidentin, insgesamt vierzehn Vize-Präsidenten und fünf Quästoren, die die Interessen der Parlamentarier als Abgeordnete vertreten. Die Mitglieder des Präsidiums werden von den Mitgliedern des Europäischen Parlaments aus deren Mitte gewählt.

Konferenz der Präsidenten

Des Weiteren führt der Parlamentspräsident den Vorsitz bei der Konferenz der Präsidenten, die aus ihr selbst sowie den Vorsitzenden der Fraktionen des Europäischen Parlaments besteht. Die Konferenz der Präsidenten ist insbesondere für die Festlegung der Tagesordnung der Parlamentssitzungen zuständig.

Wahl des Präsidenten

Der Parlamentspräsident wird nach Art. 14 Abs. 4 EU-Vertrag vom Parlament aus seiner Mitte gewählt. Er benötigt die absolute Mehrheit der abgegebenen Stimmen. Wenn dies nicht im ersten Wahlversuch zustande kommt, können neue Kandidaten für die Präsidentschaft, in dem zweiten und dritten Wahlversuch, hinzukommen, jedoch können im vierten Wahlversuch nur die beiden Kandidaten des dritten teilnehmen, die die meisten Stimmen erzielt haben.<ref>Art. 14 der Geschäftsordnung auf der Homepage des Europäischen Parlaments.</ref> Die Amtszeit des Parlamentspräsidenten sowie der anderen Mitglieder des Präsidiums beträgt zweieinhalb Jahre, also eine halbe Legislaturperiode des Parlaments.<ref>Art. 17 der Geschäftsordnung auf der Homepage des Europäischen Parlaments.</ref>

Üblicherweise teilen sich jeweils die beiden größten Fraktionen des Europäischen Parlaments, nämlich die Fraktion der Europäischen Volkspartei (EVP) und die Progressive Allianz der Sozialisten und Demokraten im Europäischen Parlament (S&D) je zwei Amtszeiten auf, sodass in der ersten Hälfte der Legislaturperiode ein Vertreter der einen und in der zweiten Hälfte ein Vertreter der anderen Fraktion das Parlament leitet.

Auch die weiteren Mitglieder des Präsidiums werden vom Europäischen Parlament aus seiner Mitte gewählt, wobei hier im Allgemeinen auch die anderen Fraktionen entsprechend ihrer Größe zum Zuge kommen. In der ersten Hälfte der Legislaturperiode 2009–2014 waren jedoch die kleine europaskeptische Fraktion Europa der Freiheit und der Demokratie (EFD) sowie anfangs auch die nationalkonservative Fraktion Europäische Konservative und Reformisten (EKR) nicht im Präsidium vertreten; die Linksfraktion GUE/NGL stellte keinen Vizepräsidenten, sondern nur einen Quästor. Der EKR-Abgeordnete Edward McMillan-Scott, der gegen den Willen seines Fraktionsvorsitzenden zum Vizeparlamentspräsidenten gewählt worden war, wurde unmittelbar danach aus seiner Fraktion ausgeschlossen und schloss sich später der liberalen Fraktion ALDE an. Im Gegenzug wurde nach dem Rücktritt der ALDE-Abgeordneten Silvana Koch-Mehrin als Vizepräsidentin im Juli 2011 das EKR-Mitglied Giles Chichester nachgewählt. Bei der Neuwahl des Präsidiums für die zweite Hälfte der Legislaturperiode wurden am 18. Januar 2012 Mitglieder aller Fraktionen mit Ausnahme der EFD gewählt, wobei die GUE/NGL erneut nur mit einem Quästor vertreten war.

Liste der Präsidenten des Europäischen Parlaments

Bezeichnung Amtszeit Bild Name Politische Zugehörigkeit Herkunftsstaat
Gemeinsame Versammlung 1952–1954 Paul-Henri Spaak Sozialist BelgienDatei:Flag of Belgium (civil).svg Belgien
1954 Alcide De Gasperi
(starb am 19. August 1954)
Christdemokrat ItalienDatei:Flag of Italy.svg Italien
1954–1956 Giuseppe Pella Christdemokrat ItalienDatei:Flag of Italy.svg Italien
1956–1958 Hans Furler Christdemokrat DeutschlandDatei:Flag of Germany.svg Deutschland
Parlamentarische Versammlung 1958–1960 Robert Schuman Christdemokrat FrankreichDatei:Flag of France.svg Frankreich
1960–1962 Hans Furler Christdemokrat DeutschlandDatei:Flag of Germany.svg Deutschland
Europäisches Parlament (ernannt) 1962–1964 Gaetano Martino Liberaler ItalienDatei:Flag of Italy.svg Italien
1964–1965 Jean Pierre Duvieusart Christdemokrat BelgienDatei:Flag of Belgium (civil).svg Belgien
1965–1966 Victor Leemans Christdemokrat BelgienDatei:Flag of Belgium (civil).svg Belgien
1966–1969 Alain Poher Christdemokrat FrankreichDatei:Flag of France.svg Frankreich
1969–1971 Mario Scelba Christdemokrat ItalienDatei:Flag of Italy.svg Italien
1971–1973 Walter Behrendt Sozialdemokrat DeutschlandDatei:Flag of Germany.svg Deutschland
1973–1975 Cornelis Berkhouwer Liberaler NiederlandeDatei:Flag of the Netherlands.svg Niederlande
1975–1977 Georges Spénale Sozialist FrankreichDatei:Flag of France.svg Frankreich
1977–1979 Emilio Colombo Christdemokrat ItalienDatei:Flag of Italy.svg Italien
1. Wahlperiode 1979–1982 Simone Veil LDR FrankreichDatei:Flag of France.svg Frankreich
1982–1984 Piet Dankert Soc NiederlandeDatei:Flag of the Netherlands.svg Niederlande
2. Wahlperiode 1984–1987 Pierre Pflimlin EVP FrankreichDatei:Flag of France.svg Frankreich
1987–1989 Lord Plumb ED Vereinigtes KonigreichDatei:Flag of the United Kingdom.svg Vereinigtes Königreich
3. Wahlperiode 1989–1992 Enrique Barón Crespo Soc SpanienDatei:Flag of Spain.svg Spanien
1992–1994 Egon Klepsch EVP DeutschlandDatei:Flag of Germany.svg Deutschland
4. Wahlperiode 1994–1997 Klaus Hänsch SPE DeutschlandDatei:Flag of Germany.svg Deutschland
1997–1999 José María Gil-Robles EVP SpanienDatei:Flag of Spain.svg Spanien
5. Wahlperiode 1999–2002 Nicole Fontaine EVP FrankreichDatei:Flag of France.svg Frankreich
2002–2004 Pat Cox ELDR IrlandDatei:Flag of Ireland.svg Irland
6. Wahlperiode 2004–2007 Josep Borrell Fontelles SPE SpanienDatei:Flag of Spain.svg Spanien
2007–2009 Hans-Gert Pöttering EVP DeutschlandDatei:Flag of Germany.svg Deutschland
7. Wahlperiode 2009–2012 Jerzy Buzek EVP PolenDatei:Flag of Poland.svg Polen
2012–2014 Martin Schulz SPE DeutschlandDatei:Flag of Germany.svg Deutschland
2014 Gianni Pittella SPE ItalienDatei:Flag of Italy.svg Italien
8. Wahlperiode 2014–2017 Martin Schulz SPE DeutschlandDatei:Flag of Germany.svg Deutschland
2017–2019 Antonio Tajani EVP ItalienDatei:Flag of Italy.svg Italien
9. Wahlperiode 2019–2022 David Sassoli
(starb am 11. Januar 2022)
SPE ItalienDatei:Flag of Italy.svg Italien
2022–2024 Roberta Metsola EVP MaltaDatei:Flag of Malta.svg Malta
10. Wahlperiode 2024 Roberta Metsola EVP MaltaDatei:Flag of Malta.svg Malta

Mitglieder des Präsidiums

Datei:Constitutive meeting of the new Bureau of the EP - group photo.jpg
Präsidium des Parlaments zu Beginn der 10. Wahlperiode

Am 16. Juli 2024 wurde zu Beginn der 10. Wahlperiode Roberta Metsola als Präsidentin des Europäischen Parlaments bestätigt. Die 14 Vizepräsidenten wurden:<ref>Neues Präsidium des Europäischen Parlaments gewählt. In: europarl.europa.eu. 16. Juli 2024, abgerufen am 16. Juli 2024.</ref>

Name Fraktion Herkunftsstaat Anmerkungen
Sabine Verheyen EVP DeutschlandDatei:Flag of Germany.svg Deutschland
Ewa Kopacz EVP PolenDatei:Flag of Poland.svg Polen
Esteban González Pons EVP SpanienDatei:Flag of Spain.svg Spanien
Katarina Barley S&D DeutschlandDatei:Flag of Germany.svg Deutschland
Pina Picierno S&D ItalienDatei:Flag of Italy.svg Italien
Victor Negrescu S&D RumänienDatei:Flag of Romania.svg Rumänien
Martin Hojsík Renew Europe SlowakeiDatei:Flag of Slovakia.svg Slowakei
Christel Schaldemose S&D DanemarkDatei:Flag of Denmark.svg Dänemark
Javi López S&D SpanienDatei:Flag of Spain.svg Spanien
Sophie Wilmès Renew Europe BelgienDatei:Flag of Belgium (civil).svg Belgien
Nicolae Ştefănuţă Grüne/EFA RumänienDatei:Flag of Romania.svg Rumänien
Roberts Zīle EKR LettlandDatei:Flag of Latvia.svg Lettland
Antonella Sberna EKR ItalienDatei:Flag of Italy.svg Italien
Younous Omarjee GUE/NGL FrankreichDatei:Flag of France.svg Frankreich

Frühere Mitglieder des Präsidiums

Nach dem Tod von David Sassoli im Januar 2022 wurde Roberta Metsola zur Präsidentin des Europäischen Parlaments gewählt. Sie hat 14 Stellvertreter (Vizepräsidenten).<ref name="orf3244127">Karas und Regner zu Parlamentsvizepräsidenten gewählt. In: ORF.at. 19. Januar 2022, abgerufen am 19. Januar 2022.</ref><ref>Roberta Metsola zur neuen Präsidentin des Europäischen Parlaments gewählt. In: europarl.europa.eu. 18. Januar 2021, abgerufen am 19. Januar 2021.</ref> Neun Vizepräsidenten wurden im ersten Wahlgang gewählt, drei im zweiten Wahlgang und zwei im dritten Wahlgang. Anstelle der bisherigen Vizepräsidenten Klára Dobrev, Lívia Járóka, Marcel Kolaja und Fabio Massimo Castaldo wurden Pina Picierno, Eva Kaili, Evelyn Regner, Michal Šimečka und Roberts Zīle Vizepräsidenten.<ref>Die neuen Vizepräsidenten und Quästoren des Parlaments. In: europarl.europa.eu. 18. Januar 2021, abgerufen am 20. Januar 2021.</ref> Nach der Absetzung von Eva Kaili wurde Marc Angel neuer Vizepräsident.<ref> https://www.tageblatt.lu/author/no-author/</ref> Nachdem Michal Šimečka nach der Nationalratswahl in der Slowakei 2023 seinen Posten im Europäischen Parlament aufgab und als Oppositionsführer in den Slowakischen Nationalrat wechselte, wurde sein Parteikollege Martin Hojsík zu seinem Nachfolger gewählt.<ref>Šimečka má náhradu! Tento Slovák bol zvolený za predsedu Európskeho parlamentu. Nový Čas, 18. Oktober 2023, abgerufen am 19. Juli 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>

Name Fraktion Herkunftsstaat Anmerkungen
S&D PortugalDatei:Flag of Portugal.svg Portugal
EVP DeutschlandDatei:Flag of Germany.svg Deutschland
S&D DeutschlandDatei:Flag of Germany.svg Deutschland
EVP OsterreichDatei:Flag of Austria.svg Österreich
EVP PolenDatei:Flag of Poland.svg Polen
Renew Europe TschechienDatei:Flag of the Czech Republic.svg Tschechien
Renew Europe DeutschlandDatei:Flag of Germany.svg Deutschland
Grüne/EFA FinnlandDatei:Flag of Finland icon.svg Finnland
GUE/NGL GriechenlandDatei:Flag of Greece.svg Griechenland
S&D ItalienDatei:Flag of Italy.svg Italien
S&D LuxemburgDatei:Flag of Luxembourg.svg Luxemburg
S&D OsterreichDatei:Flag of Austria.svg Österreich
Renew Europe SlowakeiDatei:Flag of Slovakia.svg Slowakei
ECR LettlandDatei:Flag of Latvia.svg Lettland

In der Legislaturperiode ab 2019 war David Sassoli bis zu seinem Tod im Januar 2022 Präsident des Europäischen Parlaments. Er hatte 14 Stellvertreter (Vizepräsidenten).<ref>Vierzehn Vizepräsidenten des europäischen Parlaments gewählt. 4. Juli 2019, abgerufen am 6. Juli 2019.</ref><ref>Mitgliederverzeichnis</ref>

Name Fraktion Herkunftsstaat Anmerkungen
EVP IrlandDatei:Flag of Ireland.svg Irland
S&D PortugalDatei:Flag of Portugal.svg Portugal
EVP DeutschlandDatei:Flag of Germany.svg Deutschland
S&D DeutschlandDatei:Flag of Germany.svg Deutschland
EVP OsterreichDatei:Flag of Austria.svg Österreich
EVP PolenDatei:Flag of Poland.svg Polen
S&D UngarnDatei:Flag of Hungary.svg Ungarn
Renew Europe TschechienDatei:Flag of the Czech Republic.svg Tschechien
Renew Europe DeutschlandDatei:Flag of Germany.svg Deutschland
EVP UngarnDatei:Flag of Hungary.svg Ungarn
Grüne/EFA FinnlandDatei:Flag of Finland icon.svg Finnland
Grüne/EFA TschechienDatei:Flag of the Czech Republic.svg Tschechien
GUE-NGL GriechenlandDatei:Flag of Greece.svg Griechenland
NI ItalienDatei:Flag of Italy.svg Italien

In der zweiten Hälfte der Legislaturperiode 2014 bis 2019 war Antonio Tajani (EVP) Präsident des Europäischen Parlaments. Er hatte 14 Stellvertreter (Vizepräsidenten).<ref>Mitgliederverzeichnis</ref>

Name Fraktion Herkunftsstaat Anmerkungen
EVP ItalienDatei:Flag of Italy.svg Italien Präsident
EVP IrlandDatei:Flag of Ireland.svg Irland
S&D PolenDatei:Flag of Poland.svg Polen
S&D ItalienDatei:Flag of Italy.svg Italien
EVP DeutschlandDatei:Flag of Germany.svg Deutschland
S&D FrankreichDatei:Flag of France.svg Frankreich
EKR PolenDatei:Flag of Poland.svg Polen
EVP SpanienDatei:Flag of Spain.svg Spanien
S&D DeutschlandDatei:Flag of Germany.svg Deutschland
ALDE TschechienDatei:Flag of the Czech Republic.svg Tschechien
EVP UngarnDatei:Flag of Hungary.svg Ungarn Ersatz für Ildikó Gáll-Pelcz
S&D RumänienDatei:Flag of Romania.svg Rumänien
GUE-NGL GriechenlandDatei:Flag of Greece.svg Griechenland
Grüne/EFA FinnlandDatei:Flag of Finland icon.svg Finnland Ersatz für Ulrike Lunacek
EFDD ItalienDatei:Flag of Italy.svg Italien Ersatz für Alexander Graf Lambsdorff

Außerdem gibt es fünf Quästoren.<ref>Mitgliederverzeichnis</ref>

Name Fraktion Herkunftsstaat
EVP FrankreichDatei:Flag of France.svg Frankreich
EVP BulgarienDatei:Flag of Bulgaria.svg Bulgarien
S&D SlowakeiDatei:Flag of Slovakia.svg Slowakei
ALDE Vereinigtes KonigreichDatei:Flag of the United Kingdom.svg Vereinigtes Königreich
EKR PolenDatei:Flag of Poland.svg Polen

Weblinks

Commons: Präsident des Europäischen Parlaments – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

<references />

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