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Präkordialer Faustschlag

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Der präkordiale Faustschlag oder präkardiale Schlag ist eine Form der Kardioversion, die bei der Herz-Lungen-Wiederbelebung versucht werden kann, um einen bestehenden Kreislaufstillstand zu durchbrechen. Die mechanische Energie des Schlages (etwa 5 Joule) soll die Konversion eines Kammerflimmerns, eines Kammerflatterns oder einer ventrikulären Tachykardie in einen regelhaften Sinusrhythmus bewirken.<ref name="Kohl">P. Kohl, A. M. King, C. Boulin: Anti arrhythmic effects of acute mechanical stimulation. In: P. Kohl, F. Sachs, M. R. Franz (Hrsg.): Cardiac mechano-electricfeedback and arrhythmias: from pipette to patient. Elsevier Saunders, Philadelphia 2005, S. 304–314.</ref>

Der präkordiale Faustschlag wird in den Reanimationsrichtlinien des European Resuscitation Council nur für medizinische Fachkräfte empfohlen und auch nur dann, wenn der Eintritt des Kreislaufstillstandes unmittelbar zuvor direkt am EKG-Monitor beobachtet wurde.<ref name="Deakin">C. D. Deakin, J. P. Nolan; European Resuscitation Council: European Resuscitation Council guidelines for resuscitation 2005. Section 3. Electrical therapies: automated external defibrillators, defibrillation, cardioversion and pacing. In: Resuscitation. Suppl 1, 2005, S. 25–37. PMID 16321714.</ref> Dabei wird die Kleinfinger- bzw. Ellenseite der Faust einmalig aus einer Höhe von etwa 15 bis 20 Zentimeter kraftvoll auf die mittlere bis untere Partie des Brustbeins (Übergang mittleres zu unterem Drittel) geschlagen und sofort wieder zurückgezogen, so dass eine impulshafte Krafteinwirkung stattfindet.

Es gibt keine prospektiven Studien, die eine Wirksamkeit des präkordialen Faustschlages nachweisen. Bei der Behandlung von ventrikulären Tachyarrhythmien erwies sich diese mechanische Kardioversion<ref>Peter Sefrin: Präkordialer Faustschlag als Erstmaßnahme zur Kardioversion. In: Deutsche Medizinische Wochenschrift. Band 111, Nr. 27, 1986, S. 1066–1067.</ref> als ineffektiv.<ref>O. Amir, J. E. Schliamser, S. Nemer, M. Arie: Ineffectiveness of precordial thump for cardioversion of malignant ventricular tachyarrhythmias. In: Pacing Clin Electrophysiol. Band 30, Nr. 2, Februar 2007, S. 153–156, doi:10.1111/j.1540-8159.2007.00643.x, PMID 17338709.</ref> Das Manöver wurde 1920 durch den Kölner Arzt Eduard Schott erstmals publiziert<ref>E. Schott: Über Ventrikelstillstand (Adams-Stokes’sche Anfälle) nebst Bemerkungen über andersartige Arhythmien passagerer Natur. In: Deutsches Archiv für Klinische Medizin. Band 131, 1920, S. 211–229.</ref> und 1970 durch James E. Pennington, Jack Taylor und Bernard Lown umfassend beschrieben.<ref>J. E. Pennington, J. Taylor, B. Lown: Chest thump for reverting ventricular tachycardia. In: N. Engl. J. Med. Band 283, Nr. 22, November 1970, S. 1192–1195, doi:10.1056/NEJM197011262832204, PMID 5472940.</ref>

Einzelnachweise

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