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Pieter De Rudder

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

Vorlage:Hinweisbaustein Pieter De Rudder oder französisch Pierre De Rudder (* 2. Juli 1822 in Jabbeke; † 22. März 1898),<ref>Alphonsus de Meester: De wonderbare genezing van Pieter de Rudder. Het kanoniek onderzoek, 1907–1908. Oostakker 1957, S. 138–139.</ref> war ein belgischer Landarbeiter. Rudders Heilung ist eines der berühmtesten von der Römisch-Katholischen Kirche anerkannten „Lourdes-Wunder“. Ein Bronzeguss seiner Knochen ist im medizinischen Büro von Lourdes ausgestellt.<ref>Paul Miest, Les 54 miracles de Lourdes au jugement du droit canon, Paris, 1958, S. 100.</ref>

Seine Heilung von den Folgen seines Beinbruchs soll nicht in Lourdes, sondern bemerkenswerterweise in einem Heiligtum Unserer Lieben Frau von Lourdes im ostflandrischen Oostakker, nahe Gent in Belgien, erfolgt sein.

Das Dossier

Am 16. Februar 1867 brach sich De Rudder im westflandrischen Jabbeke nach einem Sturz von einem Baum das linke Bein (Schienbein und Wadenbein). Er befand sich zu dieser Zeit in Diensten des Vicomte Albéric du Bus de Gisignies.<ref>Alphonsus de Meester: De wonderbare genezing van Pieter de Rudder. Het kanoniek onderzoek, 1907–1908. Oostakker 1957, S. 79 und 139.</ref> Mehrere Ärzte empfahlen nach negativem Heilungsverlauf die Amputation.<ref>Siehe zum Beispiel Alphonsus de Meester: De wonderbare genezing van Pieter de Rudder. Het kanoniek onderzoek, 1907–1908. Oostakker 1957, S. 17–18.</ref> De Rudder oder der Vicomte lehnten dies jedoch ab.<ref>Alphonsus de Meester: De wonderbare genezing van Pieter de Rudder. Het kanoniek onderzoek, 1907–1908. Oostakker 1957, S. 18, 36, 57, 142.</ref> Die ärztliche Behandlung hörte danach auf, weitere Belege fehlen in einem über Jahre dauernden, schlecht zu bestimmenden Zeitraum.<ref>Siehe für ein Beispiel zur Diskussion über diese Frage: Alphonsus de Meester: De wonderbare genezing van Pieter de Rudder. Het kanoniek onderzoek, 1907–1908. Oostakker 1957, S. 58.</ref>

Der Vicomte zahlte De Rudder eine Pension, die der Kaplan Rommelaere von Jabbeke als „schönes Gehalt“ bezeichnete.<ref>Alphonsus de Meester: De wonderbare genezing van Pieter de Rudder. Het kanoniek onderzoek, 1907–1908. Oostakker 1957, S. 80.</ref> Nach dem Tod des Vicomte, am 26. Juli 1874,<ref>Erzählung des Kaplans Rommelaere im Jahre 1875, wiedergegeben in Alphonsus de Meester: De wonderbare genezing van Pieter de Rudder. Het kanoniek onderzoek, 1907–1908. Oostakker 1957, S. 80, die als Datum den 24. Juni 1874 gibt; von der Vicomtesse du Bus korrigiert, siehe ihren Brief an die Zeitung Le Bien Public (Gent), 3. Februar 1913.</ref> wurde diese Pension von den Erben gestrichen.<ref>Kaplan Rommelaere von Jabbeke, Bericht vom 11. April 1875, wiedergegeben in Alphonsus de Meester: De wonderbare genezing van Pieter de Rudder. Het kanoniek onderzoek, 1907–1908. Oostakker 1957, S. 80; Pfarrer E. Scheerlinck: Lourdes en Flandre, Gent 1876: „Leider! Der unerbittliche Tod kam, den großzügigen Wohltäter am 21. Juni 1874 zu schlagen. Pieter sah sich noch einmal ins Elend getaucht.“; Absetzung von Augustus De Wulf: „Diese kleine Pension hörte auf, sobald der vicomte starb, weil nichts geschrieben gewesen war“. (Alphonsus de Meester: De wonderbare genezing van Pieter de Rudder. Het kanoniek onderzoek, 1907–1908. Oostakker 1957, S. 122); Aussage der Witwe und des Mädchens von De Rudder 1899 (Alphonsus de Meester: De wonderbare genezing van Pieter de Rudder. Het kanoniek onderzoek, 1907–1908. Oostakker 1957, S. 143–144).</ref>

Am 7. April 1875, achteinhalb Monate nach der Streichung der Pension, die sieben Jahre gezahlt worden war, ging De Rudder in die Kirche Notre-Dame von Lourdes zur Anbetung, und erklärte sich nach dem Verlassen des Heiligtums für geheilt. Er zeigt eine Narbe vor, die, wenn man einer späten (und die übernatürliche These begünstigenden) Zeugenaussage glaubt, gleich nach der Heilung den Anschein hatte, dass sie alt sei.<ref>Brief des Van Hoestenberghe vom 25. Februar 1907, in: Alphonsus de Meester: De wonderbare genezing van Pieter de Rudder. Het kanoniek onderzoek, 1907–1908. Oostakker 1957, S. 183.</ref>

Die behandelnden Ärzte weigerten sich, der Geistlichkeit der Pfarrgemeinde eine Bescheinigung auszufertigen,<ref>Siehe zum Beispiel Alphonsus de Meester: De wonderbare genezing van Pieter de Rudder. Het kanoniek onderzoek, 1907–1908. Oostakker 1957, S. 156–157. Die Verfechter des Wunders erklären diese Verweigerung durch den „Liberalismus“ und den „Unglauben“ der behandelnden Ärzte, aber diese Worte scheinen mit Vorsicht zu nehmen zu sein. So bezeichnet Van Hoestenberghe (Alphonsus de Meester: De wonderbare genezing van Pieter de Rudder. Het kanoniek onderzoek, 1907–1908. Oostakker 1957, S. 51) den verstorbenen behandelnden Arzt Affenaer, den ein Bericht des Jesuiten Van Tricht (Collection de Précis historiques …, Bd. 25 = Bd. 5 der 2. Folge, S. 659) ausdrücklich als glaubend vorstellt, als „ungläubig“.</ref> Dieser begnügte sich 1875 mit zwei Nachbarn und Freunden (Vater und Sohn) von De Rudder als Augenzeugen.<ref>Alphonsus de Meester: De wonderbare genezing van Pieter de Rudder. Het kanoniek onderzoek, 1907–1908. Oostakker 1957, S. 21–22.</ref> Diese zwei Zeugen unterschrieben eine identische, vom Vikar von Jabbeke ausgearbeitete Bescheinigung, nach der sie am Vorabend der Wallfahrt die in der Wunde hervortretenden Knochenenden gesehen hatten. Die Bescheinigung erwähnt eine Bewohnerin des Dorfes, die nicht unterzeichnet und dieselbe Sache zwei Tage vor der Wallfahrt gesehen habe.<ref>Alphonsus de Meester: De wonderbare genezing van Pieter de Rudder. Het kanoniek onderzoek, 1907–1908. Oostakker 1957, S. 31.</ref>

Der Bischof von Brügge, Johan Joseph Faict, fragte brieflich um Informationen bei Van Hoestenberghe an, einem Arzt, der nie zu De Rudders behandelnden Ärzten gehört, sondern das Bein lediglich aus Neugierde geprüft hatte. Van Hoestenberghe antwortete im April und Mai 1875. Seine zwei Briefe wurden vom Bistum vor der kanonischen Untersuchung (1907–1908) und der Anerkennung des Wunders durch Bischof Gustavus Josephus Waffelaert 1908 als verloren deklariert und erst 1956 wiedergefunden.<ref>Alphonsus de Meester: De wonderbare genezing van Pieter de Rudder. Het kanoniek onderzoek, 1907–1908. Oostakker 1957, S. 49, 156–157, 245–249.</ref> Bischof Faict seinerseits führte keine kanonische Untersuchung durch.<ref>Alphonsus de Meester: De wonderbare genezing van Pieter de Rudder. Het kanoniek onderzoek, 1907–1908. Oostakker 1957, S. 156–157.</ref>

Der letzte namentlich bekannte überlebende behandelnde Arzt, Verriest, starb in Brügge am 3. August 1891. Ungefähr ein Jahr später, anlässlich der jährlichen belgischen Wallfahrt von August 1892 nach Lourdes,<ref>Boissarie, in Annales de N.-D. de Lourdes, Oktober 1892, Bd. 25, S. 60.</ref> äußerte sich Van Hoestenberghe zum ersten Mal öffentlich.<ref>1898 erklärte der Van Hoestenberghe seine lange Stille durch den Wunsch, gegen die scheinbare Kälte von Bischof Faict gegenüber dieser Sache nicht zu gehen. (Alphonsus de Meester: De wonderbare genezing van Pieter de Rudder. Het kanoniek onderzoek, 1907–1908. Oostakker 1957, S. 52.) Trotzdem war Bischof Faict, im Unterschied zum Verriest, noch am Leben, als Van Hoestenberghe im Jahr 1892 die Stille brach. (Bischof Faict starb 1894. Biographie Nationale de Belgique, Bd. 30, Beilage, Bd. 2, Brüssel, 1958, Spalte 372.)</ref> Er schrieb an Boissarie, den Präsidenten des Büros der medizinischen Feststellungen von Lourdes, zwei Briefe, in denen er auf den Fall Von Rudder hinwies. Darin bestätigte er damals das noch kranke Bein geprüft zu haben und nur auf ein Wunder schließen zu können.<ref>Alphonsus de Meester: De wonderbare genezing van Pieter de Rudder. Het kanoniek onderzoek, 1907–1908. Oostakker 1957, S. 44–45.</ref> Diese Briefe verursachten eine Reihe von Untersuchungen im Auftrag unterschiedlicher katholischer Autoritäten. Nachdem es 1875 nur zwei Augenzeugen gegeben hatte, gab es im Laufe der Zeit immer mehr.<ref>Siehe zu den verschiedenen Untersuchungen Alphonsus de Meester: De wonderbare genezing van Pieter de Rudder. Het kanoniek onderzoek, 1907–1908. Oostakker 1957.</ref> Das gilt auch für die Untersuchungen des kranken Beines, die Van Hoestenberghe gemacht haben will.<ref>Alphonsus de Meester: De wonderbare genezing van Pieter de Rudder. Het kanoniek onderzoek, 1907–1908. Oostakker 1957, S. 219–220.</ref> Vor der bischöflichen Kommission, deren Bericht zur Anerkennung des Wunders führen sollte, behauptete dieser 1907, das kranke Bein zehn oder zwölf Mal, das letzte Mal drei oder vier Monate vor der Wallfahrt, untersucht zu haben.<ref>Alphonsus de Meester: De wonderbare genezing van Pieter de Rudder. Het kanoniek onderzoek, 1907–1908. Oostakker 1957, S. 35 und 37.</ref>

Die Frage des Zeitpunktes der letzten Untersuchung des Beines ist wichtig, weil nach Meinung von mehreren katholischen Ärzten das einzige Argument dafür, dass die Heilung von De Rudder ein Wunder war, darin bestand, dass sie nach Zeugenaussagen plötzlich auftrat.<ref>Anicet Guarner: De l’instantanéité des guérisons de Lourdes. Algier 1939, S. 66, widerspricht Professor Léon Reverchon, der glaubte, in den anatomischen Stücken einen Beweis des Übernatürlichkeit des Prozesses zu finden; H. Lamiroy in Palfijn, September 1945, S. 229; Leon Elaut in Universitas Schriften, 1, Antwerpen, 1951–1952, S. 98.</ref>

Die Briefe Van Hoestenberghes von 1875 an Bischof Faict wurden 1956 wiedergefunden und 1957 veröffentlicht. Im Zweiten Brief schreibt Van Hoestenberghe (der vor der Kommission von 1907 bis 1908 erklärt hatte, dass er das kranke Bein zehn oder zwölf Mal, das letzte Mal drei oder vier Monate vor der Wallfahrt untersucht hatte), er habe das Bein nur ein Mal gesehen, und das mehr als drei Jahre vor der Wallfahrt De Rudders nach Notre-Dame.<ref>Alphonsus de Meester: De wonderbare genezing van Pieter de Rudder. Het kanoniek onderzoek, 1907–1908. Oostakker 1957, S. 246.</ref>

Der Kanoniker Alphonsus de Meester, der Promotor causae während der Untersuchung von 1907 bis 1908, glaubte nach wie vor, trotz der Briefe von 1875, denen zufolge Van Hoestenberghe mehrere Untersuchungen des kranken Beines vorgenommen hatte, dass die letzte dieser Untersuchungen ungefähr vier Monate vor der Wallfahrt von De Rudder stattfand.<ref>Alphonsus de Meester: De wonderbare genezing van Pieter de Rudder. Het kanoniek onderzoek, 1907–1908. Oostakker 1957, S. 248–250.</ref> Es handelt sich um Anmerkungen, über die Van Hoestenberghe zum ersten Mal 1899 sprach, um zwei Jesuiten zu antworten, die ihn beobachten ließen, dass er die Versorgungen des verstorbenen Verriest 1875 gestellt hatte, was, mit anderen Quellen verglichen, zu spät scheint zu sein.<ref>Für die Erscheinung der Anmerkungen, siehe: Alphonsus de Meester: De wonderbare genezing van Pieter de Rudder. Het kanoniek onderzoek, 1907–1908. Oostakker 1957, S. 58. Für den Zeitpunkt der Versorgungen des Verriest, S. 27, 58 und 80.</ref> Die Anmerkungen triumphieren über diese Einwendung: »Verriest 75«.<ref>Ebenso schreibt der Van Hoestenberghe seine Anmerkungen in einem Brief von 1899 ab. (Alphonsus de Meester: De wonderbare genezing van Pieter de Rudder. Het kanoniek onderzoek, 1907–1908. Oostakker 1957, S. 58.) Auf dem Foto der Anmerkungen, das auch im Buch von Kanoniker De Meester reproduziert ist, ist die Ziffer 5 schwer zu lesen.</ref> Diese Anmerkungen haben noch die Eigentümlichkeit, dass sie den Briefen von 1875 an Bischof Faict nicht nur im Hinblick auf die Zahl und den Zeitpunkt der Untersuchungen widersprechen, sondern auch im Hinblick auf den Zeitpunkt der Untersuchung des Beins, die er nach der Wallfahrt machte: Nach den Anmerkungen fand diese Untersuchung am 9. April 1875 statt, aber Van Hoestenberghe schrieb am 15. April 1875 dem Bischof Faict, dass er noch keine Zeit gehabt hatte, das geheilte Bein zu sehen.<ref>Alphonsus de Meester: De wonderbare genezing van Pieter de Rudder. Het kanoniek onderzoek, 1907–1908. Oostakker 1957, S. 245.</ref> Diese Anmerkungen, die sich an einem außergewöhnlichen Platz im Heft Van Hoestenberghes fanden: auf dem Innendeckel, und nicht an der chronologischen Stelle unter den Seiten,<ref>Alphonsus de Meester: De wonderbare genezing van Pieter de Rudder. Het kanoniek onderzoek, 1907–1908. Oostakker 1957, S. 58 und 248.</ref> können nun nur auf einem Foto gesehen werden, weil sie im Bistum mit dem Rest des Heftes verschwunden zu sein scheinen.<ref>Alphonsus de Meester: De wonderbare genezing van Pieter de Rudder. Het kanoniek onderzoek, 1907–1908. Oostakker 1957, S. 249, Anm. 2.</ref>

Siehe auch

Literatur

  • Alphonsus de Meester: De wonderbare genezing van Pieter de Rudder. Het kanoniek onderzoek, 1907–1908. Basiliek van O.-L.-Vrouw van Lourdes, Oostakker 1957.
  • A. Delcour: Un grand miracle de Lourdes, la guérison de Pierre De Rudder, ou, Que vaut le témoignage?. Selbstverlag, Brüssel 1987 (Diese Broschüre ist für den anwesenden Artikel nach Überprüfung der Verweise benutzt gewesen).
  • Suzanne K. Kaufman: Consuming Visions; Mass Culture and the Lourdes Shrine. Cornell University Press, Ithaca NY 2005, ISBN 0-8014-4248-6, S. 182–191 (Auf den durch den Fall gehobenen Polemiken; {{#if: cng49eP-hdwC

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Einzelnachweise

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