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Physochila griseola

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Physochila griseola
Systematik
Stamm: Amoebozoa
Klasse: Tubulinea
Ordnung: Arcellinida
Unterordnung: Difflugina
Gattung: Physochila
Art: Physochila griseola
Wissenschaftlicher Name
Physochila griseola
(Penard, 1890)

Physochila griseola ist eine Schalenamöbe (Testate Amöbe) aus der Gattung Physochila. Sie wurde im Deutschen in einem Naturführer einmal als „Graue Schüppchen-Schalenamöbe“ bezeichnet.<ref name="Wassertropfen" /> Die Art kommt in Torfmoosen vor.

Merkmale

Die Schale (Testes) ist grau gefärbt und undurchsichtig.<ref name="Ortner" /> Sie erreicht eine Länge von 70-85 µm (nach Streble und Krauter sogar bis 100 µm<ref name="Wassertropfen" />) bei einer Breite von 50-58 µm.<ref name="Mitchell" />

Die Testes ist bei Ansicht von der Seite im Umriss birnen- oder vasenförmig (apikal abgerundet und zur Öffnung hin etwas ausgezogen). Die Öffnung (Pseudostom) ist endständig, wie die Testa selbst im Querschnitt mehr oder weniger kreisrund und mit einem abgesetzten, zurückgeschlagenen Rand („Kragen“) umgeben. Dieser Kragen ist Gattungsmerkmal und unterscheidet die Arten der Gattung Physochila von der Gattung Argynnia. Im Unterschied zu Nebela und verwandten Gattungen ist das Gehäuse bis zum Pseudostom mit silikatischen Schüppchen oder Quarzkörnern verdeckt, es ist kein organischer Rand sichtbar.<ref name="Meisterfeld" /><ref name="Tsyganov" />

Von anderen Arten der Gattung unterscheiden folgende Merkmale der Testes: Bei Physochila tenella ist diese etwas abgeflacht, der kragenartige Rand ist undeutlich. Bei der (bisher nur in Nordamerika gefundenen) Physochila cratera ist sie flaschenförmig, mit kugeligem Hauptteil und einem parallelseitigen Stielabschnitt.<ref name="Mitchell" />

Lebensraum und Verbreitung

Die Art ist vermutlich weltweit verbreitet. Sie wird vor allem in Mooren gefunden.<ref name="Ortner" /> Nach einer Übersicht wurde sie bei Untersuchungen von Schalenamöben in Mooren in etwa einem Drittel der untersuchten Moore angetroffen und gehört damit dort zu den häufigen Arten.<ref name="Gilbert" />

Physochila griseola ernährt sich herbivor.<ref name="Meisterfeld" />

Phylogenie, Taxonomie, Systematik

Die Art wurde 1890 durch den Schweizer Biologen und Amöben-Spezialisten Eugène Penard (1855 - 1954) als Nebela griseola erstbeschrieben. 1942 teilte der in Münster forschende Biologe und Testaceenspezialist Wilhelm Jung die Gattung Nebela in 11 neue Gattungen. Da er es aber versäumte, jeweils eine Typspezies festzulegen, sind diese allerdings ungültig, mit Ausnahme derjenigen, die (in seiner Beschreibung) monotypisch waren. Die von ihm abgespaltene Gattung Physochila wurde von den meisten der folgenden Bearbeiter anerkannt.<ref name="Meisterfeld" /> Der Name wurde durch George H. Wailes und Eugène Penard 1911, durch formelle Festschreibung von Physochila griseola als Typusart der Gattung, formell validiert. Der Gattung Physochila werden heute außerdem acht andere Arten zugeschrieben.

Traditionell wurde die Art einer Familie Nebelidae zugeschrieben,<ref name="Meisterfeld" /> nach neueren Untersuchungen steht sie Incertae sedis, ohne Familienzuordnung.<ref name="Gonzalez" /> Bei einer genetischen Analyse (Phylogenomik) stand die Art (als einzige getestete der Gattung Physochila) relativ basal innerhalb der Ordnung Arcellinida. Ebenso basal, aber kein Schwestertaxon war Argynnia dentistoma als getesteter Vertreter der Gattung Argynnia. Eine nähere Verwandtschaft zu den Arten der Gattung Nebela besteht demnach nicht.<ref name="Gomaa" />

Einzelnachweise

<references> <ref name="Gilbert">D. Gilbert, E.A.D. Mitchell (2006): Microbial diversity in Sphagnum peatlands. Developments in Earth Surface Processes 13 (9): 287-318.</ref> <ref name="Gomaa">Fatma Gomaaa, Milcho Todorov, Thierry J. Heger, Edward A.D. Mitchell, Enrique Lara (2012): SSU rRNA Phylogeny of Arcellinida (Amoebozoa) Reveals that the Largest Arcellinid Genus, Difflugia Leclerc 1815, is not Monophyletic. Protist 163 (3): 389-399. doi:10.1016/j.protis.2011.12.001</ref> <ref name="Gonzalez">Rubén González-Miguéns, Milcho Todorov, Quentin Blandenier, Clément Duckert, Alfredo L. Porfirio-Sousa, Giulia M. Ribeiro, Diana Ramos, Daniel J.G. Lahr, David Buckley, Enrique Lara (2022): Deconstructing Difflugia: The tangled evolution of lobose testate amoebae shells (Amoebozoa: Arcellinida) illustrates the importance of convergent evolution in protist phylogeny. Molecular Phylogenetics and Evolution 175: 107557. doi:10.1016/j.ympev.2022.107557</ref> <ref name="Meisterfeld">Ralf Meisterfeld: Order Arcellinida Kent, 1880. In John J. Lee, Gordon F. Leedale, Phyllis Bradbury (editors): An illustrated guide to the Protozoa. Organisms traditionally referred to as protozoa or newly discovered groups. - Vol. 2. The Society of Protozoologists, Lawrence, Kansas, 2000, printed by Allen Press, Lawrence, Kansas, USA. ISBN 1-891276-22-0, S. 827–860.</ref> <ref name="Mitchell">The identification of Hyalospheniidae with indications on their ecology and distribution, von Edward A. D. Mitchell, University of Neuchâtel. In Ferry Siemensma (editor): Microworld, world of amoeboid organisms, abgerufen am 2. Mai 2024</ref> <ref name="Ortner">Bruno Ortner (2017): Beschalte Amöben (Testaceen) und Zieralgen (Desmidiaceae) des Sphagnetums einiger österreichischer Moore. Beiträge zur Naturkunde Oberösterreichs 24: 1-139.</ref> <ref name="Tsyganov">А. N. Tsyganov, K. V. Babeshko, Yu. A. Mazei: A Guide to Testate Amoebae with the Keys to Genera. Pensa State University Publications, Pensa (Föderationskreis Wolga) 2016; ISBN 978-5-906913-19-7. S. 81–82.</ref> <ref name="Wassertropfen">Heinz Streble, Dieter Krauter: Das Leben im Wassertropfen. Mikroflora und Mikrofauna des Süßwassers. Ein Bestimmungsbuch. Franckh-Kosmos Verlag, Stuttgart, 11. Auflage 2008, ISBN 978-3-440-11966-2</ref> </references>

Weblinks