Phryne
Phryne (Vorlage:GrcS) war eine berühmte griechische Hetäre aus Thespiai und lebte im 4. Jahrhundert v. Chr.
Leben und Wirken
Phryne hieß ursprünglich Mnēsaréte (altgriechisch {{#invoke:Vorlage:lang|flat}}), was etwa „eingedenk der Tugend“ bedeutet, und erhielt später den Namen Phrýnē („Kröte“) wegen ihres gelblichen Teints, der mit der Farbe einer Kröte verglichen wurde.<ref name=":0">{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref> Dieser Name wurde auch anderen Hetären gegeben.<ref name=":1">{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref>
Sie kam als Tochter des Epikles in Thespiai zur Welt. Zunächst verdiente sie ihr Geld als arme Kapernhändlerin, gelangte aber ca. 371 v. Chr. nach Athen, wo sie aufgrund ihrer Schönheit mit Liebhabern Geld verdiente und bald zur reichen Hetäre wurde.<ref name=":0" /><ref>Christine Mitchell Havelock: The Aphrodite of Knidos and Her Successors. A Historical Review of the Female Nude in Greek Art. University of Michigan Press, Ann Arbor 1995.</ref> Ihr Reichtum erlaubte es ihr, eher zurückhaltend aufzutreten, keine öffentlichen Bäder zu besuchen, keine Schminke zu verwenden und lange, geschlossene Gewänder zu tragen.<ref>Bernhard Kytzler: Frauen der Antike. Von Aspasia bis Zenobia. Artemis, München & Zürich 2000, ISBN 3-7608-1224-4, S. 133.</ref><ref name=":1" />
Sie erbot sich, die Mauern Thebens nach der Zerstörung durch Alexander den Großen auf eigene Kosten wieder aufzubauen, wenn die Thebaner die Inschrift darauf setzten: „Alexander hat sie zerstört, die Hetäre Phryne wieder aufgebaut“ („Αλέξανδρος μὲν κατέσκαψεν, ἀνέστησεν δὲ Φρύνη ἡ ἑταίρα“<ref name=":2" details="XIII, 60">{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref>), was allerdings abgelehnt wurde.<ref name=":3">{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref>
Eine Anekdote bei Athenaios<ref name=":2" details="XIII, 59" /> erzählt, dass Phryne während einer Zeremonie in Eleusis vor den versammelten Griechen ihre Kleidung abgelegt und anschließend im Meer gebadet habe. Apelles inspirierte dieser Bericht zu seinem berühmten Kunstwerk Venus Anadyomene. Auch Praxiteles benutzte Phryne vermutlich als Modell für seine Statue der Aphrodite von Knidos, die erste Großplastik, die eine Frau nackt zeigt. Das freizügige Modellstehen von Phryne ermöglichte eine neue Entwicklung in der Kunst: In der Folgezeit wurden in der Vasenmalerei auch Hetären freizügig dargestellt.<ref name=":1" /><ref name=":3" />
Praxiteles ließ Phryne zwischen den Statuen von Eros und Satyros wählen. Sie entschied sich für den Eros und stellte ihn in einem Tempel zu Thespiai auf. Des Weiteren stellte Praxiteles eine Statue von Phryne aus Gold im Tempel von Delphi auf.<ref>Siehe C. Keesling: Heavenly Bodies: Monuments to Prostitutes in Greek Sanctuaries. In: Ch. Faraone / L. K. McClure (Hrsg.): Prostitutes and Courtesans in the Ancient World. Madison, Wis. 2006, S. 59–76, hier S. 66–71.</ref> Der Kyniker Krates kommentierte dies mit den Worten, die Statue sei typisch für die Verschwendungssucht Griechenlands.<ref name=":1" />
Gerichtsverhandlung
Phryne wurde von Euthias angezeigt, der sie in seiner Rede unter anderem wegen schamlosen Verhaltens im Lyceum und der Einführung einer neuen Gottheit anklagte. Es liegt allerdings nahe, die Gerichtsverhandlung als politisch motiviert zu betrachten.<ref name=":1" /><ref name=":4">{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref><ref name=":5">{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref> Die Tatsache, dass die Gerichtsverhandlung umfangreich dokumentiert und in vielen Quellen geschildert wird, legt nahe, dass die Verhandlung nicht nur für Phryne und ihren Verteidiger Hypereides von Bedeutung war.
Von der Gerichtsverhandlung handeln zahlreiche Mythen. Einer Legende nach soll Phryne, als die Gerichtsverhandlung zum Punkt der Verurteilung kam, ihre Kleidung zerrissen und sich mit ihren nackten Brüsten vor den Richtern zu Boden geworfen haben, da ihre Schönheit überzeugender war als die Rede ihres Verteidigers.<ref>{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref>
Eine andere Version besagt, dass Phryne von ihrem Liebhaber und Anwalt, dem Politiker Hypereides (389–322 v. Chr.), als sich eine Verurteilung abzeichnete, in die Mitte des Gerichts gebracht und ihr Busen entblößt wurde. Die Richter sprachen sie darauf frei, da sie glaubten, Aphrodite persönlich zu sehen. Nach dem Freispruch wurde eine Verordnung verfasst, dass kein Urteil fallen soll, während der oder die Angeklagte anwesend sind, damit sich kein Redner bemüht, Mitleid zu erregen.<ref name=":1" />
Craig Cooper sucht in seinem Werk „Hyperides and the Trial of Phryne“ zu widerlegen, dass die Entkleidung Phrynes jemals stattgefunden hat. Da keine Anzeichen für irgendeine zeitgenössische Schilderung existierten, die Biographen informierte, was bei der Verhandlung passiert war, könnten die Informationen nur aus Hypereides’ Rede abgeleitet worden sein. Die vermeintliche Entkleidung Phrynes vor Gericht müsse sich auf eine falsche Schlussfolgerung von Idomeneus von Lampsakos stützen, die daraufhin von anderen Biographen übernommen worden sei.<ref name=":5" />
Rezeption
Bildliche Kunst
- Die Gerichtsverhandlung stellte der französische Maler Jean-Léon Gérôme 1861 in seinem Bild „Phryne vor dem Areopag“ („Phryné devant l’Aréopage“) dar.<ref name=":4" />
- Den Auftritt von Phryne bei Eleusis wurde vom polnischen Maler Henryk Siemiradzki in 1889 gemalt („Fryne na święcie Posejdona w Eleusis“).
- 1907/08 schuf Ferdinand Lepcke eine Phryne, die im kleinen Rosengarten, Coburg, steht.
- 2009 schuf der Künstler Andrew Lendzion eine Porträtstatue von Phryne. Sie zeigt Phryne als eine starke und selbstbewusste Person.<ref>Andy Lendzion Sculptor. Phryne the courtesan., Stand: 12. September 2014.</ref>
Filmische Darstellung
- 1953: Frine, Sklavin der Liebe, Spielfilm, Italien, dargestellt von Elena Kleus.
Musik
- Am 24. Mai 1893 wurde die Opéra comique „Phryné“ in zwei Akten von Camille Saint-Saëns zu einem Libretto von Lucien Augé de Lassus uraufgeführt.
- 1906 wurde im Wiener Cabaret Hölle die burleske Operette Phryne mit der Musik von Edmund Eysler nach dem Text von Fritz Grünbaum und Robert Bodanzky aufgeführt.<ref>Marie-Theres Arnbom: War`n Sie schon mal in mich verliebt? Filmstars, Operettenlieblinge und Kabarettgrössen in Wien und Berlin. Böhlau Verlag, Wien 2006.</ref>
Weiteres
- Im Jahre 1922 nutzte der Rechtsanwalt Erich Frey die Phryne-Taktik, um für die wegen Erregung öffentlichen Ärgernisses angeklagte Nackttänzerin Lola Bach Freispruch zu erlangen.<ref>{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref>
- Der Asteroid (1291) Phryne wurde nach ihr benannt.
Literatur
- Jacobs: Vermischte Schriften, Bd. 4. Leipzig 1830, S. ?.
- {{ #if:Anthony E. Raubitschek|Anthony E. Raubitschek: |}}{{ #if:|[[:s:{{{6}}}|{{ #if:Phryne|Phryne|Phryne }}]].|{{ #if:Phryne|Phryne|Phryne }}.}} In: Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft (RE). {{#switch: XX,1
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- Craig Cooper: Hyperides and the Trial of Phryne. In: Phoenix 49, 1995, S. 303–318 (Digitalisat).
- Laura McClure: Courtesans at Table. Gender and Greek Literary Culture in Athenaeus. Routledge, New York 2003.
- Laura McClure: Phryne of Thespiae: courtesan, muse, and myth. (Women in antiquity). Oxford University Press, New York 2024, ISBN 978-0-19-758084-4.
- Melissa Funke: Phryne: a life in fragments. Bloomsbury Academic, London 2024. – Rezension von José Leonardo Sousa Buzelli, Bryn Mawr Classical Review 2025.02.52
Weblinks
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Einzelnachweise
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