Philipp-Melanchthon-Gymnasium Bautzen
| Philipp-Melanchthon-Gymnasium Bautzen | ||||||
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| Philipp-Melanchthon-Gymnasium Bautzen | ||||||
| Schulform | Gymnasium (Klassen 5–12) | |||||
| Gründung | 1998 | |||||
| Adresse | Bahnhofstraße 2 | |||||
| Ort | Bautzen | |||||
| Land | Sachsen | |||||
| Staat | Deutschland | |||||
| Koordinaten | 51° 10′ 36″ N, 14° 25′ 44″ O
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| Träger | Stadt Bautzen | |||||
| Schüler | 722 (2019/20) | |||||
| Lehrkräfte | 60 | |||||
| Leitung | Monika von Broen (kommissarisch) | |||||
| Website | www.pmg-bautzen.de | |||||
Das Philipp-Melanchthon-Gymnasium Bautzen (Kurzbezeichnung: PMG Bautzen) in Bautzen ist ein Gymnasium. Benannt ist es nach dem Philologen, Philosophen, Humanisten, Theologen, Lehrbuchautor und neulateinischen Dichter Philipp Melanchthon (1497–1560).
Geschichte
Das Philipp-Melanchthon-Gymnasium Bautzen geht auf die im Jahr 1527 gegründete städtische Ratsschule zurück. Seit dem frühen 13. Jahrhundert bestand am Domstift Bautzen eine Stiftsschule, die vor allem zur Ausbildung von Chorknaben und künftigen Klerikern diente. Als sich im Zuge der Reformation die anhaltenden Differenzen über den Einfluss der Stadt auf die Schule verschärften, gründete der die lutherische Lehre unterstützende Rat eine eigene Ratsschule, die Neue Schule. Sie war zunächst im Franziskanerkloster Bautzen untergebracht und bezog 1542 drei Räume in der Schulbastei am Kornmarkt (in der Nähe des heutigen Museums Bautzen).<ref name="Edelmann" details="S. 30–32" /> Philipp Melanchthon besuchte Bautzen 1559 gemeinsam mit Caspar Peucer und hielt in der Ratsschule eine Vorlesung.
Beim Wiederaufbau nach dem Brand im Juli 1686 erhielt die Schule einen Dachreiter mit einer Schulglocke. Bis 1812 war die Ratsschule zugleich Bürgerschule, Gymnasium und Lehrerseminar. Erst 1812 wurde die Bürgerschule ausgegliedert und 1817 das Landständische Lehrerseminar gegründet. Das Gymnasium wurde hauptsächlich durch Stiftungen finanziert. Trotz baulicher Ergänzungen reichte der Platz in der Schulbastei seit Jahren nicht aus. Erst durch die Übernahme des Gymnasiums in staatliche Verwaltung im Jahr 1861 wurde ein Neubau möglich. 1863 kaufte das Ministerium ein Grundstück für das humanistische Gymnasium an der Ecke Schilleranlagen / Hauptstraße (heute Bahnhofstraße) und errichtete 1865/66 das neue Schulgebäude. Aufgrund steigender Schülerzahlen wurde es jedoch schnell zu eng, sodass 1884 ein zweiflügeliger Anbau beschlossen wurde. Im Jahr 1899 wurde die neue Turnhalle eingeweiht.<ref name="Laugwitz" details="S. 209" />
Um das Gymnasium im Wettbewerb mit anderen höheren Bildungseinrichtungen (Oberrealschule, Handelsschule, Höhere Mädchenschule, Landständisches Seminar und Katholisches Seminar) attraktiv zu halten, wurde 1921 die Umwandlung in ein Reformgymnasium vorgeschlagen. Das hieß: moderne Fremdsprachen ab Sexta, Latein erst ab Untertertia, und eine Gabelung in einen humanistischen und einen fremdsprachlichen Zweig. Nachdem der Stadtrat den Vorschlag abgelehnt hatte, ordnete das Ministerium 1923 diese Umwandlung an. Als jedoch die Anmeldungen am Reformgymnasium deutlich zurückgingen, wurde es 1927 wieder in ein humanistisches Gymnasium umgewandelt.<ref name="Laugwitz" details="S. 212" /> Im gleichen Jahr wurde das 400-jährige Bestehen des Gymnasiums gefeiert.
Durch einen Erlass des Reichsministerium für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung wurde die Deutsche Oberschule 1937 zur Hauptform der höheren Schule erklärt und die Schulzeit auf acht Jahre verkürzt. Auch eine Protestwelle der Eltern konnte nicht verhindern, dass das Bautzener Humanistische Gymnasium 1937 in die Staatliche Oberschule für Jungen umgewandelt wurde. Im Jahr 1941 wurde der Beginn des Schuljahres von Ostern auf September verlegt. Spätestens ab 1943 war der Schulbetrieb durch den Krieg stark beeinträchtigt. Lehrer wurden zum Militärdienst einberufen und auch Schüler höherer Klassen zum Wehrdienst oder zum Reichsarbeitsdienst. Andere Schüler wurden als Luftwaffenhelfer oder für den Sanitätsdienst angefordert.<ref name="Laugwitz" details="S. 215–216" />
Bereits kurz nach Kriegsende wurde durch die Zusammenlegung der Staatlichen Oberschule für Jungen (des früheren Gymnasiums) mit der Landständischen Oberschule für Jungen die Vereinigte Oberschule Bautzen geschaffen. Der Unterricht wurde im Oktober 1945 wieder aufgenommen. Mit einer Verordnung vom Mai 1946 wurde in Sachsen ein neues einheitliches Schulsystem eingeführt: eine achtklassige einheitliche Grundschule und darauf aufbauend eine dreistufige Berufsschule oder eine vierstufige Oberschule. Ab dem Schuljahr 1947/48 wurden die Schüler der Vereinigten Oberschule ausschließlich an der Wilhelm-von-Polenz-Schule unterrichtet, die 1948 in Friedrich-Schiller-Oberschule umbenannt wurde. In das Gebäude des ehemaligen Gymnasiums zogen die Fachschule für Wirtschaft und Verwaltung, die Wirtschaftsschule sowie Berufsschulklassen ein.<ref name="Laugwitz" details="S. 218–219" /> Ab 1960 war es Sitz der Polytechnischen Oberschule „Ernst Thälmann“.
Seit 1992 beherbergt das Gebäude wieder ein Gymnasium.<ref>Bautzener Geschichtspfad, Nr. 49, Tafel vor dem Gebäude. Zum Geschichtspfad. In: bautzen.de, abgerufen am 22. Januar 2023.</ref> Zunächst als „Städtisches Gymnasium Bautzen“ bezeichnet, erfolgte 1998 die Verleihung des Namens „Philipp Melanchthon“. Der Wahlspruch lautet {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Vorlage:lang:103: attempt to index field 'wikibase' (a nil value) (Der Unterweisung. Der Weisheit. Dem Pflichtgefühl.<ref>1867 ließ der damalige Rektor Palm am neu eingeweihten Schulgebäude diesen Wahlspruch anbringen. Vgl. <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Geschichte (des Gymnasiums). ( vom 3. Februar 2022 im Internet Archive) In: pmg-bautzen.de, abgerufen am 22. September 2016.</ref>) Der Schulbetrieb gliedert sich in ein Tages- und ab 1995 ein Abendgymnasium (Abitur im zweiten Bildungsweg mit derzeit rund 60 Schülerinnen und Schülern<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Geschichte (des Abendgymnasiums). ( vom 12. März 2022 im Internet Archive) In: pmg-bautzen.de.</ref>).
Seit 2007 unterhält das Gymnasium eine Schulpartnerschaft und ein Austauschprogramm mit dem Gymnasium in Hämeenlinna (Finnland).<ref>Schulpartnerschaft mit Hämeenlinna. PMG Bautzen, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 10. August 2020; abgerufen am 17. Juli 2020.</ref>
Förderverein des Gymnasiums
Die Schule wird seit dem 10. Februar 1993 von einem Förderverein unterstützt, der sich der ideellen, materiellen als auch personellen Unterstützung der Schülerschaft und des Schulalltages verschrieben hat. Im Laufe der Jahre gelang es dem Verein, dem Gymnasium Mittel im Umfang von rund 220.000 Euro zuzuwenden (Stand per 31. Dezember 2018).<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Zahlen & Fakten. ( vom 12. August 2022 im Internet Archive) In: pmg-foerderverein.de.</ref> Seit dem 1. Januar 2021 obliegt die Vereinsleitung dem Absolventen und Lehrer Marcel Bulling.<ref>Ansprechpartner. In: pmg-foerderverein.de, abgerufen am 20. Januar 2023.</ref> Dem Förderverein gehören etwa 200 Mitglieder an.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Mitglied werden. ( vom 12. August 2022 im Internet Archive), pmg-foerderverein.de.</ref>
Verleihung des Melanchthon-Preises
Seit dem Jahr 2011 verleiht die Schule den Melanchthon-Preis in Gold, Silber und Bronze.
Träger sind:
- 2011: Die Stadt Bautzen, weil sie die Schule bei der Namensgebung und allgemeinen Zuwendungen intensiv unterstützt habe.<ref>Chronik der Stadt Bautzen 2011 (PDF; 302 kB). In: bautzen.de, abgerufen am 7. Mai 2019.</ref>
- weitere Preisträger: siehe Website des Preises<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Melanchthon-Preis. ( vom 8. April 2022 im Internet Archive) In: pmg-bautzen.de.</ref>
Ehemalige Schüler der Schule
Philipp Melanchthon besuchte 1559 die Ratsschule und hielt einen Vortrag über Johannes den Täufer.<ref name="pmg-geschichte" /><ref>Zur Liste vgl. auch <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Philipp-Melanchthon-Gymnasium ( vom 22. September 2016 im Internet Archive). In: bautzen.de, abgerufen am 22. September 2016.</ref>
- Gregor Mättig (1585–1650), Philosoph, Mediziner und Mäzen
- Caspar Albhard (1636–1678), Jurist
- Gottfried Ludovici (1670–1724), Theologe, Kirchenlieddichter und Hymnologe
- Johann Gottlob Horn (1680–1754), Historiker
- Johann Gottfried Bornmann (1766–1825), evangelischer Geistlicher und Heimatforscher in Schlesien
- Friedrich Benjamin Bucher (1771–1826), Jurist, Wirtschaftspolitiker und Übersetzer
- Johann Friedrich Adolf Krug (1771–1843), Pädagoge
- Ernst August Pech (1788–1863), Mediziner und Hochschullehrer in Dresden
- Max Wilhelm Götzinger (1799–1856), deutsch-Schweizerischer Germanist und Gymnasiallehrer
- Friedrich Gotthilf Fritsche (1799–1851), Generalsuperintendent und Konsistorialrat in Altenburg
- Heinrich Leberecht Fleischer (1801–1888), Orientalist
- Julius Ferdinand Räbiger (1811–1891), Theologe und Hochschullehrer
- Jan Arnošt Smoler (1816–1884), sorbischer Philologe, Schriftsteller und Verleger
- Rudolf Thiel (1825–1884), Rechtsanwalt und Reichstagsabgeordneter
- Arnošt Muka (1854–1932), Gymnasiallehrer, sorbischer Schriftsteller, Volkskundler, Gründer des Sorbischen Museums
- Wilhelm von Polenz (1861–1903), Schriftsteller
- Friedrich Olbricht (1888–1944), General, Mitverschwörer des Attentats auf Hitler vom 20. Juli 1944
- Hans Friedrich Sachsse (1890–1986), Forstwissenschaftler
- Peter Bamm (1897–1975), Arzt, Journalist und Schriftsteller
- Jurij Brězan (1916–2006), sorbischer Schriftsteller
- Stefanie Kloß (* 1984), Frontfrau von Silbermond
Weblinks
- Literatur von und über Philipp-Melanchthon-Gymnasium Bautzen im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Website der Schule
- Website des Fördervereins
- Philipp-Melanchthon-Gymnasium auf der Website der Stadt Bautzen. In: bautzen.de
- Schulprofile. In: bautzen.de. Archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 23. September 2016.
Einzelnachweise
<references responsive> <ref name="Edelmann">Karl Alexander Edelmann: Das Franziskanerkloster in Bautzen. In: Neues Lausitzisches Magazin 49, 1872, S. 1–54 Münchener Digitalisierungszentrum.</ref> <ref name="Laugwitz"> Grit Richter-Laugwitz: Das Schulwesen von den Anfängen bis zur Gegenwart. In: Stadtarchiv Bautzen (Hrsg.): Von Budissin nach Bautzen: Beiträge zur Geschichte der Stadt Bautzen. Lusatia Verlag Bautzen 2002, ISBN 978-3929091915, S. 198–221.</ref> <ref name="pmg-geschichte"><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Geschichte (des Gymnasiums). ( vom 3. Februar 2022 im Internet Archive) In: pmg-bautzen.de.</ref> </references>