Philetairos (Pergamon)
Philetairos ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Vorlage:lang:103: attempt to index field 'wikibase' (a nil value), auch Philhetairos;<ref>Kai Brodersen, Bernhard Zimmermann (Hrsg.): Personen der Antike. Verlag J.B. Metzler, Stuttgart und Weimar, Seite 168, ISBN 3-476-02023-1.</ref> * um 343 v. Chr. in Tios in Paphlagonien; † 263 v. Chr.) war der Gründer der hellenistischen Dynastie der Attaliden in Pergamon.
Leben
Abstammung und frühe Jahre
Philetairos wurde um 343 v. Chr.<ref>Gemäß den bei Strabon (Geographika 13,623 f.) angegebenen Regierungszahlen der Attaliden starb Philetairos 263 v. Chr.; und da er laut Pseudo-Lukian (Makrobioi 12) ein Alter von 80 Jahren erreicht habe, ergibt sich sein Geburtsjahr als 343 v. Chr., das laut Wilhelm Hoffmann (RE. XIX,2, Sp. 2157) in etwa stimmen dürfte.</ref> in Tios in Paphlagonien<ref>Strabon, Geographika 12,3,8. Kurzer Lebenslauf bei Strabon, Geographika 13,4,1</ref> geboren. Sein Vater Attalos war vielleicht Makedone, da dieser Name insbesondere in Makedonien häufig vorkam.<ref name=RE-19-2157>Wilhelm Hoffmann: Philetairos 1. In: Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft (RE). Band XIX,2, Stuttgart 1938, Sp. 2157–2161 (hier: 2157).</ref> Allerdings ist dieser Schluss nicht zwingend, weil der Name in der Form Attales auch in Kleinasien bezeugt ist.<ref name=Zimmermann-20>Martin Zimmermann: Pergamon. Geschichte, Kultur, Archäologie. C. H. Beck, München 2011, ISBN 978-3-406-62139-0, S. 20.</ref> Außerdem stammte Philetairos’ Mutter Boa aus Paphlagonien, wie der antike Literaturhistoriker Karystios angibt.<ref>Fragment des Karystios von Pergamon bei Athenaios, Deipnosophistai 13,577b</ref> Diese Angabe ist auch inschriftlich bestätigt. Die weitere Behauptung des Karystios, dass Boa angeblich eine Hetäre war, hält der Althistoriker Wilhelm Hoffmann aber ebenso wie die schmähende Angabe des griechischen Grammatikers Daphitas,<ref>Daphitas bei Strabon, Geographika 14,647</ref> die Attaliden seien von niedriger Abstammung gewesen, für unglaubwürdig.<ref name=RE-19-2157/> Martin Zimmermann vertritt die Meinung, dass die Herkunft des Philetairos zumindest nicht herausragend war.<ref name=Zimmermann-20/>
Strabon erzählt, dass Philetairos als kleines Kind das Unglück gehabt habe, bei einer Begräbnisfeier, zu der er von seiner Amme getragen wurde, im Gedränge an den Genitalien gequetscht zu werden. Dieses Vorkommnis habe ihn bereits als Kind zum Eunuchen gemacht.<ref>Strabon, Geographika 13,4,1; Pausanias Beschreibung Griechenlands 1,8,1 nennt Philetairos einen paphlagonischen Eunuchen; bezweifelt von Wolfgang Radt: Pergamon. Geschichte und Bauten einer antiken Metropole. S. 29.</ref> Die auf pergamenischen Münzen dargestellten Gesichtszüge des Philetairos scheinen zu bestätigen, dass er tatsächlich ein Eunuch war.<ref name=RE-19-2158>Wilhelm Hoffmann: Philetairos 1. In: Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft (RE). Band XIX,2, Stuttgart 1938, Sp. 2157–2161 (hier: 2158).</ref><ref name=Zimmermann-20/>
Philetairos erhielt eine gute Erziehung. Er stand zunächst im Dienst des makedonischen Feldherrn Dokimos,<ref>Pausanias, Beschreibung Griechenlands 1,8,1</ref> der ein Anhänger des Antigonos Monophthalmos gewesen, aber 302 v. Chr., kurz vor der Schlacht von Ipsos, zu Lysimachos übergelaufen war.<ref>Diodor, Bibliothḗkē historikḗ 20,107,4; Pausanias, Beschreibung Griechenlands 1,8,1</ref> Lysimachos erhielt nach der Niederlage und dem Tod des Antigonos (301 v. Chr.) einen Großteil Kleinasiens und setzte Philetairos als Burgherrn von Pergamon ein. Ferner hatte Philetairos auch die Aufsicht des dort lagernden Schatzes im Wert von 9000 Talenten Silber inne.<ref>Strabon, Geographika 13,4,1</ref> Durch seine ehemalige Gattin Amastris verfügte Lysimachos über gute Kontakte zur Geburtsstadt des Philetairos und war wohl mit dessen Familie bekannt, da wahrscheinlich durch ihn Philetairos’ Bruder Eumenes Befehlshaber in der Stadt Amastris wurde.<ref name= RE-19-2158>Wilhelm Hoffmann: Philetairos 1. In: Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft (RE). Band XIX,2, Stuttgart 1938, Sp. 2157–2161 (hier: 2158).</ref>
Dynast Pergamons unter seleukidischer Oberherrschaft
Lange Zeit hielt Philetairos in seiner Stellung als Burgherr Pergamons Lysimachos die Treue. Er kehrte seinem Oberherrn aber den Rücken, als der vielversprechende Kronprinz Agathokles 283/282 v. Chr. auf Anstiften von Lysimachos’ letzter Gemahlin Arsinoë II. ermordet wurde. Wie andere Freunde des Toten schloss er sich teils aus Angst vor der ihm von Arsinoë drohenden Gefahr, teils wegen der günstigen politischen Umstände dem syrischen Herrscher Seleukos I. an, dem er auch Pergamon und die dort aufbewahrten Schätze übergab.<ref>Strabon, Geographika 13,4,1; Pausanias, Beschreibung Griechenlands 1,10,4</ref> Seleukos I. errang 281 v. Chr. in der Schlacht von Kurupedion einen Sieg über Lysimachos, der fiel. Als Seleukos bald danach nahe Lysimacheia in Thrakien durch Ptolemaios Keraunos ermordet wurde, demonstrierte Philetairos seine Loyalität, indem er die Leiche um eine große Geldsumme loskaufte, feierlich verbrannte und die Asche Seleukos’ Sohn Antiochos I. übersandte.<ref>Appian, Syriake 63,335</ref> So konnte er seine Stellung in Pergamon sichern und als kleiner Dynast herrschen.
Pergamon, dessen Gebiet nur die im mittleren Tal des Kaikos gelegene nähere Umgebung der Stadt umfasste, verblieb als von Philetairos regiertes halbautonomes Kleinfürstentum unter der Oberherrschaft der Seleukiden. Dies zeigt insbesondere die Münzprägung.<ref name= RE-19-2159>Wilhelm Hoffmann: Philetairos 1. In: Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft (RE). Band XIX,2, Stuttgart 1938, Sp. 2157–2161 (hier: 2159).</ref> Hatte Philetairos zunächst Münzen im Namen des Lysimachos mit dem Porträt Alexanders geschlagen, so prägte er nach der Schlacht von Kurupedion in derselben Weise für Seleukos. Im letzten Jahrzehnt seiner Herrschaft trugen die Münzen dann Seleukos’ Porträt, aber Philetairos’ Namen.<ref name=DNP-9-787>Andreas Mehl: Philetairos 2. In: Der Neue Pauly (DNP). Band 9, Metzler, Stuttgart 2000, ISBN 3-476-01479-7, Sp. 787.</ref> Um 270 v. Chr. verheiratete er seinen Neffen Attalos, den er adoptiert hatte, mit Antiochis, einer Tochter des Achaios.<ref>Strabon, Geographika 13,4,2</ref>
Bautätigkeit in Pergamon; Spenden an griechische Städte
Das Stadtgebiet von Pergamon wurde während der Regierung des Philetairos erweitert. Der Bau des Demeter-Heiligtums geht auf ihn zurück. Etwa 30 km von der Stadt entfernt wurde damals auch ein Tempel für die Muttergöttin Meter Aspordene von Mamurt Kale auf dem Yünd Dağ errichtet, womit Philetairos an einen lokalen Kult der anatolischen Muttergottheit anknüpfte. Im Übrigen ist aber sein Wirken in Pergamon weitgehend unbekannt. Ein Stadtteil Pergamons war nach ihm Philetaireia benannt. Die das damals etwa 0,2 km² große Territorium der Stadt umgebende sog. Philetairische Stadtmauer wurde aber vielleicht schon vor seiner Regierungszeit erbaut.<ref>Martin Zimmermann: Pergamon. Geschichte, Kultur, Archäologie. S. 22 f.</ref>
Philetairos wusste die von den Galatern ausgehende Gefahr zu meistern, als dieser Volksstamm in den frühen 270er Jahren v. Chr. in Kleinasien einfiel und das ganze Land plündernd durchzog.<ref>Martin Zimmermann: Pergamon. Geschichte, Kultur, Archäologie. S. 21.</ref> Er setzte dabei seinen Schatz gezielt zur Steigerung seines Prestiges ein<ref>Dazu allgemein Hans-Joachim Schalles: Untersuchungen zur Kulturpolitik der pergamenischen Herrscher im dritten Jahrhundert vor Christus. S. 33–44.</ref> und unterstützte im Stil eines Euergetes (Wohltäters) umliegende Städte wie Aigai und Pitane mit größeren Schenkungen. Hierdurch suchte er sich diese Gemeinden zu verpflichten. Der Stadt Kyzikos half er finanziell im Kampf gegen die Galater. Kyme erhielt von ihm 600 Bronzeschilde geschenkt. Dafür ehrte Kyzikos ihn kultisch mit der Abhaltung eines nach ihm Philetaireia genannten Festes, ebenso Kyme mit der Stiftung eines Goldkranzes sowie der Aufstellung einer ihn repräsentierenden Statue in einem für ihn erbauten Heiligtum, dem Philetaireion.<ref>Martin Zimmermann: Pergamon. Geschichte, Kultur, Archäologie. S. 21 f.</ref> Ferner ließ Philetairos griechischen Kultstätten bedeutende Gaben zukommen, so den Heiligtümern der Musen des Helikon und des Hermes in Thespiai.<ref name= RE-19-2159/> Auch überregionale Heiligtümer ehrten ihn für erwiesene Wohltaten; so ernannte ihn Delphi um 280 v. Chr. zusammen mit seinem Bruder Eumenes und seinem Adoptivsohn Attalos zum Proxenos. Mit der Insel Delos pflegte er gute Beziehungen und wurde auch dort mit einem seinen Namen tragenden Fest gefeiert.<ref>Wilhelm Hoffmann: Philetairos 1. In: Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft (RE). Band XIX,2, Stuttgart 1938, Sp. 2157–2161 (hier: 2160).</ref> Durch die erwähnten Maßnahmen gab Philetairos die Grundzüge der Kulturpolitik und des Repräsentationsverhaltens für die späteren pergamenischen Monarchen vor.
Letzte Jahre, Tod und Nachfolge
Das Eindringen der Galater in Kleinasien beschleunigte die Loslösung Kleinasiens von der seleukidischen Oberherrschaft. Philetairos dürfte auch dementsprechend in seinen letzten Regierungsjahren eine Neuorientierung der pergamenischen Außenpolitik vorgenommen haben, die in einer zunehmenden Abwendung von den Seleukiden bestand. In der Folge kam es damals zu einer Lockerung seiner Abhängigkeit von diesem Königsgeschlecht. Da er keine eigenen Söhne hatte, adoptierte er den Sohn seines Bruders Eumenes, der ebenfalls Eumenes hieß und ihm auf dem pergamenischen Thron nachfolgte. Eumenes I. prägte nach dem 263 v. Chr. erfolgten Tod des Philetairos und der formellen Lossagung von den Seleukiden Münzen, die Philetairos’ Porträt zeigen, was von den anderen Herrschern der Attalidendynastie bis etwa 190 v. Chr. fortgesetzt wurde.<ref name=DNP-9-787/><ref>Wilhelm Hoffmann: Philetairos 1. In: Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft (RE). Band XIX,2, Stuttgart 1938, Sp. 2157–2161 (hier: 2160 f.).</ref> Nach seinem Ableben erhielt Philetairos auch in Pergamon kultische Verehrung als Euergetes<ref>Wilhelm Dittenberger: Orientis Graeci inscriptiones selectae (OGIS) 764</ref> und Eumenes I. errichtete ein nach ihm Philetaireia genanntes Kastell auf dem Ida.<ref>OGIS 266,20 f.</ref>
Literatur
- Wilhelm Hoffmann: Philetairos 1. In: Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft (RE). Band XIX,2, Stuttgart 1938, Sp. 2157–2161.
- Ulla Westermark: Das Bildnis des Philetairos von Pergamon. Corpus der Münzprägung. Stockholm 1961.
- Esther V. Hansen: The Attalids of Pergamon. 2nd edition, revised and expanded. Cornell University Press, Ithaca NY 1971, ISBN 0-8014-0615-3.
- Hans-Joachim Schalles: Untersuchungen zur Kulturpolitik der pergamenischen Herrscher im dritten Jahrhundert vor Christus. (= Istanbuler Forschungen 36). Wasmuth, Tübingen 1985, ISBN 3-8030-1757-2.
- Wolfgang Radt: Pergamon. Geschichte und Bauten einer antiken Metropole. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1999, ISBN 3-534-13414-1.
- Andreas Mehl: Philetairos 2. In: Der Neue Pauly (DNP). Band 9, Metzler, Stuttgart 2000, ISBN 3-476-01479-7, Sp. 787–788.
- Peter Thonemann (Hrsg.): Attalid Asia Minor. Oxford University Press, Oxford 2013, ISBN 978-0-19-965611-0.
Einzelnachweise
<references/>
| Vorgänger | Amt | Nachfolger |
|---|---|---|
| — | Herrscher von Pergamon um 302–263 v. Chr. | Eumenes I. |
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Philetairos |
| KURZBESCHREIBUNG | Herrscher von Pergamon |
| GEBURTSDATUM | um 343 v. Chr. |
| GEBURTSORT | Tios |
| STERBEDATUM | 263 v. Chr. |