Pferderassen in Äthiopien
Pferderassen in Äthiopien umfassen acht regionale Landrassen, darunter die gefährdete Wildpopulation des Kundudo.
Die Pferdehaltung hat in Äthiopien eine lange Tradition. Bereits seit der Zagwe-Dynastie sind dort Reitpferde dokumentiert. Im Kaiserreich Abessinien spielten sie eine wichtige Rolle als Reit- und Kriegspferde. 2024 lebten in Äthiopien mit etwa 2,3 Millionen Hauspferden mehr als viermal so viele Pferde wie in Deutschland. Sie sind in Äthiopien vor allem für den Transport und in der Landwirtschaft unverzichtbar und unterstützen insbesondere auch Frauen im Alltag. Die Haltung vieler Arbeitspferde ist jedoch oft schlecht, mit unzureichender Versorgung und häufigen Krankheiten. Arbeitspferde haben einen niedrigen Status und werden häufig vernachlässigt.
Die Rassen gliedern sich in Arbeitspferde wie den Abessiner, das Kafa-, Bale- und das Horro-Pony sowie elegante Reitpferde wie Selale-, Ogaden- und das kulturell bedeutsame Borana-Pony.
Hintergrundinformationen zur Pferdebewertung und -zucht finden sich unter: Exterieur, Interieur und Pferdezucht.
Geschichte
Seit der Zagwe-Dynastie (930 bis 1270) gibt es Aufzeichnungen über Pferde in Äthiopien. In der Felsenkirche Biete Mariam von Lalibela finden sich Reliefs, die Reiter bei der Jagd auf Tiere und Fabelwesen zeigen.<ref>Isaac Samuel: The medieval Knights of Ethiopia: a history of the Horse in the northern Horn of Africa (1000-1900CE). African History Extra, 15. Juni 2025 (africanhistoryextra.com [abgerufen am 8. Februar 2026]).</ref> Gebra Maskal Lalibela soll über eine Armee von rund 60.000 berittenen Soldaten verfügt haben.<ref>Taddesse Tamrat: Church and State in Ethiopia, 1270–1527. University of London, London 1968, ISBN 0-19-821671-8, S. 114 (scispace.com [PDF; abgerufen am 8. Februar 2026] Anmerkung Nr. 3).</ref>
Im Kaiserreich Abessinien wurden Pferde sowohl als Reitpferde als auch vor allem als Streitrösser hoch geschätzt. Das erste namentlich erwähnte Pferd war Haräb Asfäré („Der Schrecken verbreitet“) von Amda Seyon I. († 1344). Mitglieder des äthiopischen Königshauses erhielten für ihre Verdienste den Namen ihres Streitrosses als Namenszusatz. Dieser sogenannte Pferdename fungierte als Adelstitel.<ref></ref><ref name='eea'/>
In Europa blieben die Pferderassen Äthiopiens lange Zeit weitgehend unbekannt. Sie wurden allgemein als äthiopisches Pferd oder Abessinier bezeichnet und als Tiere mit unterschiedlichem Körperbau beschrieben.<ref name="al" details=10f>Alemayehu Lemma: Case studies on reproductive activity of equines in relation to environmental factors in central Ethiopia. Humboldt-Universität zu Berlin (Dissertation), 2004 (google.it [abgerufen am 8. Februar 2026]).</ref> Noch 1843 zitierte der britische Tierarzt William Youatt einen gewissen Ludolph, der 1684 über die Pferde Äthiopiens schrieb, sie seien stark, wendig und temperamentvoll. Die Pferde würden nur für Krieg und Jagd eingesetzt und mussten keine langen, anstrengenden Reisen zurücklegen, da Maultiere die schweren Arbeiten verrichteten. Die Pferde wären nicht beschlagen und die Reiter stiegen in steinigem Gelände ab, um die Hufe zu schonen.<ref>William Youatt: The Horse. With a Treatise of Draught. 2. Auflage. Chapman & Hall, London 1843, S. 18 (Google Books [abgerufen am 22. Mai 2025]).</ref>
Der Hippologe Graf Wrangel berichtete 1908, dass Henri Philippe Marie d’Orléans nach seiner Rückkehr von einer Expedition nach Abessinien in den 1890er Jahren einen zehnjährigen Wallach mit nach Europa brachte. Wrangel beschrieb die edle Erscheinung dieses Wallachs, der ein Stockmaß von 1,38 m hatte und wies auf eine gewisse Ähnlichkeit mit dem Araber hin. Angesichts der guten Qualität dieses Wallachs, den er für einen typischen Vertreter der Reitpferde Abessiniens hielt, und des großen Bedarfs an orientalischem Blut in Europa, führte er die mangelnde Bekanntheit abessinischer Pferde auf die Verhältnisse im Reich von Negus Menelik II. zurück.<ref name="wrang">Carl Gustav Wrangel: Die Rassen des Pferdes. Band 1. Schickhardt & Ebner, Stuttgart 1908, S. 74 (archive.org [PDF; abgerufen am 8. Februar 2026] 2 Bände).</ref>
Eine Studie teilte 2012 Äthiopiens Pferde anhand ihres Exterieurs in acht verschiedene regionale Rassen ein, die unterschiedlich verbreitet sind, darunter eine stark gefährdete Wildpopulation, das Kundudo.<ref name='ex'>Kefena Effa, Tadelle Dessie, Han Jianlin, M.Y. Kurtu, Sonia Rosenbom, Albano Beja-Pereira: Morphological diversities and ecozones of Ethiopian horse populations. In: Animal Genetic Resources. Band 50, 1. Juni 2012, S. 1–12, doi:10.1017/S2078633612000021 (researchgate.net [abgerufen am 22. Mai 2025]).</ref>
Noch 2016 meldete Äthiopien nur allgemein den Abessinier beim Worldwide Domestic Animal Diversity Information System.<ref name="dad">Breed data sheet: Abyssinian / Ethiopia (Horse). In: FAO (Hrsg.): Domestic Animal Diversity Information System (DAD-IS). (fao.org – abgerufen im Dezember 2016).</ref> Im Jahr 2025 wurden schließlich die acht beschriebenen Rassen gemeldet.<ref name="fao" /><ref name="kef" />
Wirtschaftliche und soziale Bedeutung
2024 lebten in Äthiopien rund 2,3 Millionen Hauspferde, das ist die größte Pferdepopulation Afrikas.<ref>FAO (Hrsg.): Crops and livestock products. (fao.org [abgerufen am 15. Januar 2026] Suche auf 2024 (Zahlen werden aktualisiert)).</ref><ref name="fao2">Institute of Biodiversity Conservation (Hrsg.): The State of Ethiopia’s Farm Animal Genetic Resources: Country Report. A Contribution to the First Report on the State of the World’s Animal Genetic Resources. Addis Ababa Mai 2004 (archive.org [PDF; abgerufen am 8. Februar 2026]).</ref> Äthiopien zählt zu den ärmsten Ländern der Welt. Etwa drei Viertel aller landwirtschaftlichen Betriebe sind mehr als anderthalb Tagesmärsche von einer ganzjährig befahrbaren Straße entfernt.<ref name="fao2" details="18" /> Pferde, Maultiere und Esel sind für den Transport unerlässlich, und Pferde werden in großem Umfang für Transport, Zugkraft und landwirtschaftliche Arbeiten wie das Pflügen eingesetzt.<ref name="al" details="11" /><ref name="kef" details="5" /> Equiden unterstützen Frauen sowohl bei der Erfüllung ihrer häuslichen Pflichten als auch bei der Erwerbstätigkeit, zu der sie sonst kaum Zugang hätten. Der wirtschaftliche und soziale Beitrag zum Lebensunterhalt ist bedeutend.<ref name="wel">Temesgen Zekarias Tsige, Sitota Tesfaye: The Welfare Issues of Working Equine in Ethiopia: A Review. In: European Journal of Biological Sciences. Band 11, Nr. 3, 2019, S. 82–90 (researchgate.net [abgerufen am 8. Februar 2026]).</ref> In manchen Gegenden werden bestimmte Rassen hauptsächlich zum Reiten genutzt. Äthiopien exportierte 2023 Pferde für rund 2,5 Mio. $, den größten Teil nach Kuwait und in den Jemen.<ref>Observatory of Economic Complexity (OEC): Horses in Ethiopia. (oec.world [abgerufen am 8. Februar 2026]).</ref>
Haltung und Gesundheit
Obwohl Pferde in Äthiopien zahlreich sind und eine bedeutende Rolle in den Kleinbauergemeinschaften spielen, wird ihrer Fütterung, Haltung und Pflege nur wenig Aufmerksamkeit geschenkt.<ref name="wel" /> Viele Arbeitstiere gehören armen Menschen und müssen unter oft rauen Bedingungen arbeiten, häufig ohne ausreichend Futter, tierärztliche Versorgung, angemessene Unterkunft, und müssen mit unzureichender Ausrüstung arbeiten.<ref name="retro" />
Zu den gesundheitlichen Beeinträchtigungen zählen Parasiten,<ref>A. M. Getachew, G. T. Innocent, A. F. Trawford, G. Feseha: Equine parascarosis under the tropical weather conditions of Ethiopia: a coprological and postmortem study. In: Veterinary Record. Band 162, Nr. 6, 9. Februar 2008, S. 177–180, doi:10.1136/vr.162.6.177, PMID 18263917.</ref><ref>P. H. Clausen, G. Gebreselassie, S. Abditcho, D. Mehlitz: Detection of trypanosome DNA in serologically positive but aparasitaemic horses suspected of dourine in Ethiopia. In: The Tokai Journal of Experimental and Clinical Medicine. Band 23, Nr. 6, Dezember 1998, S. 303–308 (europepmc.org [abgerufen am 17. Oktober 2018]).</ref> Druckstellen, Hufprobleme, Koliken, sowie Infektionskrankheiten wie Druse, Tetanus und die Afrikanische Pferdepest, die vor allem während der Regenzeit auftritt. Auch Lahmheiten, Schwellungen der Gelenke, Wunden, Zahnprobleme<ref name="retro" /> sowie Hautpilzerkrankungen<ref>M. Woldemeskel: Dermatophilosis: a threat to livestock production in Ethiopia. In: Deutsche Tierärztliche Wochenschrift (DTW). Band 107, Nr. 4, April 2000, ISSN 0341-6593, S. 144–146, PMID 10829564 (europepmc.org [abgerufen am 17. Oktober 2018]).</ref> sind weit verbreitet. Zeckenbefall ist im Tiefland verbreiteter als in höheren Lagen.<ref>Bersissa Kumsa, Habtamu Tamrat, Getachew Tadesse, Nigatu Aklilu: Prevalence and species composition of ixodid ticks infesting horses in three agroecologies in central Oromia, Ethiopia. In: Tropical Animal Health and Production. Band 44, 2012, S. 119–124, doi:10.1007/s11250-011-9897-y.</ref>
Wenn sich der Gesundheitszustand der Arbeitspferde verschlechtert und sie nicht mehr einsatzfähig sind, erhalten sie meist weder Gnadenbrot noch werden sie geschlachtet oder eingeschläfert. Stattdessen werden sie ausgesetzt und ihrem Schicksal überlassen. Arbeitspferde haben einen niedrigen Status und gehören zu den am meisten vernachlässigten Tieren in Äthiopien (Stand 2021).<ref name="retro">Firaol Bekele, Desita Goshu, Darge Lulu, Ebisa Wankila: Retrospective Assessment of Donkeys’ Health and Welfare problems in Dale Sadi District Haro Sabbu Veterinary Clinic, Oromia, Ethiopia. 2021, doi:10.21203/rs.3.rs-668832/v1.</ref><ref>Bereket Balcha: A galloping horseback odyssey. In: Fortune. Addis Abeba 2. September 2023 (addisfortune.news [abgerufen am 14. Februar 2026]).</ref>
Rassen
Die äthiopischen Pferderassen sind Landrassen für die keine Stutbücher geführt werden.<ref name="fao">FAO (Hrsg.): Domestic Animal Diversity Information System (DAD-IS). (fao.org [abgerufen am 22. Mai 2024]).</ref> Die Tiere paaren sich zufällig, während sie auf der Weide sind. Die Pferdezucht ist weitgehend traditionell und unkontrolliert. Es fehlt an Selektion.<ref name='al' details=15/> In Äthiopien werden jedoch auch Sportpferde gehalten und gezüchtet.<ref name="eea">Ethiopian Equestrian Association: History. (ethioequestrian.org [abgerufen am 14. Februar 2026]).</ref><ref>Ararsa Benti, Alemayehu Lemma: Ovarian follicular dynamics and uterine changes during the ovulatory wave predicts imminent ovulation in Mares. In: International Journal of Veterinary Science and Research. Band 6, Nr. 1, 20. Mai 2020, S. 041–046, doi:10.17352/ijvsr.000052 (researchgate.net [abgerufen am 22. Mai 2024]). </ref>
Die einzelnen Rassen sind unterschiedlich nah miteinander verwandt. Die genetische Verwandtschaft ist in der Grafik dargestellt. Sie haben verschiedene geografische Verbreitungsgebiete, die auf der nebenstehenden Karte markiert sind.<ref name="kef" /> Im Folgenden werden die Rassen nach ihrem Haupteinsatzzweck eingeteilt.
Kundudo-Wildpferd
Das Kundudo- oder Kundido-Wildpferd ist nach dem gleichnamigen Berg im Osten Äthiopiens benannt, auf dem es beheimatet ist. Es bildet eine stark gefährdete wildlebende Population, die auf dem schwer zugänglichen Tafelberg Kundudo in der Nähe der Stadt Harar in der Region Oromia lebt. Der Gipfel besteht aus einer 13 Hektar großen, flachen Graslandschaft, die den Lebensraum der Kundudo-Wildpferde bildet. Das Verbreitungsgebiet des Kundudo-Wildpferds ist in der Karte unter der Nummer 7 verzeichnet. Aus Nutzpferdesicht sind sie schlecht gebaut, mit kurzen Senkrücken und dicken Bäuchen.<ref name="kef" /><ref name='ex'/><ref name="fao" />
Zu ihrer Geschichte gibt es keine schriftlichen Quellen. Laut mündlicher Überlieferungen der ältesten Einwohner der Region sind die Kundudo-Wildpferde seit über 200 Jahren bekannt. Der spätere Kaiser Haile Selassie I. soll im Alter von zehn Jahren mithilfe seines Onkels eines von ihnen eingefangen haben.<ref name="kef" /><ref name="vig">Marco Viganò: The Third International Mission to the Kundudo: Report. 2013 (academia.edu [abgerufen am 8. Februar 2026]).</ref><ref name="kef" /> Sie sollen von Militärpferden abstammen, die nach dem Adal-Äthiopischen Krieg von 1529 bis 1543 und dem Osmanisch-Äthiopischen Krieg von 1528 bis 1560 zurückgelassen wurden.<ref name="kef" /><ref name="mam" /> Obwohl es früher Löwen und Geparden auf dem Gipfel des Tafelbergs gab, ist es denkbar, dass eine kleine Herde von zehn bis 15 Pferden dort überleben konnte.<ref name="vig" /> Diese Theorie ist nicht gesichert.<ref name="kef" /><ref name="por" /> Die genetische Nähe zu den domestizierten Abessiniern deutet darauf hin, dass das Kundudo von diesen abstammt. In der jüngeren Vergangenheit sind einzelne Abessinierpferde in die Wildnis entflohen. Dies geschah möglicherweise während der militärischen Ereignisse des 16. Jahrhunderts.<ref name="kef" /><ref name="des">Effa Kefena, Tadelle Dessie: The Kundido feral horses: Fugitives of the Abyssinian domestic horses. In: Ethiopian Society of Animal Production (Hrsg.): Proceedings of the 19th Annual Conference of the Ethiopian Society of Animal Production (ESAP). Band 25, 2011, S. 31–38.</ref> Kundudo-Wildpferde weisen eine hohe Inzuchtrate und geringe genetische Variabilität auf. Das liegt an der geringen Anzahl von Gründerindividuen und ihrer langen Isolation.<ref name="kef" />
Die Population wurde im Jahr 2008 von einer Forschungsexpedition beschrieben. Zu dieser Zeit fing ein lokaler Bauer gelegentlich Fohlen zum Verkauf ein, oder nutzte erwachsene Pferde während der Erntezeit zur Arbeit. Weil sie sich sehr widersetzlich verhielten, wurden sie nach der Ernte immer wieder freigelassen.<ref name="vig" /><ref name="fao" /> Die äthiopischen Behörden für den Schutz der biologischen Vielfalt empfahlen, das Biotop der Pferde in ein Reservat umzuwandeln, das für den Tourismus geöffnet werden sollte. Zwischen ihrer Entdeckung und einer weiteren Expedition im Jahr 2013 ging die Population stark zurück und stand mit nur noch elf Tieren kurz vor dem Aussterben.<ref name="mam">Vorlage:Cite book/Name: [Internetquelle: archiv-url ungültig The Kundudo feral horses of Ethiopia.] In: Institute for Breeding Rare and Endangered African Mammals. , archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am Vorlage:Cite book/URL; abgerufen am 11. Januar 2014 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).Vorlage:Cite book/URLVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung2Vorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung</ref> 2022 hatte sich ihre Situation dank eines gestiegenen Bewusstseins in der Bevölkerung verbessert. Derzeit leben dort rund 30 Pferde, deren Bestand viermal jährlich von Rangern kontrolliert wird.<ref>Abdurazak Sufiyan: Kundudo feral horse: Trends, status and threats and implication for conservation. In: Global Journal of Zoology. Band 7, Nr. 1, 2022, S. 10–14, doi:10.17352/gjz.000022.</ref>
Arbeitspferde
Kafa-Pony
Das Kafa-Pony, das auch als Keffa bezeichnet wird,<ref>Amine Mustefa, Aweke Engdawork, Seble Sinke: Assessment of horse breeding and husbandry practices in southwest Ethiopia: Its implication to design breeding program. In: Heliyon. Band 10, Nr. 20, 2024, ISSN 2405-8440, doi:10.1016/j.heliyon.2024.e39280 (sciencedirect.com [abgerufen am 8. Februar 2026] e39280).</ref> stammt aus den Regenwäldern der Sheka- und Keffa-Zonen in der Region der südwestäthiopischen Völker. Sein Verbreitungsgebiet ist in der Karte mit der Nummer 4 markiert.
Das Kafa ist ein schwerer Pferdetyp mit gutem Gebäude. Es hat ein größeres Stockmaß, das im Durchschnitt 1,26 m bei Stuten und 1,33 m bei Hengsten beträgt. Der Rumpf ist länger und der Brustumfang ist größer als bei anderen äthiopischen Pferden. Die Brust ist tief und die Schulter lang. Die Rippen sind gut gerundet und die Mähne oft lang. Diese Pferde leben meist das ganze Jahr über im Freien und verfügen selten über einen Unterstand. Das Kafa-Pony dient als Zugtier und ist in seiner Herkunftsregion, die für Motorfahrzeuge schlecht zugänglich ist, die wichtigste Quelle für Zugkraft. Die Stuten werden selten zur Arbeit eingesetzt und dienen vorwiegend der Zucht.<ref name='ex'/><ref name="fao" /><ref name="kef" />
Abessinier
Die Abessinier sind eine Ponyrasse, die als Arbeitspferd verwendet wird und nach dem ehemaligen Kaiserreich Abessinien benannt ist. Sie kommt vor allem im Norden des Landes, in der Region Gondar, in der Nähe der Semien-Bergkette, vor. Das Verbreitungsgebiet des Abessiners entspricht der Nummer 1 in der Karte.
Abessinier haben ein fehlerhaftes Gebäude,<ref name='ex'/> häufig einen Senkrücken und einen schweren Bauch.<ref name="fao" /><ref name="kef" /> Die Durchschnittsgröße beträgt 1,25 m bei Stuten und 1,29 m bei Hengsten,<ref name="fao" /> wobei die Größe variiert.<ref name="por">Valerie Porter, Lawrence Alderson, Stephen J. G. Hall, D. Phillip Sponenberg: Mason’s World Encyclopedia of Livestock Breeds and Breeding. CAB International, 2016, ISBN 978-1-84593-466-8, S. 432 (OCLC 948839453).</ref> Sie kommen in allen Farben vor,<ref name="kef" /> haben ein dichtes Fell und eine struppige Mähne. Manche Abessinier haben grüne Augen.<ref name="por" />
Abessinier sind an das harte Leben und Arbeiten in den Bergen gut angepasst. Sie werden für schwere Arbeit in der Landwirtschaft verwendet, vor allem als Packtiere und zum Pflügen.<ref name='ex'/> Sie sind das wichtigste Zugtier in ihrer Herkunftsregion. Trotz ihrer geringen Größe werden sie aufgrund ihrer Kraft und guten Arbeitsleistung geschätzt.<ref name="kef" /> Ihre Pferdeäpfel werden getrocknet und als Brennstoff verwendet.<ref name="fao" />
Bale-Pony
Das Bale-Pony (Amharisch: የባህር ፈረስ / yebahiri feresi) ist in den Hochlandgebieten der Bale-Zone in der Region Oromia im Süden des Landes beheimatet. Sein Verbreitungsgebiet entspricht dem auf der Karte mit der Nummer 6 markierten Gebiet.
Es ist schlecht gebaut, hat einen schweren Bauch und einen Senkrücken.<ref name='ex'/> Mähne und Schweif sind meistens lang. Im Vergleich zu anderen äthiopischen Pferdetypen hat es eine tiefere Brust, eine längere Schulter, einen längeren Hals und einen kürzeren Rücken. Die Durchschnittsgröße beträgt 1,25 m bei Stuten und 1,29 m bei Hengsten. Sie werden als Zug- und Packtiere eingesetzt.<ref name="kef" /><ref name="fao" />
Horro-Pony
Das Horro-Pony stammt aus dem Horo-Gebiet im Westen der Region Oromia und ist dort traditionell verbreitet. In der Karte ist das Verbreitungsgebiet des Horro-Ponys mit der Nummer 3 markiert. Das Horro-Pony ist an die Bedingungen dieser Region gut angepasst.
Die Durchschnittsgröße beträgt 1,25 m bei Stuten und 1,28 m bei Hengsten. Es weist einen mangelhaften Körperbau auf. Das Horro-Pony wird als Zug- und Packtier eingesetzt. Es dient hauptsächlich dem Transport schwerer Lasten und wird auch als Arbeitstier vor dem Pflug genutzt.<ref name='ex'/><ref name="fao" /><ref name="kef" />
Reitpferde
Selale-Pony
Das Selale-Pony (Amharisch: ሸዋ ፈረስ / shewa feresi), auch Oromo genannt, stammt aus den Regionen Selale und Shewa. Es ist nach der Volksgruppe benannt, die es hervorgebracht hat. Das Verbreitungsgebiet des Selale-Ponys entspricht der Nummer 2 in der Karte. Es ist genetisch nahe verwandt mit dem Ogaden-Pony. Das deckt sich mit den Anekdoten lokaler somalischer Ältester. Demnach besuchte der ehemalige Kaiser Haile Selassie regelmäßig Pferdeschauen in der Region Somali, um dort Pferde für seine Zucht in den Selale-Gebieten auszuwählen.
Mit einer durchschnittlichen Größe von 1,30 m bei den Stuten und 1,34 m bei den Hengsten sind sie größer als andere äthiopische Rassen. Sie haben einen längeren Körper und längere Gliedmaßen, sind symmetrisch gebaut, sind elegant und typisch für äthiopische Reitponys. Ihre Oberlinie ist gerade und ihre Beine sind schlank. Die Hengste haben einen gut ausgebildeten Mähnenkamm, der als Symbol äthiopischer Reitpferde gilt.<ref name='ex'/><ref name="fao" /><ref name="kef" />
Ogaden-Pony
Das Ogaden, auch Somali-Pony oder Wilwal genannt, stammt aus der Somali-Region Äthiopiens (dem traditionellen Ogaden). Es ist vor allem im Gebiet um die Stadt Jijiga verbreitet. Die Rasse ist typisch für die Jijiga-Zone. Sie kommt in den Städten Jijiga, Aware, Dhik, Kebri Beyah und Waju vor. Ein Teil dieser Pferde lebt in freier Wildbahn im Gebiet Aware an der Grenze zu Somalia. Das Verbreitungsgebiet des Ogaden-Ponys entspricht der Nummer 8 in der Karte. Der Gouverneur Wilwal Farah Hersi soll mit diesen Pferden gegen die britischen Kolonialherren gekämpft haben.
Es hat einen guten Körperbau, der vergleichsweise schwer, groß und elegant ist. Stuten haben oft einen Senkrücken. Bei einer im Jahr 2012 veröffentlichten Studie konnte die Größe nicht gemessen werden, da die untersuchten Tiere nicht stillstanden.<ref name='ex'/><ref name="fao" /><ref name="kef" />
Borana-Pony
Das Borana-Pony ist eine Tieflandrasse, die vom Hirtenvolk der Borana insbesondere in der Umgebung der Stadt Megga im Süden Äthiopiens, gezogen wird. Das Verbreitungsgebiet des Borana-Ponys entspricht der Nummer 5 in der Karte. Es hat einen guten Körperbau und ist sehr widerstandsfähig gegen Trockenheit. Es kommen nur Braune vor. Das Borana-Pony wird als Reitpferd verwendet und nicht für schwere Arbeit eingesetzt.
Es genießt einen besonderen kulturellen Stellenwert, durch einen „Gadaa“ genannten Verhaltenskodex, der beispielsweise vorschreibt, dass die Boranas vor den Menschen und anderen Tieren an der Wasserstelle trinken dürfen. Nach ihrem Tod erhalten Hengste eine Begräbniszeremonie.<ref name='ex'/><ref name="fao" /><ref name="kef" />
Einzelnachweise
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