Petruskirche (Kiel)
| colspan="2" style="background:#CEDAF2; color:#Vorlage:Standardfarbe;" | Petruskirche | ||||||
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| Frontansicht der Petrus-Kirche Kiel-Wik Frontansicht der Petrus-Kirche Kiel-Wik | ||||||
| colspan="2" style="background:#CEDAF2; color:#Vorlage:Standardfarbe;" | Daten | ||||||
| Ort | Kiel-Wik | |||||
| Architekt | Curjel & Moser | |||||
| Bauherr | Großadmiral Alfred von Tirpitz | |||||
| Baujahr | 1905–1907 | |||||
| Koordinaten | 54° 21′ 32,9″ N, 10° 8′ 8,6″ O
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| colspan="2" style="background:#CEDAF2; color:#Vorlage:Standardfarbe;" | Besonderheiten | ||||||
| Aus städtebaulichen Gründen wurde die Kirche in Nord-Süd-Richtung gebaut, statt wie üblich in Ost-West-Richtung. | ||||||
Die Petrus-Kirche im Kieler Stadtteil Wik wurde im Auftrag von Großadmiral Alfred von Tirpitz 1905–1907 als Marine-Garnisonkirche erbaut. Dieser handelte auf Empfehlung von Admiral Prinz Heinrich von Preußen, dem Bruder Kaiser Wilhelms II., und betraute mit diesem Bauvorhaben die Architekten Curjel & Moser.
Geschichte
Kurz nachdem Kiel 1871 zum Reichskriegshafen erhoben worden war, wurde 1878–1882 auf einem Hügel über dem Niemannsweg als erste Garnisonkirche die Pauluskirche erbaut. Die ständig anwachsende Kaiserliche Marine machte den Bau einer weiteren Kirche für die Angehörigen der Marine nötig. Ursprünglich war zur Einsparung von Kosten eine Simultankirche geplant; da sich dies aus politischen Gründen nicht durchsetzen ließ, wurde die in Auftrag gegebene neue größere Garnisonkirche als evangelische Kirche errichtet.<ref>Elvert / Jensen / Salewski 1998, S. 218</ref> Im Jahr 1907 entstand unweit dieser an der Feldstraße die katholische St.-Heinrich-Kirche.
Großadmiral Alfred von Tirpitz, der „Vater der Flottengesetze“, gab als Staatssekretär im Reichsmarineamt den Auftrag zum Bau der beiden Kirchen, nachdem das Reichsschatzamt aus Geldmangel die Mittel zunächst nicht bereitstellen wollte. Die Gesamtkosten für die Petrus-Kirche wurden auf 300.000 Mark veranschlagt, aber um fast 100.000 Mark überschritten.
Für den Bau der evangelischen Kirche bestimmte Tirpitz das erfolgreiche und im Sakralbau ausgewiesene Karlsruher Architekturbüro der beiden gebürtigen Schweizer Robert Curjel und Karl Moser. Seine interessierte Teilnahme ging so weit, dass er von den Architekten forderte, eine „Baugruppe“ – aus Kirche, Konfirmandensaal, Pfarrhaus und Verwaltungsgebäude – zu entwerfen, die in Backstein in „dort heimischen Bauformen“ mit besonders großen Steinen in Klosterformat errichtet werden sollte. Auf Anregung des Garnison-Bauinspektors Adalbert Kelm ordnete Tirpitz auch an, die Kirche zur Verbesserung der städtebaulichen Wirkung entgegen den sonst üblichen Regeln nicht zu osten, sondern zu norden. So entgeht der hohe mächtige Turm der Einengung durch die gegenüberliegende hohe geschlossene Häuserzeile auf der Westseite der „zivilen“ Adalbertstraße und richtet sich zur Stadt hin nach Süden aus. Im Zweiten Weltkrieg 1944 durch Bomben teilweise zerstört, konnte die Petrus-Kirche vor allem durch Spenden der US-amerikanischen Sektion des Lutherischen Weltbundes 1949 innerhalb von zwei Monaten instandgesetzt werden.
Architektur
Das Gotteshaus ist ein eindrucksvolles Beispiel für den modernen evangelischen Kirchenbau des frühen 20. Jahrhunderts. Alfred Kamphausen etwa attestierte 1973 der Wiker Kirche, im Vergleich zu ihren unmittelbaren Vorläufern eine „kühnere, das 20. Jahrhundert einleitende Leistung“ zu sein.<ref>Kamphausen 1973, S. 116</ref> In ihr verschmelzen elegant historistische und zeitgenössische Jugendstilformen. Große Flächenausdehnungen werden kombiniert mit grazilen Ziegelstreben und einer filigranen Formensprache in den Steinmetzarbeiten.
Glockenturm
Das Dehio-Handbuch für Hamburg und Schleswig-Holstein zeigt sich beeindruckt von der „eigenwilligen, romanische und spätgotische Elemente einbeziehenden Jugendstil-Gestalt“ des Turms.<ref>Dehio-Handbuch der deutschen Kunstdenmäler, Hamburg, Schleswig-Holstein. Deutscher Kunstverlag, München 1972, S. 276.</ref>
Innenraum und Ausstattung
Jugendstilfenster
Die Formgebung der Jugendstil-Fenster in ihrer ursprünglichen Verglasung verstärkt die Wirkung des baulichen Gesamtkunstwerks. Die bauzeitlichen, ornamentalen Verglasungen aus hellem Kathedralglas in Weiß und pastelligen Gelb-, Blau-, Grün- und Violettfarben griffen in der Gestaltung sowohl schwungvolle als auch geradlinige Elemente des Jugendstils auf. Auf Betreiben des Fördervereins für die Petrus-Kirche Kiel-Wik e. V. wurden die Fenster originalgetreu wiederhergestellt.
Altarraum
Der Altarraum wurde 1939 mit Skulpturen von Otto Flath neu gestaltet.
Evangelisten
Den Chorraum des Hauptschiffs flankieren auf beiden Seiten je zwei der Evangelistensymbole, die als Terracotta-Medaillons in das Mauerwerk eingelassen sind.
Orgel
Die Orgel steht noch heute an ihrem ursprünglichen Platz, ist jedoch nicht mehr in Funktion: Nach erfolglosen Instandsetzungsversuchen gilt sie seit 1964 als nicht reparabel. Über Jahre wurde vermutet, dass sie von der Orgelbauwerkstatt Sauer in Frankfurt an der Oder erbaut wurde; dies konnte jedoch nicht bestätigt werden.
Glocken
Vorlage:Hinweisbaustein 1907 erhielt die Kirche ihre erste Glocke. Sie wurde von der Gießerei Ohlsson in Lübeck gegossen, hat den Schlagton a' und hing zunächst allein im offenen Glockenstuhl des Turms. Da nur eine Glocke für den stattlichen Turm zu wenig schien, goss 1927 wiederum die Gießerei Ohlsson zwei weitere Bronzeglocken für die Kirche. Sie haben die Töne d' und fis'. Die drei Glocken überstanden den Zweiten Weltkrieg schadlos und läuten noch heute in ihrer mittlerweile leicht verzogenen Schlagtonfolge d', fis' und a'.<ref>Glocken Kiel-Wik ev. Petruskirche, auf youtube.com.</ref><ref>Glocken der Petruskirche, auf akg-kiel.de.</ref>
Gedenktafeln und Denkmal
Einige der Gedenktafeln für verunglückte oder gefallene Marinesoldaten kamen nach 1945 ins Marine-Ehrenmal Laboe.<ref>Michel 1995, S. 120</ref>
Gedenktafeln im Innenbereich
Unter dem runden Löwenkopf-Medaillon an der Stirnwand der Kirche links des Altarraums sind zwei Tafeln aus rotem Marmor mit goldener Gravur angebrackt; sie erinnern an die im Ersten Weltkrieg gefallenen Torpedosteuerleute der Ostseestation (linke Platte) und die bei einem Unfall umgekommenen Seeleute des Torpedoboots G 171, das bei einem Manöver am 14. September 1912 mit dem Linienschiff Zähringen kollidierte und sank (rechte Platte).<ref>Verluste in der Heimatflotte. Marine, 7. August 2012, abgerufen am 7. September 2013.</ref>
Unter der Orgelempore befindet sich eine Gedenktafel für drei Marinesoldaten, die ums Leben kamen, als das Unterseeboot U 3 im Januar 1911 im Kieler Hafen sank. Eine weitere Gedenktafel erinnert an Friedrich Karl Freiherr von Maltzahn, der am 28. August 1914 im ersten Seegefecht bei Helgoland mit der Mainz unterging.
Gedenktafeln und Denkmal im Außenbereich
Eine bronzene Gedenktafel im äußeren Eingangsbereich links von den Toren der Kirche erinnert an 718 Deckoffiziere der Kaiserlichen Marine, die im Ersten Weltkrieg den Tod fanden.
Gegenüber findet sich im äußeren Eingangsbereich rechts eine bronzene Gedenktafel für die im Ersten Weltkrieg Gefallenen des Ingenieuroffizierkorps der Marine.
Ein mannshoher, vorwärts schreitender, aber rückwärts blickender Löwe auf einem Sockel im Bogengang der Garnisonkirche aus glasiertem, rötlichem Steinzeug erinnert an die im Ersten Weltkrieg Gefallenen der Torpedowaffe. Er wurde von der Kieler Kunst-Keramik AG nach einem Modell von Fritz Theilmann hergestellt. Eine seitlich angebrachte Tafel weist darauf hin, dass 1328 Seeleute der Torpedowaffe umkamen und 103 Torpedoboote sanken.
Bildmotiv
Eine Darstellung der Petruskirche wurde als Motiv auf dem Kieler Weihnachtsbecher 2007 verwendet.
Literatur
- Otto Clausen: Geschichte der Wik und ihrer Bewohner. In: Mitteilungen der Gesellschaft für Kieler Stadtgeschichte, Band 50 (1960), ...
- Alfred Kamphausen: Schleswig-Holstein als Kunstlandschaft. Neumünster 1973, ...
- Hans-Günther Andresen: Die ehemalige Marine-Garnisonkirche in Kiel-Wik. In: Schleswig-Holstein, Jahrgang 1979, Hefte 11 und 12, ...
- Wilfried Rössling: Curjel & Moser. Architekten in Karlsruhe/Baden. C. F. Müller Verlag, Karlsruhe 1986, ISBN 3-7880-9735-3, ...
- Gerd Stolz: Historische Stätten der Marine in Schleswig-Holstein. Verlag Boyens & Co., Heide 1990, ISBN 3-8042-0513-5, ...
- Ole Michel: Die Petruskirche in Kiel-Wik (ehemalige Marine-Garnisonkirche) 1905–1907. In: Nordelbingen, Beiträge zur Kunst- und Kulturgeschichte Schleswig-Holsteins, Band 64 (1995), S. 97–132.
- Karsten Sohrt: Die Petrus-Kirche in Kiel Wik. Andachten, Ansichten, Architektur. Sollermann, Leer 1997.
- Jürgen Elvert, Jürgen Jensen, Michael Salewski: Kiel, die Deutschen und die See. Franz Steiner Verlag, Stuttgart 1998, ISBN 3-515-06266-1, ...
- Uwe Hinkfoth: Die evangelische Garnisonskirche in Ulm (1905–1910) von Theodor Fischer und die Bauaufgabe der Garnisonkirche in der deutschen Kaiserzeit. (= Studien zur Kunstgeschichte, Band 183.) Georg Olms Verlag, Hildesheim 2001, ISBN 3-487-11174-8, ...
- Hans-Günther Andresen: Petrus-Kirche Kiel-Wik. (= Kleine Kunstführer, Band 2767.) Schnell & Steiner, Regensburg 2010.
- Sören Gross: Die Petrus Kirche in der Wik (1906–1909). Ein Literaturbericht. In: Klaus Gereon Beuckers, Katharina Priewe (Hrsg.): Die Kieler Garnisonskirchen. Kirchenbau um 1900 zwischen Historismus und Moderne. (= Sonderveröffentlichungen der Gesellschaft für Kieler Stadtgeschichte, Band 83.) Verlag Ludwig, Kiel 2017, S. 127–161.
- Katharina Priewe: Der Altar von Otto Flath von 1939 in der Kieler Petruskirche. Zur kunsthistorischen Einordnung und zum denkmalpflegerischen Umgang. In: Klaus Gereon Beuckers, Katharina Priewe (Hrsg.): Die Kieler Garnisonskirchen. Kirchenbau um 1900 zwischen Historismus und Moderne. (= Sonderveröffentlichungen der Gesellschaft für Kieler Stadtgeschichte, Band 83.) Verlag Ludwig, Kiel 2017, S. 163–198.
Weblinks
- Website des Fördervereins für die Petrus-Kirche Kiel-Wik e. V.
- Kieler Stadtarchiv: Kieler Erinnerungstage: 18. Dezember 1907 (aufgerufen am 24. Februar 2018)
Einzelnachweise
<references />