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Peter Wackernagel (Regisseur)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Datei:Peter Wackernagel Fotosiegel Neu-Ulm.jpg
Porträt von Peter Wackernagel während seiner Zeit in Ulm, Fotosiegel Neu-Ulm

Peter Paul Wackernagel (* 10. April 1913 in Leipzig; † 26. Juli 1958 in Ulm) war ein deutscher Regisseur, Spielleiter an mehreren städtischen Bühnen und von Mai 1954 bis zu seinem Tod Intendant der Städtischen Bühnen Ulm.<ref name="raberg">Vgl. Raberg.</ref> Er galt als einer der profiliertesten Intendanten in der Nachkriegszeit.<ref>Vgl. Kurt Fried: Peter Wackernagel zum Gedenken. Aus Wackernagel, S. 31. Zitat: „Der Geistigsten einer und Profiliertesten unter den Intendanten und Spielleitern […]“</ref>

Leben

Peter Wackernagel wurde 1913 in Leipzig als Sohn des Kunsthistorikers Martin Wackernagel und der Schriftstellerin Ilse von Stach geboren.<ref>vergleiche Eintrag in der Deutschen Nationalbibliothek.</ref> Von 1933 bis 1939 studierte er in Köln, Münster, Florenz und Rom Kunstgeschichte und Theaterwissenschaft.<ref name="raberg"/> Im Zweiten Weltkrieg wurde er als Soldat in Afrika eingesetzt, konnte aber bereits 1943 nach Stuttgart zurückkehren, wo er bis 1945 eine Stelle als Regieassistent am Stuttgarter Staatstheater übernahm.<ref>vergleiche Wackernagel, S. 5; Raberg.</ref> Es folgte dann eine Zeit als selbständig arbeitender Regisseur an der Landesbühne Esslingen und dem Hamburger Thalia-Theater. Danach wurde er als Spielleiter in das Schauspielhaus Tübingen und an die Städtischen Bühnen Freiburg berufen.<ref name="raberg"/>

In Freiburg inszenierte Peter Wackernagel Paul Claudels Seidener Schuh so erfolgreich, dass ihm dies im Herbst 1949 die Berufung zum Oberspielleiter unter dem Intendanten Gustav Deharde nach Ulm einbrachte,<ref>vergleiche Rede des Ulmer Oberbürgermeisters Theodor Pfizer am Grabe, S. 26 in Wackernagel.</ref> wo er das Stück ein weiteres Mal inszenierte.<ref name="fried">vergleiche Kurt Fried: Peter Wackernagel zum Gedenken. Aus Wackernagel, S. 31.</ref> Bereits 1950 gründete Peter Wackernagel das Podium, das zunächst in der Max-Wieland-Galerie mit 150 Plätzen angesiedelt war<ref>vergleiche Wackernagel, S. 5 und S. 8.</ref> und das später 1969 in den Neubau des Ulmer Theaters integriert wurde. Hier konnte Wackernagel seine Vorstellung umsetzen von einem Theater als Arena, in dem Spieler und Gäste eine Gemeinschaft bilden – eine Tradition, die in den Provisorien nach 1945 wieder lebendig wurde und für Wackernagel durch den Neubau des Doppelhauses für das Nationaltheater Mannheim vorbildlich umgesetzt wurde.<ref>vergleiche Wackernagel, S. 9–12.</ref> Nachdem Deharde Ulm verlassen hatte, wurde Peter Wackernagel im Mai 1954 zum Nachfolger als Intendant benannt.<ref name="raberg"/>

Zu seinen Schwerpunkten gehörte William Shakespeare, unter anderem mit Aufführungen von Der Sturm<ref>vergleiche Herbert Wiegandt: Shakespeares „Sturm“ in der Städtischen Bühne. Aus Wackernagel, S. 13.</ref> und Ein Sommernachtstraum, Heinrich von Kleist, unter anderem mit Das Käthchen von Heilbronn, und die moderneren Autoren Thornton Wilder und Paul Claudel.<ref>vergleiche Wackernagel, S. 14–15.</ref> Peter Wackernagel suchte in seinen Inszenierungen die Verbindung zwischen dem Künstlerischen und dem Geistigen mit Bezug zur Religion und Ethik. Er schätzte aus diesem Grunde Stücke, bei denen Mensch und Überwelt in Zusammenhang stehen. Das christliche Theater sah er in seiner Zeit als zukunftsgerichtet, als Weg, der „Menschen, die ihre Kontaktfähigkeit verloren haben, durch Erfüllung einer äußeren Form wieder zur Erlebnisfähigkeit und damit zum Erlebnis des Mysteriums“ bringt.<ref>Wörtlich zitiert aus dem Kommentar der Herausgeber des Gedenkbands, S. 19. Vgl. auch Kurt Fried, S. 31.</ref>

Datei:Ulm Neuer Friedhof Grabstätte Peter Wackernagel 2010 03 30.jpg
Grabstätte am Neuen Friedhof in Ulm

Peter Wackernagel verstarb 1958 während der Spielzeitpause. Er hinterließ seine Ehefrau, die Schauspielerin Erika Wackernagel, die er in Ulm kennengelernt hatte, sowie ihre gemeinsamen Kinder Sabine und Christof.<ref>vergleiche Raberg, S. 446.</ref>

Der überraschend frühe Tod wurde als sehr schmerzhaft empfunden und veranlasste die Stadt Ulm, eine Gedenkschrift mit einigen seiner Texte, mehreren Kritiken und Nachrufen herauszugeben. Inge Aicher-Scholl dichtete in ihrem Nachruf<ref>Inge Aicher-Scholl: Erinnerungen an Peter Wackernagel. Aus: Wackernagel, S. 32–33.</ref> in Bezug auf Shakespeares Sturm:

<poem style="margin-left:2em;"> Trost Du bist nicht tot – bist abgeschieden auf einer Zauberinsel gleich wie Prospero. </poem>

Literatur

  • Peter Wackernagel: Zwischen Traumtheater und Arena. Hrsg.: Herbert Wiegandt, Alexander Bergengruen. Süddeutsche Verlagsgesellschaft, Ulm 1958.

Weblinks

Commons: Peter Wackernagel – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Anmerkungen

<references/>

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