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Peter Schröcksnadel

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Datei:Peter Schröcksnadel Sporthilfe-Gala 2017.jpg
Peter Schröcksnadel (2017)

Peter Schröcksnadel (* 30. Juli 1941 in Innsbruck) ist ein österreichischer Skisport-Funktionär. Er war von 1990 bis Juni 2021 Präsident des Österreichischen Skiverbandes (ÖSV), von 2009 bis 2012 Präsident der European Ski Federation (ESF)<ref name="orf-154773">Ungarin folgt Schröcksnadel als ESF-Chefin. In: sport.orf.at. 5. Dezember 2012, abgerufen am 18. Januar 2017.</ref> und ist ehemaliger Vizepräsident des ÖOC. Im Juni 2021 wurde er Vizepräsident des internationalen Skiverbandes FIS.<ref name="kleinezeitung5997962" />

Leben

In Innsbruck absolvierte er 1959 seine Matura an einer HAK und begann daraufhin mit dem Studium der Rechtswissenschaften. 1964 gründete er in Innsbruck Sitour Austria und stellte Panorama- und Pistenmarkierungstafeln sowie Pistenleitsysteme her („signalisation touristique“). Sein zweites Unternehmen, die 1978 gegründete Feratel Media Technologies AG, entwickelte Anfang der 1990er-Jahre Panoramabild, live gesendetes Wetterpanorama-Fernsehen als touristisches Marketinginstrument, das von diversen Fernsehsendern ausgestrahlt wird. Parallel dazu entwickelt die Firma Produkte im eTourismus-Bereich für den europäischen Markt.

Im Österreichischen Schiverband war Peter Schröcksnadel von 1978 bis 1990 Referent für allgemeinen Schilauf und von 1987 bis 1990 Vizepräsident. Seither ist er ÖSV-Präsident. In dieses Amt wurde er am 23. Juni 1990 bei der 55. Länderkonferenz in Baden (einstimmig) gewählt.<ref>„Peter Schröcksnadel – der logische Nachfolger“ in «Tiroler Tageszeitung» Nr. 144 vom 25. Juni 1990, Seite 23</ref>
1992 wurde ihm vom Bundesministerium für Wissenschaft der Professortitel verliehen.

Infolge des Dopingskandals während der Olympischen Winterspiele 2006 trat Schröcksnadel im darauffolgenden Jahr von seinem Amt als Vizepräsident des Nationalen Olympischen Komitees (ÖOC) zurück.<ref>Doping im Wintersport: Ausschluss für Österreicher, Sperre für Langläufer. In: Spiegel Online Sport, 29. Mai 2007</ref>

Im Vorfeld der Olympischen Winterspiele 2014 im russischen Sotschi äußerte sich Peter Schröcksnadel in einem Zeitungsinterview zu den politischen Diskussionen um die Politik Russlands. Er kritisierte einen verlangten Boykott der Spiele durch Politiker und zeigte sich erfreut, dass der Bundeskanzler und der Sportminister Österreichs die Spiele besuchen wollten. Die Menschenrechtsverletzungen in Russland wollte er nicht beurteilen und riet Sportlern davon ab, sich politisch zu äußern. Die Freilassung politischer Gefangener interpretierte er als positive Auswirkung der Olympischen Winterspiele in Sotschi.<ref>"Würde keinem Sportler raten, sich politisch zu äußern". In: Der Standard. 3. Januar 2014, abgerufen am 28. November 2017.</ref>

Anfang Juni 2021 wurde Schröcksnadel in den FIS-Rat gewählt.<ref>Adam Bucholz: Rada FIS bez polskiego kandydata. 5. Juni 2021, abgerufen am 5. Juni 2021 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Am 16. Juni 2021 trat Schröcksnadel als Präsident des Österreichischen Skiverbandes (ÖSV), zurück, zu seinem Nachfolger wurde am 19. Juni 2021 Karl Schmidhofer gewählt.<ref>Pressekonferenz zur ÖSV-Präsidentschaft. Abgerufen am 5. Juni 2021.</ref><ref name="orf3078074">Schröcksnadel geht „ohne Wehmut“. In: ORF.at. 19. Juni 2021, abgerufen am 19. Juni 2021.</ref> Unter Präsident Johan Eliasch wurde Schröcksnadel einer der vier Vizepräsidenten der FIS.<ref name="kleinezeitung5997962">Neue Führung: Peter Schröcksnadel ist nun einer von vier FIS-Vizepräsidenten. In: Kleine Zeitung. 22. Juni 2021, abgerufen am 23. Juni 2021.</ref>

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Tätigkeiten als Unternehmer

Neben seiner Tätigkeit als ÖSV-Präsident ist Peter Schröcksnadel Geschäftsführer von vier Tochtergesellschaften des ÖSV, namentlich Austria Skiteam Handels und Beteiligungs GmbH, Austria Ski Nordic Veranstaltungs GmbH, Austria Ski WM und Großveranstaltungs GmbH und Austria Ski Veranstaltungs GmbH. Die Firmen gehören zu den wichtigsten Veranstaltern von Großereignissen und anderen Wintertourismusevents in Österreich.

Weiters ist er Geschäftsführer der Sitour Management GmbH.<ref>Sitour Marketing GmbH. Firmenbuchdaten Creditreform/firmenabc.at</ref>

Sein Sohn Markus Schröcksnadel ist Geschäftsführer der Vereinigten Bergbahnen GmbH,<ref>Vereinigte Bergbahnen Gesellschaft mbH. Firmenbuchdaten Creditreform/firmenabc.at</ref> die ebenfalls in 100%igem Besitz der Familie steht. Zur Familiengruppe gehören auch die SV Beteiligungs GmbH<ref>Firma SV Beteiligungs GmbH. Firmenbuchdaten Creditreform/firmenabc.at</ref> und VB-HIWU Beteiligungs GmbH in Innsbruck<ref>Firma VB-HIWU Beteiligungs GmbH. Firmenbuchdaten Creditreform/firmenabc.at</ref>.

Die Sitour Management und Vereinigte Bergbahnen halten etliche Skigebiete und Tourismusunternehmen. Einige davon: 80 % an der Großglockner Bergbahnen Touristik GmbH, 50 % an der Großglockner Hotel und Infrastruktur GmbH (GBT Ski-Holding GmbH in Heiligenblut),<ref>Firma GBT Ski-Holding GmbH. Firmenbuchdaten Creditreform/firmenabc.at</ref> 100 % an der Patscherkofelbahnen GmbH (1996–2014), 100 % an der Ötscherlift-Gesellschaft mbH& Co KG, 99 % an der Unterberghornbahnen Kössen GmbH& Co KG, 53 % an der Hinterstoder-Wurzeralm Bergbahnen AG, 50 % an der Hochficht Bergbahnen GmbH, 51 % der Hochkar Bergbahnen GmbH, und jüngst 60 % an der Kasberg-Bahnen HWB-Betriebs GmbH.

Die Feratel Media Technologies GmbH in Innsbruck<ref>Firma Feratel Media Technologies GmbH. Firmenbuchdaten Creditreform/firmenabc.at</ref> ist Anbieter touristischer Informationssysteme und betreibt Webcams in über einem Dutzend europäischer Länder und den USA.

Kritik

Schröcksnadel war 31 Jahre lang Präsident des ÖSV. In Zeitungsartikeln wurde er als "Ski-Patriarch", "Ski-Napoleon", "Alpenkönig", oder "Imperator" bezeichnet. Laut der deutschen Wochenzeitung Der Spiegel handle es sich um ein "Imperium, entstanden durch Netzwerke, Verstrickungen, Spezlwirtschaft."<ref>Peter Ahrens: Österreichs Verbandsboss Schröcksnadel: Der Ski-Patriarch. Der Spiegel, abgerufen am 19. Januar 2021.</ref>

Nach dem Tod des österreichischen Rennläufers Gernot Reinstadler bei der Lauberhornabfahrt 1991 wollte der ÖSV unter seinem damals neuen Präsidenten Schröcksnadel die Krankenhausrechnung zunächst nicht begleichen. Erst als die Tiroler Landesregierung Druck machte, lenkte der ÖSV ein, übernahm die Rechnung und änderte später auch die Versicherungsmodalitäten für seine Kaderathleten.<ref>Thomas Purschke: Gernot Reinstadler: Sein Tod hat das Leben vieler anderer gerettet. In: Die Zeit online. 18. Januar 2021, abgerufen am 18. Januar 2021 (deutsch).</ref>

Im Zuge des Dopingskandals während der Olympischen Winterspiele 2006 tat sich Schröcksnadel mit verschwörungstheoretischen Andeutungen hervor. Es komme ihm vor, es sei eine "getürkte Aktion" gewesen, wie das gerade bei der Weltmeisterschaft inszeniert worden sei. Mit einer Täter-Opfer-Umkehr kommentierte er, man müsse nachdenken, "ob es nicht eine Gruppe gibt, die uns schaden will". Die erwischten österreichischen Langläufer tat er gleichzeitig als "Trottel" ab. Der Kombinierer Felix Gottwald nannte die Reaktion des Präsidenten einen "Schnellschuss". Eine breite Aufmerksamkeit erreichte Schröcksnadels Aussage "Austria is a too small country to make good doping."<ref>Peter Ahrens: Österreichs Verbandsboss Schröcksnadel: Der Ski-Patriarch. Der Spiegel, abgerufen am 19. Januar 2021.</ref>

Im Zusammenhang mit dem Dopingfall bei den Olympischen Winterspielen 2006 wurde Schröcksnadel in allen gegen ihn erhobenen Vorwürfen entlastet. Am 6. Juli 2012 sprach ihn das Tribunale di Susa (Außenabteilung des Landesgerichts Turin) gemeinsam mit weiteren Angeklagten vom Vorwurf der Mitwisserschaft und der Beteiligung an verbotenen Dopingpraktiken frei.<ref>Quotidiano Nazionale: Doping:Torino'06, 3 austriaci condannati. 6. Juli 2012, abgerufen am 6. November 2025 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref><ref>Österreichischer Doping-Skandal: 6:3 für die Angeklagten. 6. Juli 2012, abgerufen am 5. November 2025.</ref><ref>Doping: ÖSV jubelt über Freispruch in „Turin-Causa“. 6. Juli 2012, abgerufen am 6. November 2025.</ref> Der Freispruch wurde rechtskräftig. Schröcksnadel erklärte anschließend, er habe sich stets gegen Doping im österreichischen Skiverband eingesetzt und entsprechende Präventionsmaßnahmen verstärkt.<ref>Als Österreich "a too small country" war. 18. Februar 2016, abgerufen am 5. November 2025.</ref>

Die ehemalige österreichische Skirennläuferin Nicola Werdenigg berichtete 2017 von weit verbreiteter sexualisierter Gewalt und von systematischem Machtmissbrauch im Bereich des österreichischen Skisportbetriebs durch „Trainer, Betreuer, Kollegen und Serviceleute“ gegen und gegenüber Frauen während ihrer aktiven Zeit (bis 1981). Auf die später durch eine Tiroler Expertenkommission bestätigten Missbrauchs- und Vergewaltigungsvorwürfe reagierte Schröcksnadel zunächst mit Empörung. Der Verband stellte Werdenigg erst ein Ultimatum mit der Aufforderung, Namen zu nennen, dann brachte er eine Entschuldigung der Ex-Sportlerin ins Gespräch. Von echtem Aufklärungswillen, so die Zeitung Der Spiegel sei wenig zu spüren gewesen. Legendär wurde Schröcksnadels Satz, mit dem er den Missbrauch verharmloste: „Ein Pantscherl ist kein Übergriff.“ Pantscherl – das sind im Wienerischen harmlose Liebeleien.<ref>Peter Ahrens: Österreichs Verbandsboss Schröcksnadel: Der Ski-Patriarch. Der Spiegel, abgerufen am 19. Januar 2021.</ref>

Publikationen

  • Im Namen der Flüsse: Geschichten über das Leben, das Fliegenfischen und die Zukunft der Bachforelle, Benevento, Elsbethen 2025, ISBN 978-3-7109-0212-3.

Auszeichnungen

Datei:Sportler des Jahres 2013 Österreich Peter Schröcksnadel Gerald Klug.jpg
Peter Schröcksnadel, ausgezeichnet mit dem Special Award 2013, und Minister Gerald Klug

Literatur

Einzelnachweise

<references/>

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