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Peter Hochegger (Unternehmer)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

Peter Hochegger (* 20. Februar 1949 in Mürzzuschlag) ist ein österreichischer Unternehmer und PR-Berater.

Leben

Hochegger studierte Betriebswirtschaftslehre an der Hochschule für Welthandel in Wien. Nach Beratungstätigkeiten in verschiedenen Unternehmen gründete er zusammen mit seinem Bruder Paul die PR-Agentur Hochegger Communications mit Schwerpunkt Unternehmensberatung mit 50 Mitarbeitern.<ref name="presse2010-09-25">Buwog-Affäre: Peter Hochegger gibt PR-Agentur ab. In: Die Presse. 25. September 2009</ref> Hochegger ist spezialisiert auf Public Relations und Lobbying-Strategien. Er beriet österreichische Unternehmen wie die Telekom Austria und die Immofinanz. Zudem war er als Berater für die Porr AG und die Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) tätig und organisierte die 2,4 Millionen Euro teure Roadshow des damaligen österreichischen Finanzministers Karl-Heinz Grasser.<ref name="Kurier2010-08-10">Christian Böhmer und Philipp Hacker: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Peter Hochegger, der Millionen-Jongleur (Memento vom 24. November 2010 im Internet Archive). In: Kurier. 10. Oktober 2010</ref>

Im Jahre 2007 gründete Hochegger zusammen mit Grasser die Kommunikationsagentur Valora Solutions Projektbegleitung GmbH,<ref name="presse2010-08-04">Buberl, Trauzeuge, Steuersünder: Meischberger im Porträt. In: Die Presse. 4. August 2010</ref><ref>Christoph Winder: Valora Solutions. In: Der Standard. 29. September 2009</ref> als Tochtergesellschaft der ZehnVierzig Agentur. Sowohl Mutter- als auch Tochtergesellschaft stehen inzwischen im alleinigen Eigentum des ehemaligen FPÖ-Politikers und Lobbyisten Walter Meischberger.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Valora Solutions Projektbegleitung GmbH (Memento vom 10. März 2012 im Internet Archive). Eintrag auf FirmenABC.at. Abgerufen am 26. Februar 2013.</ref>

Hochegger wurde am 16. August 2016 in der Nähe von Graz in der Privatklinik St. Radegund festgenommen und in die Justizanstalt Graz-Jakomini überstellt. Er war am 9. August zu einem Straffestsetzungstermin in einem Telekom-Austria-Verfahren im Wiener Straflandesgericht nicht erschienen. „Auf sein Fernbleiben, das sein Anwalt mit einem psychischen Zusammenbruch in der Schweiz und einer unerlässlichen Behandlung Hocheggers in Basel begründete, reagierte die Staatsanwaltschaft mit einem Antrag auf Erlassung eines Haftbefehls wegen Fluchtgefahr.“<ref>Ex-Lobbyist Hochegger festgenommen : Anwalt: „Völlig unangemessen“ orf.at, 16. August 2016, abgerufen am 16. August 2016.</ref>

Verwicklung in Affären

Hochegger gilt zusammen mit Meischberger und Grasser als Schlüsselfigur zahlreicher undurchsichtiger Geschäfte. Über ihn sollen laut dem österreichischen Nachrichtenmagazin profil im Zeitraum 2000 bis 2006, in der Ära der Schwarz-Blauen-Koalition, mehr als 40 Millionen Euro an Honoraren und Provisionen geflossen sein, wobei das Geld überwiegend von staatsnahen Betrieben wie der Telekom Austria und den Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) gekommen sein soll. Nutznießer dieser Gelder waren über zahlreiche Beraterverträge Regierungsmitglieder und hochrangige Funktionäre.<ref name="Profil-12-02-2011">Michael Nikbakhsh & Ulla Kramar-Schmid: Nehmen und nehmen lassen. In: profil. 12. Februar 2011</ref>

Als Reaktion auf die vielen Affären entschlossen sich die Mitarbeiter von Hocheggers Agentur 2010 eine neue PR-Firma namens Chapter 4 Communications Consulting zu gründen und Kunden zu übernehmen.<ref>Zerstreut in alle Winde - Der Österreichische Journalist - medien journalismus zeitung print magazin radio tv online. Abgerufen am 9. Dezember 2020.</ref><ref>Severin Heinisch gründet "Chapter 4" mit Fokus Osteuropa - derStandard.at. Abgerufen am 9. Dezember 2020 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>

Weitere Zahlungen

Die bulgarische Regierung zahlte Hochegger 1,5 Millionen Euro für eine Imagekampagne Reinforcing the Positive Image of the Republic of Bulgaria in the European Union. Dabei soll es laut Hochegger um die „Einschätzung“ des Images Bulgariens in der EU gegangen sein. Ein Teil des Geldes landete bei Ex-ÖVP-Innenminister Ernst Strasser. Dieser sagte aus, für die Beseitigung eines Problems eines ausländischen Kunden 100.000 Euro erhalten zu haben. Die ÖVP-Fraktion Christlicher Gewerkschafter im Österreichischen Gewerkschaftsbund (ÖGB) bekam einen „Marketingzuschuss/Telekomzuschuss“ in der Höhe von 30.000 Euro. Das Zentralorgan der Freiheitlichen, die Neue Freie Zeitung, erhielt 2004 einen „Druckkostenbeitrag“ von 200.000 Euro, als Gegenleistung für mehrere Artikel über „Regulierungsmaßnahmen im Telekom-Bereich“. Auch der SPÖ-Abgeordnete Kurt Gartlehner erhielt von Hochegger im Jahr 2007 rund 30.000 Euro für eine Expertise zum Thema Breitbandausbau und Regulierungspolitik. Weitere zahlreiche Zahlungen sollen an den früheren FPÖ-Politiker und Lobbyisten Walter Meischberger geflossen sein.<ref name="Profil-12-02-2011"/>

Strafverfahren

Im Jänner 2013 wurde von der Staatsanwaltschaft Wien gegen Hochegger Anklage in der sogenannten Telekom-Austria-Affäre erhoben. Gemeinsam mit Rudolf Fischer, Klaus Wittauer und anderen Personen wurden ihm dabei Untreue, falsche Beweisaussage und Geldwäsche vorgeworfen.<ref>TA: Anklage gegen Hochegger, Fischer, Wittauer. In: ORF. 21. Jänner 2013</ref> Im September 2013 wurde Hochegger in dieser Causa zu zweieinhalb Jahren unbedingter Haft verurteilt.<ref>Telekom-Prozess: Sehr unterschiedliche Urteile. In: oe1.orf.at, 14. September 2013</ref> Am 25. November 2015 bestätigte der OGH den Untreueschuldspruch für Hochegger, ordnete aber eine Neudurchführung des Falschaussageverfahrens gegen ihn an.<ref>Schuldsprüche für Rumpold und Hochegger bestätigt, orf.at, 25. November 2015</ref>

Am 21. Juli 2016 gab die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft bekannt, gegen Hochegger sowie Karl-Heinz Grasser, Walter Meischberger, Ernst Plech und zwölf weitere Personen in den Causae BUWOG und Terminal Tower Anklage zu erheben. Der verursachte Gesamtschaden beläuft sich laut Anklage auf zehn Millionen Euro, woraus sich ein Strafrahmen von bis zu zehn Jahren Haft ergibt.<ref>Korruptionsvorwürfe: Anklage gegen Grasser, Meischberger und 14 weitere Personen in Causa Buwog und Linzer Terminal Tower. derStandard.at, 21. Juli 2016, abgerufen am 21. Juli 2016.</ref>

In seiner Aussage vor Gericht belastete Hochegger seine Mitangeklagten Meischberger und Grasser schwer. Die „Schlüsselinformationen“ seien von Meischberger gekommen, dieser habe auch expressis verbis gesagt, ohne Karl-Heinz hätten beide die Provisionen in Millionenhöhe nicht bekommen.<ref>ORF: Der Fluss der Informationen, 21. Dezember 2017</ref>

Am 4. Dezember 2020 wurde er erstinstanzlich – trotz seines Geständnisses – zu sechs Jahren Haft verurteilt.<ref>Renate Graber, Nora Laufer, Andreas Schnauder: Tragische Figur im Grasser-Prozess: Kronzeuge Hochegger fasste sechs Jahre aus. In: derstandard.at. 5. Dezember 2020, abgerufen am 2. Februar 2024.</ref> Am 25. März 2025 bestätigte der Oberste Gerichtshof letztinstanzlich das Urteil gegen Hochegger in der Causa BUWOG und Terminal Tower, reduzierte das Strafmaß jedoch auf 3 Jahre, davon 2 Jahre bedingt zur Bewährung auf 3 Jahre.<ref>Online-Redaktion News.at: Buwog-Affäre: Grasser muss vier Jahre ins Gefängnis. In: news.at. 25. März 2025, abgerufen am 28. März 2025.</ref><ref>OGH - der Oberste Gerichtshof: Medieninformation des OGH zur „Causa Buwog“. In: ogh.gv.at. 25. März 2025, abgerufen am 28. März 2025.</ref>

Weblinks

Fußnoten

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