Perchlorylfluorid
Perchlorylfluorid (FClO3) ist ein farbloses, giftiges Gas mit unangenehmem Geruch, welches leicht kondensierbar ist (Siedepunkt ca. −47 °C). Chemisch ist es das Säurefluorid der Perchlorsäure. Das Chlor liegt in seiner höchsten Oxidationsstufe +VII vor.
Herstellung
Perchlorylfluorid kann durch Fluorierung von Kaliumchlorat mit Fluor in Antimonpentafluorid bei −20 °C<ref name="Holleman-Wiberg">Vorlage:Holleman-Wiberg</ref> oder durch Umsetzung von Kaliumperchlorat mit Fluorsulfonsäure erhalten werden<ref name="Holleman-Wiberg" /><ref name="brauer">Georg Brauer (Hrsg.), unter Mitarbeit von Marianne Baudler u. a.: Handbuch der Präparativen Anorganischen Chemie. 3., umgearbeitete Auflage. Band I, Ferdinand Enke, Stuttgart 1975, ISBN 3-432-02328-6, S. 180.</ref>:
- <chem>KClO4 + HSO3F -> ClO3F + KHSO4</chem>
Ebenfalls möglich ist die Umsetzung von Kaliumperchlorat mit Fluorwasserstoff und Antimon(V)-fluorid<ref name="IS14">Vorlage:Literatur</ref>:
- <chem>KClO4 + 2 HF + SbF5 -> ClO3F + KSbF6 + H2O</chem>
Eigenschaften
Perchlorylfluorid ist bis über 400 °C beständig<ref name="Holleman-Wiberg"/><ref name="Roth_Weller CD-ROM">L. Roth, U. Weller-Schäferbarthold: Gefährliche Chemische Reaktionen - Potentiell gefährliche chemische Reaktionen zu über 1750 Stoffen, Eintrag für Perchlorylfluorid, CD-ROM Ausgabe 4/2019, ecomed Sicherheit Landsberg/Lech, ISBN 978-3-609-48040-4.</ref>. Es wirkt stark brandfördernd (oxidierend) und reagiert, v. a. beim Erhitzen, heftig mit Reduktionsmitteln. Auch viele Beschichtungsmittel, Kunststoffe und Gummi werden angegriffen. Mit Wasser reagiert es nur träge, abhängig vom pH-Wert, zu Perchlor- und Flusssäure.
Die Verbindung eignet sich zur Synthese von (zumeist explosionsfähigen) organischen Derivaten der Perchlorsäure. So können damit durch Reaktion mit Alkoholaten Perchlorsäureester hergestellt werden; mit Phenyllithium (C6H5Li) erhält man Perchlorylbenzol C6H5ClO3<ref>Cotton-Wilkinson, Anorganische Chemie, 3. Auflage, Verlag Chemie 1974, ISBN 3-527-25503-6.</ref>. Mit reinem Natriummethylat erfolgt die Reaktion explosionsartig.<ref Name="Roth_Weller CD-ROM" /> Mit Ammoniak und Aminen können sich Perchlorylamide R(R')N-ClO3 bilden, die bei unsubstituierten NH-Bindungen sauer wirken.<ref name="Holleman-Wiberg"/>
Sicherheitshinweise
Bei Meerschweinchen führte die inhalative Gabe von 220 mg·m−3 Perchlorylfluorid zur Fibrose von Bindegewebe in der Lunge und Chronisch obstruktiver Lungenerkrankung sowie Verminderung der Anzahl von Erythrocyten und Erzeugung von Methämoglobin im Blut.<ref name=Spravochnik/>
Bei der Durchführung chemischer Reaktionen mit Perchlorylfluorid kam es in der Vergangenheit wiederholt zu unvorhergesehen Explosionen.<ref>Vorlage:Literatur</ref>
Einzelnachweise
<references />