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Pelikan (Zahnmedizin)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Datei:Wiennerische Chirurgische Instrumenten-Sammlung Tafel 18.jpg
Pelikane

Der Pelikan ist ein in dieser Form heute nicht mehr gebräuchliches Werkzeug zur Entfernung eines Zahnes.<ref name=q2>Georg Carabelli u. a.: Systematisches Handbuch der Zahnheilkunde. Georg Olms, 1985, S. 110, ISBN 3-487-07606-3, hier online.</ref> Er war bereits im Mittelalter von Guy de Chauliac erwähnt worden<ref>Werner E. Gerabek: Geschichte des Pelikans. Extraktion im Mittelalter. In: Zahnärztliche Mitteilungen. Band 81, Heft 15, 1991, S. 1498–1502.</ref><ref>Dominik Groß: Zahnextraktion. In: Enzyklopädie Medizingeschichte. Hrsg. von Werner E. Gerabek, Bernhard D. Haage, Gundolf Keil und Wolfgang Wegner. Walter de Gruyter, Berlin/New York 2005, ISBN 3-11-015714-4, S. 1516–1517.</ref> und wurde zum klassischen Instrument der Zahnärzte des 17. und 18. Jahrhunderts.<ref name=q4>Werner E. Gerabek u. a.: Enzyklopädie Medizingeschichte. Walter de Gruyter, 2005, S., ISBN 3-11-015714-4, hier online</ref> Der Pelikan fand insbesondere an Backenzähnen Verwendung,<ref>Journal der practischen Arzneykunde und Wundarzneykunde. Academischen Buchhandlung, 1816, S. 92, hier online</ref> die durch Karies so geschädigt waren, dass ein Zerbrechen des Zahnes bei Extraktion mittels konventioneller Zange zu erwarten war.<ref name=q1>Enzyklopädie der medizinischen Wissenschaften. Band 13. Adamant Media Corporation, S. 184, ISBN 0-543-88610-7, hier online</ref>

Anwendung

Erste Abbildungen eines Pelikans (als gekröpfte Zahnzange zuerst 1597 im New English Dictionary; wie niederländisch pelikaan zu mittelniederländisch pel[l]icaenPelikan, Kropfgans“<ref>Friedrich Kluge, Alfred Götze: Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache. 20. Auflage. Hrsg. von Walther Mitzka. De Gruyter, Berlin / New York 1967; Neudruck („21. unveränderte Auflage“) ebenda 1975, ISBN 3-11-005709-3, S. 537.</ref>) finden sich bei Walther Hermann Ryff und Pieter van Foreest (1522–1597), dem „holländischen Hippokrates“. Der Pelikan bestand aus einem 10 bis 15 cm langen Mittelteil. Zumindest an einem Ende befand sich eine Abstützplatte. Diese Abstützplatte wurde buccal (außen) am Alveolarfortsatz unterhalb des Zahnes angesetzt, der entfernt werden sollte. Mit einer Art Haken oder Klaue, die über die Zahnkrone reichte, wurde der Zahn oral (innen) gefasst und mit einer raschen Rotationsbewegung aus seinem Zahnfach gleichzeitig luxiert („emporgehoben“) und nach buccal gehebelt. Zur Vermeidung unnötiger Verletzungen wurde die Abstützplatte in manchen Fällen ergänzend mit Stoff umwickelt. Der Erfolg der Behandlung hing stark von der Geschicklichkeit des Behandlers ab.<ref name=q4 /><ref>G. Krünitz u. a.: Oekonomische Encyklopädie. J. Pauli, 1857, S. 500, hier online</ref><ref>W. Roser: Handbuch der anatomischen Chirurgie. Verlag der H. Laupp’schen Buchhandlung, 1854, S. 95, hier online</ref>

Typische Komplikationen

Infolge unsachgemäßer Handhabung<ref name=q1 /> waren eine Schädigung anderer Zähne, Frakturen der Zahnwurzel(n) oder Zahnfächer nicht selten.<ref name=q2 /><ref name=q4 />

Literatur

  • Sabine Dirnberger: Der Pelikan. Die Geschichte eines alten Extraktionsinstrumentes. Medizinische Dissertation Würzburg 2001.
  • Ullrich Rainer Otte: Jakob Calmann Linderer (1771–1840). Ein Pionier der wissenschaftlichen Zahnmedizin. Medizinische Dissertation, Würzburg 2002 (mit Textedition von Lehre von den gesammten Zahnoperationen. 1834, hier: S. 68–73: Der Pelikan.)
  • Barbara Schirmbeck, Sabine Fahrenbach: Von Pelikan und Überwurf. Zahnärztliche Extraktionsinstrumente aus der Sammlung des Karl-Sudhoff-Instituts. Aachen 2011 (= Objekte. Band 4).

Weblinks

Einzelnachweise

<references />