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Paul von Mendelssohn-Bartholdy

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Datei:Paul v Mendelssohn-Bartholdy 1909 M.L..jpg
Paul von Mendelssohn-Bartholdy, Ölgemälde von Max Liebermann, 1909

Paul Robert Ernst von Mendelssohn-Bartholdy (* 14. November 1875 in Berlin; † 10. Mai 1935 ebenda) war ein deutscher Bankier.

Datei:Boernicke Paul von Mendelssohn Bartholdy.jpg
Grab von Paul von Mendelssohn-Bartholdy in Börnicke

Leben

Paul von Mendelssohn-Bartholdy war der älteste Sohn des Bankiers Ernst von Mendelssohn-Bartholdy (1846–1909) und seiner Ehefrau Marie, geb. Warschauer (1855–1906),<ref>Sebastian Panwitz: Ernst von Mendelssohn-Bartholdy (1846–1909). Konservativer, Patriot, Familienvater. In: Mendelssohn-Studien. 17, 2011, S. 225–240.</ref> einer Enkelin Alexander Mendelssohns. Nach einigen Monaten im Balliol College in Oxford, einem Jurastudium in Bonn und Berlin und dem Beitritt zur Gesellschaft der Freunde 1901 wurde er Anfang 1902 Teilhaber der Familienbank Mendelssohn & Co. Wenige Monate später heiratete er Charlotte Reichenheim. Das Paar blieb kinderlos. Nach der Scheidung heiratete er 1927 in zweiter, ebenfalls kinderloser Ehe Elsa Lucy Emmy Lolo von Lavergne-Péguilhen (* 8. Januar 1899 in Straßburg; † 11. März 1986),<ref name="Langheiter">Elsa Lucy Emmy Loco Reichgräfin von Kesselstatt. In: Alexander Langheiter: Miesbach – Ein Kulturführer. Miesbach 2006, S. 334.</ref> die er auch zu seiner Vorerbin machte. Seine Schwester Enole (* 1879; † 1947) war mit dem Juristen Albert von Schwerin verheiratet.

Gemäldesammlung

Gemeinsam mit seiner ersten Frau baute Paul von Mendelssohn-Bartholdy im Stadtpalais Alsenstraße 3/3a (Architekt: Bruno Paul) und in Schloss Börnicke (umgebaut durch denselben Architekten) eine Gemäldesammlung mit Spitzenstücken von Pablo Picasso (Junge mit Pferd und Die Mühle von La Galette), Vincent van Gogh (Sonnenblumen) und anderen Künstlern der Moderne auf.

Vor seinem Tod ließ von Mendelssohn-Bartholdy 1935 einige Picasso-Gemälde aus seiner Sammlung in die Schweiz bringen, wo sie vom Kunsthändler Justin K. Thannhauser teils verkauft, teils von ihm später New Yorker Museen gestiftet wurden. 2008 verlangten die Erben Mendelssohns mit Julius H. Schoeps als ihrem Sprecher die Rückgabe der Gemälde;<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Streit um Rückgabe von Picasso-Gemälden. (Memento vom 20. November 2015 im Internet Archive) art-magazin.de (abgerufen am 27. August 2008).</ref> ihr Verbleib im Guggenheim Museum und im Museum of Modern Art in New York City wurde Anfang 2009 durch einen Vergleich möglich.<ref>EINIGUNG IN NEW YORK: Picasso-Gemälde kommen nicht zurück nach Berlin. In: Spiegel Online – Kultur, 3. Februar 2009 (abgerufen 2009).</ref> Die Witwe verkaufte einen Teil des restlichen Erbes, darunter Schloss Hasenheide und (nach dem Krieg) Picassos Junge mit Pfeife, und heiratete 1940 den österreichischen Grafen Max von Kesselstatt.<ref>Das Jahrhundertbild. In: Der Spiegel. Nr. 5, 2005 (online).</ref><ref name="Langheiter" /><ref>Cornelius Goop: Das Ehepaar Kesselstatt und die Bilder aus Paris. In: Gemeindemagazin Schellenberg. Nr. 1/2022. Schellenberg 2022, S. 35–38 (gmgnet.li).</ref> Über Picassos Porträt von Angel Fernández de Soto kam es vor einer geplanten Auktion 2010 zu einem Vergleich mit der Stiftung von Andrew Lloyd Webber, die es seit 1995 besessen hatte. 2020 restituierte die National Gallery of Art in Washington, D.C. Picassos Frauenkopf (1903) an die Erben.<ref>Picasso portrait returned by National Gallery to heirs of Jewish banker persecuted by Nazis, Washington Post vom 1. April 2020, abgerufen am 15. Juni 2023.</ref><ref>Die National Gallery of Art in Washington, DC, restituiert Pablo Picassos „Head of a Woman“ („Kopf einer Frau“) aus der Blauen Periode an die Erben des Nazi-Opfers und prominenten Berliner Bankiers Paul von Mendelssohn-Bartholdy. Abgerufen am 30. Januar 2026.</ref><ref>National Gallery of Art gibt Bild zurück: Ein Picasso für die Erbengemeinschaft Mendelssohn-Bartholdy. In: Der Tagesspiegel Online. ISSN 1865-2263 (tagesspiegel.de [abgerufen am 30. Januar 2026]).</ref>

Literatur

  • Hans-Günther Klein: Miszellen zu Ernst und Paul von Mendelssohn-Bartholdy. In: Mendelssohn-Studien. MST, Band 11, Duncker & Humblot, Berlin 1999, ISBN 3-428-10000-X, S. 207–215.
  • Thomas Lackmann: Das Glück der Mendelssohns – Geschichte einer deutschen Familie. Aufbau Verlag, Berlin 2005, ISBN 3-351-02600-5.
  • Julius H. Schoeps: Enteignet durch die Bundesrepublik Deutschland: Der Fall Mendelssohn-Bartholdy: Eine Dokumentation. Philo, Bodenheim 1997 (Publikation des Moses Mendelssohn Zentrum für europäisch-jüdische Studien; Universität Potsdam). ISBN 3-8257-0045-3.
  • Anna-Dorothea Ludewig, Julius H. Schoeps, Ines Sonder unter Mitarbeit von Anna-Carolin Augustin (Hrsg.): Aufbruch in die Moderne. Sammler, Mäzene und Kunsthändler in Berlin 1880-1933, DuMont, Köln 2012, ISBN 978-3-8321-9428-4.
  • Julius H. Schoeps: Wem gehört Picassos "Madame Soler"?. Der Umgang des Freistaates Bayern mit einem spektakulären NS-Raubkunstfall, in: Studien zur Provenienzforschung; Band 4, Hentrich & Hentrich, Berlin/Leipzig 2022, ISBN 978-3-95565-538-9.

Weblinks

Einzelnachweise

<references />

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