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Paul Schmidt (Unternehmer)

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Datei:Gedenktafel Hauptstr 44 (Ahohs) Paul Schmidt.jpg
Gedenktafel am Haus, Hauptstraße 44, in Berlin-Alt-Hohenschönhausen
Datei:Daimon-Logo-1924.svg
Logo des Batterie-Herstellers Daimon auf dem Etikett einer Flachbatterie (1924)
Datei:Daimon 2R10.JPG
Daimon-Batterie

Paul Schmidt (* 11. Mai 1868 in Köthen (Anhalt); † 4. August 1948 in Berlin<ref>Laut Angabe auf der Gedenktafel. Seiner Sterbeurkunde zufolge starb Paul Schmidt bereits am 3. August 1948, vgl. Sterberegister Standesamt Wilmersdorf, Nr. 1384/1948</ref>) war ein deutscher Erfinder und Unternehmer.

Leben

Schmidt war der Erfinder der Trockenbatterie und der Taschenlampe in Deutschland. Beiden Erzeugnissen ebnete er mit seinen Patenten von 1896 (für galvanisches Trockenelement mit Flüssigkeitsvorrat)<ref>Patent CH12115A: Galvanisches Element. Angemeldet am 11. Mai 1896, veröffentlicht am 15. Oktober 1896, Erfinder: Paul Schmidt.</ref> und 1906 (für die elektrische Taschenlampe) den Weg zur Massenproduktion.

Er hatte den Beruf des Schlossers gelernt<ref name="koethen--Paul_Sch">Paul Schmidt - Bachstadt Köthen (Anhalt). In: koethen-anhalt.de. 4. August 1948, abgerufen am 24. März 2024.</ref> und ging 1896 nach Berlin. Dort gründete er im selben Jahr eine selbständige Prüfungsanstalt für Elektrochemie, die im Jahre 1901 in Daimon Elektrotechnische Fabrik Schmidt & Co umbenannt wurde. Anderen Quellen zufolge eröffnete er 1901 die Elektrotechnische Fabrik Schmidt & Co in der Chausseestraße 82 in Berlin. Der Name Daimon bezieht sich auf eine Gestalt der griechischen Mythologie.<ref>Ich trage einen großen Namen - Sendung vom 2. Oktober 2022 mit dem Großneffen von Schmidt, ca. Min. 15</ref>

Ebenfalls 1901 entwickelte er die so genannte Flachbatterie, eine 4,5-V-Taschenlampenbatterie aus drei nebeneinander angeordneten 1,5-V-Zellen. 1902 begann er mit der Produktion von Glühlampen, und 1903 nahm sein Betrieb die serienmäßige Erzeugung vor allem von Trockenelementen (Batterien) und Batteriegehäusen auf. 1913 ließ Schmidt eine neue Produktionsstätte in der Weddinger Sellerstraße 13 errichten. Batterien und Taschenlampen wurden in Massenproduktion hergestellt und eroberten unter dem Markennamen Daimon die Weltmärkte: Schon in den 1920er Jahren wurden sie in über 50 Länder verkauft, in Großbritannien, Indien und den USA war Daimon Marktführer.<ref name="brandsle-Markenle">Toralf (Tory) Czartowski: Daimon. In: brandslex.de. Abgerufen am 24. März 2024.</ref>

Ein handliches Taschenlampenmodell wurde 1937<ref>Warenzeichenblatt des deutschen Reichspatentamts, Heft 4, vom 27. Februar 1937: Klasse 4 (Taschenlampen), Nr. 490740, E 25474 „Daimon Handy“ Elektrotechnische Fabrik Schmidt & Co. GmbH, Berlin</ref> unter dem Namen „Handy“ als Warenzeichen eingetragen.

Paul Schmidt wohnte mit seiner Familie von 1910 bis 1929 als Eigentümer im Schloss Hohenschönhausen in Berlin-Hohenschönhausen. Er zog 1929 aus, nachdem die Radioproduktion nicht besonders gut gelaufen war.<ref name="brandsle-Markenle" /><ref>Susanne Schilp: Er produzierte das erste "Handy": Bürgerschloss erinnert an den Tüftler und Unternehmer Paul Schmidt - Alt-Hohenschönhausen. In: berliner-woche.de. 23. Juli 2016, abgerufen am 24. März 2024.</ref> Am 13. Juli 2016 wurde dort das Daimon-Museum<ref>Daimon-Museum. museen.de; abgerufen am 30. Oktober 2022.</ref> eröffnet und eine Gedenktafel für Paul Schmidt enthüllt.

Er starb 1948 verarmt in Berlin.<ref name="koethen--Paul_Sch" />

Entwicklung des Unternehmens Daimon

Von 1924/25 bis 1927 wurden von Daimon auch Radioteile, Bausätze und Radios hergestellt.<ref name="radiomuseum">Daimon, Elektrotechnische Fabrik Schmidt & Co. GmbH; Berlin. In: radiomuseum.org. Abgerufen am 24. März 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Weitere Zweigwerke entstanden 1911 in Bodenbach an der Elbe, 1921 in Rodenkirchen bei Köln,<ref name="radiomuseum" /> 1923 in Danzig, 1927 in Tetschen/Elbe und 1936 in Arnstadt (dort später als Artas). Aufgrund der durch die Radioproduktion angespannten finanziellen Situation konnte seit 1927 die British Eveready Export Company (Berec) nach und nach die Mehrheit von Daimon erwerben. 1950 erfolgte die Umbenennung Daimon Werke GmbH.<ref name="brandsle-Markenle" /> Ab 1964 arbeitete Daimon mit dem Werbeslogan Die helle Freude!<ref name="slogans-127531">Daimon-Museum, Bild 2. In: berlin.de. 27. Dezember 2022, abgerufen am 24. März 2024.</ref><ref>3 Slogans der Marke Daimon. In: slogans.de (Datenbank der Werbung). Abgerufen am 24. März 2024.</ref> Etwa seit 1970 wurden Batterien auch in Köln-Butzweilerhof hergestellt und vertrieben.<ref>Ayhan Demirci: Kölner Firma Daimon: Gründer trug 1937 Warenzeichen „Handy“ ein. In: express.de. 27. Juni 2019, abgerufen am 24. März 2024.</ref> 1977 kam für die Batterien der Slogan Mobiler Strom für die Welt.<ref name="slogans-127531" /> Bis in die 1980er Jahre bot Daimon auch Kompaktkassetten an.<ref>Stiftung Radiomuseum Luzern, Schweiz: Compact Cassette - CC - Kompakt Kassette - Musikkassette - MC Daimon, Elektrotechnische Fabrik Schmidt & Co. GmbH; Berlin. In: radiomuseum.org. Abgerufen am 24. März 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref><ref>Gert Redlich: Hifi-Stereophonie 1982. In: hifimuseum.de. Abgerufen am 24. März 2024.</ref> Daimon wurde 1983 vom Unternehmen Duracell (ehemals Mallory) USA übernommen, das seinerseits 1996 im Gillette-Konzern aufging. Seit dem 1. Oktober 2005 gehört die Gillette Company zu Procter & Gamble. Seit Ende 2014 gehört Duracell der Berkshire Hathaway unter Warren Buffett.<ref>Procter & Gamble verkauft Batteriehersteller: Warren Buffett schnappt sich Duracell. In: Handelsblatt Online. 13. November 2014, abgerufen am 24. März 2024 (dpa, Reuters).</ref>

Datei:Telefonverstärker.jpg
Daimon-Telefonverstärker
wahrscheinlich von 1978

Zur Produktpalette des Unternehmens gehörte auch der von einer 9-Volt-Trockenbatterie betriebene Daimon-Telefonverstärker<ref>Produktinformationen über den Daimon-Telefonverstärker. Radiomuseum.org</ref> mit einem induktiven Empfänger, welcher auf magnetische Streufelder reagiert. Er wurde unmittelbar neben das Telefon gestellt und ermöglichte das Mithören von Gesprächen. In fast allen modernen Telefonen ist heutzutage eine solche Mithör-Funktion bereits integriert, so dass sich ein separater Telefonverstärker erübrigt.

Literatur

  • Bärbel Ruben, Thomas Friedrich: DAIMON. Die Helle Freude. Festschrift aus Anlass des 100-jährigen Gründungsjubiläums der „Elektrotechnischen Fabrik Schmidt & Co.“, hrsg. vom Förderverein Schloß Hohenschönhausen e. V., Berlin 2001.

Weblinks

Commons: Paul Schmidt – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

<references />

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