Palazzo Madama (Rom)
Der Palazzo Madama in Rom ist Sitz des italienischen Senats. Der Palast befindet sich am gleichnamigen Platz am Corso Rinascimento. Der Palast verdankt seinen Namen der Madama Margarethe von Parma, Tochter Karls V., die in erster Ehe mit Alessandro de’ Medici verheiratet war und in diesem Palast wohnte.
Metonymisch ist in der italienischen Presse oft von Palazzo Madama die Rede, wenn der Senat (als Organ) gemeint ist. Der Präsident des Senats hat seine Residenz nicht im Palazzo Madama, sondern im benachbarten Palazzo Giustiniani.
Geschichte
Gegen Ende des 15. Jahrhunderts ließ der Bischof von Chiusi und Schatzmeister von Papst Sixtus IV. auf dem Grundstück einen Palast errichten, der nach seinem Tod von Giovanni de’ Medici, dem späteren Papst Leo X., erworben wurde und der ihn auf der Grundlage von Plänen Giuliano da Sangallos umbauen wollte, ein Projekt, das nicht ausgeführt wurde. Die Witwe Alessandro de’ Medicis, in zweiter Ehe verheiratet mit Ottavio Farnese, wählte den Palast als Wohnsitz. Danach wohnte im Palast der italienische Kardinal Francesco Maria Bourbon Del Monte, der im Palast 1627 verstarb. Während dieser Zeit lebte auch der Künstler Caravaggio zeitweilig im Palast.<ref>Eugenio Lo Sardo, Archivio di Stati: Caravaggio a Roma, una vita dal vero, S. 37, De Luca Editori d'Arte, Rom 2011. ISBN 978-88-6557-009-8</ref> Wieder im Besitz der Medici, wurde er zwischen 1642 und 1649 von dem Architekten Paolo Marucelli umgebaut und mit seiner heutigen barocken Fassade versehen.
Durch Erbschaft fiel der Palast dann an das Haus Lothringen, wurde 1750 von Papst Benedikt XIV. erworben und diente als päpstlicher Gerichtshof sowie unter Pius IX. als Sitz verschiedener päpstlicher Behörden.
Im Februar 1871 wurde der Palast zum Sitz des Senates, nachdem im Zuge des Risorgimento Rom zur Hauptstadt des Königreichs Italien erklärt worden war. Die neue Nutzung erforderte ausgedehnte Umbaumaßnahmen. Unter anderem wurde eine große Aula als Sitzungssaal errichtet, in dem der Senat im November 1871 zu seiner ersten Sitzung zusammentrat.
Architektur und Innenausstattung
Die von Marucelli entworfene Fassade ist neunachsig, hat drei Geschosse und ein Mezzaningeschoss. Sie ist glatt verputzt und wird durch Friese aus hellem Kalkstein gegliedert und an den Ecken durch Rustikapilaster betont. Die Mezzaninfenster sind in einen reich dekorierten Fries eingebunden. Die Fenster sind mit prächtigen Segmentgiebeln und Dreiecksgiebeln bekrönt. Zwei Säulen flankieren das Portal und tragen einen Balkon. Durch das Portal gelangt man geradewegs in den quadratischen Innenhof mit seinem Marmorboden, links befindet sich die Ehrentreppe zu den Obergeschossen. Der Palazzo hat nicht zuletzt wegen verschiedener Umbauten keinen regelmäßigen Grundriss.<ref>Palazzo Madama auf romasegreta.it</ref>
Der überkuppelte Plenarsaal des Senats befindet sich im Piano nobile des Palazzo Madama. Der Architekt Luigi Gabet ließ den Saal im Bereich eines ehemaligen zweiten Innenhofs errichten. Man entschied sich für das Obergeschoss wegen des Hochwassers von 1870, das den Palazzo in Mitleidenschaft gezogen hatte; das Flussbett des Tibers wurde dann in den folgenden Jahren reguliert. Im Plenarsaal des Königlichen Senats dominierte das Savoyenblau; nach Ausrufung der Republik änderte man den Farbton dann ins Rote, in Anlehnung an eine Tradition vieler Oberhäuser. Die Kuppel zieren Deckenmalereien, darunter Bildnisse der Juristen und Philosophen Gaetano Filangieri, Niccolò Machiavelli, Irnerius von Bologna und Aemilius Papinianus, allegorische Darstellungen der Gerechtigkeit, des Rechts, der Tapferkeit und der Eintracht sowie die Wappen von vier vorunitarischen Hauptstädten: Turin, Venedig, Florenz und Neapel. Die Wände des Plenarsaals sind holzgetäfelt, ohne weitere Ornamente; über dem Platz des Senatspräsidenten sind auf Tafeln zwei Kommentare zu lesen, einer von König Viktor Emanuel II. (1871) über die Einigung Italiens und die Hauptstadt Rom, und darüber einer über die Ausrufung der Republik im Jahr 1946.<ref>Palazzo Madama auf estateromana.it</ref>
Im Piano nobile befindet sich eine Reihe repräsentativer Säle, darunter die Sala Maccari mit großen Wandgemälden des Historismus über den römischen Senat. Eines der Fresken zeigt Ciceros Anklage gegen Catilina von Cesare Maccari aus dem Jahre 1888. Auf einem umlaufenden Fries sind Sinnsprüche Macchiavellis und Guicciardinis zu lesen. Die Deckenmalereien zeigen allegorische Figuren des befreiten Italiens, der Wirtschaft, des Militärs, der Wissenschaften und der Künste.<ref>Sala Maccari auf senato.it</ref>
Vom Piano nobile führt in südlicher Richtung ein baulicher Übergang zum benachbarten Palazzo Carpegna, in dem die Fachausschüsse des Senats tagen.<ref>Palazzo Carpegna auf senato.it</ref>
Koordinaten: 41° 53′ 56,9″ N, 12° 28′ 27,8″ O
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Literatur
- Vittorio del Gaizo: Il Palazzo Madama sede del senato. Edizioni d’Italia, Roma, 1969. ISBN 3-8290-2258-1.
Weblinks
Siehe auch
- Palazzo Montecitorio, Sitz der Abgeordnetenkammer
Einzelnachweise
<references />