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Niccolò Paganini

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(Weitergeleitet von Paganini)

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Porträt Niccolò Paganinis nach Paul Pommayrac 1838Datei:Paganini-signature-1832.png

Niccolò Paganini, auch Nicolò Paganini (* 27. Oktober 1782 in Genua, Republik Genua, heute Italien; † 27. Mai 1840 in Nizza, Königreich Sardinien, heute Frankreich), war ein italienischer Violinist, Bratschist, Gitarrist und Komponist. Zu seiner Zeit war er der führende und berühmteste Geigenvirtuose. Sein äußeres Erscheinungsbild und seine brillante Spieltechnik machten ihn bereits zu Lebzeiten zu einer Legende. Auch das Gitarrenspiel beherrschte er virtuos.

Leben

Genua

Niccolò Paganini wurde nachweislich 1782 in Genua geboren. Er veranlasste 1821 seinen Freund, den Anwalt Luigi Germi, das Geburtsdatum zu fälschen und von 1782 auf 1784 zu legen. 1828 diktierte er Peter Lichtenthal für eine erste biographische Notiz, die 1830 in der Leipziger Musik-Gazette und 1853 in Mailand auf Italienisch erschien, ebenfalls 1784 als sein Geburtsjahr.<ref name="Neill1">Edward Neill, München/Leipzig 1990, S. 14 u. 24 f.</ref> Auch Julius Max Schottky erhielt diese Angabe von Paganini persönlich für Paganini’s Leben und Treiben als Künstler und als Mensch: mit unparteiischer Berücksichtigung d. Meinungen seiner Anhänger u. Gegner. Daher galt das ganze 19. Jahrhundert hindurch 1784 als richtige Angabe.<ref name="Neill1" /> Paganinis Angaben zu seiner Kindheit und zur Rolle seines Vaters, die bei Schottky zu lesen sind,<ref name="Schottky1">Julius Max Schottky, Vaduz/Liechtenstein 1990, S. 250 f.</ref> müssen aus demselben Grund kritisch gesehen werden.<ref name="Neill1" />

Nach eigener Aussage erhielt Paganini bereits in frühester Kindheit Violinunterricht, unter anderem von seinem Vater, Antonio Paganini, der ihn zum stundenlangen Üben verpflichtet habe. Bereits in dieser frühen Phase habe er aus eigenem Antrieb die klanglichen Möglichkeiten der Violine erprobt und „neue und sonst noch ungesehene“ Griffe erfunden, deren Zusammenklingen die Leute in Staunen versetzt habe.<ref name="Schottky1" /> Zudem begann er als Kind, ebenfalls unterrichtet von seinem Vater, Gitarre zu spielen.<ref>Martin Rätz (Hrsg.): Klassiker der Gitarre. Studien- und Vortragsliteratur aus dem 18. und 19. Jahrhundert. Band 2. Deutscher Verlag für Musik, Leipzig 1978; Lizenzauflage Schott, Mainz, S. 140 (Zu den Komponisten).</ref> Zwischen 1791 und 1795 nahm er Violinunterricht bei Giacomo Costa in Genua. Vermutlich war er jedoch größtenteils Autodidakt, beeinflusst von den Werken, der Spielweise und der „Schule“ Giuseppe Tartinis, Pietro Locatellis, Giovanni Battista Viottis, Rodolphe Kreutzers und Pierre Rodes.<ref>Edward Neill, München/Leipzig 1990, S. 21.</ref>

Weitere Anregungen und Kenntnisse erlangte Paganini in Parma, wo er zusammen mit seinem Vater von Ende 1795 bis gegen Ende 1797 weilte. Er erhielt dort Kompositionsunterricht bei Gasparo Ghiretti und Ferdinando Paër, komponierte unter ihrer Aufsicht einige Werke, darunter zwei heute verlorene Violinkonzerte, die er im Gran Teatro zu Parma, in Colorno und Sala aufführte. Nach seiner Rückkehr nach Genua besetzten napoleonische Truppen die Stadt, und er entfloh, indem er Oberitalien bereiste und dort Konzerte gab. Die Programme seiner Auftritte in Modena im Dezember 1800 zeigen, dass er neben Eigenkompositionen auch Stücke von Rode und Kreutzer spielte. Ein Kabinettstück stellte sein Spanischer Fandango dar, in dem er die Stimmen verschiedener Vögel nachahmte und den er auch später im Ausland oft darbot.<ref>Edward Neill, München/Leipzig 1990, S. 26–32.</ref> 1801 kehrte er nach Genua zurück und widmete sich nach eigenen Angaben der Landwirtschaft und dem Gitarrenspiel.<ref>Edward Neill, München/Leipzig 1990, S. 31.</ref> Er komponierte für die Gitarre, und die Gitarre wurde ihm ein wichtiges Utensil für das harmonische Denken und das mehrstimmige Komponieren.

Lucca

Erstmals ohne den Vater reiste Paganini 1801 nach Lucca. Dort bewarb er sich erfolgreich um die musikalische Teilnahme am Hochamt in der Kirche Santa Croce. Großen Anklang fand sein Konzert in Santa Croce am 14. September 1801. Es bescherte ihm Einladungen zu weiteren Auftritten.<ref name="Neill2">Edward Neill, München/Leipzig 1990, S. 33 f.</ref>

Für die Jahre 1802 bis 1804 liegen keine gesicherten Informationen über Paganinis Tätigkeit vor.<ref name="Neill2" /> Möglicherweise bezieht sich Paganinis Geständnis jugendlicher Fehler wie der Leidenschaft für das Glücksspiel auf diese Zeitspanne:

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}} Im Januar 1805 wurde Paganini zum Konzertmeister im Orchester der Republik Lucca ernannt. Nachdem Fürstin Elisa Baciocchi, eine Schwester Napoleons, Herrscherin Luccas geworden war, wurde er im September 1805 ihr Kammervirtuose und Operndirektor. 1808 schickte sie ihn zum Erfurter Fürstenkongress, wo er vor Napoleon und dem russischen Zaren spielte. Diese einzige feste Anstellung in Paganinis Laufbahn währte bis 1809. In dieser Zeit entstanden zahlreiche Werke für Violine und Orchester sowie für Violine und Gitarre.<ref>Edward Neill, München/Leipzig 1990, S. 36–49.</ref>

Konzertreisen

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Paganini 1819, Kohlezeichnung von Jean-Auguste-Dominique Ingres

Italien

Ab 1810 war Paganini nahezu ständig auf Konzertreisen, zunächst zwei Jahre durch die Romagna und die Emilia, dann bis 1828 überaus erfolgreich durch das gesamte Land von Turin bis Palermo.

Bei Ricordi in Mailand wurden 1820 neben den Sonaten für Violine und Gitarre op. 2 und op. 3 sowie den Quartetten op. 4 und op. 5 die 24 Capricci op. 1 gedruckt. Die Capricci kursierten von da an – auch in Kopien und Abschriften sowie in nicht autorisierten, oft im Notentext veränderten Drucken – in ganz Europa und ließen es erstmals zu, Paganinis Kunst nicht nur zu hören, sondern auch an einem Notentext zu überprüfen und zu analysieren, wie es später beispielsweise Robert Schumann und Franz Liszt taten. Paganini allerdings spielte seine Capricci nie bei seinen Auftritten.<ref>Edward Neill, München/Leipzig 1990, S. 107–110.</ref>

Im Jahr 1824 lernte Paganini bei einem Engagement am Teatro San Samuele in Venedig die Sängerin Antonia Bianchi kennen, in Palermo kam am 23. Juli 1825 der gemeinsame Sohn, Achille Ciro Alessandro, zur Welt. Bianchi reiste in den folgenden Jahren mit Paganini und trat in seinen Konzerten auf.<ref>jstor.org.</ref>

Wien und Prag

Datei:Paganini Litho.jpg
Paganini, Lithographie von Josef Kriehuber, Wien 1828

Als Paganini 1828 nach Wien reiste,<ref>Eduard Hanslick: Geschichte des Concertwesens in Wien – Erster Teil (1869) – Paganini 1828 in Wien – Seite 241 ff.</ref> eilten ihm viele Gerüchte und der Ruf voraus, ein überragender Virtuose zu sein, der seine Zuhörer durch seine „Zaubergeigerkünste“ verhexe. In Wien wurden seine Konzerte in allen Zeitungen besprochen, Korrespondentenberichte über seine Kunst gelangten bis nach Deutschland und Frankreich, Modezeitungen beschäftigten sich mit seinem Lebenswandel, Gastronomie und Kleidermode wurden à la Paganini gestaltet, Gebrauchsgegenstände trugen sein Porträt, Gedichte und Possen über ihn wurden veröffentlicht, Komponisten wählten für ihre Werke Melodien und Titel, die auf Paganini anspielten, und der österreichische Kaiser, Franz I., verlieh ihm den Ehrentitel „kaiserlicher Kammervirtuose“.<ref>Julius Max Schottky, Vaduz/Liechtenstein 1990, S. 5–55.</ref> In Wien trennte sich Paganini von Antonia Bianchi. Achille, ihr Sohn, blieb, vertraglich geregelt, bei Paganini und wurde von ihm mit Umsicht aufgezogen.<ref>Edward Neill, München/Leipzig 1990, S. 203.</ref>

Wegen gesundheitlicher Probleme reiste Paganini im August 1828 nach Karlsbad, wo er Johann Nepomuk Hummel kennenlernte. Er gab dort zwei Konzerte, musste sich aber im Oktober wegen einer Unterkieferentzündung in Prag in Behandlung begeben und operieren lassen. Er gab einige Konzerte, komponierte einige Werke für Violine und Gitarre und bereitete sich auf eine seit langem geplante Reise nach Deutschland vor.<ref>Edward Neill, München/Leipzig 1990, S. 205–212.</ref> Kurz vor der Abreise diktierte er Julius Max Schottky seine Biographie,<ref>Julius Max Schottky, Vaduz/Liechtenstein 1990.</ref> von der er sich eine Widerlegung der über ihn verbreiteten Gerüchte erhoffte.

Deutschland mit einem Abstecher nach Polen

Datei:Paganini mit Lorbeerkranz nach einem Konzert in München 1829.jpg
Paganini, geehrt mit einem Lorbeerkranz, nach einem Konzert in München 1829

Zwischen Januar 1829 und Februar 1831 trat er in mehr als 40 Städten Deutschlands und Polens auf. Über Dresden und Leipzig gelangte er zunächst nach Berlin, wo er am 4. März 1829 im Beisein des königlichen Hofes ein erstes Konzert gab. Der wichtigste Berliner Kritiker, Ludwig Rellstab, schrieb in seiner Besprechung, die Berliner noch nie so erlebt zu haben: „[…] in einem Zustand des Überschwanges […], den ich selten in einem Theater und noch nie in einem Konzertsaal beobachten konnte.“ Paganini als Person war ihm nicht angenehm. Er habe etwas Dämonisches an sich. „Vielleicht hätte Goethes Mephisto die Violine so gespielt.“<ref>Edward Neill, München/Leipzig 1990, S. 215–218.</ref> Damit beschrieb er, wie Paganini besonders in Deutschland und Frankreich, wo die anerkannten Violinvirtuosen eine verhaltene Spielweise pflegten, gesehen wurde. Johann Wolfgang von Goethe dagegen beurteilte Paganinis Dämonie anders:

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Beim deutschen Publikum trugen Paganinis schwarze Konzertkleidung, seine von Krankheit gezeichnete Gestalt sowie seine für die Zuhörer unerklärlichen musikalischen Fähigkeiten dazu bei, das Bild eines teuflisch-dämonischen Künstlergenies zu prägen.

Auch in Polen, wo er von Mai bis Juli 1829 elf Konzerte gab, hatte Paganini großen Erfolg. In Warschau spielte er anlässlich der Krönung von Zar Nikolaus I. zum polnischen König. Er traf dabei auf den ihm schon aus Piacenza bekannten polnischen Geiger Karol Lipiński, der ihm 1827 seine Drei Capricci für die Violine solo gewidmet hatte.<ref>Edward Neill, München/Leipzig 1990, S. 222–224.</ref> Eines der Warschauer Konzerte besuchte Frédéric Chopin, der danach ein Souvenir de Paganini komponierte, das er jedoch nie veröffentlichte.<ref>Ernst Burger. Frédéric Chopin. München 1990, S. 48 f.</ref>

Besonders wohl fühlte sich Paganini in Frankfurt am Main, wo er im August und September 1829 auftrat. Dort mietete er eine Wohnung und konnte darin seinen Sohn während seiner weiteren Reisen in der Obhut einer Haushälterin zurücklassen.<ref>Edward Neill, München/Leipzig 1990, S. 225.</ref> In Frankfurt lernte er den Kapellmeister Carl Guhr kennen, der einen bedeutenden Traktat über Paganinis Spielweise verfasste.<ref name="Guhr">Carl Guhr: Ueber Paganini’s Kunst die Violine zu spielen. Mainz 1829 (hier Download möglich).</ref>

Anfang 1830 unterbrach Paganini in Frankfurt seine im Januar 1829 begonnene Serie von bis dahin 73 Konzerten, um sich einige Wochen auf das Komponieren zu konzentrieren. Im März 1830 nahm er seine Konzerttätigkeit wieder auf,<ref>Edward Neill, München/Leipzig 1990, S. 230 f.</ref> und am 11. April hörte ihn in Frankfurt Robert Schumann, der daraufhin seine eigenen Klavierstudien intensivierte. Von Oktober 1830 stammen Skizzen Schumanns zu Variationen über Paganinis La Campanella.<ref>Ernst Burger: Robert Schumann. München 1999, S. 98 f.</ref> Für ihn galt: „Paganini ist der Wendepunkt der Virtuosität.“<ref>Martin Kreisig (Hrsg.): Gesammelte Schriften über Musik und Musiker von Robert Schumann. Fünfte Auflage, Leipzig 1914, 1. Band, S. 27.</ref>

Doch nicht alle deutschen Berufsmusiker beurteilten Paganini durchweg positiv. Louis Spohr, der ihn 1816 getroffen hatte und auf dessen Anregung hin Paganini in Kassel konzertierte, schrieb am 5. Juni 1830 in einem Brief: „Seine linke Hand, die immer reine Intonation und seine G-Saite sind bewunderungswürdig. In seinen Kompositionen und seinem Vortrag ist aber eine so sonderbare Mischung von höchst Genialem und Kindischem und Geschmacklosem, weshalb man sich abwechselnd angezogen und abgestoßen fühlt. Der Totaleindruck, besonders nach öfterem Hören, ist bei mir nicht befriedigend gewesen […]“<ref>Edward Neill, München/Leipzig 1990, S. 232–233.</ref>

Eine wichtige Quelle über Paganini als Privatmann verfasste in dieser Zeit der Schriftsteller, Journalist und Theaterkritiker Georg Harrys, der Paganini vom 6. Juni bis zum 1. Juli 1830 als Impresario diente.<ref>Georg Harrys, Tutzing 1982.</ref> Darin wird das Fluidum Paganinis ohne Dämonisierung fassbar. Der Titel des Texts lautet: Paganini in seinem Reisewagen und Zimmer, in seinen redseligen Stunden, in gesellschaftlichen Zirkeln, in seinen Concerten.

Paris und Großbritannien

„Paris, London und Russland werden meine Million vervollständigen“, schrieb Paganini an seinen Freund und Berater Luigi Germi in Genua.<ref>Edward Neill, München/Leipzig 1990, S. 239.</ref> Die weit über dem Üblichen liegenden Eintrittspreise seiner Konzerte in Deutschland hatten ihm ein gut angelegtes Vermögen eingebracht, das es ihm erlaubt hatte, an vielen Orten Benefizkonzerte zu mildtätigen Zwecken zu geben, deren Erlös er spendete. Nach Russland gelangte Paganini nie, in Paris hingegen traf er am 24. Februar 1831 mit seinem Sohn ein. Tatsächlich brachten ihm die neunzehn Konzerte seiner ersten, etwa dreimonatigen Frankreichtournee, die ihn auch nach Boulogne, Dünkirchen, Lille, Saint-Omer und Calais führte, 153.000 Francs ein.<ref name="Neill3">Edward Neill, München/Leipzig 1990, S. 252.</ref>

In Paris stand er sofort im gesellschaftlichen Mittelpunkt. Dichter, Kritiker, Maler und Musiker drängten in seine Konzerte, darunter Théophile Gautier, George Sand, Castil-Blaze, François-Joseph Fétis, Eugène Delacroix, Gioachino Rossini, Luigi Cherubini, Fromental Halévy, Pierre Baillot, Giacomo Meyerbeer, Ole Bull und Franz Liszt.<ref>Edward Neill, München/Leipzig 1990, S. 245 f.</ref> Auf Liszt hatte das Erlebnis von Paganinis Virtuosität besonders große Wirkung. Er entwickelte in der Auseinandersetzung mit Paganinis Werken und dessen Art, das Publikum zu faszinieren, seinen hochvirtuosen Klavierstil<ref>Franz Liszt: Grande Fantasie de Bravoure sur La Clochette de Paganini. Komponiert 1832–34, Etudes d’exécution transcendante d’après Paganini. Komponiert 1838/39, veröffentlicht 1841, umgearbeitet in Grandes Etudes de Paganini. Entstanden 1851.</ref> und wurde zu einem vergleichbaren Publikumsmagneten.<ref name="Neill3" />

Datei:Eugène Ferdinand Victor Delacroix 045.jpg
Porträt Niccolò Paganinis von Eugène Delacroix, 1832

Zwischen Mai 1831 und März 1832 trat Paganini im Vereinigten Königreich auf, vor allem in London. Seine weiteren dortigen Aufenthalte (von Juli bis September 1832, Mai bis August 1833 und April bis Juni 1834) zeugten bereits vom Nachlassen seiner körperlichen und künstlerischen Kraft.<ref>Edward Neill, München/Leipzig 1990, S. 254–267 u. 270–273.</ref> Ähnliches zeigte sich in Frankreich, zumal in Paris, wo er von März bis Juni 1832 elf erfolgreiche Konzerte gab, doch von Kritikern öfters angegriffen wurde.<ref>Edward Neill, München/Leipzig 1990, S. 265 f.</ref> Schärfer wurde der Ton im Winter 1832/33 und vor allem im Sommer und Herbst 1834.<ref>Edward Neill, München/Leipzig 1990, S. 267–276.</ref> Als Desaster endete schließlich Paganinis Engagement bei der Pariser Casino-Gesellschaft 1837/38.<ref>Edward Neill, München/Leipzig 1990, S. 307 f.</ref> Im Dezember 1838 erlebte er in Paris die Uraufführung von Hector BerliozHarold in Italien. Er huldigte Berlioz auf offener Bühne, konnte aber wegen seines Kehlkopfleidens kaum mit ihm sprechen. Wenige Tage später schenkte er Berlioz 20.000 Franc.<ref>Edward Neill, München/Leipzig 1990, S. 314 f.</ref>

Belgien

Die Reaktion auf Paganinis Konzerte in Belgien im März 1834 war zwiespältig. Einerseits feierte ihn das Publikum, andererseits bemerkten Kritiker, darunter François-Joseph Fétis, Unsicherheiten in Paganinis Spiel und kreideten ihm an, dass er dilettantisch wirkende Sängerinnen in seinen Konzerten auftreten ließ.<ref>Edward Neill, München/Leipzig 1990, S. 279 f.</ref> Eine war Charlotte Watson, in die er sich in London verliebt hatte. Die Liaison mit ihr endete, wie alle Beziehungen Paganinis zu Frauen, unglücklich.<ref>Edward Neill, München/Leipzig 1990, S. 256, 277, 293, 301.</ref>

Rückkehr nach Italien

Datei:Hetty Krist, Paganini (Farblithographie).jpg
Hetty Krist, Paganini (Farblithographie)

Parma

Mit seinem Sohn kehrte Paganini Anfang September 1834 nach Genua zurück. Nach einem kurzen Verwandtenbesuch reiste er nach Parma, wo ihm Luigi Germi in seinem Auftrag die Villa Gajone gekauft hatte. Hier hoffte er wieder zu Kräften zu kommen. Der italienische Adel und das Königshaus nötigten ihn aber, Konzerte zu geben. Zur Ruhe kam er erst im Januar 1835. Zwei Monate lang konnte er ungestört komponieren und vollendete die bedeutenden, Germi gewidmeten 60 Variationen über Barucabà op. 14.<ref>Edward Neill, München/Leipzig 1990, S. 288 ff.</ref>

Am 12. Dezember 1835 trat er in Parma ein Amt an, das er sehr gewissenhaft erfüllte: er wurde Mitglied der Kommission des Hoforchesters, was einem heutigen Generalmusikdirektor nahekommt. Er führte Opern auf, kümmerte sich um eine Verbesserung des Instrumentariums und erarbeitete umfangreiche Entwürfe eines Reglements für das Herzogliche Orchester von Parma und für eine in dieser Stadt zu errichtende Akademie.<ref>Edward Neill, München/Leipzig 1990, S. 14, 293 ff., 336–352.</ref> Es handelt sich um einen fortschrittlichen Normenkatalog, der den Zuständigen bei Hofe und der Herrscherin Marie Louise allerdings zu weit ging. Enttäuscht gab Paganini im Juli 1836 seine Stellung in Parma auf und ging wieder auf Konzertreisen, die im November 1839 in Nizza ihr Ende fanden.<ref>Edward Neill, München/Leipzig 1990, S. 298.</ref>

Nizza

Paganini hoffte, das milde Klima Nizzas trüge zur Linderung seiner vielen Beschwerden bei. An Berlioz schrieb er: „Wenn der Himmel es erlaubt, werde ich Sie im Frühjahr wiedersehen. Ich hoffe, daß mein Zustand sich hier bessern wird. Diese Hoffnung ist die letzte, die mir noch übrigbleibt.“ Und seiner Schwester vertraute er an, er wolle später in die Toskana gehen, um dort unter dem azurblauen Himmel seine letzte Stunde zu erwarten, und gerne wolle er sterben, dürfe er zuvor noch die Luft eines Dante und Petrarca atmen.<ref name="Kapp">Julius Kapp: Niccolo Paganini. 15. Aufl., Tutzing 1989, S. 93 ff.</ref>

Datei:Nicolo Paganini Grabdenkmal in Parma.jpg
Paganinis Grabmal in Parma

Anfang Mai 1840 zwang ihn ein schwerer Anfall ins Bett. Seine Stimme war völlig vernichtet. Am 27. Mai 1840 starb Paganini in Nizza. Seinen Sohn Achille hatte er in seinem Testament als Universalerben eingesetzt.<ref name="Kapp" />

Da Paganini auf dem Sterbebett keine mündliche Beichte ablegen konnte und schriftlich nicht abgeben wollte oder konnte, wurde ihm nach bischöflicher Überprüfung ein christliches Begräbnis verwehrt. Erst 1876 fand sein Leichnam nach einer makaber anmutenden Odyssee vorübergehende Ruhe in geweihter Erde und liegt seit 1896 auf dem neuen Friedhof zu Parma, wo man ein Grabdenkmal errichtet hat.<ref name="Kapp" />

Krankheiten

Die Vermutungen über Paganinis Krankheiten stützen sich hauptsächlich auf zwei Gutachten seines mit ihm befreundeten Arztes Francesco Bennati aus den Jahren 1831<ref>Francesco Benati: Notice physiologique et pathologique sur Paganini. In: Revue de Paris. 11, 1831, S. 113–116.</ref> und 1845.<ref name="Neill4">Edward Neill, München/Leipzig 1990, S. 361–371.</ref> Danach litt Paganini an den Folgen einer Masernenzephalitis aus früheren Jahren und an syphilitisch-tuberkulösen Beschwerden aus mittleren Jahren, die sich in einer Kehlkopftuberkulose mit Aphonie und einer großflächigen Knochennekrose des Unterkiefers mit Zahnverlust manifestierten und mit einem Blutsturz zu seinem Tod führten.<ref name="Neill4" />

Bennati beschrieb auch Paganinis Gestalt, was Anlass war, zu vermuten, Paganini sei vom erblichen Marfan-Syndrom befallen gewesen.<ref>M. R. Schoenfeld: Nicolo Paganini, magical musician and Marfan mutant? In: Journal Of the American Medical Association. 239, 1987, S. 40–42.</ref> Bennati vermutete, dass Paganinis Gestalt und die Beschaffenheit seiner Hände mit ihrer großen Dehnbarkeit und der Fähigkeit, die Finger zu überstrecken, die Grundlage für Paganinis technische Möglichkeiten bildeten.<ref name="Neill4" /> Allerdings zeigt der erhalten gebliebene Gipsabguss von Paganinis rechter Hand, dass seine Finger keineswegs ungewöhnlich lang waren: Der Mittelfinger des Gipsabgusses hat eine Länge von etwa 7,5 cm.<ref name="Otte-Wink" /> Eine jüngst vorgenommene DNA-Analyse an Paganinis Nachkommen konnte ein Marfansyndrom ebenfalls nicht bestätigen.<ref name="Otte-Wink">Andreas Otte, Konrad Wink: Kerners Krankheiten großer Musiker. Die Neubearbeitung. Stuttgart 2008, S. 146 ff., dort auch ein Foto des Gipsabgusses von Paganinis rechter Hand.</ref>

Die anhand zeitgenössischer Bilder und Beschreibungen erfassten körperlichen Merkmale Paganinis deuten auf das Ehlers-Danlos-Syndrom hin, das ebenfalls zur Überbeweglichkeit der Gelenke führen kann.<ref>R. D. Smith, J. W. Worthington: Paganini. The riddle and connective tissue. In: Journal Of the American Medical Association. 199 (11), 13. März 1967, S. 820–824.</ref><ref>John O’Shea: Music & medicine: medical profiles of great composers. Oxford University Press, 1993, S. 75.</ref><ref>Paul Wolf: Creativity and chronic disease Niccolo Paganini (1782–1840). In: The Western Journal of Medicine. 175 (5), November 2001, S. 345. Darin ein Ausschnitt aus einem Bildnis Paganinis von Daniel Maclise (1806–1870) aus dem Jahre 1831.</ref> Ob Paganinis belegte, vielfältige Unterleibsbeschwerden, insbesondere an Harnblase, Prostata und Dickdarm, und deren Folgen<ref>Arztbericht Niccolo Paganini Paris, 10. Juni 1832. Übersetzung der zeitgenössischen Handschrift seiner behandelnden Ärzte (Im Besitz der Urenkel Paganinis in Mailand). In: Paganinis Geheimnis. Ein Film von Volker Schmidt, Merkur.TV 2006.</ref> sowie seine Hautsensationen von den Primärerkrankungen oder sekundär von Behandlungsmethoden und Medikamenten verursacht wurden – Analysen von Haaren Paganinis ergaben zum Beispiel eine hohe Konzentration von Quecksilber<ref>Paganinis Geheimnis. Ein Film von Volker Schmidt, Merkur.TV 2006.</ref> – oder weitere Ursachen hatten, lässt sich nicht nachweisen.

Musik

Paganinis Spielweise

Datei:Kersting - Der Geiger Nicolo Paganini.jpg
Das Gemälde von Georg Friedrich Kersting (1830/31) zeigt Paganinis Spiel in hoher Lage.<ref>Grundlage und Vorstufe für dieses Gemälde ist eine Zeichnung Kerstings, auf der die Violine mit vier Saiten bespannt ist und Paganini eine etwas andere Fingerhaltung hat als auf dem weitaus bekannteren Ölbild. Die Zeichnung zeigt eine reale Szene, das Ölbild mit der G-Saite dagegen entspricht der kolportierten, aber letztlich unbewiesenen Vorstellung des Konzertierens auf der einzig aufgespannten oder nach dem Reißen der anderen Saiten übriggebliebenen G-Saite. Siehe: Kurt Karl Eberlein: Ein unbekanntes Paganini-Porträt des G. F. Kersting. Mit 2 Abbildungen. In: Zeitschrift für bildende Kunst 55. S. 127–131.</ref>
Datei:Paganini London 1831.png
Paganini in typischer Spielhaltung, Karikatur, London 1831

Carl Guhr schrieb 1829 ein Traktat, das sich systematisch mit der Ästhetik von Paganinis Violinspiel und mit dessen Techniken beschäftigt. Es zeigt, dass Paganinis Eigenheiten fast gänzlich auf dem traditionellen italienischen Violinspiel insbesondere Tartinis und Locatellis fußten. Was ihn davon unterschied, sind der exzessive Gebrauch der besonders schwierigen tradierten Techniken und die damit auf der Bühne erzeugte Aura des Persönlichen und Genialen.<ref name="Guhr" /> Längst bevor Paganini Europa bereiste, konnten seine Fähigkeiten anhand der 1820 als Opus 1 veröffentlichten, den „Artisti“ zu Studienzwecken gewidmeten 24 Capricci für Violine solo erahnt werden. Sie enthalten fast all seine für ihn typischen technischen Anforderungen.

Aus Carl Guhrs Traktat lässt sich zusammenfassen:

  • Paganini bespannte seine Violine mit dünneren Saiten als üblich u. a. wegen des leichteren Umstimmens, der Ansprechbarkeit der höchsten Lagen und des Flageoletts sowie des Mischens von Bogenstrich und Pizzicato der linken Hand. Der Steg war flacher gestaltet.
  • Das rechte Bein wurde vorgestellt, die Oberarme blieben dicht am Körper, der linke Ellenbogen wurde weit nach rechts gedreht, die Violine wurde ohne Halter unter dem Kinn gehalten und nach unten geneigt. Das ermöglichte Paganini eine entspannte Haltung und eine freie Beweglichkeit der Finger auf dem Griffbrett.
  • Beim ausschließlichen Spiel auf der G-Saite war diese auf b hinauf gestimmt. In vom Orchester begleiteten Stücken in B-Tonarten wurde die Violine um einen Halbton höher gestimmt. Dadurch konnten auf der Violine die klangvollen Kreuztonarten gegriffen werden, während die begleitenden Streichinstrumente die matteren B-Tonarten griffen, so setzte sich die Solostimme vom Orchester ab.
  • Paganinis Bogen war sehr lang und in der höchsten Spannung nahezu gerade, also weder nach der einen noch der anderen Richtung gebogen. Die starke Spannung begünstigte das Springbogenspiel. Auftakte strich Paganini oft mit Abstrich, Betonungen mit Aufstrich.
  • Höchst virtuos beherrschte Paganini die Mischung von Bogenstrich und Pizzicato mit der linken Hand, eine Technik, die in der früheren italienischen Schule zu Zeiten Niccolò Mestrinos bereits häufig angewendet worden war. Er setzte sie u. a. ein, um eine gestrichene Melodie mehrstimmig im Pizzicato zu begleiten. Das Doppelflageolett über lange Passagen war ein besonderer klanglicher Effekt. Berühmt war er für rasante Geschwindigkeiten und eine große Bandbreite der Dynamik vom quasi gehauchten Ton bis zum weit tragenden Fortissimo.<ref name="Guhr" />

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}} Carl Guhrs ästhetische Einschätzung und technische Darstellung von Paganinis Spiel auf der Violine wird bestätigt durch einen Bericht des Geigers und Komponisten Ole Bull (1810–1880), der schon in jungen Jahren zu den ersten Geigern gehörte, die Paganinis Capricci spielten.<ref>Edward Neill, München/Leipzig 1990, S. 378–382.</ref>

Paganinis Instrumente

In Paganinis Nachlass fanden sich 15 Violinen, darunter sieben von Antonio Stradivari, vier von Giuseppe Guarneri (Guarneri del Gesù) und zwei von Nicola Amati, außerdem zwei Violen von Stradivari, vier Violoncelli, darunter zwei von Stradivari und eines von Guarneri, sowie eine Gitarre.<ref>Paul Metzner: Crescendo of the Virtuoso. Berkley u. a. 1998, Kapitel Paganini.</ref>

Il cannone violino

Datei:Violino Cannone.jpg
Die Guarneri del Gesù von 1743, die Paganini „il mio cannone violino“ nannte<ref>Maria Rosa Moretti: Paganini divo e comunicatore: atti del convegno internazionale; Genova, 3–5 dicembre 2004. SerRl International, Genova 2007, S. 10.</ref>

Unter den Guarneri-Violinen befand sich Paganinis Lieblingsinstrument, das er testamentarisch der Stadt Genua vermacht hatte: eine 1743 von Giuseppe Guarneri in Cremona gebaute Violine, die il Cannone oder kurz Cannone genannt wird. Paganini hatte sie als junger Virtuose geschenkt bekommen (wahrscheinlich im Jahr 1802 in Livorno) und wegen ihres kraftvollen Klangs il mio cannone violino („meine Kanonenvioline“) genannt.<ref name="Neill5">Edward Neill, München/Leipzig 1990, S. 353 ff.</ref><ref>Die historischen Geigen: Die "Guarneri del Gesù" premiopaganini.it (Archivseite).</ref> Die Cannone war mit ihrem großen, runden Ton das ideale Instrument, um Paganinis dünne Besaitung, die den Ton schlank machte,<ref name="Guhr" /> wettzumachen.

1828 ließ Paganini die Violine in Wien von dem Geigenbauer Carl Nicolaus Sawicki umarbeiten. Sie erhielt einen Saitenhalter ähnlich wie eine Viola und ein neues Griffbrett, das etwas kürzer war und eine ausgeprägtere Wölbung aufwies. 1833 erlitt die Violine in London einen Schaden, dessen Behebung der Geigenbauer Jean-Baptiste Vuillaume erst 1838 vollendete. Vuillaume fertigte zudem eine Kopie an, die später Paganinis Schüler Camillo Sivori von seinem Lehrer erwarb.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />{{#if:20180103073149

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Instrumente des „Paganini-Quartetts“

Vier Stradivari-Instrumente werden heute als „Paganini-Quartett“ bezeichnet:

Nach Paganinis Tod gingen die vier Instrumente durch verschiedene Hände. So spielte zum Beispiel Emanuel Wirth die Viola Ende des 19. Jahrhunderts im Joachim-Quartett. In mühevoller Suche gelang es schließlich Emil Herrmann, einem bekannten Händler und Restaurator von Musikinstrumenten in New York, sie nach fast einem Jahrhundert wieder zu vereinen. Die reiche Witwe und Musikliebhaberin Anna E. Clark (1878–1963) kaufte die vier Instrumente 1946 von Herrmann für 155.000 US-Dollar und stellte sie Henri Temianka zur Verfügung, der daraufhin das Paganini-Quartett gründete.<ref>John Montgomery: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />{{#if:20141214160403

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            }} 
       }}
  }} In: Guild Notes. Fall 2009. Published by the Raleigh Chamber Music Guild.</ref>

Die 1994 von der Nippon Music Foundation erworbenen Instrumente werden renommierten Streichquartettensembles als Leihgabe zur Verfügung gestellt. Von September 1995 bis Juli 2013 konnte das Tokyo String Quartet die vier Instrumente nutzen, von Dezember 2013 bis August 2017 das Hagen-Quartett. Im September 2017 wurden sie für ein Jahr an das Quartetto di Cremona verliehen.<ref>nmf.or.jp: About Nippon Music Foundation - Instruments Owned by Nippon Music Foundation, abgerufen am 11. Januar 2018.</ref> Im September 2019 wurden sie für eine Dauer von vier Jahren dem Goldmund Quartett zur Verfügung gestellt.<ref>The Strad: German group is new recipient of Paganini quartet from Nippon Foundation.</ref>

Werke

Veröffentlichungen zu Lebzeiten

Datei:MHVC-KyokoYonemoto-PaganiniCaprice24.ogv
Kyoko Yonemoto spielt das Capriccio No. 24 in a-Moll
  • Die 24 Capricci op. 1 für Violine solo sollten den „Artisti“ zu Studienzwecken dienen. Sie sind von Locatellis 1733 veröffentlichter Violin-Schule LˋArte del violini inspiriert.
  • Die 12 Sonaten für Violine und Gitarre op. 2 und op. 3 sowie die Quartette für Violine, Viola, Gitarre und Violoncello op. 4 und op. 5 waren dem Musizieren im kleinen, kammermusikalischen Rahmen zugedacht und wurden – wie alle zu Lebzeiten veröffentlichten Gitarrenwerke Paganinis – 1820 in Mailand herausgegeben.<ref>Ruggero Chiesa: Die Werke für Gitarre Solo von Niccolò Paganini. In: Gitarre & Laute. 9, Heft 4, 1987, S. 41–51, hier: S. 41 f.</ref>

Weitere Werke

Opus 6 bis Opus 14 wurden 1851 veröffentlicht. Außer bei op. 14 handelt es sich um Werke, die Paganini für seine eigenen Auftritte komponiert hat.

  • Op. 6: Concerto Nr. 1 für Violine und Orchester Es-Dur<ref>Die Stimme der um einen Halbton höher gestimmten Solovioline ist in D-Dur notiert.</ref>
  • Op. 7: Concerto Nr. 2 für Violine und Orchester h-Moll La Campanella
  • Op. 8: Le Streghe. Variationen über „Il Noce di Benevento“ von Franz Xaver Süßmayr für Violine und Orchester
  • Op. 9: God save the King. Variationen über „Heil dir im Siegerkranz“ für Violine und Orchester
  • Op. 10: Il Carneval di Venezia. Variationen über „O mamma, mamma cara“ für Violine und Orchester
  • Op. 12: Non più mesta. Thema aus Rossinis Cenerentola mit Variationen für Violine und Orchester
  • Op. 13: Di tanti palpiti. Thema aus Rossinis Tancredi mit Variationen für Violine und Orchester
  • Op. 14: Etude in 60 Variationen über das Lied Baracubà für Violine und Gitarre

Viele weitere für den öffentlichen Auftritt komponierte Werke, die Paganini großen Ruhm einbrachten, sind erst später, oft erst im 20. Jahrhundert oder bisher noch nicht veröffentlicht worden. Dazu gehören:

  • Sonata Napoleone mit Variationen auf der IV. Saite für Violine und Orchester (1805–1809)
  • Sonata Maria Luisa mit Variationen auf der IV. Saite für Violine und Orchester (ca. 1810)
  • Sonata auf der IV. Saite über „Dal tuo stellato soglio“ aus Rossinis Mosè in Egitto für Violine und Orchester (1818/19)
  • Maestoso sonata sentimentale, Variationen auf der IV. Saite über „Gott erhalte Franz den Kaiser“ für Violine und Orchester (1818/19)
  • Concerto Nr. 3 für Violine und Orchester E-Dur (1826)
  • Concerto Nr. 4 für Violine und Orchester d-Moll (1829/30)
  • Concerto Nr. 5 für Violine und Orchester a-Moll (1830)
  • Concerto Nr. 6 für Violine und Orchester e-Moll (entdeckt 1972, sog. Concerto op. post)
  • Sonata per la gran Viola für Viola und Orchester (1834)

Einige erfolgreiche Vortragsstücke sind unvollständig überliefert. Oft fehlt die Stimme der von Paganini gespielten Solovioline. Ein Beispiel dafür:

  • Sonata militare, Variationen auf der IV. Saite über „Non più andrai“ aus Le Nozze di Figaro von W. A. Mozart (1824)

Außerdem komponierte Paganini eine große Anzahl weiterer, großenteils unveröffentlichter Werke für Violine und Orchester, für andere Instrumente und Orchester, für Violine und Klavier, für Violine solo, für Gitarre solo<ref>Ruggero Chiesa: Die Werke für Gitarre Solo von Niccolò Paganini. In: Gitarre & Laute. 9, Heft 4, 1987, S. 41–51.</ref> wie die Große Sonate in A-Dur, für Mandoline, sodann Kammermusik unterschiedlicher Besetzung und Vokalmusik.

Paganinis Werke für Violine und Gitarre wurden zu großen Teilen auch von Kurt Schumacher herausgegeben.

Von Paganini geplante Projekte

Paganini selbst hatte sich eine Liste von 28 erfolgreichen Werken gemacht, die er veröffentlichen wollte, darunter auch Einzelsätze aus seinen Konzerten. Damit wollte er nicht zuletzt den vielen inzwischen erschienenen Plagiaten, Imitationen und Arrangements entgegentreten. Gegen Ignaz Moscheles und dessen Gems à la Paganini (3 Bände, London 1832) ging Paganini deshalb mit Erfolg gerichtlich vor und erhielt von Moscheles eine Entschädigung.<ref>Edward Neill, München/Leipzig 1990, S. 267.</ref>

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}} Zu dieser Veröffentlichung ist es nie gekommen, auch nicht zur geplanten Violinschule.

Künstlerisches Nachwirken

Klassische Musik

Verschiedene Komponisten verarbeiteten Themen von Paganini bereits zu dessen Lebzeiten, darunter:

Spätere Bearbeitungen (Auswahl):

Paganini ist Hauptfigur in Franz Lehárs gleichnamiger Operette aus dem Jahr 1925.

Crossover

Rockmusik

Gitarrenvirtuose Yngwie Malmsteen zitiert den Geiger (neben Johann Sebastian Bach und Ludwig van Beethoven) als eine seiner Hauptinspirationen.

Premio Paganini

Der Internationale Violinwettbewerb Premio Paganini wurde 1954 in Genua mit dem Ziel gegründet, zur Förderung und zur Entdeckung von jungen Talenten beizutragen.<ref>Internationaler Violinwettbewerb „Premio Paganini“.</ref>

Astronomie

1986 wurde der Asteroid (2859) Paganini nach Niccolò Paganini benannt.<ref>Minor Planet Circ. 11157 (PDF; 215 kB).</ref>

Literatur

Gesamtdarstellungen und Biografien

  • Georg Harrys: Paganini in seinem Reisewagen und Zimmer, in seinen redseligen Stunden, in gesellschaftlichen Zirkeln, in seinen Concerten. Braunschweig 1830. Neu herausgegeben von Heinrich Sievers, Tutzing 1982, ISBN 3-7952-0364-3.
  • Julius Max Schottky: Paganini’s Leben und Treiben als Künstler und als Mensch, mit unpartheiischer Berücksichtigung der Meinungen seiner Anhänger und Gegner. Verlag: J. G. Calve’sche Buchhandlung, Prag 1830. Reprint Vaduz/Liechtenstein 1990, {{#if:paganinislebenun00scho
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  • François-Joseph Fétis: Biographical notice of Nicolo Paganini, with and analysis of his compositions and a sketch of the history of the violin. Verlag Schott, London 1876, {{#if:cu31924022362218
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  • A. Niggli: Nicolo Paganini. In: Paul Graf von Waldersee (Hrsg.): Sammlung musikalischer Vorträge. Vierte Reihe, Nr. 44/45. Verlag: Breitkopf und Härtel, Leipzig 1882, S. 279–350, {{#if:SammlungMusikalischerVortrage1882/SammlungMusikalischerVortrge4t1882
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  • Stephen Samuel Stratton: Nicolo Paganini: His life and work. The Strad Library, No. XVII. Charles Scribner’s Sons, New York 1907, Project Gutenberg.
  • Jacques Gabriel Prod’homme: Paganini. Verlag: H. Laurens, Paris 1907. Übersetzt aus dem Französischen von Alice Mattullath. Verlag Fischer, New York 1911, {{#if:nicolopaganinia00mattgoog
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  • Danilo Prefumo, Paganini: la vita, le opere, il suo tempo, Lucca: Libreria musicale italiana, 2020, 388 Seiten; ISBN 978-8855430487.

Einzelaspekte

  • Carl Guhr: Ueber Paganini’s Kunst die Violine zu spielen. Mainz 1829.
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  • Józef Powrozniak: Paganini und die Gitarre, nova giulianiad 2/84, S. 82 ff.
  • Philippe Borer: The Twenty-Four Caprices of Niccolò Paganini. Their significance for the history of violin playing and the music of the Romantic era. Stiftung Zentralstelle der Studentenschaft der Universität Zürich, Zürich 1997.
  • Werner Fuld: Paganinis Fluch. Die Geschichte einer Legende. Rowohlt-Taschenbuch-Verlag, Reinbek bei Hamburg 2003, ISBN 3-499-23305-3.

Romane

  • Jules Siber: Paganini. Ein Roman von alten Göttern und Hexentänzen. Morawe & Scheffelt, Berlin 1920.
  • Anatoli Kornelijewitsch Winogradow: Die Verurteilung Paganinis. 1936. Dt. bei Rütten & Loening, Berlin 1953.
  • Franz Farga: Paganini. Der Roman seines Lebens. Albert Müller Verlag, Rüschlikon 1950.
  • Klaus Funke: Der Teufel in Dresden. Ein Paganini-Roman. Faber & Faber, Leipzig 2006, ISBN 978-3-936618-87-7.
  • Christina Geiselhart: Paganini – Der Teufelsgeiger (Musik, Mythen und ein Mordverdacht). Edition Koch, Höfen 2013, ISBN 978-3-7081-0521-5.

Filme und Dokumentationen

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  • Am 31. Oktober 2013 startete Bernard Roses Verfilmung Der Teufelsgeiger in den deutschen Kinos. Auch dieser Film, in dem Stargeiger David Garrett die Hauptrolle übernahm, erhielt überwiegend schlechte Kritiken. Bemängelt wurden insbesondere ein unbestimmtes Drehbuch und durchweg schwache Darstellerleistungen. Die Musik Paganinis und deren Inszenierung durch Garrett wurden dagegen von allen Seiten gelobt.

Weblinks

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Bilder

Quellen, Anmerkungen und Einzelnachweise

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