Otto von Feldmann
Otto von Feldmann (* 6. August 1873 in Berlin; † 20. Mai 1945 in Hannover) war ein deutscher Offizier und Politiker.
Herkunft und Familie
Otto war der Sohn des preußischen Generalmajors Adolf von Feldmann (1828–1894) und dessen Ehefrau Jenny, geborene Lührsen (1841–1917). Seine Großeltern mütterlicherseits waren der namhafte Hamburger Jurist und Erste Beamte der Hamburgischen Hypothekenverwaltung Dr. Gustav Lührsen (1805–1868) und dessen aus der hanseatischen Familie stammende Frau Charlotte Jauch (1811–1872). Sein Onkel war der Kaiserlich-Deutsche außerordentliche Gesandte und Minister Johannes Lührsen (1838–1903), sein Bruder der Generalleutnant und Staatssekretär im Reichswehrministerium Hans von Feldmann (1868–1940). Dr. Peter von Feldmann (* 1936), Vorsitzender Richter a. D. am Oberverwaltungsgericht Berlin, ist sein Enkel.
Leben
bei der Abreise 1913
Zweiter von links: Major Otto von Feldmann
Schlacht von Sarıkamış 1914
Feldmann besuchte das Königliche Gymnasium in Bromberg, das Kaiser-Wilhelm- und Ratsgymnasium Hannover, die Kadettenvoranstalt in Potsdam und die Hauptkadettenanstalt in Groß-Lichterfelde bei Berlin.
1892 trat Feldmann als Leutnant in das 1. Hannoversche Infanterie-Regiment Nr. 74 der Preußischen Armee ein. 1907 wurde er in den Generalstab versetzt. 1910/12 diente er als Kompaniechef im Grenadier-Regiment „König Friedrich I.“ (4. Ostpreußisches) Nr. 5, danach wieder im Generalstab.
Im Dezember 1913 wechselte Feldmann im Rahmen der deutschen Militärmission im Osmanischen Reich unter Otto Liman von Sanders in türkische Dienste. Dort wurde er im Rang eines osmanischen Oberstleutnants (Kaymakam) ab Januar 1914 als Feldmann Bey Chef der Operations- und Mobilmachungsabteilung im türkischen Großen Generalstab, später Chef des Stabes der 1. Armee und zuletzt erneut Chef der Operationsabteilung in der 1918 gegründeten türkischen Obersten Heeresleitung.<ref>Mesut Uyar: Sanders Askerî Yardım Misyonu (1913–1918). In: Cumhuriyet Tarihi Araştırmaları Dergisi (CTAD = Journal of Modern Turkish History), Jg. 15, Nr. 30 (Herbst 2019), ISSN 2147-1592, S. 25–84, hier: S. 50 u. 73, Anm. 139.</ref> Nach der verheerenden Niederlage der osmanischen 3. Armee in der Schlacht von Sarıkamış, an der Feldmann als stellvertretender Stabschef beteiligt war, begannen im Frühjahr 1915 die Deportationen und der Genozid an den Armeniern, an denen Feldmann eingestandenermaßen auch mitwirkte.<ref>Wolfgang Gust Der Völkermord an den Armeniern: Die Tragödie des ältesten Christenvolks der Welt. 1993, ISBN 3-446-17373-0, Kap. 7.</ref> Gemeinsam mit General Friedrich Bronsart von Schellendorf, Chef des Generalstabs des osmanischen Feldheeres in Istanbul, war er fast täglich mit dem türkischen Kriegsminister Enver Pascha zusammen und stimmte sich im Detail mit ihm ab.<ref>Von Hamburger Institut für Sozialforschung, „Mittelweg 36“. 1995, S. 33.</ref> Feldmann äußerte hierzu: „Es soll und darf aber nicht geleugnet werden, daß auch deutsche Offiziere – und ich selbst gehöre zu diesen – gezwungen waren, ihren Rat dahin zu geben, zu bestimmten Zeiten gewisse Gebiete im Rücken der Armee von Armeniern freizumachen.“<ref>Deutsche Allgemeine Zeitung vom 30. Juni 1921, Zuschrift von Otto v. Feldmann zum Prozess gegen Soghomon Tehlirian.</ref> Nach Abschluss des Versailler Vertrages (28. Juni 1919) nahm er als Oberstleutnant i. G. seinen Abschied.
Ab 1919 war Feldmann politisch aktiv. 1920–1933 war er Landesvorsitzender der Deutschnationalen Volkspartei. Darüber hinaus war Feldmann Gauvorsitzender im Alldeutschen Verband sowie Mitglied in dessen Hauptleitung. Er steuerte als „politischer Beauftragter“ Paul von Hindenburgs<ref>Frank Möller, Charismatische Führer der deutschen Nation, 2004, S. 136</ref> bei dessen Wahl zum Reichspräsidenten die Kampagne<ref>Gerhard Schulze-Pfälzer: Wie Hindenburg Reichspräsident wurde. Persönliche Eindrücke aus seiner Umgebung vor und nach der Wahl, 1925.</ref> und leitete das „Sekretariat von Hindenburg“ nach dessen Wahl.<ref>Maximilian Terhalle: Deutschnational in Weimar: die politische Biographie des Reichstagsabgeordneten Otto Schmidt (-Hannover) 1888–1971. 2009, S. 151.</ref> Feldmann gehörte dem nationalsozialistischen Reichstag in der 2. Wahlperiode 1933–1936 und in der 3. Wahlperiode 1936–1938 als Gast der Fraktion der Nationalsozialisten an.
Schriften
- Peter von Feldmann (Hrsg.): Otto von Feldmann, Türkei, Weimar, Hitler. Lebenserinnerungen eines preußischen Offiziers und deutschnationalen Politikers. 2013.
Literatur
- Reichststagshandbuch. Band: IX. Wahlperiode 1933. s. n., Berlin 1934, S. 167
- Der Deutsche Reichstag. Wahlperiode nach dem 30. Januar 1933. 3, 1936, {{#if: {{#if: | {{#invoke:TemplUtl|faculty|{{{suffix}}}}} }}
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- Jörg Berlin, Adrian Klenner (Hrsg.): Völkermord oder Umsiedlung? Das Schicksal der Armenier im Osmanischen Reich. Darstellung und Dokumente. PapyRossa-Verlag, Köln 2006, ISBN 3-89438-346-1 (PapyRossa-Hochschulschriften 69).
- Maximilian Terhalle: Otto Schmidt (1888–1971). Gegner Hitlers und Intimus Hugenbergs. Bonn 2006 (Bonn, Univ., Diss., 2006).
- Otto von Feldmann: Türkei, Weimar, Hitler, Lebenserinnerungen eines preußischen Offiziers und deutschnationalen Politikers. herausgegeben und bearbeitet von Peter von Feldmann, Verlag Edition Winterwork, Borsdorf 2013, ISBN 978-3-86468-392-3.
Weblinks
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Einzelnachweise
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- Oberstleutnant (Preußen)
- Befehlshaber im Ersten Weltkrieg (Osmanisches Reich)
- Angehöriger der Deutschen Militärmission im Osmanischen Reich
- Pascha
- DNVP-Mitglied
- Reichstagsabgeordneter (Deutsches Reich, 1933–1945)
- Mitglied im Alldeutschen Verband
- Person (deutsch-türkische Beziehungen)
- Täter des Völkermords an den Armeniern
- Adliger
- Deutscher
- Geboren 1873
- Gestorben 1945
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