Otto Schniewind
Otto Schniewind (* 15. August 1887 in Köln; † 26. Februar 1970 in Starnberg) war ein deutscher Beamter, Ministerialdirektor im Reichsministerium für Wirtschaft und Direktor der Kreditanstalt für Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg.
Leben
Nach Beendigung des Studiums der Rechtswissenschaften arbeitete Schniewind ab 1913 als Gerichtsassessor. Nach Ende des Ersten Weltkriegs begann er seine Tätigkeit im Reichsschatzamt, wechselte 1922 in die Wirtschaft.
Bereits 1925 war er Beamter im preußischen Handelsministerium, 1927 Ministerialrat. Zwischen 1928 und 1931 fungierte Schniewind als Finanzberater der persischen Regierung; 1933 stieg er zum Reichskommissar für das Bankgewerbe auf.
1935 zum Ministerialdirektor ernannt, arbeitete er ab Juni 1937 als Reichsbankdirektor.
Da er gegen die Finanzierung der militärischen Rüstung war, und diese Meinung auch öffentlich vertrat, schied er 1938 aus dem Staatsdienst aus und wurde Privatbankier. Von 1939 bis 1945 war Schniewind persönlich haftender Gesellschafter der ehemals jüdischen Privatbank H. Aufhäuser (Seiler & Co.) in München.
Schniewind fungierte als Verbindungsmann zwischen der bayerisch-bürgerlichen Widerstandsgruppe um Franz Sperr und dem Zentrum des zivilen Widerstands gegen Hitler in Berlin.<ref>Manuel Limbach: Bürger gegen Hitler. Vorgeschichte, Aufbau und Wirken des bayerischen "Sperr-Kreises". Göttingen 2019, ISBN 978-3-525-31071-7, S. 396–402.</ref> Er war in der geplanten Regierung Goerdeler zeitweise als Finanz- bzw. Wirtschaftsminister vorgesehen und wurde daher kurz nach dem Attentat auf Hitler vom 20. Juli 1944 verhaftet, und im KZ Ravensbrück inhaftiert. Er kam im März 1945 frei, was wohl dem Umstand zu verdanken ist, dass der ehemalige Mitinhaber des Bankhauses H. Aufhäuser, Siegfried Aufhäuser, kurz vor der Emigration ihm sein Amt als schwedischer Generalkonsul übertrug und nun zu einer Intervention der schwedischen Regierung geführt hat. Nach Kriegsende lebt er in Frankfurt am Main in der US-amerikanischen Besatzungszone.
Schniewind war Mitbegründer der Kreditanstalt für Wiederaufbau, die den Marshall-Plan umzusetzen hatte. Im April 1948 ernannten ihn die Alliierten zum Chef der Behörde, deren Präsident er bis 1958 war. Von 1952 bis 1958 war Schniewind Vorsitzender des Aufsichtsrats der Bankverein Westdeutschland/Commerzbank-Bankverein AG und von 1958 bis 1961 beim Nachfolge-Institut Commerzbank.
Auszeichnungen
- 1952: Großes Verdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland
Literatur
- Peter Hoffmann: Widerstand, Staatsstreich, Attentat. Der Kampf der Opposition gegen Hitler. Piper, München 1969, S. ?.
- Dieter Lehmann: Schniewind, Hermann Hubert Otto Maria. In: Neue Deutsche Biographie. (NDB). Band 23. Duncker & Humblot, Berlin 2007, ISBN 978-3-428-11204-3, S. Vorlage:VonBis (deutsche-biographie.de).
Weblinks
- Kurzbiografie der Gedenkstätte Deutscher Widerstand
- Zeitungsartikel über Otto Schniewind in den Historischen Pressearchiven der ZBW
Einzelnachweise
<references />
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Schniewind, Otto |
| KURZBESCHREIBUNG | Ministerialdirektor im Reichswirtschaftsministerium |
| GEBURTSDATUM | 15. August 1887 |
| GEBURTSORT | Köln |
| STERBEDATUM | 26. Februar 1970 |
| STERBEORT | Starnberg |
- Seiten mit Skriptfehlern
- Wikipedia:LCCN in Wikipedia fehlt, in Wikidata vorhanden
- Reichskommissar
- Ministerialdirektor (NS-Staat)
- Ministerialrat (Preußen)
- Träger des Großen Bundesverdienstkreuzes
- Generalkonsul
- Goerdeler-Kreis
- Bankmanager
- Person (Commerzbank)
- Person (Attentat vom 20. Juli 1944)
- Bankier
- Häftling im KZ Ravensbrück
- Jurist (Bankwesen)
- Geboren 1887
- Gestorben 1970
- Mann
- Deutscher
- Aufsichtsratsvorsitzender (Deutschland)
- Person (Reichsbank)
- Person (KfW)
- Schwede
- Schwedischer Diplomat