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Otto Köhler (Journalist)

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Otto Köhler, 2015

Otto Köhler (* 10. Januar 1935 in Schweinfurt; † in der Nacht zum 11. März 2026 in Buchholz in der Nordheide) war ein deutscher Journalist und Publizist.

Leben

Otto Köhler erlebte das Ende des Zweiten Weltkrieges 1945 in einem kleinen Dorf bei Bad Kissingen als sogenannter Pimpf des Deutschen Jungvolks. Nach eigenem Bekunden konnte er zwei weitere Jahre lang nicht glauben, dass Hitler tot und der Krieg verloren war – entsprechend lange brauchte er, um sich mit der amerikanischen Literatur anzufreunden. Vor der Kurt-Tucholsky-Gesellschaft in Hamburg bekannte er ein halbes Jahrhundert später: „Und hätte ich nicht die Gnade der allzu späten Geburt gehabt, in der Waffen-SS wäre ich auch noch gelandet.“<ref>Otto Köhler: Dankesrede zur Verleihung des Tucholsky-Preises. In: tucholsky-gesellschaft.de. 21. Oktober 2007, abgerufen am 14. März 2026.</ref>

Als siebzehnjähriger Schüler trat Köhler der SPD bei,<ref>Interview in Junge Welt, 10. Januar 2015.</ref> ab 1962 war er parteilos.<ref>Junge Welt, 3. September 2016.</ref> Von 1953 bis 1963 studierte er Philosophie, Germanistik, Geschichte und Volkswirtschaftslehre in Würzburg und Berlin. Im Laufe seines Studiums engagierte er sich beim Sozialistischen Deutschen Studentenbund.<ref>Einstellung von Köhler zum Nationalsozialismus und späteres Engagement beim SDS. Quelle: WDR-Sendung Erlebte Geschichten (abgerufen am 8. November 2014).</ref>

In den folgenden Jahren war Köhler Medien-Kolumnist beim Spiegel, Redakteur bei Pardon und konkret. Er arbeitete für den WDR,<ref>Köhlers politische Beiträge in der Sendung Kritisches Tagebuch (WDR) waren häufig kritische Auseinandersetzungen mit der Aufarbeitung der NS-Vergangenheit und des NS-Bankenkapitals durch die Bundesrepublik.</ref> den Deutschlandfunk, den Stern und die Zeit sowie für die Gewerkschaftszeitung Metall. Er war regelmäßiger Beiträger der Tageszeitung junge Welt und publizierte in der Wochenzeitung Freitag,<ref>Kurzbiografie und Rezensionen zu Werken von Otto Köhler bei Perlentaucher</ref> außerdem für die Zweiwochenschrift Ossietzky, die er auch mit herausgab. Gelegentlich schrieb er auch Beiträge für das Satiremagazin Titanic.<ref>Ben Vart: Die Fünfte Gewalt -- Wege durch den Mediendschungel. In: taz.de. 3. Februar 1992, abgerufen am 24. April 2026.</ref> Ab 1991 verfasste Köhler Gastkolumnen für die linke Tageszeitung Neues Deutschland.<ref>Otto Köhler: Vernichten und vertuschen. ND-Gastkolumne vom 6. März 2010, abgerufen am 23. November 2014.</ref> Er veröffentlichte Bücher zu geschichtlichen und politischen Themen. Köhler war Mitglied des PEN-Zentrums Deutschland.<ref>Gespräch mit Otto Köhler am 3. Oktober 2011 in Hamburg-St.Georg.</ref>

1980–1982 porträtierte Köhler in seiner konkret-Kolumne Der/die häßliche Deutsche u. a. Uwe Barschel, Birgit Breuel, Reinhard Höhn, Otto Graf Lambsdorff, Gerhard Mayer-Vorfelder, Jürgen Möllemann, Elisabeth Noelle-Neumann und Werner Staak. Über Richard von Weizsäcker verfasste er für konkret mehrere Beiträge, so etwa in Konkret 6/84 einen Text, der anlässlich des Todes Weizsäckers am 2. Februar 2015 auf Konkret-online erneut veröffentlicht wurde,<ref>Otto Köhler: Das Frettchen: Zum Tod Richard von Weizsäckers. In: Konkret Nr. 6/1984 und konkret-online vom 2. Februar 2015. Abgerufen am 11. Januar 2022.</ref> sowie den Text Für Führer und Vaterland in Konkret 8/91, der dann auch unter dem Titel Für Führer und Vaterland: Weizsäcker siegte bis Moskau im 1996 veröffentlichten Konkret-Band Otto Köhlers Hitler ging – sie blieben – Der deutsche Nachkrieg in 16 Exempeln veröffentlicht wurde.<ref>Heinrich Senfft: „Einer, dem man glaubt.“ Richard von Weizsäckers Erinnerung an Vater und Zeitgeschichte. In: www.stiftung-sozialgeschichte.de. Abgerufen am 11. Januar 2022.</ref> Einen weiteren Text zu Weizsäcker veröffentlichte er im März 2010 zu dessen 90. Geburtstag in der Jungen Welt.<ref>Otto Köhler: 90 Jahre und weiß von nix. In: Junge Welt vom 19. März 2010. Abgerufen am 11. Januar 2022.</ref>

Im Jahr 2007 wurde der „scharfe Sprach- und Medienkritiker“<ref>Tucholsky-Preis 2007 an Lothar Kusche und Otto Köhler.</ref> für sein Lebenswerk mit dem Kurt-Tucholsky-Preis ausgezeichnet.

Otto Köhler war mit der Schriftstellerin Monika Köhler verheiratet. Er lebte bei Hamburg. In der Nacht auf den 11. März 2026 verstarb er nach schwerer Krankheit.<ref>PM junge Welt: Publizist Otto Köhler verstorben. In: Junge Welt. 11. März 2026, abgerufen am 11. März 2026.</ref>

Schriften

  • Ich wollte ein deutscher Dichter werden – Kiesingers Worte an die Nation. Hrsg. Otto Köhler. Mit einem Nachwort von Kurt Georg Kiesinger aus dem Jahre 1973 vorempfunden von Otto Köhler. Hoffmann u. Campe, Hamburg 1969.
  • F. J. Strauß, der Kandidat des großen Geldes. Pressedienst Demokratische Initiative, München 1980, ISBN 3-88206-018-2. (PDI-Taschenbuch Nr. 5)
  • Union konkret – Sicherheitsbeauftragter Friedrich Zimmermann. Vorwort von Rudolf Hartung. Pressedienst Demokratische Initiative, München 1983. (PDI-Blick nach Rechts Sonderausgabe Nr. 10)
  • ... und heute die ganze Welt. Die Geschichte der IG Farben und ihrer Väter. Hamburg 1986, ISBN 3-89136-081-9
  • Wir Schreibmaschinentäter. Journalisten unter Hitler und danach. Köln 1989.
  • Die große Enteignung. Wie die Treuhand eine Volkswirtschaft liquidierte. München 1994.
    • Die große Enteignung. Wie die Treuhand eine Volkswirtschaft liquidierte. Neue Ausgabe. Das Neue Berlin, Berlin 2011, ISBN 978-3-360-02127-4.
  • Unheimliche Publizisten. Die verdrängte Vergangenheit der Medienmacher. Unter Mitarbeit von Monika Köhler. Droemer & Knaur, München 1995, ISBN 3-426-80071-3.
  • Hitler ging – sie blieben. Der deutsche Nachkrieg in 16 Exempeln. Hamburg 1996, ISBN 3-930786-04-4.
  • Rudolf Augstein. Ein Leben für Deutschland. München 2002, ISBN 3-426-27253-9.

Auszeichnungen

Weblinks

Einzelnachweise

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