Otto I. von Salm
Otto I. von Salm (* um 1080; † 1150) war Graf von Rheineck und 1125 bis 1137 Pfalzgraf bei Rhein.
Herkunft und Familie
Seine Eltern waren der deutsche Gegenkönig Hermann von Salm und Sophia von Formbach. Der im Investiturstreit papsttreue Vater entstammte einem Seitenzweig der Wigeriche und begründete das Haus Salm. Er ließ sich 1081 zum Gegenkönig Heinrichs IV. wählen, konnte sich jedoch nicht durchsetzen und starb 1088 in Cochem.
Otto I. heiratete um 1115 Gertrud von Northeim, eine Tochter und Erbin des Grafen Heinrichs von Northeim, Markgraf von Friesland, und der Gertrud von Braunschweig. Heinrich hatte einst zu den Unterstützern des Gegenkönigs Hermann gehört. Gertrud war zum Zeitpunkt der Hochzeit seit zwei Jahren Witwe. Ihr erster Ehemann, der seit 1095 als Pfalzgraf bei Rhein amtierende Siegfried I. von Ballenstedt aus dem Haus der Askanier, hatte um 1100 die Burg Cochem erbaut und war 1113 im Kampf gegen Kaiser Heinrich V. gefallen. Durch die Eheschließung wurde Otto I. zum Stiefvater der Söhne Siegfrieds I., Siegfried II. und Wilhelm.
Aus der Ehe zwischen Gertrud und Otto I. gingen hervor:
- Otto II. (* um 1115; † 1149); eröffnete den Kampf um die Pfalz gegen Hermann von Stahleck, fiel dabei 1148 in dessen Hände und wurde im gleichen oder folgenden Jahr auf der Schönburg bei Oberwesel erdrosselt.
- Sophie (* um 1120; † 1176); heiratete
- ⚭ 1.) Dietrich VI. von Holland († 6. August 1157).
- ⚭ 2.) evtl. Albrecht den Bären (* um 1100; † 1170), den ersten Markgrafen und Gründer der Mark Brandenburg.
- Beatrix heiratete Wilbrand I. von Loccum-Hallermund, Markgraf von Friesland.
Wirken
Heinrich V. erkannte Erbansprüche der Stiefsöhne Ottos I., Siegfried II. und Wilhelm, auf die Pfalzgrafschaft nicht an. Stattdessen ernannte er seinen Getreuen Gottfried von Calw zum rheinischen Pfalzgrafen. Otto I. sah es als seine Aufgabe an, die Rechte seiner Stiefsöhne durchzusetzen. Auch erhob er Anspruch auf das Eigengut Siegfrieds I. an der Mosel, in der Eifel und im Hunsrück. Um seine Position zu stärken, errichtete er die Burg Treis, da Cochem sich in der Hand Gottfrieds von Calw befand. 1121 eroberte der Kaiser aber die Burg Treis. Otto zog sich auf die Burg Rheineck, die wahrscheinlich auf dem Erbgut seiner Frau lag, zurück. Er nannte sich um 1124 nach dieser Burg Otto von Rheineck. Ob Otto I. oder bereits Siegfried I. diese Burg erbaut hat, ist ungeklärt.<ref>Zur Geschichte und Bauforschung: Achim H. Schmidt, Burg Treis bei Treis-Karden an der Mosel: eine Burg im Spannungsfeld zwischen Reich, Pfalzgrafschaft und dem Erzbistum Trier, in: Burgen und Schlösser, 2/2018, S. 74–88, S. 76/87 (Rdnr. 20)</ref>
Die Schwester von Gertrud, Richenza von Northeim, war seit 1100 mit dem sächsischen Grafen Lothar von Supplinburg verheiratet, der seit 1106 als Herzog von Sachsen amtierte und 1125 als Lothar III. zum römisch-deutschen König gewählt wurde. Mit Unterstützung des neuen Reichsoberhaupts setzte Otto I. 1125 rasch die Wiedereinsetzung seines Stiefsohns Wilhelm zum Pfalzgrafen durch, er selbst wurde zum Co-Pfalzgrafen ernannt. Gottfried von Calw durfte bis zur Volljährigkeit Wilhelms aber weiter die Regentschaft führen. Ab 1130 war auch die Burg Cochem wieder unter der Kontrolle Ottos I. Das gute Verhältnis zwischen König Lothar III. und Pfalzgraf Otto I. spiegelt sich auch in den häufigen Aufenthalten Ottos I. am Hof Lothars III.<ref>Ziegler, S. 544.</ref> Weiter unterstützte er Lothar III. militärisch, so bei dessen erstem Feldzug gegen den Staufer, Herzog Friedrich II. von Schwaben, im November 1126.<ref>Ziegler, S. 545.</ref> Ob er am ersten Italienzug des Königs und der Kaiserkrönung (1132/1133) beteiligt war, ist unsicher.<ref>Ziegler, S. 544f.</ref> Am zweiten (1136/1137) hat er sicher teilgenommen.<ref>Ziegler, S. 545.</ref> Lothar III. ernannte Otto I. am 1. Januar 1134 zum Vogt des Benediktinerinnenklosters Rolandswerth.<ref>Ziegler, S. 546.</ref>
Nach dem Tod seines Stiefsohnes Wilhelm 1140 beanspruchte Otto I. die rheinische Pfalzgrafschaft für sich, aber der 1138 neu gewählte erste Stauferkönig Konrad III. zog die Pfalzgrafschaft als erledigtes Lehen ein und vergab sie an seinen eigenen Halbbruder, Heinrich Jasomirgott, und ein Jahr später an seinen Schwager, Hermann von Stahleck. Otto I. versuchte zunächst seine Stellung durch häufiges Erscheinen am Hof des neuen Königs zu sichern.<ref>Ziegler, S. 547.</ref> Diese Versuche aber scheiterten. Otto I. konnte die Burgen Treis (bis 1148) und Rheineck (bis 1151) zunächst noch für sich sichern. 1148 brach offener Kampf zwischen den Widersachern Otto I. und Hermann von Stahleck aus. Schließlich eroberte der Trierer Erzbischof Albero die Burg Treis und annektierte sie für das Erzstift Trier, dessen Vogt Hermann von Stahleck war. Die Burg Rheineck wurde 1151 mit Genehmigung König Konrads III. durch Hermann und Albero zerstört.
Literatur
- Johann Christian von Stramberg, Anton Joseph Weidenbach: Denkwürdiger und nützlicher Rheinischer Antiquarius, III. Abtheilung, 5. Band, R. F. Hergt, Coblenz 1858, S. 490 ff. (Google Books)
- Wolfram Ziegler: König Konrad III. (1138–1152). Hof Urkunden und Politik. Böhlau, Wien u. a. 2008. ISBN 978-3-205-77647-5, S. 543–550.
Einzelnachweise
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