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Otogizōshi

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Datei:Tale of Issun Bōshi from Otogi-zōshi.jpg
Illustration aus einem Otogizōshi, ca. 1725

Bei den Otogizōshi (jap. {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value), wörtlich: „Unterhaltungsbuch“, „Gesellige Bücher“) handelt es sich um volkstümliche japanische Erzählungen der Muromachi-Zeit, die durchweg anonym und ohne sichere Datierung überliefert sind. Sie werden meist als Übergang von den älteren Monogatari zu den Kanazōshi der Edo-Zeit betrachtet. Diese frühe Gattung der volkstümlichen Literatur zeichnet sich durch ihre reichhaltige Thematik aus mit einer Vielzahl von Motiven, die insbesondere auch aus der mündlichen Erzähltradition stammen.

Übersicht

Im engeren Sinne bezeichnet der Begriff Otogizōshi eine Sammlung von insgesamt 23 Geschichten, die in der Kyōho Ära (1716–1736) vom Verleger Shibukawa Seiemon ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value)) in Ōsaka unter dem Titel „Otogibunko“ herausgegeben wurden.<ref name="jesse-p17">Bernd Jesse: Die Vorgeschichte der Götter von Kumano. (eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden. – Seite 21 bietet eine Auflistung aller 23 Geschichten.).</ref> 1801 war es Ozaki Masayoshi, der in seiner annotierten Bibliografie „Gunsho ichiran“ ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value)) erstmals die Bezeichnung Otogizōshi für besagte Sammlung verwendete. 1891 erschien diese Sammlung von Geschichtenheften dann auch unter der Bezeichnung Otogizōshi bei Shibukawa.<ref name="jesse-p17" /> Der Verleger hatte in den einleitenden Worten die Ausgabe ausschließlich für weibliches Lesepublikum vorgesehen, wodurch das Genre ungerechtfertigt in die Nähe des Märchens und der seichten Unterhaltung gerückt wurde.<ref>Steven Chigusa: "Hachikazuki", a Companion. 1974, S. 6 (PDF [abgerufen am 30. November 2012]).</ref>

Im weiteren Sinne bezeichnet Otogizōshi ca. 500 Kurzgeschichten, deren Entstehung sich zeitlich von der höfischen Literatur der Kamakura-Zeit bis in die frühe Edo-Zeit erstreckt. Der Verfasser<ref group="Anm.">Eine Ausnahme stellt das von Ishii Yasunaga verfasste Tempitsu wakō rakuchi fuku kai emman hitsuketsu no monogatari ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value)) dar, das die Geschichte einer Dachsfamilie erzählt. (Bsp. nach Chigusa, 1974, S. 27)</ref> und die genaue Entstehungszeit sind in der Regel nicht bekannt. Klassifikationsversuche anhand formaler Kriterien haben die Otogizōshi sowohl als chūsei shōsetsu ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value)), also als mittelalterliche romanhafte Erzählliteratur, wie auch als Form der Setsuwa sehen wollen. Chigusa argumentiert dagegen etymologisch und aus der Erzähltradition heraus, dass es sich um Gesellige Geschichten handele, die zum Zwecke des geselligen Beisammenseins vorgetragen oder vorgelesen wurden. Dies deute auch der Wortstamm togi ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value)) mit der Konnotation Gesellschaft-Leisten an.<ref name="chigusa-p7">Steven Chigusa: "Hachikazuki", a Companion. 1974, S. 7–8 (PDF [abgerufen am 30. November 2012]).</ref> Historisch institutionalisiert war diese Funktion in den Otogi shū ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value), Begleiter eines Daimyō) in der Muromachi-Zeit.<ref name="chigusa-p7" /> Wenngleich es keinen handfesten Beleg dafür gibt, dass der Verleger, der die Bezeichnung im 18. Jahrhundert zuerst verwendete, vertraut war mit dieser mittelalterlichen Praxis, noch dass dieses Genre zu einem früheren Zeitpunkt bereits als Otogizōshi bezeichnet worden ist, so ist die Anknüpfung an die Tradition des mündlichen Erzählens, die neben der literarischen fortbestand, literaturhistorisch plausibel. In dieser Hinsicht stehen die Otogizōshi den bebilderten Nara ehon ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value)) nahe.

Ein weiterer etymologischer Erklärungsansatz bezieht den Wortbestandteil togi auf den Begriff toki ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value), aufklären, aufhellen). Toki wiederum wird dieser Erklärung nach in Bezug gesetzt zu einem Stand fahrender Priester, die in der späten Heian-Zeit als etoki hōshi ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value), Bildererklärer) das Land bereisten, um mittels Bildrollen Geschichten zu erzählen. Ein prominentes Beispiel sind die Nonnen von Kumano ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value), Kumano bikuni).<ref>Steven Chigusa: "Hachikazuki", a Companion. 1974, S. 15–16 (PDF [abgerufen am 30. November 2012]).</ref> Geschichtenerzähler wie die goze und zatō, blinde Nonnen respektive Mönche, besaßen in der Regel einen geringen gesellschaftlichen Stand. Vom Hof und Adel einmal abgesehen war Analphabetismus der gesellschaftliche Standard. Umso wichtiger war die Funktion des Geschichtenerzählers, die mit der Muromachi-Zeit allerdings verschwand. Doch ist es sicher den Erzählern zu verdanken, dass sich die bis dahin am Hofe monopolisierte Literatur zu einer Volksliteratur wandelte.<ref>Karl Florenz: Geschichte der japanischen Litteratur. 1906, S. 355 (Online).</ref> Das Otogizōshi ist Ausdruck dieses literaturgeschichtlichen Wandels.

Kennzeichen

Formal zeichnen sich Otogizōshi durch einen relativen geringen Textumfang von durchschnittlich 20 bis 40 Seiten aus. Inhaltlich ist die Ereignishaftigkeit des Geschehens bedeutsamer als die detaillierte Beschreibung von Orten oder psychologischen Zuständen. Texteinschübe wie: "Alle, die diese Geschichte hören", weisen darauf hin, dass die Darbietung der Geschichte auch ihr zentraler Zweck war. Zugleich ist dies auch ein deutlicher Unterschied zur Erzählform des Monogatari, das ganzheitlicher und detailreicher erzählt und dessen Umfang daher auch deutlich größer ist. Die Tatsache, dass die Hauptpersonen aus allen gesellschaftlichen Schichten kommen, rückt die Otogizōshi näher an die Setsuwa Literatur, als an die Monogatari.

Die Darstellung der Ereignisse im Otogizōshi ist zudem dialogisch organisiert. Ereignisse werden sensationsartig überspitzt, um eine erzählerische Klimax mit dramatischem Effekt zu erzielen.<ref>Steven Chigusa: "Hachikazuki", a Companion. 1974, S. 23 (PDF [abgerufen am 30. November 2012]).</ref> Stereotype und Wortwiederholungen machen die Geschichte erinnerbar und geben ihr einen Rhythmus. Der Wechsel von fünf und sieben Moren beispielsweise wird auch im yōkyoku ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value), -Gesang) eingesetzt.

Formen

Ichiko Teiji hat die Formen der Otogizōshi anhand der sozialen Herkunft der Hauptperson wie folgt in sechs Haupt- und 23 Untergruppen eingeteilt.<ref group="Anm.">Die Auflistung folgt Chigusa, S. 34–35, die Übersetzung der Hauptkategorien stammt von Jesse, S. 22, die hier nicht vollständige Auflistung der Untergruppen nach Shibata, Universität Kyoto.</ref>

kuge mono ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value)) – Höfische Erzählungen
Thematisch konzentrieren sich diese Geschichten im Anschluss an die höfische Literatur der Kamakura-Zeit auf die Liebeshändel junger Adeliger. Beispiele sind etwa das Wakakusa Monogatari ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value)) und das Shinobine Monogatari ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value)).<ref>{{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value). In: Britannica Japan Co. Ltd. (Hrsg.): {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value). 2011.</ref> Die Werke dieser Gruppe beziehen sich inhaltlich meist eklektisch auf Schilderungen des höfischen Lebens vorangegangener Werke, wobei die Liebesthematik bis ins Frivole gesteigert ist. Daneben zählen auch die sogenannten mamagomono (Stiefmuttergeschichten) in diese Kategorie. Das bekannteste Beispiel ist das Hachikazuki ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value), Die Napfträgerin<ref group="Anm.">Deutsche Übertragung des Titels nach Florenz, S. 357.</ref>).
shūkyo mono ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value)) – Religiöse Stoffe
Die Hauptperson dieser Werkgruppe ist in der Regel ein Mönch. Wenngleich sich diese Geschichten auch um die religiöse Erleuchtung drehen, so gehören auch die sogenannten chigo monogatari ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value), Novizengeschichten<ref name="jesse-p23">Bernd Jesse: Die Vorgeschichte der Götter von Kumano. S. 23 (eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.).</ref>) in diese Kategorie. Chigo bezeichnete Knaben im Alter von 12 bis 18 Jahren, die dem Umfeld der kaiserlichen Familie oder dem hohen Hofadel entstammten und die zeitweilig in einem Tempel lebten. Sie trugen farbenfrohe Kimono mit langärmeligem Furisode, langes Haar und schwärzten sich bisweilen die Zähne (Ohaguro), wodurch sie von Frauen schwer zu unterscheiden waren. Geschichten dieser Art, wie das Aki no yonaga monogatari ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value), Erzählungen von langen Herbstnächten<ref group="Anm.">Florenz übersetzt: Monogatari in langer herbstlicher Nacht. S. 361.</ref>) erzählen von den sexuellen Ausschweifungen dieser Chigo. Die ernsthafteren Erzählungen dieser Gruppe, die honjimono ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value)), dagegen berichten vom Zeitalter der Götter und dem Zusammenleben mit den Menschen (Beispiel: {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value), Kumano no honji). Eine weitere Gruppe von Erzählungen sind die tonsei mono ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value), Weltentsagung) und sange mono ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value)), die der exegetischen Literatur entstammen und in Form des Sündenbekenntnisses von den Gründen für die Weltflucht ins klösterliche Leben erzählen.
buke mono ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value)) – Kriegererzählungen
Datei:Ushiwakamaru fighting Benkei on Gojo bridge.jpg
Benkei kämpft gegen Minamoto no Yoshitsune
Die buke mono umfassen vornehmlich Heldensagen, in denen von den ruhmreichen Heldentaten der Samurai und Kämpfer berichtet wird, häufig mit Bezug oder Anspielung auf das Heike Monogatari und die Gunki Monogatari der von Kriegswirren geprägten Namboku-Zeit. Sehr beliebt war beispielsweise das Benkei Monogatari ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value)), dass von der Loyalität des Kriegermönches Musashibō Benkei erzählt.<ref>Shibata Yoshinara: {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value) (Kyōto Daigaku Otogizōshi Mokuroku (Kaidaitsuki)). Archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 1. August 2012; abgerufen am 30. November 2012.  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/edb.kulib.kyoto-u.ac.jp</ref>
shomin mono ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value)) – Volkstümliches
Thematisch ein Novum im Vergleich zu den drei vorangegangenen Kategorien, konzentrieren sich die shomin mono auf den Aufstieg und die Karriere von Personen aus dem einfachen Volk. Hierher gehört neben Geschichten wie dem Bunsei sōshi ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value))<ref>{{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value). In: {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value) bei kotobank.jp. Abgerufen am 30. November 2012 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> auch die noch heute bekannten und beliebten Geschichten von Urashima Tarō ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value)) und die Geschichte vom Bonzen Däumling ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value), isshun bōshi). In manchen Geschichten wird das Wort glückverheißend so häufig verwendet, dass man diese Erzählungen auch als Glückwunsch-Bücher ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value), shūgi mono)<ref name="jesse-p25">Bernd Jesse: Die Vorgeschichte der Götter von Kumano. S. 25 (eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.).</ref> bezeichnet.
ikoku/ikyō mono ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value)) – in Übersee
Die Geschichten, deren Handlungsort im Ausland liegt, nehmen Stoffe aus dem chinesischen und indischen Kulturraum auf. Beispiele für Otogizōshi, die chinesische Erzählstoffe aufnehmen sind das Genjōraku Monogatari ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value)) bzw. das Hōmyō Dōji ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value), Geschichte vom Knaben Hōmyō) für die indische Tradition.
irui mono ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value)) – die andere Welt
In der letzten Gruppe der Otogizōshi finden sich vor allem Fabelerzählungen, in deren Mittelpunkt entweder Tiere oder anthropomorphisierte Gegenstände aus der Natur stehen. Hierzu zählt etwa die Geschichte des Kampfes gegen die zwölf Tierarten der Himmelszweige ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value), Jūnirui kassen monogatari). Zu dieser Hauptgruppe gehört zudem eine große Zahl von Gespenstergeschichten. So erzählt das Tsukumogami Monogatari ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value)) von alten Haushaltsgegenständen, die weggeworfen worden waren, beseelt zurückkehren und als Kobolde ihren ehemaligen Besitzer malträtieren. Diese Geschichte geht auf den Aberglauben zurück, dass Gegenstände, die ein Alter von 100 Jahren erreichen, belebt werden können, um als Tsukumogami die Menschenwelt heimzusuchen.

Literatur

Weblinks

Anmerkungen

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Einzelnachweise

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