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Orientalisches Zackenschötchen

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

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Orientalisches Zackenschötchen
Datei:Bunias orientalis eF.jpg

Orientalisches Zackenschötchen (Bunias orientalis)

Systematik
Eurosiden II
Ordnung: Kreuzblütlerartige (Brassicales)
Familie: Kreuzblütler (Brassicaceae)
Tribus: Buniadeae
Gattung: Zackenschötchen (Bunias)
Art: Orientalisches Zackenschötchen
Wissenschaftlicher Name
Bunias orientalis
L.

Das Orientalische Zackenschötchen (Bunias orientalis), auch als Glattes Zackenschötchen oder Türkische Rauke bezeichnet, ist eine Pflanzenart aus der Gattung Zackenschötchen (Bunias) innerhalb der Familie der Kreuzblütengewächse (Brassicaceae). Sie ist hauptsächlich von Sibirien bis Ost- und Südosteuropa verbreitet.

Beschreibung

Datei:202 Bunias orientalis.jpg
Illustration
Datei:Bunias orientalis 050524 04.jpg
Orientalisches Zackenschötchen (Bunias orientalis)
Datei:Bunias orientalis RF.jpg
Blüten
Datei:Bunias orientalis (Schötchen).jpg
Schötchen

Vegetative Merkmale

Das Orientalische Zackenschötchen wächst als zwei-, seltener auch mehrjährige krautige Pflanze und erreicht Wuchshöhen von 25 bis 200<ref name="Woitke2001" /> Zentimetern. Sie besitzt eine spindelförmige Wurzel. Der aufrechte Stängel ist im oberen Teil verzweigt, mit warzigen Höckern besetzt und dicht behaart bis fast kahl.

Die untersten Laubblätter sind bei einer Länge von bis zu 40 Zentimetern länglich-lanzettlich. Die folgenden Laubblätter sind fiederteilig und besitzen einen großen, mehr oder weniger dreieckigen gezähnten Endlappen und ein bis zwei Seitenlappen. Die obersten Laubblätter sind meist sitzend, ungeteilt und linealisch-lanzettlich geformt.

Generative Merkmale

Die Blütezeit reicht vorwiegend von Mai bis August. Es wird ein umfangreicher, rispiger Gesamtblütenstand gebildet.

Die zwittrigen Blüten sind vierzählig mit doppelter Blütenhülle. Die vier gelben Kronblätter haben eine Länge von 5 bis 8 Millimetern.

Die aufrecht abstehenden Fruchtstiele sind 7 bis 17 Millimeter lang. Das ein- bis zweifächrige Schötchen ist bei einer Länge von 5 bis 10 Millimetern schief-eiförmig, höckerig und flügellos.

Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 14.<ref name="Oberdorfer2001" />

Ökologie

Das Orientalische Zackenschötchen ist ein Hemikryptophyt (inklusive Zweijähriger) und ein Tiefwurzler.

Die Bestäubung erfolgt oft durch Insekten, auch Selbstbestäubung kommt vor. Das Orientalische Zackenschötchen ist ein Steppenroller mit Klettausbreitung der Früchte.

Datei:Bunias orientalis sl4.jpg
Habitus während der Anthese

Vorkommen

Bunias orientalis kommt von Sibirien bis Ost- und Südosteuropa vor. Es kam in Mitteleuropa ursprünglich nur gebietsweise, etwa in Ungarn vor, breitet sich jedoch zunehmend nach Mittel- und Nordeuropa aus. In der Schweiz tritt das Orientalische Zackenschötchen nur stellenweise auf. Heute ist die Art auch ein Neophyt in weiteren Ländern Asiens, Europas und Nordamerikas.<ref name="GRIN" />

Das Orientalische Zackenschötchen kommt in Deutschland im mittleren Teil zerstreut bis verbreitet vor. In Norddeutschland ist es bisher selten oder fehlt ganz. Südlich der Donau ist es stellenweise zu finden. Massenvorkommen finden sich inzwischen vor allem in den warmen Muschelkalkgebieten Thüringens, Nordbayerns und Hessens, wo die Pflanze sich insbesondere seit den 1990er Jahren verstärkt vermehrt.<ref name="Neoflora" />

Neilreich berichtete 1867 erstmals von einigen Exemplaren im Prater, die im Zuge einer landwirtschaftlichen Ausstellung bzw. durch lagernde Kavallerieregimenter eingeschleppt worden sein dürften.<ref name="Wien2003"/> Inzwischen tritt das Zackenschötchen in Österreich in allen Bundesländern zerstreut bis selten auf und ist im ganzen Gebiet in Ausdehnung begriffen. Im pannonischen Gebiet ist die Art voll eingebürgert, in den anderen Gebieten stellenweise nur unbeständig.<ref name="EfÖLS2008"/>

Das Orientalische Zackenschötchen wächst in Mitteleuropa an Verkehrswegen, auf Ruderalstellen, in Frischwiesen sowie an Weinbergen. Es gedeiht am besten auf kalkreichen, mäßig trockenen bis frischen, lehmigen Böden. Sie steigt nach Erich Oberdorfer im südlichen Schwarzwald an Straßenrändern bis zu einer Höhe von 1400 Metern auf.<ref name="Oberdorfer2001" />

Es ist eine lichtliebende Pflanze. Nach Ellenberg ist es eine Halblichtpflanze, intermediär-kontinental verbreitet, ein Frischezeiger, auf mäßig stickstoffreichen Standorten wachsend. Das Orientalische Zackenschötchen ist Verbandscharakterart Halbruderaler Pionier- und Lockerrasen-Gesellschaften (Convolvulo-Elymion (=Agropyrion) repentis). Nach Oberdorfer kommt die Art in Mitteleuropa gern zusammen mit dem Beifuß (Artemisia vulgaris) im Arctio-Artemisietum aus dem Verband Arction vor, doch findet sie sich auch in Gesellschaften der Verbände Aegopodion, Convolvulion oder Convolvulo-Agropyrion.<ref name="Oberdorfer2001" />

Die ökologischen Zeigerwerte nach Landolt et al. 2010 sind in der Schweiz: Feuchtezahl F = 2 (mäßig trocken), Lichtzahl L = 3 (halbschattig), Reaktionszahl R = 3 (schwach sauer bis neutral), Temperaturzahl T = 3+ (unter-montan und ober-kollin), Nährstoffzahl N = 4 (nährstoffreich), Kontinentalitätszahl K = 4 (subkontinental).<ref name="InfoFlora" />

Datei:2013 07 15 Bunias Ringwiesen 1060.jpg
Habitus zur Samenreife durch zu späte Mahd

Invasionsbiologie

Es handelt sich um eine erst seit Mitte des 20. Jahrhunderts in Mitteleuropa eingeschleppte Pflanze (invasive Pflanze) – manchmal wurde sie wegen ihres Reichtums an Eiweiß sogar als Futterpflanze angebaut.<ref>MAIN-POST Würzburg vom 25.06.2020 – LOKALES GEM/KAR/MAR/LOH Artikel „Ein Eindringliing aus dem Orient“</ref> Sie breitet sich hier immer weiter aus. An den bereits besiedelten Standorten kann sich das Orientalische Zackenschötchen bei günstigen Bedingungen (Störungen, Erdtransporte, ungünstiges Mahdregime) sprunghaft vermehren. Frühe Beobachtungen aus Mitteleuropa sind: Warnemünde 1810, Schleswig-Holstein 1819, Nürnberg 1868, Wien 1868, Hameln 1869.<ref name="Markgraf1958" />

Das Orientalische Zackenschötchen produziert eine hohe Zahl von Samen, die mit Hilfe von Erdtransporten, Mähwerkzeugen, Tierfutter und Tieren auch über größere Distanzen verteilt werden.<ref>Invasive Neopyten: Bedrohung für Natur, Gesundheit und Wirtschaft bei infoflora.ch</ref> Oft finden sich erste Pionierpflanzen an frisch gestörten Stellen, an Verteilerkästen, Laternenmasten usw., von wo aus sich das Orientalische Zackenschötchen überraschend schnell ausbreiten kann. Auch Wurzelfragmente können den Ursprung von neuen lokalen Populationen bilden.<ref name="Neoflora" />

Die Pflanze wurde aufgrund ihres Ausbreitungspotenzials und der Schäden in den Bereichen Biodiversität, Gesundheit bzw. Ökonomie in die Schwarze Liste der invasiven Neophyten der Schweiz aufgenommen.<ref>Bundesamt für Umwelt BAFU: Invasive gebietsfremde Arten. (admin.ch [abgerufen am 6. August 2019]).</ref><ref>S. Buholzer, M. Nobis, N. Schoenenberger, S. Rometsch: Liste der gebietsfremden invasiven Pflanzen der Schweiz. Hrsg.: Infoflora. (infoflora.ch [abgerufen am 6. August 2019]).</ref>

Bekämpfungsmaßnahmen

Datei:Bunias orientalis removal.jpg
Mit Hilfe eines Unkrautstechers ausgehobene Wurzel von Bunias orientalis

Das Orientalische Zackenschötchen bildet zunächst lückige, später oft sehr dichte, bis maximal 2 Meter hohe Bestände, in denen die oft ursprünglich vorhandene Wiesenvegetation weitgehend und teilweise nahezu komplett verdrängt wird. Nach einer Mahd regenerieren die Pflanzen sehr rasch und bilden große Blattrosetten. Die wirksamste Bekämpfung der Orientalischen Zackenschote besteht im vollständigen Ausstechen der Pflanze mit einem Unkrautstecher. Eine Mahd kann die weitere Ausbreitung verhindern, muss aber zur Blütezeit stattfinden. Geschieht dies zu früh, können die Pflanzen erneut Blütenstände bilden, haben die Pflanzen schon Samen gebildet, können sich auch halbreife Samen noch zu keimfähigen entwickeln. Eine Behandlung mit Herbiziden kann bei großflächigen Beständen die einzige Möglichkeit darstellen, das Orientalische Zackenschötchen mit vertretbarem Aufwand zu kontrollieren. Ein Mulchen kann die Ausbreitung der Pflanze fördern, weil eine Keimung der Samen durch die Methode erleichtert wird. Pflanzen mit halbreifen und reifen Samen sollten in geeigneter Weise entsorgt werden, so dass ein Auskeimen ausgeschlossen werden kann.

Taxonomie

Die Erstveröffentlichung von Bunias orientalis erfolgte 1753 durch Carl von Linné in Species Plantarum, Tomus II, S. 670. Das Artepitheton orientalis bedeutet „östlich“ oder „aus dem Orient“.

Nutzung

Die jungen und noch zarten oberirdischen Pflanzenteile können gekocht oder auch als Salat verzehrt werden. Die einjährige Wurzel wird wie Meerrettich verwendet. Die Knospen können wie Broccoli zubereitet werden.<ref>Neophyt Orientalische Zackenschote auf dem Vormarsch. In: DEGA Gartenbau. 10. Mai 2012, abgerufen am 14. Mai 2024.</ref><ref>Orientalische Zackenschote: Essen statt bekämpfen. In: Obst und Garten. 14. Juni 2014, abgerufen am 14. Mai 2024.</ref>

Einzelnachweise

<references> <ref name="GRIN"> Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GRIN“ ist nicht vorhanden. im Germplasm Resources Information Network (GRIN), USDA, ARS, National Genetic Resources Program. National Germplasm Resources Laboratory, Beltsville, Maryland. Abgerufen am Vorlage:FormatDateSimple. </ref> <ref name="InfoFlora"> Bunias orientalis L. In: Info Flora, dem nationalen Daten- und Informationszentrum der Schweizer Flora. Abgerufen am Vorlage:FormatDateSimple. </ref> <ref name="EfÖLS2008"> </ref> <ref name="Oberdorfer2001"> </ref> <ref name="Wien2003"> Wolfgang Adler, Alexander Ch. Mrkvicka (Hrsg.): Die Flora Wiens - gestern und heute. Die wildwachsenden Farn- und Blütenpflanzen in der Stadt Wien von der Mitte des 19. Jahrhunderts bis zur Jahrtausendwende, Wien 2003, S. 373, ISBN 978-3-900275-96-9. </ref> <ref name="Neoflora"> Datenblatt bei Neoflora des BfN. </ref> <ref name="Woitke2001"> Markus Woitke: Artenkombination, Etablierungsstadium und anthropogenes Störungsregime als Einflußfaktoren auf die Bestandsentwicklung der invasiven Brassicaceae Bunias orientalis L. und Rorippa austriaca (Crantz) Besser in experimenteller Vegetation. Dissertation an der Universität Würzburg, 2001. download. </ref> <ref name="Markgraf1958">Friedrich Markgraf: Familie Cruciferae. In Gustav Hegi: Illustrierte Flora von Mitteleuropa. 2. Auflage, Band IV, Teil 1, Seite 133–135. Verlag Carl Hanser, München 1958.</ref> </references>

Literatur

  • Margot Spohn, Marianne Golte-Bechtle: Was blüht denn da? Die Enzyklopädie: über 1000 Blütenpflanzen Mitteleuropas. Kosmos, Stuttgart 2005, ISBN 3-440-10326-9.

Weblinks

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