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Ophellas

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Datei:Coin cyrenaica.jpg
Kyrenaische Münze aus der Regierungszeit des Ophellas (um 322–313 v. Chr.)

Ophellas (Vorlage:GrcS; * um 355 v. Chr. in Pella; † 308 v. Chr. bei Karthago) war ein makedonischer Offizier unter Alexander dem Großen und dem Diadochen Ptolemaios I. Von 322/321 an war er Statthalter der Kyrenaika. Auf einem Feldzug gegen die Karthager wurde Ophellas ermordet.

Leben

Ophellas wurde in Pella, der Hauptstadt Makedoniens, als Sohn des makedonischen Adligen Silenos (Seilenos) geboren. Er nahm als Gefährte Alexanders des Großen am Alexanderzug teil und war als liturgischer Trierarch am Aufbau von dessen Flotte beteiligt.<ref>Arrian, Historia successorum Alexandri 1,17; Arrian, Indika 18,3; Diodor 20,40,1</ref> Bald nach Alexanders Tod stand er im Dienst Ptolemaios’ I., der die Herrschaft über Ägypten übernommen hatte. Ptolemaios beauftragte Ophellas im Jahr 322 oder 321, den Söldnerführer Thibron zu beseitigen, der die babylonischen Steuereinnahmen gestohlen und sich in der Kyrenaika festgesetzt hatte.<ref>Die Fragmente der griechischen Historiker 239 B 10</ref>

Ophellas unternahm den Feldzug mit einer beträchtlichen Land- und Seestreitmacht. Thibron wurde besiegt, gefangen genommen und den Bewohnern der Stadt Taucheira ausgeliefert, die ihn folterten und dann zur Hinrichtung nach Kyrene brachten. Nun verloren die Stadt Kyrene und die umliegenden Städte ihre Unabhängigkeit und wurden ins Reich des Ptolemaios eingegliedert, nachdem Ophellas die demokratisch gesinnten Kräfte, die sich mit Thibron verbündet hatten, ausgeschaltet hatte. Ptolemaios erschien vor dem Ende der Auseinandersetzungen persönlich in Kyrene und traf Regelungen zum künftigen Status der Stadt. Ophellas wurde sein Provinzstatthalter in der Kyrenaika und Befehlshaber der ägyptischen Besatzung in Kyrene.<ref>Diodor 18,21,7–9</ref> 313/312 v. Chr. fiel die Kyrenaika kurzzeitig vom Ptolemäerreich ab, wurde aber zurückerobert und danach wieder seiner Verwaltung unterstellt.<ref>Diodor 19,79,1–3</ref>

Offenbar im Zeitraum 312–309 machte sich Ophellas faktisch unabhängig und strebte die Begründung einer eigenständigen Herrschaft an.<ref>Zum Grad der Selbstständigkeit des Ophellas unterschiedliche Angaben bei Suda delta, 431; Diodor 20,40,1; Iustin 22,7,4; Orosius 4,6,29</ref> Zu diesem Zweck verbündete er sich mit Agathokles, dem Herrscher von Syrakus. Agathokles befand sich damals im Krieg gegen Karthago. Er hatte, als die Karthager ihn auf Sizilien bedrängten, eine kühne Entlastungsoffensive nach Afrika unternommen, die jedoch nach einiger Zeit ins Stocken geraten war. Daher schloss er einen Bündnisvertrag mit Ophellas. Die beiden vereinbarten, ihre Streitkräfte gegen Karthago zu vereinen. Nach der Vernichtung der karthagischen Macht sollte Agathokles nach Sizilien zurückkehren, die Insel fortan ungestört beherrschen und Ophellas die Herrschaft über das bisherige nordafrikanische Reich der Karthager überlassen.<ref>Die Staatsverträge des Altertums 3,432</ref> Agathokles’ Sohn Herakleides blieb als Geisel bei Ophellas.<ref>Polyainos, Strategika 5,3,4</ref>

Datei:Afrique-Agathocle.jpg
Das karthagische Herrschaftsgebiet in Nordafrika zur Zeit des Ophellas

Ophellas warb in Griechenland, insbesondere in Athen, zahlreiche Söldner an, die beabsichtigten, sich mit ihren Familien in dem zu erobernden Reich niederzulassen. Zu Athen hatte er eine besondere Beziehung, da er mit einer vornehmen Athenerin namens Eurydike verheiratet war, die angeblich von Miltiades abstammte.<ref>Plutarch, Demetrios 14,1; Diodor 20,40,5</ref> Im Sommer 308 brach er mit seiner Streitmacht nach Westen auf. Das Heer umfasste mehr als 10.000 Fußsoldaten, 600 Berittene, 100 Streitwagen und 10.000 Zivilisten, die nach dem erhofften Sieg Siedler werden wollten.<ref>Theophrastos, Naturgeschichte der Gewächse 4,3,2</ref>

Der sehr beschwerliche, entbehrungsreiche Marsch durch unwegsames Wüstengelände dauerte zwei Monate. Nach der Vereinigung mit den Truppen des Agathokles war das Verhältnis der beiden Feldherren zunächst gut, zumindest äußerlich, doch bald kam es zu einem Konflikt. Agathokles beschuldigte vor seinen Truppen Ophellas des Verrats. Der völlig überraschte Ophellas konnte nur schwachen Widerstand leisten; er fiel im Kampf gegen überlegene Kräfte des Agathokles. Seine dadurch führerlos gewordene Streitmacht wurde in das Heer des Agathokles eingegliedert.<ref>Diodor 20,40–44</ref> Nun konnte Ptolemaios die Kyrenaika wieder in seinen Besitz nehmen.

Der Tod des Ophellas wird von der Forschung unterschiedlich beurteilt. Die Agathokles extrem feindlich gesinnte Tradition, deren Darstellung im Bericht Diodors erhalten ist, schildert den Vorgang als reine Heimtücke des Agathokles und suggeriert, er habe von Anfang an geplant, Ophellas in eine Falle zu locken. Möglich ist aber auch, dass es zu einem Streit um das Oberkommando kam, in dem keine Seite nachgeben wollte, so dass der Konflikt ein gewaltsames Ende fand. Zu beachten ist auch, dass Agathokles ein gutes Verhältnis zu Ptolemaios hatte, dessen Stieftochter er später heiratete. Die Ausschaltung des Ophellas lag sehr im Interesse des ägyptischen Herrschers. Es ist daher denkbar, dass Agathokles im Einvernehmen mit Ptolemaios den Rebellen Ophellas beseitigte.<ref>Werner Huß: Geschichte der Karthager. München 1985, S. 194 vermutet, dass Agathokles diesen Ablauf von Anfang an geplant hatte, während Sebastiana Nerina Consolo Langher: Agatocle. Da capoparte a monarca fondatore di un regno tra Cartagine e i Diadochi. Messina 2000, S. 189 diese Deutung ablehnt und Berve, RE. XVIII,1, Sp. 634 keine der Möglichkeiten bevorzugen will.</ref>

Quellen

Literatur

| Suppl. 1 = Walter Eder, Johannes Renger (Hrsg.): Herrscherchronologien der antiken Welt. Namen, Daten, Dynastien | Suppl. 2 = Manfred Landfester (Hrsg.): Geschichte der antiken Texte. Autoren- und Werklexikon | Suppl. 3 = Anne-Maria Wittke, Eckart Olshausen, Richard Szydlak (Hrsg.): Historischer Atlas der antiken Welt | Suppl. 4 = Manfred Landfester, Brigitte Egger (Hrsg.): Register zur Rezeptions- und Wissenschaftsgeschichte. Register zu den Bänden 13–15/3 des Neuen Pauly | Suppl. 5 = Maria Moog-Grünewald (Hrsg.): Mythenrezeption. Die antike Mythologie in Literatur, Musik und Kunst von den Anfängen bis zur Gegenwart | Suppl. 6 = Peter Kuhlmann, Helmuth Schneider (Hrsg.): Geschichte der Altertumswissenschaften. Biographisches Lexikon | Suppl. 7 = Christine Walde (Hrsg.): Die Rezeption der antiken Literatur. Kulturhistorisches Werklexikon | Suppl. 8 = Peter von Möllendorff, Annette Simonis, Linda Simonis (Hrsg.): Historische Gestalten der Antike. Rezeption in Literatur, Kunst und Musik | Suppl. 9 = Manfred Landfester (Hrsg.): Renaissance-Humanismus. Lexikon zur Antikerezeption | Suppl. 10 = Anne-Maria Wittke (Hrsg.): Frühgeschichte der Mittelmeerkulturen. Historisch-archäologisches Handbuch | Suppl. 11 = Falko Daim (Hrsg.): Byzanz. Historisch-kulturwissenschaftliches Handbuch | Suppl. 12 = Leonhard Burckhardt, Michael A. Speidel (Hrsg.): Militärgeschichte der griechisch-römischen Antike. Lexikon | Suppl. 13 = Joachim Jacob, Johannes Süßmann (Hrsg.): Das 18. Jahrhundert. Lexikon zur Antikerezeption in Aufklärung und Klassizismus | Suppl. 14 = Konrad Vössing, Matthias Becher, Jan Bemmann (Hrsg.): Die Germanen und das Römische Reich. Historisch-archäologisches Lexikon }} (= Der Neue Pauly. Supplemente. Band {{#invoke:Str|cropleft|8|7}}). Metzler, Stuttgart/Weimar|Der Neue Pauly (DNP). {{#if:8|Band 8,|}} Metzler, Stuttgart}} {{#switch: 8 | 1 = 1996 | 2 = 1997 | 3 = 1997 | 4 = 1998 | 5 = 1998 | 6 = 1999 | 7 = 1999 | 8 = 2000 | 9 = 2000 | 10 = 2001 | 11 = 2001 | 12/1 = 2002 | 12/2 = 2002 | 13 = 1999 | 14 = 2000 | 15/1 = 2001 | 15/2 = 2002 | 15/3 = 2003 | 16 = 2003 | Suppl. 1 = 2004 | Suppl. 2 = 2007 | Suppl. 3 = 2007 | Suppl. 4 = 2005 | Suppl. 5 = 2008 | Suppl. 6 = 2012 | Suppl. 7 = 2010 | Suppl. 8 = 2013 | Suppl. 9 = 2014 | Suppl. 10 = 2015 | Suppl. 11 = 2016 | Suppl. 12 = 2022 | Suppl. 13 = 2018 | Suppl. 14 = 2023 | #default = 1996–2023 }}, ISBN {{#switch: 8 | 1 = 3-476-01471-1 | 2 = 3-476-01472-X | 3 = 3-476-01473-8 | 4 = 3-476-01474-6 | 5 = 3-476-01475-4 | 6 = 3-476-01476-2 | 7 = 3-476-01477-0 | 8 = 3-476-01478-9 | 9 = 3-476-01479-7 | 10 = 3-476-01480-0 | 11 = 3-476-01481-9 | 12/1 = 3-476-01482-7 | 12/2 = 3-476-01487-8 | 13 = 3-476-01483-5 | 14 = 3-476-01484-3 | 15/1 = 3-476-01485-1 | 15/2 = 3-476-01488-6 | 15/3 = 3-476-01489-4 | 16 = 3-476-01486-X | Suppl. 1 = 3-476-01912-8 | Suppl. 2 = 978-3-476-02030-7 | Suppl. 3 = 978-3-476-02031-4 | Suppl. 4 = 3-476-02051-7 | Suppl. 5 = 978-3-476-02032-1 | Suppl. 6 = 978-3-476-02033-8 | Suppl. 7 = 978-3-476-02034-5 | Suppl. 8 = 978-3-476-02468-8 | Suppl. 9 = 978-3-476-02469-5 | Suppl. 10 = 978-3-476-02470-1 | Suppl. 11 = 978-3-476-02422-0 | Suppl. 12 = 978-3-476-02471-8 | Suppl. 13 = 978-3-476-02472-5 | Suppl. 14 = 978-3-476-02473-2 | #default = 3-476-01470-3 }}{{#if:1252|, {{#switch: 8 | 16 | Suppl. 1 | Suppl. 2 | Suppl. 3 | Suppl. 4 | Suppl. 5 = S.  | #default = Sp.  }}1252{{#if:1253|{{#ifexpr: 1252 <> 1253|–1253|}}|}}|}}{{#if:|, {{{Fundstelle}}}}}{{#if:| ()}}.{{#invoke:TemplatePar|match |template=Vorlage:DNP |cat=Wikipedia:Vorlagenfehler/Vorlage:DNP |format=@@@ |1=1=* |2=2=n |3=3=n |4=4=* |5=5=* |6=6=* |7=Fundstelle=*}}{{#if: 8|{{#switch: 8 | 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | 10 | 11 | 12/1 | 12/2 | 13 | 14 | 15/1 | 15/2 | 15/3 | 16 | Suppl. 1 | Suppl. 2 | Suppl. 3 | Suppl. 4 | Suppl. 5 | Suppl. 6 | Suppl. 7 | Suppl. 8 | Suppl. 9 | Suppl. 10 | Suppl. 11 | Suppl. 12 | Suppl. 13 | Suppl. 14 = | #default = Vorlage:DNP: Ungültige Bandnummer. }}|}}

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Weblinks

Einzelnachweise

<references />

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