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Olaus Magnus

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Datei:Carta Marina.jpeg
Carta Marina (1539)
Datei:Olaus Magnus - On the Art of Prophecy.jpg
Darstellung verschiedener Wahrsagungsformen aus Historia de gentibus septentrionalibus (1555). Rechts im Bild feuerspeiende Berge - die isländischen Vulkane. Der Hekla (Mons Hekla auf der Karte, gekennzeichnet mit A) galt ihm als Höllentor.

Olaus Magnus, latinisiert aus Olof Månsson (* 1490 in Skänninge, Östergötland; † 1557 in Rom), war ein schwedischer katholischer Geistlicher, Kartograf und Geograph. Er war – im Exil in Rom – Erzbischof von Uppsala.

Leben und Werk

Olof Månsson war ein Sohn des Måns Petersson in Linköping und dessen Ehefrau Kristina. Während des Studiums in Rostock<ref>Immatrikulation als Olauus Magnus im Rostocker Matrikelportal</ref> und Köln latinisierte er seinen Namen zu Olaus Magnus. 1514 wurde er Baccalaureus, später auch Magister. Er war Domherr in Uppsala und Linköping. Im Auftrag von Giovanni Angelo Arcimboldi, dem Generalkommissar für den Ablass in Norddeutschland und Skandinavien, bereiste er 1518 und 1519 Norrland, wobei er über Nidaros bis nach Pello am Polarkreis kam. Die auf dieser Reise gesammelten Eindrücke verwendete er später für seine Carta Marina. 1523 wurde er Dompropst in Strängnäs.

Olaus Magnus begab sich 1524 in der Folge der Reformation als gläubiger Katholik gemeinsam mit seinem Bruder Johannes Magnus, dem vertriebenen Erzbischof von Uppsala, ins Exil nach Danzig, von wo er erfolglos die Sache des Katholizismus in Schweden zu betreiben suchte, aber auch mit vielen Kartographen zusammentraf und um 1527 begann, an seiner Karte zu arbeiten. Mittlerweile hatte er alle seine Güter in Schweden verloren. Daher begann er sich 1537 nach Rom, wo er in Erwartung des immer wieder hinausgezögerten Konzils ein Planungszentrum seiner Aktivitäten eröffnete und verschiedene Schriften veröffentlichte.<ref>Oskar Garstein: Rome and the Counter-Reformation in Scandinavia, Band 1: 1539–1583. Universitetsforlaget, Oslo 1963, S. 14–16.</ref>

In Rom arbeitete er weiter an seinen Hauptwerken, der Landkarte Nordeuropas Carta marina, und an der Historia de gentibus septentrionalibus, die „Geschichte der Völker unter dem Sternbild des Großen Wagens“, welche einen Kommentarband zu der Karte darstellt. Zur Fertigstellung reiste er nach Venedig. Dort erschien das Werk 1539. Der Druck kostete 440 Dukaten, die er selbst nicht aufbringen konnte. Das Kartenwerk war die erste geographische Darstellung der Länder des Nordens in der Renaissance. Darauf zeigte und kommentierte er in lateinischer Sprache das Volksleben, vor allem im Hinblick auf das, was in Italien ungewöhnlich erschien, z. B. das Schwimmen der Germanen auch in kaltem Wasser.<ref>Arnd Krüger: Schwimmen. Der Wandel in der Einstellung zu einer Form der Leibesübungen. In: Arnd Krüger, John McClelland (Hrsg.): Die Anfänge des modernen Sports in der Renaissance. (= Beiträge und Quellen zu Sport und Gesellschaft, Bd. 2), Arena Publications, London 1984, ISBN 0-902175-45-9, S. 19–42.</ref>

Als sein Bruder 1544 starb, wurde der bis dahin immer wieder von Geldmangel betroffene Olaus von Papst Paul III. zum Erzbischof von Uppsala ernannt, ohne dass er jedoch sein Territorium betreten konnte. In dieser Funktion nahm er am Konzil von Trient teil. Als großer Eiferer für den katholischen Glauben und Gegner der lutherischen Lehre nahm er auch an Bücherverbrennungen in Bologna teil und wirkte bei der Erstellung des Index librorum prohibitorum, der Liste der für gläubige Katholiken verbotenen Bücher von Giovanni Della Casa mit. In verschiedenen Eingaben versuchte er, führende Kirchenmänner zu bewegen, die Gegenreformation in den skandinavischen Ländern zu eröffnen. Papst Julius III. übertrug ihm 1555 die Kirche und das dazugehörende Hospiz Santa Brigida.<ref>Die Wunder des Nordens, 2006, S. 88.</ref>

1554 gab er die von seinem Bruder verfasste Beschreibung aller Könige der Goten und Schweden (Historia de omnibus Gothorum Sveonumque regibus) postum heraus. Mit diesem Buch schuf er die Grundlagen des Götizismus, der zur Zeit Gustav II. Adolfs um 1600 eine wichtige legitimatorische Funktion für das schwedische Königtum erhielt, und verhalf der These vom Auszug der Goten aus Schweden erstmals zu einer breiten öffentliche Wirkung. Gleichzeitig setzte er in diesem Werk Dänemark herab, indem er es als eine Art gotischer Strafkolonie darstellte. Damit wollte einen Ausgleich schaffen für die Gesta Danorum des Saxo Grammaticus (um 1220), der in diesem Werk die Eigenständigkeit Dänemarks hervorhebt.<ref>Frauke Hillebrecht: Skandinavien - die Heimat der Goten? Der Götizismus als Gerüst eines nordisch-schwedischen Identitätsbewußtseins auf Nordeuropa-Institut, hu-berlin.de, abgerufen am 25. März 2026</ref> 1555 folgte sein eigenes Hauptwerk Historia de gentibus septentrionalibus, die Beschreibung der Völker des Nordens in 22 Büchern auf 815 Seiten, welche auf seiner Arbeit an der Karte basierte.<ref>Die Wunder des Nordens, 2006, S. 7–9.</ref> Im dritten Buch des Werks (De Superstitiosa Cultura Daemonum Populorum Aquilonarium) setzt er sich mit dem heidnischen Aberglauben der Völker des Nordens und verschiedenen Formen der Dämonenverehrung auseinander, obwohl er die naturnahe Lebensweise und die Charaktereigenschaften der Skandinavier und auch der Lappen (Samen) schätzt. Er beobachtet und notiert Dinge, die bis dahin niemand aufgezeichnet hatte: die Formen des Schneekristalls oder die Eisbedeckung der Ostsee im Winter.<ref>Die Wunder des Nordens, 2006, S. 93 f.</ref>

Olaus starb 1557 und wurde in der deutschen Nationalkirche Santa Maria dell’Anima begraben.<ref>Gunnar Broberg: Art. Olaus Magnus, in Svenskt biografiskt lexikon, Onlineversion, Zugriff vom 11. März 2026.</ref> Als sein katholischer Nachfolger wurde sein Neffe Magnus Laurentii (* 1536) bestimmt.<ref>Vilhelm Fredrik Palmblad (Hrsg.): Biographiskt Lexicon öfver namnkunnige Svenska Män. Band 15. Wahlström & Co., Uppsala 1848, S. 255 (Digitalisat).</ref>

1558 gab Cornelius Scribonius Grapheus, Schreiber in Antwerpen, eine stark gekürzte, vom historischen Ballast und vielen Zutaten befreite lateinische Ausgabe in lateinischer Sprache heraus. Die darauf basierende, 1567 in Straßburg erschienene deutsche Übersetzung von Israel Achatius unter dem Titel Historien der Mitnächtigen Länder hat bei weitem nicht die Qualität der italienischen und unterscheidet sich auch in wichtigen inhaltlichen Details von dieser. Während in der italienischen Übersetzung die märchenhafte Wunderwelt des Nordens herausgestellt wurde, zielte die deutsche Übersetzung auf die Verdeutlichung des kriegerischen Charakters der nordeuropäischen Völker sowie der militärischen Macht und wirtschaftlichen Stärke Schwedens. Gegenüber der lateinischen Ausgabe waren die deutsche, französische, spanische, niederländische und englische Übersetzung stark gekürzt. Ebenfalls 1567 kam eine weitere, längere deutsche Fassung bei Heinrich P Noiel in Basel heraus, die nicht auf der Fassung des Scribonius basierte. 1669 erschien die letzte lateinische Ausgabe in Amsterdam. Die erste schwedische Übersetzung erschien hingegen erst in den 1920er Jahren.

Nachwirkung

Bis ins späte 17. Jahrhundert prägte.das Werk das Bild Skandinaviens und der baltischen Länder in Mittel- und Südeuropa. Insbesondere auch die vielen Meeresungeheuer auf seiner Karte lebten in anderen Karten und Büchern fort.

Nachdem die Karte des Olaus über 300 Jahre verschollen war, entdeckte sie der deutsche Germanist Oskar Brenner im Jahr 1886 in der Münchner Hof- und Staatsbibliothek. Von neun Platten gedrückt, ist die Karte insgesamt 1,25 mal 1,70 Meter groß. Die lateinischen Kommentare befinden sich in der unteren linken Ecke.<ref>Die Wunder des Nordens, 2006, S. 7–9.</ref>

1941 wurde der Asteroid (2454) Olaus Magnus nach dem Geistlichen und Kartographen benannt.<ref>Small-Body Database Lookup auf nasa.gov</ref>

Ausgaben seiner Schriften (Auswahl)

  • Die Wunder des Nordens (Die Andere Bibliothek; Bd. 261). Erschlossen von Elena Balzamo und Reinhard Kaiser. Werksauswahl, mit einem Nachdruck der „Carta marina“ von 1539. Eichborn, Frankfurt am Main 2006, ISBN 3-8218-4571-6.
  • Storia de’ costumi de’ populi settentrionali. Übersetzt von Remigio Fiorentino. Venedig 1561.
  • Olaj Magnj historien, der Mitnächtigen Länder. Gedruckt im Officin Henricpetrina. Basel 1567. Digitalisat

Literatur

Datei:OleasMagnusSchlittenfahrt.jpg
Schlittenfahrt, Zeichnung von Olaus Magnus um 1530
  • Kurt Brunner: Die „Carta marina“ des Olaus Magnus vom Jahre 1539. In: Wolfgang Scharfe, Hans Harms (Hrsg.): Vorträge und Berichte. 5. Kartographiehistorisches Colloquium. Oldenburg 1990. Reimer, Berlin 1991, ISBN 3-496-00318-9, S. 45–57.
  • Werner Buchholz: Bäuerliche Arbeit in den baltischen Landen im Spiegel von Olaus Magnus. In: Matthias Asche, Werner Buchholz, Anton Schindling (Hrsg.): Die baltischen Lande im Zeitalter der Reformation und Konfessionalisierung. Livland, Estland, Ösel, Ingermanland und Lettgallen. Stadt, Land und Konfession 1500–1721. Bd. 1. Aschendorff, Münster 2009, ISBN 978-3-402-11087-4, S. 45–47.

Weblinks

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Einzelnachweise

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