Ocak Işık Yurtçu
Ocak Işık Yurtçu (* 1945 in Pozantı/Provinz Adana; † 8. September 2012 in Istanbul) war ein türkischer Journalist, der sich in oppositionellen Zeitungen engagierte. Als Chefredakteur einer pro-kurdischen Zeitung war er längere Zeit inhaftiert, bis er nach einer internationalen Kampagne aufgrund eines Sondergesetzes wieder freikam.
Leben
Der Vater von Ocak Işık Yurtçu, Çoban Yurtçu, war ebenfalls Journalist. Er hatte den Journalistenverein Çukurova gegründet.<ref name="bia10sep">Gazeteci Yurtçu “Sembol”dü. Bianet, 10. September 2012; abgerufen am 25. Oktober 2012.</ref> Işık Yurtçu besuchte das Gymnasium Vefa und studierte Jura an der Universität in Ankara.<ref name="biyografi">biyografi.net abgerufen am 25. Oktober 2012.</ref> Seine Karriere begann 1966 bei der Zeitung Ekspres.<ref name="bia10sep" /> In der Zeitung Yeni Halkçı schrieb er 1971 eine Serie, die systematische Folter an politischen Gefangenen nach dem Militärputsch 1971 dokumentierte.<ref>1996 Awards – Yurtcu. Komitee zum Schutz von Journalisten Committee to Protect Journalists (CPJ) zu den Gewinnern der Auszeichnung; abgerufen am 25. Oktober 2012</ref> Bis 1980 arbeitete er außerdem bei den Zeitungen Yenigün, Ulus, Politika, Dünya, Demokrat, Güneş und Cumhuriyet. Er leitete die Abteilung Kent haberleri (Nachrichten aus der Stadt). Bei der Zeitung Güneş wurde er Chefredakteur für die Nachtschicht.<ref name="biyografi" />
Ocak Işık Yurtçu war an der Gründung der 1979 aufgebauten linken Tageszeitung Demokrat beteiligt und ihr Chefredakteur beim Militärputsch 1980, als die Zeitung verboten wurde.<ref name="bia10sep" /> Wegen seiner Unterschrift unter die von Aziz Nesin initiierte Petition der Intellektuellen (Aydınlar Dilekçesi) kam er vor Gericht.<ref name="biyografi" /> An den Versuchen zwischen 1984 und 1988, die Tageszeitung Demokrat erneut herauszubringen, war auch Ocak Işık Yurtçu beteiligt, sie scheiterten aber.<ref name="ragip">Ragıp Zarakolu: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Işığı da yolcu ettik Pantheona. ( des Vorlage:IconExternal vom 6. April 2011 im Internet Archive) Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis. In: Özgür Gündem, 19. September 2012; Kommentar; abgerufen am 24. Oktober 2012.</ref> 1991 begannen Initiativen für eine alternative Zeitung. Unter der Leitung von Ragıp Duran wurde Özgür Gündem (Freie Tagesordnung) gegründet, die eine Auflage bis zu 60.000 erreichte.<ref name="ragip" />
Inhaftierung und Auszeichnung
1992 übernahm Ocak Işık Yurtçu die Position des Chefredakteurs bei Özgür Gündem. Er hatte sie 8 Monate inne. Wegen Artikel, die in dieser Zeit erschienen, wurde er 26 Mal nach den Artikeln 6, 7 und 8 des Anti-Terror Gesetzes (ATG) und den Artikeln 159 und 312 des türkischen Strafgesetzes angeklagt und erhielt Haftstrafen von ca. 16 Jahren und Geldstrafen von 1,6 Milliarden TL (heute 1.600 TL, ungefähr 700 Euro).<ref name="tihv1997">Jahresbericht 1997 der Menschenrechtsstiftung der Türkei. ISBN 975-7217-22-0, S. 368</ref> Nach einer Änderung am Artikel 8 des ATG reduzierten sich die Haftstrafen auf 10,5 Jahre Haft.<ref name="tihv1997" /> Am 28. Dezember 1994 wurde er in Istanbul verhaftet.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Ocak Isik Yurtçu. ( vom 4. Juni 2012 im Internet Archive) Reporter ohne Grenzen, Rundbrief November 1995; abgerufen am 25. Oktober 2012.</ref> Er war in den Gefängnissen von Bayrampaşa und Sakarya inhaftiert.<ref name="bayer">Yalçın Bayer: Işıkın gözü arkada kaldı. In: Hürriyet, 11. September 2012; Kommentar; abgerufen am 25. Oktober 2012.</ref> Nationale Kampagnen sorgten für eine Verlegung in das Gefängnis Saray. Işık Yurtçu wurde zu einem Symbol für die Pressefreiheit in der Türkei. 1996 verlieh ihm das Komitee für den Schutz von Journalisten mit Sitz in New York (CPJ) den Preis für Pressefreiheit.<ref name="bayer" /> Işık Yurtçu konnte an der Preisverleihung in New York am 26. November 1996 nicht teilnehmen. Terry Anderson verlas seine Botschaft.<ref>Campaign for the Release of Ocak Isik Yurtçu. CPJ; abgerufen am 25. Oktober 2012.</ref> Die Reporter ohne Grenzen ernannten Ocak Isik Yurtçu zum Journalisten des Jahres 1996.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Isik Yurtcu Receives Journalist of the Year Award in Sakarya Prison ( des Vorlage:IconExternal vom 2. Mai 2016 im Internet Archive) Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis. Hürriyet Daily News, 27. Dezember 1996; abgerufen am 25. Oktober 2012.</ref>
Das „Işık Yurtçu-Gesetz“
CPJ organisierte eine Mission in die Türkei, an der berühmte Persönlichkeiten wie Peter Arnett, Terry Anderson und Robert Menard teilnahmen. Ihre Gespräche mit Staatsvertretern und die Berichte in der Öffentlichkeit führten dazu, dass schließlich ein Sondergesetz<ref>Das Gesetz mit der Nummer 4304 wurde am 14. August 1997 verabschiedet. Es trägt den Titel Gesetz zur Aussetzung von Verfahren und Strafen bei Delikten, die in der Eigenschaft eines verantwortlichen Direktors bis zum 12. Juli 1997 begangen wurden. Der komplette Text ist auf den <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Seiten des Justizministeriums ( des Vorlage:IconExternal vom 21. April 2009 im Internet Archive) Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis. in Türkisch nachzulesen.</ref> erlassen wurde, durch das Işık Yurtçu und ca. 10 Chefredakteure auf freien Fuß kamen.<ref>Jahresbericht 1997 der Menschenrechtsstiftung der Türkei. ISBN 975-7217-22-0, S. 368–369</ref> Etliche weitere Strafverfahren wurden eingestellt.<ref>Işık Yurtçu İçin. In: Birgün, 16. September 2012; abgerufen am 25. Oktober 2012.</ref> Mit dem Gesetz wurden Strafen und Verfahren, die gegen Chefredakteure aufgrund von Delikten, die bis zum 12. Juli 1997 begangen wurden, verhängt oder eingeleitet worden waren, auf 3 Jahre zur Bewährung ausgesetzt.<ref>Işık Yurtçu yasası çıktı. In: Hürriyet, 14. August 1997; abgerufen am 25. Oktober 2012.</ref> Ocak Işık Yurtçu kam nach 2 Jahren, 7 Monaten und 18 Tagen Haft am 15. August 1997 wieder auf freien Fuß.<ref name="bayer" />
Weblinks
- Ausführlicher Artikel von CPJ zu Ocak Isik Yurtçu (in Englisch), anlässlich der Preisverleihung 1996
- Ocak Isik Yurtcu released from prison; move follows government amnesty for jailed editors Hintergrundbericht von IFEX (englisch) vom 18. August 1997
- Menschenrechtspreis 1996 für türkischen Journalisten (deutsch) Reporter ohne Grenzen, Rundbrief Nr. 14 (Dezember 1996)
Einzelnachweise
<references />
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Yurtçu, Ocak Işık |
| KURZBESCHREIBUNG | türkischer Journalist |
| GEBURTSDATUM | 1945 |
| GEBURTSORT | Pozantı |
| STERBEDATUM | 8. September 2012 |
| STERBEORT | Istanbul |
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