Objektlernen
Objektlernen (engl.: object learning) bezeichnet in der Lernpsychologie das Lernen von Assoziationen zwischen verschiedenen Eigenschaften eines Objektes. Einen theoretischen Rahmen für das Erlernen von Assoziationen liefert das auf Iwan Pawlow zurückgehende Modell der Klassischen Konditionierung. In diesem Modell werden in der Regel Assoziationen zwischen beliebigen Reizen betrachtet, z. B. zwischen dem Anblick von Essen und einem Signalton. Nach Michael Domjan (2005) werden in natürlichen Lernsituationen allerdings häufig nicht Assoziationen zwischen beliebigen Reizen, die willkürlich oder zufällig miteinander auftreten, erlernt. Vielmehr werden hier Assoziationen zwischen Reizen erlernt, die bereits in einer vorgegebenen, objektiven Beziehung zueinander stehen. Speziell beim Objektlernen besteht diese vorgegebene Relation darin, dass die Reize verschiedene Eigenschaften desselben Objekts (z. B. Aussehen, Geschmack, Geruch) sind.<ref name="domjan2005" />
Das Lernen von Assoziationen zwischen verschiedenen Eigenschaften eines Objekts wurde bereits im Übergang vom 19. zum 20. Jahrhundert durch Pawlow und seinen Schülern Vulwson (Vulf’son) und Snarskij untersucht. Beispielsweise wurde Hunden nicht essbare Substanzen wie z. B. Sand ins Maul eingebracht, was eine spezifische Speichelabsonderung zur Folge hatte. Bot man den Hunden dann erneut diese Substanz (z. B. Sand) dar, so reagierten sie bereits auf deren Anblick mit einer gleichartigen Speichelabsonderung. Diese Reaktion war zuvor nicht aufgetreten.<ref name=":0">{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref><ref name="domjan2005">{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref> Die Hunde hatten also eine Assoziation zwischen verschiedenen Modalitäten des Objektes (Geschmack, Aussehen) gelernt. Strittig war zwischen den Forschern allerdings, ob bei diesem Lernprozess höhere kognitive Prozesse wie Generalisierung und Kategorisierung eine Rolle spielen (so die Position Vulwsons) oder sich lediglich automatische, reflexartige Assoziationen zeigten (so die Position von Snarskij).<ref name=":0" /> Weitere Beispiele für die Assoziation verschiedener Objekteigenschaften ist die Identifikation eines Gegenstandes, dessen Aussehen bekannt ist, durch bloßes Betasten (mit geschlossenen Augen) oder das Aufkommen von Hunger beim Anblick einer Speise, die zuvor bereits verspeist worden ist.
In einer „funktionalen“ Interpretation der Klassischen Konditionierung fasst Domjan (2005) derartige Lernprozesse als Objektlernen (object learning) auf.<ref name="domjan2005" /> Im Unterschied zur üblichen Interpretation der Klassischen Konditionierung, bei der beliebige Reize miteinander gekoppelt werden, nimmt Domjan an, dass zwischen dem unkonditionierten Reiz (US) und dem konditionierten Reiz (CS) in natürlichen Lernsituationen häufig ein natürlicher bzw. objektiver Zusammenhang besteht. US und CS können beispielsweise unterschiedliche Aspekte oder Merkmale eines Gegenstandes sein, beispielsweise dessen Aussehen, Geschmack und Geruch. Speziell beim Objektlernen wird der unkonditionierte Stimulus (US), der reflexartig eine Reaktion (UR) auslöst, nicht mit einem willkürlichen, unzusammenhängenden Stimulus gekoppelt. Vielmehr sind unkonditionierter Stimulus (US) und konditionierter Stimulus (CS) beides Merkmale desselben Gegenstandes und werden deswegen auch häufig gemeinsam wahrgenommen. Lernen im Sinne von Objektlernen ist nach dieser Interpretation gerade deswegen funktional und hoch effizient, weil die Reize, die subjektiv miteinander verknüpft werden, auch objektiv (gewissermaßen „im Gegenstand“) miteinander verknüpft sind. So wird beim Erlernen der Merkmale von Sand der Reiz (US) „Sand im Maul“, der den Speichelfluss (UR) auslöst, nicht mit einem willkürlichen anderen Reiz (CS), wie z. B. einem Tonsignal, gekoppelt, sondern mit einem anderen Merkmal desselben Gegenstandes, z. B. dessen visuelle Erscheinung (Aussehen) oder Geruch. Durch diesen objektiven Zusammenhang von US und CS wird auch verständlich, warum es in natürlichen Settings sehr funktional sein kann, dass eine Assoziation von Reizen oder Stimuli sehr schnell, mitunter schon nach einer einzigen Kopplung, gelernt wird,<ref>{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref> handelt es sich hierbei doch um „objektiv zusammengehörige“ Reize.
Neuere Modelle zum Wahrnehmen, Erkennen und Kategorisierern von Objekten sowie zum Erwerb von Wissen über Objekte gehen allerdings über das bloße Lernen von Assoziationen zwischen verschiedenen Eigenschaften oder Modalitäten von Objekten hinaus.<ref>{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref><ref>{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref><ref>{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref> Statt von „Objektlernen“ spricht man vielfach auch von (multimodaler) „Objektwahrnehmung“ (object recognition) oder „Objekterkennung“ (object recognition).
Literatur
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Einzelnachweise
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