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Oberzell (Sinntal)

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Oberzell
Gemeinde Sinntal
Koordinaten: Vorlage:Deutsches Bundesland/Code_type:city(968)&title=Oberzell 50° 20′ N, 9° 43′ OKoordinaten: Vorlage:Deutsches Bundesland/Code_type:city(968) 50° 20′ 0″ N, 9° 42′ 41″ O
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Höhe: 343 m ü. NHN
Fläche: 19,62 km²<ref name="DF" />
Einwohner: 968 (31. Dez. 2020)<ref name="DF">Gemeinde Sinntal – Gemeindeinformationen. Abgerufen am 12. November 2022.</ref>
Bevölkerungsdichte: 49 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Juli 1974
Postleitzahl: 36391
Vorwahl: 06664
Datei:Flug -Nordholz-Hammelburg 2015 by-RaBoe 1121 - Oberzell (Sinntal).jpg
Karte
Oberzell (Luftbildfotografie)

Oberzell ist ein Ortsteil der Gemeinde Sinntal im osthessischen Main-Kinzig-Kreis.

Geographische Lage

Oberzell liegt im Tal der Schmalen Sinn in der Rhön. Südlich des Ortes erhebt sich der 585 Meter hohe Haag, die höchste Erhebung des Main-Kinzig-Kreises. Der historische Ortskern von Oberzell wuchs als Pfarrdorf um die zentral gelegene evangelische Kirche, daneben gibt es einen zweiten Siedlungskern um eine ehemalige Ziegelhütte an der Landstraße nach Fulda.

Oberzell grenzt im Norden an Heubach, im Nordwesten an Gundhelm, im Westen an Weichersbach und im Süden an Züntersbach. Im Osten liegt die Staatsgrenze zu Bayern und dem dortigen Ort Speicherz.

Geschichte

Ortsgeschichte

Datei:Oberzell, Ev. Kirche Sinntal 20230304 0002.jpg
Evangelische Kirche

Die älteste bekannte schriftliche Erwähnung von Oberzell erfolgte unter dem Namen Cella im Jahr 1167, als in einer Urkunde der Bischof von Würzburg die Besitzungen des Klosters Schlüchtern bestätigte.<ref name="lagis" /> Im Jahr 1331 besaß der Abt von Schlüchtern den Zehnten aus der Pfarrei Oberzell. Der Ort gehörte zum Gericht Altengronau, das 1333 als Reichslehen aus einer Erbschaft vom Haus Rieneck an die Herrschaft Hanau kam. Aus dem Gericht entstand im 15. Jahrhundert das Amt Schwarzenfels der Grafschaft Hanau, ab 1459 die Grafschaft Hanau-Münzenberg.

1643 wurde das Amt Schwarzenfels – und damit auch Oberzell – als Pfand zusammen mit anderen Sicherheiten der Landgrafschaft Hessen-Kassel übergeben. Es sollte für Hanauer Schulden bürgen, die im Zusammenhang mit der Befreiung der Stadt Hanau von der Belagerung durch kaiserliche Truppen 1636 gegenüber Hessen-Kassel entstanden waren. Den Grafen von Hanau gelang es nicht mehr, dieses Pfand von Hessen-Kassel zu lösen. Das Amt wurde in der Folgezeit wie landgräfliches Eigentum verwaltet, auch nachdem Hessen-Kassel 1736, nach dem Tod des letzten Hanauer Grafen, Johann Reinhard III., die gesamte Grafschaft Hanau-Münzenberg erbte.

Im Kurfürstentum Hessen gehörte Oberzell nach der Verwaltungsreform von 1821 zum Landkreis Schlüchtern. 1866 war Oberzell Teil der preußischen Provinz Hessen-Nassau.

Dem Ersten Weltkrieg fielen 33 Einwohner zum Opfer. Infolge der Machtübernahme der Nationalsozialisten wurde 1937 im Ortsteil Ziegelhütte ein Lager des Reichsarbeitsdienstes errichtet. Nach dem Zweiten Weltkrieg hatte Oberzell 43 Gefallene und 21 Vermisste zu beklagen. Im April 1945 wurde die Ortschaft durch Alliierte Truppen besetzt.

Hessische Gebietsreform (1970–1977)

Die bis dahin selbstständige Gemeinde Oberzell kam im Zuge der Gebietsreform in Hessen zum 1. Juli 1974 kraft Landesgesetz als Ortsteil zur 1972 gebildeten Gemeinde Sinntal und zum neu gebildeten Main-Kinzig-Kreis.<ref>Gesetz zur Neugliederung der Landkreise Gelnhausen, Hanau und Schlüchtern und der Stadt Hanau sowie die Rückkreisung der Städte Fulda, Hanau und Marburg (Lahn) betreffende Fragen (GVBl. 330–26) vom 12. März 1974. In: Der Hessische Minister des Innern (Hrsg.): Gesetz- und Verordnungsblatt für das Land Hessen. 1974 Nr. 9, S. 149, § 15 (Vorlage:HessAmtsBL/LinkText [PDF; 3,0 MB]).</ref><ref></ref> Für Oberzell wurde, wie für die übrigen Ortsteile von Sinntal, ein Ortsbezirk mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher nach der Hessischen Gemeindeordnung gebildet.<ref>Hauptsatzung. (PDF; 168 kB) §; 5. In: Webauftritt. Gemeinde Sinntal, abgerufen am 17. Oktober 2023.</ref>

Verwaltungsgeschichte im Überblick

Die folgende Liste zeigt die Staaten und Verwaltungseinheiten,<ref group="Anm.">Bis zur Trennung der Rechtsprechung von der Verwaltung waren die Ämter und frühen Gerichte sowohl Gericht als auch Verwaltungsorgan.</ref> denen Oberzell angehört(e):<ref name="lagis" /><ref>Vorlage:Verwaltungsgeschichte.de</ref>

Bevölkerung

Einwohnerstruktur 2011

Nach den Erhebungen des Zensus 2011 lebten am Stichtag dem 9. Mai 2011 in Oberzell 978 Einwohner. Darunter waren 9 (0,9 %) Ausländer. Nach dem Lebensalter waren 150 Einwohner unter 18 Jahren, 393 zwischen 18 und 49, 207 zwischen 50 und 64 und 228 Einwohner waren älter.<ref name="Z2011E" /> Die Einwohner lebten in 366 Haushalten. Davon waren 69 Singlehaushalte, 102 Paare ohne Kinder und 162 Paare mit Kindern, sowie 24 Alleinerziehende und 9 Wohngemeinschaften. In 72 Haushalten lebten ausschließlich Senioren und in 210 Haushaltungen lebten keine Senioren.<ref name="Z2011E" />

Einwohnerzahlen

Quelle: Historisches Ortslexikon<ref name="lagis" />
• 1549: 031 Haushaltungen
• 1587: 030 Schützen, 20 Spießer
• 1812: 102 Feuerstellen, 837 Seelen
Oberzell: Einwohnerzahlen von 1812 bis 2020
Jahr  Einwohner
1812
  
837
1834
  
1.318
1840
  
1.390
1846
  
1.425
1852
  
1.313
1858
  
1.171
1864
  
1.174
1871
  
1.076
1875
  
1.016
1885
  
923
1895
  
832
1905
  
876
1910
  
885
1925
  
849
1939
  
1.086
1946
  
1.213
1950
  
1.139
1956
  
980
1961
  
972
1967
  
1.017
1970
  
1.063
1979
  
1.080
1990
  
1.116
1995
  
1.089
2000
  
1.124
2005
  
1.066
2010
  
1.058
2011
  
978
2015
  
990
2020
  
968
Datenquelle: Histo­risches Ge­mein­de­ver­zeich­nis für Hessen: Die Be­völ­ke­rung der Ge­mei­nden 1834 bis 1967. Wies­baden: Hes­sisches Statis­tisches Lan­des­amt, 1968.
Weitere Quellen: LAGIS<ref name="lagis" />; nach 1970: Gemeinde Sinntal<ref name="HH2019" /><ref name="DF" />; Zensus 2011<ref name="Z2011E" />

Historische Religionszugehörigkeit

• 1885: 889 evangelische (= 96,32 %), 6 katholische (= 0,65 %), 28 jüdische (= 3,03 %) Einwohner<ref name="lagis" />
• 1961: 921 evangelische (= 94,75 %), 30 katholische (= 3,09 %) Einwohner<ref name="lagis" />

Politik

Bürgermeister der Gemeinde Oberzell vor der Gebietsreform

Amtszeiten Name
1834–1852 Konrad Dorn
1860–1877 Konrad Kühlthau
1877–1911 Philipp Christ
1911–1924 Johannes Christ
1924–1930 Wilhelm Behacker
1930–1933 Nikolaus Fehl
1933–1945 Johannes Malkmus
1945–1949 Heinrich Christ
1949–1951 Heinrich Lins
1951–1968 Konrad Manns
1968–1974 Konrad Dorn

Bildung

Die Alfred-Kühnert-Schule, benannt nach dem Heimatforscher Alfred Kühnert, ist die Grundschule des Ortes. In dieser Zwergschule werden 18 Grundschüler in zwei Klassen (1./2. und 3./4. Klasse) unterrichtet.<ref>Festakt zum 100. Geburtstags des Schulleiters und Heimatforschers Alfred Kühnert</ref>

Persönlichkeiten

  • Karl Kühlthau (1826–1894), Bürgermeister und Mitglied der kurhessischen Ständeversammlung

Literatur

  • Willi Klein: Zur Geschichte des Mühlenwesens im Main-Kinzig-Kreis = Hanauer Geschichtsblätter 40. Hanau 2003, S. 419.
  • Matthias Nistahl: Studien zur Geschichte des Klosters Schlüchtern im Mittelalter. Diss. Darmstadt u. Marburg, 1986, S. 94, 165, 181.
  • Heinrich Reimer: Historisches Ortslexikon für Kurhessen. Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Hessen 14, 1926, S. 534.
  • Vorlage:HessBib

Weblinks

Commons: Oberzell – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Commons: Kulturdenkmale in Sinntal – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Anmerkungen und Einzelnachweise

Anmerkungen <references group="Anm." />

Einzelnachweise <references> <ref name="lagis">Oberzell, Main-Kinzig-Kreis. Historisches Ortslexikon für Hessen. (Stand: 25. Mai 2018). In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS). </ref> <ref name="HH2019"> Haushaltssatzung für den Haushaltsplan 2019. (PDF; 2,8 MB) Statistische Angaben. Gemeinde Sinntal, S. 41, archiviert vom Vorlage:IconExternal; abgerufen im Januar 2019. </ref> <ref name="KHK1818"> Kur-Hessischer Staats- und Adress-Kalender: 1818. Verlag d. Waisenhauses, Kassel 1818, S. 205 f. (online bei Google BooksSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.). </ref> <ref name="Z2011E">Ausgewählte Daten über Bevölkerung und Haushalte am 9. Mai 2011 in den hessischen Gemeinden und Gemeindeteilen. (PDF; 1,8 MB) In: Zensus 2011. Hessisches Statistisches Landesamt, S. 30 und 84, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 11. Juli 2021;. </ref> </references>

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