Zum Inhalt springen

Nowy Staw

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

Vorlage:Infobox Ort in Polen Nowy Staw [[[:Vorlage:IPA]]] (deutsch Neuteich; kaschubisch Nytëch) ist eine Stadt mit etwa 4400 Einwohnern im Powiat Malborski (Marienburger Kreis) der polnischen Woiwodschaft Pommern. Sie ist Sitz der gleichnamigen Stadt- und Landgemeinde.

Geographische Lage

Datei:Elbing-Königsberg1910.jpg
Neuteich, südwestlich des Frischen Haffs und westsüdwestlich der Stadt Elbing, auf einer Landkarte von 1910 (linker Bildrand)

Die Kleinstadt liegt im ehemaligen Westpreußen, im Großen Marienburger Werder (poln. Żuławy Malborskie), im östlichen Teil der historischen Landschaft Pommerellen, der später zum Land Marienburg gehörte. Sie befindet sich 26 Kilometer westlich der Stadt Elbląg (Elbing) an dem Flüsschen Schwente (poln. Święta).

Geschichte

Datei:NR 1539, kościół poewangelicki.jpg
Marktplatz mit der ehemals evangelischen Kirche („Bleistift“, seit 2012 Kulturzentrum)
Datei:Kolegiata Żuławska.JPG
Kirche des Apostels Matthäus
Datei:Nowy Staw - dom podcieniowy.JPG
Altes Vorlaubenhaus

Der älteste Teil der Ortschaft ist das nördlich der Stadt gelegene ehemals selbständige Dorf Neuteichsdorf (Stawiec). Das Dorf wurde 1316 vom Deutschen Orden gegründet; die Privilegien hatte ihm Werner von Orseln verliehen, der damals Großkomtur von Marienburg war.<ref>Hermann Eckerdt: Geschichte des Kreises Marienburg. Bretschneider, Marienburg 1868, S. 19.</ref> Es wurde im Jahr 1316 in einer Urkunde des Marienburger Komturs Niclaus von Hollant erwähnt. Die Stadt Neuteich ist vermutlich um 1329 angelegt worden, jedoch ist sie erst ab 1350 belegbar.

Ihre Einwohner waren Ackerbürger und sie war der Marktort für die Bauern aus den umliegenden Gebieten im Delta von Weichsel und Nogat. Die katholische Matthäuskirche entstand noch vor dem großen Stadtbrand von 1400.

1409 begann der Deutsche Orden in Neuteich mit der Herstellung von Schwarzpulver, und in der Mitte des 15. Jahrhunderts errichteten Danziger Bürger hier eine Ölmühle.

In den schwedisch-polnischen Kriegen war die Stadt mehrfach besetzt und geplündert worden. Zwischen der Stadt und der Schwente wuchs im 18. Jahrhundert ein neuer Stadtteil, die Neustadt. Seitdem wurde vor allem das rechte Schwenteufer in südliche Richtung bebaut.

1886 wurde die Eisenbahnstrecke von Simonsdorf über Neuteich nach Tiegenhof in Betrieb genommen. Seit 1900 war Stadt auch an das Schmalspurbahnnetz der Westpreußische Kleinbahnen AG angeschlossen, die Strecke ist heute stillgelegt.

In der Stadt waren mehrere Mühlen ansässig, sie war ein Zentrum des Getreidehandels und bekannt für ihre Pferdemärkte. Größter Betrieb war die Zuckerfabrik, die heute nach wie vor produziert.

Die Stadt gehörte seit 1818 dem Kreis Marienburg (Westpreußen) an. 1920 wechselte Neuteich vom deutschen Kreis Marienburg in den Landkreis Großes Werder des Freistaats Danzig, dessen Territorium aufgrund der Bestimmungen des Versailler Vertrags vom Reichsgebiet abgespalten worden war. Nach der Besetzung des abgetrennten Freistaat-Territoriums 1939 durch Deutschland trat Neuteich zum Deutschen Reich, wo es bis 1945 verblieb.<ref name=terr >Stadt Neuteich (Territorial)</ref><ref>Vorlage:Verwaltungsgeschichte.de</ref>

In Neuteich wurde ein Außenkommando des KZ Stutthof eingerichtet.

Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs wurde Neuteich am 11. März 1945 von der Roten Armee erobert. Am 15. Mai 1945 wurde die Stadt von der Sowjetunion der Volksrepublik Polen zur Verwaltung überlassen. Für die Stadt Neuteich wurde von den polnischen Migranten zuerst Nytych und dann seit 1947 Nowy Staw als Ortsname eingeführt, was ebenfalls Neuteich bedeutet. Soweit die deutschen Einwohner nicht geflohen waren, wurden sie in der darauf folgenden Zeit größtenteils von der polnischen Administration aus Neuteich vertrieben.

Die Stadt ist bis heute gut erhalten. Die ehemals evangelische Kirche am Markt, der Neuteicher „Bleistift“, ist seit 2012 das Kulturzentrum des Ortes.

Demographie

Bevölkerungsentwicklung bis 1945
Jahr Einwohner Anmerkungen
1782 1470 davon 1001 Evangelische, 352 Katholiken und 117 Mennoniten<ref>Johann Friedrich Goldbeck: Volständige Topographie des Königreichs Preussen. Teil II, Marienwerder 1789, S. 18–19, Nr. 3).</ref>
1802 1301 <ref name="AAM">Alexander August Mützell und Leopold Krug: Neues topographisch-statistisch-geographisches Wörterbuch des preussischen Staats. Band 5: T–Z, Halle 1823, S. 346–347, Ziffer 488.</ref>
1810 1292 <ref name="AAM" />
1816 1318 davon 730 Evangelische, 442 Katholiken und 118 Juden<ref name="AAM" />
1821 1498 <ref name="AAM" />
1831 1338 großenteils Evangelische<ref>August Eduard Preuß: Preußische Landes- und Volkskunde oder Beschreibung von Preußen. Ein Handbuch für die Volksschullehrer der Provinz Preußen, so wie für alle Freunde des Vaterlandes. Gebrüder Bornträger, Königsberg 1835, S. 430–431.</ref>
1871 1682 <ref>Handbuch über den Königlich Preussischen Hof und Staat für das Jahr 1875. Berlin 1874, S. 919.</ref>
1875 1831 <ref name="MR">Vorlage:Verwaltungsgeschichte.de</ref>
1880 2145 <ref name="MR" />
1890 2428 davon 1176 Evangelische, 1110 Katholiken und 76 Juden<ref name="MR" />
1905 2648 davon 1417 Evangelische, 1105 Katholiken und 76 Juden (97,5 % Deutsche)<ref>Gemeindelexikon für die Provinz Westpreussen: auf Grund der Materialien der Volkszählung vom 1. Dezember 1905 und anderer amtlicher Quellen, S. 76–77.</ref>
1910 2648 am 1. Dezember, davon 2624 mit deutscher Muttersprache (1374 Evangelische, 1150 Katholiken, vierzig Sonstige und sechzig Juden), sieben mit polnischer Muttersprache (eine evangelische Person, sechs Katholiken), niemand mit kaschubischer Muttersprache, sechs mit einer anderen Sprache sowie elf mit deutscher und einer anderen Sprache<ref>Königlich Preußisches Statistisches Landesamt: Gemeindelexikon der Regierungsbezirke Allenstein, Danzig, Marienwerder, Posen, Bromberg und Oppeln. Auf Grund der Volkszählung vom 1. Dezember 1910 und anderer amtlicher Quellen. Heft II: Regierungsbezirk Danzig, S. 32–33, 9. Kreis Marienburg i. Westpr., Ziffer 2 (Google Books).</ref>
1929 3766 <ref>Vorlage:Verwaltungsgeschichte.de</ref>
1943 4120
Einwohnerzahlen seit Ende des Zweiten Weltkriegs
Jahr Einwohner Anmerkungen
2007 4443

Städtepartnerschaften

Söhne und Töchter der Stadt

Literatur

  • Neuteich, Stadt, an der schiffbaren Schwente, im Großen Marienburger Werder, Kreis Marienburg Westpr., Provinz Westpreußen. In: Meyers Gazetteer, mit Eintrag aus Meyers Orts- und Verkehrslexikon, Ausgabe 1912, sowie einer historischen Landkarte der Umgebung von Neuteich (meyersgaz.org)
  • Johann Friedrich Goldbeck: Volständige Topographie des Königreichs Preussen. Teil II, Marienwerder 1789, S. 18–19, Nr. 3).
  • August Eduard Preuß: Preußische Landes- und Volkskunde oder Beschreibung von Preußen. Ein Handbuch für die Volksschullehrer der Provinz Preußen, so wie für alle Freunde des Vaterlandes. Gebrüder Bornträger, Königsberg 1835, S. 430–431.
  • Isaac Gottfried Gödtke: Kirchengeschichte der Stadt Neuteich. In: Archiv für vaterländische Interessen. Neue Folge, Jahrgang 1845, Marienwerder 1845, S. 612–619.

Weblinks

Vorlage:Commonscat

Fußnoten

<references />

Vorlage:Normdaten