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Notre-Dame de Montréal

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Datei:Notre-Dame, Montreal 4.jpg
Nordwest-Seite der Kirche, vom Place d’Armes aus gesehen
Datei:Basílica de Notre-Dame, Montreal, Canadá, 2017-08-12, DD 37-39 HDR.jpg
Innenansicht
Datei:Basílica de Notre-Dame, Montreal, Canadá, 2017-08-12, DD 34-36 HDR.jpg
Detailansicht des Altars

Notre-Dame de Montréal („Unsere Liebe Frau von Montreal“) ist eine römisch-katholische Basilika in der kanadischen Stadt Montreal. Sie befindet sich in der Altstadt (Vieux-Montréal) an der Rue Notre-Dame, neben dem Vieux Séminaire de Saint-Sulpice und gegenüber dem Place d’Armes. Das neugotische Gebäude entstand von 1824 bis 1829 und ersetzte die frühere gleichnamige Pfarrkirche.

Geschichte

Die Pfarrkirche Notre-Dame befand sich unmittelbar nördlich der heutigen Basilika. Der Sulpizianerorden, der die Grundherrschaft über die Île de Montréal besaß, ordnete 1672 den Bau der ersten Kirche an. Sie entstand nach Plänen des örtlichen Ordensvorstehers François Dollier de Casson und war 1683 vollendet. 1720 erhielt der königliche Baumeister Gaspard-Joseph Chaussegros de Léry den Auftrag, die Fassaden neu zu erstellen. Geplant war zudem der Bau von zwei Glockentürmen, die finanziellen Mittel reichten jedoch nur für einen. Diese Arbeiten führte Chaussegros von 1723 bis 1725 aus.<ref name="arch">La première église Notre-Dame à Montréal. Association des archéologues du Québec, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 26. Dezember 2015; abgerufen am 20. Oktober 2011 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.archeologie.qc.ca</ref>

In den Jahren 1734 und 1739 wurde die Kirche durch das Hinzufügen von Seitenschiffen erweitert. Aufgrund des starken Bevölkerungswachstums erwies sie sich allmählich als zu klein. 1821 und 1822 war sie vorübergehend die erste Kathedrale des neu gegründeten Bistums Montreal.<ref>Les curés de la Cathédrale. Cathédrale Marie-Reine-du-Monde, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 25. Januar 2016; abgerufen am 19. Oktober 2011 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/cathedrale-mrdm.blogspot.com</ref> Im September 1822 empfahl ein Komitee der Kirchengemeinde, auf der benachbarten Parzelle einen weitaus größeren Neubau zu errichten. Die alte Kirche wurde 1830 abgerissen, der Kirchturm 1843. Erhalten geblieben sind verschiedene Mauerreste.<ref name="arch" />

Die Bauarbeiten an der neuen Kirche begannen im Mai 1824. Architekt war James O’Donnell, ein Protestant irischer Herkunft aus New York. Kurz vor seinem Tod im Jahr 1830 trat er zum Katholizismus über; als einziger liegt er in der Krypta begraben. Am 7. Juni 1829 erfolgte die Einweihung der neuen Kirche. Sie war zu diesem Zeitpunkt die größte auf dem amerikanischen Kontinent nördlich von Mexiko. Unter der Leitung von John Ostell wurden 1841 und 1843 gemäß O’Donnells Plänen die beiden Kirchtürme fertiggestellt. Von 1872 bis 1880 erhielt der Innenraum eine vollständig neue Gestaltung.<ref name="hist">Basilique Notre-Dame de Montréal. In: Vieux-Montréal. Stadt Montreal und Provinz Québec, abgerufen am 20. Oktober 2011 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>

Von 1888 bis 1891 entstanden an der Ostseite eine Sakristei und die Kapelle Notre-Dame du Sacré-Cœur. Letztere wurde im Dezember 1978 durch einen Brand stark beschädigt und bis 1982 wiederhergestellt. Bis 1928 war die Kirche das höchste Gebäude der Stadt. Papst Johannes Paul II. verlieh der Kirche am 21. April 1982 den Titel einer Basilica minor und besuchte sie im September 1984.<ref name="hist" />

Bauwerk

Die Basilika befindet sich an der Rue Notre-Dame gegenüber dem Place d’Armes, dem zentralen Platz im Altstadtviertel Vieux-Montréal. An die Südseite grenzt das Vieux Séminaire de Saint-Sulpice, das Seminar des Sulpizianerordens. Die Basilika besitzt einen rechteckigen, geosteten Grundriss und ein Satteldach. Sie besteht aus grauem Kalkstein, dem traditionellen Baumaterial in der Montrealer Altstadt. Die beiden Kirchtürme, die drei hohen Spitzbögen des Portikus sowie das polygonale Strebewerk der Seitenfassaden verleihen dem Gebäude eine schlanke Wirkung. Über den drei Portalbögen befinden sich drei Nischen mit Statuen: die Unbefleckte Empfängnis sowie die Heiligen Josef von Nazaret und Johannes der Täufer (Schutzpatrone Kanadas und der Frankokanadier).<ref name="arch" />

Victor Bourgeau gestaltete den gotischen Innenraum der Basilika. Nachdem bereits einige Vorarbeiten geleistet worden waren, regte Pfarrer Benjamin-Victor Rousselot an, sich von der Sainte-Chapelle in Paris inspirieren zu lassen. Der Innenraum ist rechteckig und besitzt weder Apsis noch Querschiff. Vielmehr ist er ganz auf den halbkreisförmigen, erhöht liegenden Altarraum ausgerichtet. Zwei Reihen von hohen Säulen unterteilen den Raum in ein Hauptschiff und zwei Seitenschiffe. Vom Dach herabhängende gewölbte Decken unterstreichen die Aufteilung in drei parallele Räume. Ungewöhnlich sind zwei Reihen von Galerien und ansteigende Tribünen auf beiden Seiten. Unter den Tribünen der Seitenschiffe sind kleinere Räume für Andachten und Beichten angeordnet.<ref name="arch" />

Gestaltung und Beleuchtung des Innenraums sind so konzipiert, dass die Blicke auf die Altäre gerichtet sind. Die Ikonografie des Altarbildes erklärt die biblischen Grundlagen des göttlichen Opfers, wiedergegeben durch die Messe und das anschließende Abendmahl. An der Spitze des Altars wird die Jungfrau Maria durch ihren auferstandenen Sohn gekrönt. Statuen stellen verschiedene biblische Figuren dar.<ref name="arch" />

Orgel

Datei:Basílica de Notre-Dame, Montreal, Canadá, 2017-08-12, DD 07-09 HDR.jpg
Casavant-Orgel

In den ersten Jahren des 18. Jahrhunderts hatte der Erstbau von Notre-Dame eine einmanualige Orgel ohne Pedal erhalten. Jean Girard, ein 1724 aus Bourges berufener sulpizianischer Geistlicher, der mehr als vier Jahrzehnte den Orgeldienst an der Kirche versah, hatte ein Manuskript mitgebracht, das als Livre d’Orgue de Montréal bekannt ist und ca. 400 französische Orgelkompositionen des späten 17. Jahrhunderts umfasst.<ref>Élisabeth Gallat-Morin: Le Livre d’Orgue de Montréal, un manuscrit de musique française classique – Étude critique et historique. Les Presses de l’Université de Montréal, 1998.</ref> Die heutige Orgel von Casavant Frères besitzt 99 Register, verteilt auf vier Manuale und Pedal mit 6500 Pfeifen. Die Orgel wurde zwischen 1885 und 1891 installiert und 1924 modifiziert; sie war die weltweit erste, die elektrisch angetrieben wurde.<ref>Casavant, Opus 26/1034, 1891/1924/1991/2002. Université du Québec, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 27. August 2011; abgerufen am 20. Oktober 2011 (französisch, englisch, Beschreibung der Orgel).  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.uquebec.ca</ref>

I Positif expressif C–c4
Bourdon 16′
Principal 08′
Bourdon 08′
Mélodie 08′
Quintaton 08′
Salicional 08′
Gemshorn 04′
Flûte harmonique 04′
Nazard 0223
Piccolo 02′
Tierce 0135
Carillon III 0223
Plein jeu harmonique III-IV 02′
Basson 16′
Cromorne 08′
Cor anglais 08′
Tremblant
II Grand Orgue C–c4
Montre 32′
Montre 16′
Bourdon 16′
Montre 08′
Principal 08′
Salicional 08′
Gambe 08′
Flûte 08′
Bourdon 08′
Prestant 04′
Violon 04′
Flûte harmonique 04′
Quinte 0223
Doublette 02′
Sesquialtera II 0223
Grande Fourniture III–V 0223
Fourniture V 02′
Cymbale IV 023
Grand Cornet V 16′
Cornet V 08′
Bombarde 16′
Posaune 08′
Trompette 08′
Basson 08′
Clairon 04′
III Récit expressif C–c4
Gambe 16′
Principal 08′
Flûte harmonique 08′
Bourdon 08′
Viole de gambe 08′
Voix céleste 08′
Octave 04′
Violina 04′
Flûte octaviante 04′
Nazard 0223
Octavin 02′
Tierce 0135
Larigot 0113
Piccolo 01′
Mixture III 02′
Cornet V 08′
Basson 16′
Trompette 08′
Hautbois-Basson 08′
Voix humaine 08′
Clairon 04′
Tremblant
IV Solo expressif C–c4
Quintaton 16′
Violoncelle 08′
Flûte traversière 08′
Salicional 08′
Salicional céleste 08′
Flûte harmonique 04′
Piccolo 02′
Mixture III 01′
Cornet V 08′
Clarinette 08′
Musette 08′
Tuba mirabilis 08′
Tuba clairon 04′
16′
Trompette en chamade 08′
Trompette en chamade 04′
Pédale C–g1
Principal 32′
Résultante 32′
Montre (GO) 16′
Flûte 16′
Contrebasse 16′
Violon 16′
Bourdon 16′
Bourdon doux 16′
Grande Quinte 1023
Violoncelle 08′
Flûte 08′
Bourdon 08′
Flûte 04′
Bourdon 04′
Mixture III 0223
Contre bombarde 32′
Bombarde 16′
Basson 16′
Trompette 08′
Basson 08′
Clairon 04′

Literatur

  • Franklin Toker: Notre Dame in Montreal: An Architectural History. McGill-Queen’s Press, Montreal 1991, ISBN 0-7735-0848-1

Weblinks

Commons: Notre-Dame de Montréal – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

<references />

Koordinaten: 45° 30′ 16,4″ N, 73° 33′ 22,1″ W

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