Norwegische Butterkrise
Die Norwegische Butterkrise begann Ende 2011 mit einer akuten Verknappung von Butter und einer Steigerung der Butterpreise auf den Märkten Norwegens. Wegen des akuten Mangels stiegen die Preise, und Buttervorräte in Supermärkten waren schon kurz nach neuen Lieferungen ausverkauft.<ref name="Guardian" /> Die dänische Boulevardzeitung B.T. bezeichnete die Situation in Norwegen aufgrund des Buttermangels als smør-panik (Butterpanik).<ref>Silla Bakalus: Norge i smør-panik: Sælges for 600 kroner kiloet på nettet. In: B.T. 5. Dezember 2011, abgerufen am 5. Januar 2012 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
Verknappung
Starke Regenfälle während des Sommers beeinflussten das Grasen der Kühe und reduzierten die Milchproduktion während des Sommers um ungefähr 20 Millionen Liter, was sich in erhöhten Butterpreisen niederschlug.<ref name="Guardian">Audrey Andersen: Butter shortage puts the knife into Norwegian Christmas plans. In: The Guardian. 14. Dezember 2011, abgerufen am 5. Januar 2012.</ref> Währenddessen stieg die Nachfrage rasch an: 20 % mehr Verkäufe im Oktober 2011 und weitere 30 % im November.<ref name="Telegraph">Norway butter shortage: 'margarine is just not the same'. In: The Daily Telegraph. 14. Dezember 2011, abgerufen am 5. Januar 2012.</ref> Ein akuter Mangel resultierte in rapide zunehmenden Preisen. Mitte Dezember 2011 kostete eine einzige 250-g-Packung der importierten Lurpak-Butter 300 Norwegische Kronen (umgerechnet 39 €, Stand 5. Januar 2012).<ref>Jesper Kirkbak: Et kilo smør koster nu over 1000 kroner. In: B.T. 11. Dezember 2011, abgerufen am 5. Januar 2012 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
Die Knappheit hielt aufgrund hoher Importzölle auf Butter an, die die heimische Milchindustrie gegen ausländische Konkurrenten schützen sollten.<ref>Kjetil Malkenes Hovland: Norway: Embarrassed By Butter Shortage. In: The Wall Street Journal. 19. Dezember 2011, abgerufen am 5. Januar 2012.</ref> In der Tat stammten 90 % der in Norwegen verkauften Butter aus heimischer Produktion.<ref name="Scotsman">Spreading butter crisis forces cut in import tax. The Scotsman, 15. Dezember 2011, abgerufen am 5. Januar 2012.</ref> Die Milchindustrie erwartete ein Defizit von 500 bis 1000 Tonnen<ref>James Langton: Norwegian butter crisis churns up Christmas shortages. In: The National. 17. Dezember 2011, abgerufen am 5. Januar 2012.</ref>, wohingegen die Nachfrage nach Butter seit 2010 um 30 % stieg.<ref>Norway butter crisis spreads as nation consumes entire stock. Metro, 14. Dezember 2011, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 4. Dezember 2012; abgerufen am 5. Januar 2012. Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.</ref> Der Lebensmittelkonzern Tine wurde von den Milchbauern beschuldigt, sie nicht über die höheren Nachfragequoten informiert zu haben und trotz der sich anbahnenden nationalen Verknappung Butter in andere Länder zu exportieren.<ref name="Guardian" /> Tine produzierte im Jahr 2011 90 % der norwegischen Butter und war zugleich die größte Milchgenossenschaft und der Marktregulator des Landes.<ref name="Guardian" />
Reaktion
Als Reaktion auf die wachsende Kritik bat Tine die Regierung, die Einfuhrzölle zu senken, um dem Mangel mit billigeren Importen aus Nachbarstaaten zu begegnen.<ref>Nina Berglund: Calls rise to bust butter ‘monopoly’. newsinenglish.no, 8. Dezember 2011, abgerufen am 5. Januar 2012.</ref> Die Regierung senkte daraufhin die Einfuhrzölle für Butter bis Ende März 2012 um 80 %,<ref>Nils Myklebost: Norwegians battle butter shortage in peak season. Associated Press, 14. Dezember 2011, abgerufen am 5. Januar 2012.</ref> also von 25 Norwegische Kronen (umgerechnet etwa 3,22 €, Stand: 5. Januar 2012) auf 4 Norwegische Kronen (umgerechnet etwa 0,51 €, Stand: 5. Januar 2012) pro Kilogramm.<ref name="wsj">Kjetil Malkenes Hovland: As National Butter Shortage Bites, Norwegians Get Churning. The Wall Street Journal, 19. Dezember 2011, abgerufen am 5. Januar 2012.</ref> Nach Angaben eines Tine-Sprechers sei jedoch trotz der Änderung unwahrscheinlich, dass große Buttervorräte vor Ende Januar 2012 verfügbar würden.<ref name="Scotsman" /> Es gab Rufe danach, als Konsequenz aus der Butterkrise das norwegische Staatsmonopol zu reformieren. Die Struktur der Milchindustrie wurde nach dem Zweiten Weltkrieg geschaffen, um Preise hoch zu halten, wodurch kleine Höfe geschützt werden sollten. Laut den Kritikern ist dies jedoch de facto ein Monopol, welches es nicht schaffte, die Kundenbedürfnisse zu erfüllen.<ref>David Charter: A bitter search for butter. In: The Times. 14. Dezember 2011, ehemals im Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar); abgerufen am 5. Januar 2012. (Seite nicht mehr abrufbar. Suche im Internet Archive )</ref>
Die Krise erzeugte eine Vielzahl von Reaktionen durch Personen und Organisationen in Norwegen und benachbarten Ländern. Eine norwegische Zeitung versuchte, neue Abonnenten zu gewinnen, indem sie ein halbes Kilo Butter als Prämie anboten. Studenten auktionierten im Internet Butter, um ihre Abschlusspartys zu finanzieren.<ref>Kim Ode: Brother, could you spare some smor? In: Star Tribune. 19. Dezember 2011, abgerufen am 6. Januar 2012.</ref> Einige Personen wurden ertappt, als sie Butter über die Grenze schmuggeln wollten, während Schweden Online-Werbung schalteten, in der sie anboten, Norwegern Butter zu einem Preis von bis zu 460 Norwegische Kronen (etwa 59 €, Stand 5. Januar 2012) pro Paket zu liefern.<ref>Karin Olsson: No butter in Norway? Swedes will enjoy Christmas even more. In: The Guardian. 18. Dezember 2011, abgerufen am 6. Januar 2012.</ref><ref>Richard Orange: Swedes arrested for butter smuggling. In: The Daily Telegraph. 19. Dezember 2011, abgerufen am 6. Januar 2012.</ref> Der dänische Molkerei-Geschäftsmann Karl Christian Lund versuchte, die Nachfrage nach seiner eigenen Butter zu steigern, indem er tausende von Paketen in Kristiansand und Oslo aushändigte.<ref name="Guardian" /> Schwedische Supermärkte boten kostenlose Butter für norwegische Kunden, um diese zum Einkaufen über die Grenze zu locken.<ref>Audrey Andersen: Butter shortage takes the biscuit in Norway. In: The Irish Times. 20. Dezember 2011, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 21. Dezember 2011; abgerufen am 6. Januar 2012. Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.</ref> Auf der schwedischen Seite der südöstlichen Grenzen des Svinesund berichteten Supermärkte einen zwanzigmal höheren Verkauf von Butter als normal, wobei neun von zehn Käufern Norweger waren.<ref>Swedes in Norwegian butter smuggling bust. In: The Local. 19. Dezember 2011, abgerufen am 6. Januar 2012.</ref> Eine dänische Fernsehsendung strahlte einen „Not-Aufruf“ aus, der Zuschauer aufforderte, Butter zu schicken. Dabei wurden 4000 Packungen gesammelt, die an Norweger verteilt wurden.<ref name="Scotsman" /> Dänische Flughäfen und Fähren, die die Meerenge zwischen den beiden Ländern überqueren, hielten Buttervorräte in ihren Duty-free-Läden bereit.<ref>Olaf Mellingsater: Prices spike as butter shortage spreads through Norway. CNN, 13. Dezember 2011, abgerufen am 6. Januar 2012.</ref>
Nachwirkungen
Aufgrund der Butterkrise verloren norwegische Einzelhändler eine geschätzte Summe von 43 Millionen Norwegischen Kronen (etwa 5,5 Millionen €, Stand 5. Januar 2012).<ref name="43m">FrP Requires Tine to Pay for Butter Crisis in Norway. 12. März 2012, abgerufen am 3. September 2015.</ref> Die norwegische Fortschrittspartei verlangte, dass Tine die Einzelhändler für ihre Verluste entschädigt.<ref name="43m"/>
Einzelnachweise
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