Nina Schenk Gräfin von Stauffenberg
Nina Magdalena Elisabeth Lydia Herta Schenk Gräfin von Stauffenberg, geb. Freiin von Lerchenfeld (* 27. August 1913 in Kowno, damals Russisches Kaiserreich, heute Litauen; † 2. April 2006 in Kirchlauter, Deutschland), war mit Claus Schenk Graf von Stauffenberg verheiratet.
Leben
Nina Freiin von Lerchenfeld kam als einziges Kind des fränkischen Generalkonsuls Gustav Freiherr von Lerchenfeld (1871–1944), einem königlich bayerischen Kämmerer und kaiserlichen Generalkonsul, sowie der baltischen Adeligen Anna Freiin von Stackelberg (1880–1945) zur Welt.
Sie wuchs in Bamberg auf und besuchte dort das Lyzeum.<ref name="Schad">Martha Schad: Frauen gegen Hitler – Schicksale im Nationalsozialismus. Wilhelm Heine, 2001, ISBN 978-3-453-86138-1, S. 275–288.</ref><ref name="Schad" details="S. 277" /> Anschließend wechselte sie auf die von Elisabeth von Thadden gegründete und nach ihr benannte Schule.<ref name="Schad">Martha Schad: Frauen gegen Hitler – Schicksale im Nationalsozialismus. Wilhelm Heine, 2001, ISBN 978-3-453-86138-1, S. 275–288.</ref><ref name="Schad" details="S. 277" />
1930 kam sie mit der Mittleren Reife zurück nach Bamberg, in der Schule war sie mit fortschrittlichen Gedankengut in Berührung gekommen.<ref name="kult">Schenk Gräfin von Stauffenberg, Nina. In: kulturstiftung.org. Abgerufen am 10. April 2026.</ref> Bereits mit 16 Jahren lernte die Schülerin Claus Schenk Graf von Stauffenberg kennen. Nach der Verlobung 1932<ref>Vermählungen und Verlobungen. In: Wiener Salonblatt, 13. März 1932, S. 10 (online bei ANNO).</ref> folgte in Bamberg am 26. September 1933 die standesamtliche sowie am darauffolgenden Tag in der Jakobskirche die kirchliche Trauung.<ref>Vermählungen und Verlobungen. In: Wiener Salonblatt, 24. September 1933, S. 11 (online bei ANNO).</ref> Die Kinder wurden nach der Tradition des Hauses Stauffenberg katholisch getauft und erzogen, obwohl Nina wie auch die Mutter von Claus von Stauffenberg evangelisch waren. Der Ehe entstammen insgesamt fünf Kinder, von denen das jüngste erst ein halbes Jahr nach der Hinrichtung des Vaters zur Welt kam:
- Berthold Maria Schenk Graf von Stauffenberg (* 3. Juli 1934 in Bamberg), Generalmajor
- Heimeran Schenk Graf von Stauffenberg (* 9. Juli 1936 in Bamberg; † 20. Oktober 2020 in Zürich)
- Franz Ludwig Schenk Graf von Stauffenberg (* 4. Mai 1938 in Bamberg), Bundestagsabgeordneter (MdB)
- Valerie von L’Estocq (* 15. November 1940 in Bamberg als Valerie Ida Huberta Karoline Anna Maria Schenk Gräfin von Stauffenberg; † 4. Juni 1966 in München an Leukämie<ref>Christian Hartmann: Claus Philipp Maria Graf Schenk von Stauffenberg. In: Neue Deutsche Biographie. (NDB). Band 22. Duncker & Humblot, Berlin 2005, ISBN 3-428-11203-2, S. Vorlage:VonBis (deutsche-biographie.de).</ref>), seit 4. April 1964 verheiratet mit Heino von L’Estocq (* 1935 in Potsdam)
- Konstanze von Schulthess (* 27. Januar 1945 in Frankfurt (Oder) als Konstanze Schenk Gräfin von Stauffenberg), Autorin
Dass ihr Mann mit anderen Wehrmachtsoffizieren einen Staatsstreichs gegen das nationalsozialistische Reich planten, war ihr bekannt, nicht hingegen der erst spät gefasste Entschluss ihres Mannes, das Attentat selbst auszuführen. Am 16. Juli 1944 telefonierte sie das letzte Mal mit ihrem Mann, anschließend fuhr sie mit den Kindern in die Sommerfrische nach Lautlingen zu ihrer Schwiegermutter.<ref name="Schad" details="S. 276" />
Die Gestapo traf am 23. Juli in Lautlingen ein und nahm die damals schwangere Nina von Stauffenberg in Gewahrsam. Zunächst wurde sie ins Gefängnis nach Rottweil gebracht, wo sie die erste Woche, die sie dort verbringen musste, beinahe als „Idylle“ empfand. Ihre nächste Station war das gefürchteten Gefängnis des Reichssicherheitshauptamtes in der Prinz-Albrecht-Straße in Berlin. Daraufhin wurde sie für einen Zeitraum von drei Wochen in das Gefängnis am Alexanderplatz eingeliefert. Ende August wurde sie schließlich ins KZ Ravensbrück verlegt. Die schwangere von Stauffenberg blieb fünf Monate lang in Einzelhaft. Am 17. August wurden auch ihre Kinder von der Gestapo in Sippenhaft genommen. Sie wurden von den Nationalsozialisten in das Kinderheim im Borntal in Bad Sachsa verschleppt.<ref name="Schad" details="S. 277" />
Im Januar wurde von Stauffenberg in ein Entbindungsheim der NSDAP gebracht. Sie brachte ihr fünftes Kind, Konstanze, am 27. Januar 1945 in Frankfurt (Oder) zur Welt. Einige Tage später kam ihre Mutter Anna im Strafvollzugslager Danzig-Matzkau ums Leben. Krank und mit ihrem Neugeborenen wurde sie in einem Lazarettzug ins St-Josefs-Krankenhaus nach Potsdam gebracht. Im April waren die anderen Sippenhäftlinge nach Schönau am Königsee deportiert worden; auch Nina Schenk Gräfin von Stauffenberg mit ihrem Baby in der Nähe an. Der Begleiter erhielt keine spezifischen Anweisungen für den Umgang mit ihr und wo sie hin sollten. Nach einer langen Wanderung erreichten sie Trogen in der Gemeinde Bad Feilnbach, dort weigerte sich die Gräfin, weiterzulaufen. Sie stellte ihrem Bewacher ein gutes Zeugnis aus und er ließ sie zurück. Anschließend suchte sie einen guten Bekannten ihres Vaters auf, bei dem sie bleiben konnte.<ref name="Schad" details="S. 278" />
Nach Kriegsende fand sich die Familie auf dem Familiensitz in Lautlingen (heute ein Stadtteil von Albstadt) zusammen. Von Stauffenberg verfasste im August 1946 einen Persilschein für den ehemaligen Oberstaatsanwalt und SA-Obersturmbannführer Gottlob Braun, der ihr Ende Juli 1944 den einwöchigen Aufenthalt in der Haftanstalt Rottweil erleichtert habe.<ref>Ulrich Scheib: Gottlob Braun. In: Wolfgang Proske (Hrsg.): Täter Helfer Trittbrettfahrer. NS-Belastete aus Baden-Württemberg, Band 1: NS-Belastete von der Ostalb. Ulm : Klemm + Oelschläger, 2010, ISBN 978-3-86281-062-8, S. 33–40, Fotokopie des Schreibens von Stauffenbergs an Gebhard Müller</ref>
Jahrelang versuchte von Stauffenberg ihr ehemaliges Wohnhaus in Bamberg wieder bewohnbar zu machen. Sie konnte Teile des Inventars, das beschlagnahmt oder geraubt wurde, wiederfinden und zog 1953 mit ihrer Familie dort wieder ein.<ref name="kult" /> In der Nachkriegszeit setzte sie sich besonders für das Zusammenleben der Deutschen mit den in Deutschland stationierten US-Soldaten ein. Am 27. September 1968 war sie Mitbegründerin der „Schutzgemeinschaft Alt Bamberg e. V.“<ref name="kult" />, die aus Protest gegen den Abbruch des stadtbildprägenden Hauses „zum Marienbild“ am Kaulbergfuß zugunsten einer Straßenverbreiterung zum Schutz der Bamberger Altstadt gegründet wurde.
Am 2. April 2006 starb Nina Schenk Gräfin von Stauffenberg im Alter von 92 Jahren im Schloss Kirchlauter.
Auszeichnungen und Ehrungen
- 1983: Verdienstkreuz 1. Klasse der Bundesrepublik Deutschland
- 1993: Ehrenmedaille der Stadt Bamberg für ihr Engagement um den Erhalt der Altstadt Bambergs
- 2000: Bayerische Staatsmedaille für soziale Verdienste
- 2003: Ehrenmitgliedschaft der „Schutzgemeinschaft Alt-Bamberg e. V.“
Ihre Freundin Christa von der Marwitz regte in Zusammenarbeit mit dem Inner Wheel Club Darmstadt die Taufe einer Rose auf den Namen „Nina-von-Stauffenberg“ an. Gepflanzt wurde die rosafarbene Kletterrose der Sorte Gloria Dei 2008 in Anwesenheit des Sohnes von Nina von Stauffenberg, Franz Ludwig Schenk Graf von Stauffenberg, auf der Darmstädter Rosenhöhe.<ref>Hinweistafel auf die Rose „Nina von Stauffenberg“. In: dfg-vk-darmstadt.de. Abgerufen am 14. November 2023.</ref><ref>Christa von der Marwitz: „In einer Nacht waren 25 Freunde verloren“, Erinnerungen an das Attentat auf Hitler am 20. Juli 1944 und an ihre Freundin Nina Freiin von Lerchenberg (Digitalisat)</ref>
Literatur
- Fey von Hassell: Niemals sich beugen. Erinnerungen einer Sondergefangenen der SS. Piper, München u. a. 1990, ISBN 3-492-03352-0.
- Dorothee von Meding: Mit dem Mut des Herzens. Die Frauen des 20. Juli. Genehmigte Taschenbuchausgabe. Goldmann, München 1997, ISBN 3-442-72171-7 (Goldmann. btb 72171).
- Konstanze von Schulthess: Nina Schenk Gräfin von Stauffenberg. Ein Porträt. Pendo, München 2008, ISBN 978-3-85842-652-9.
- Konstanze von Schulthess: Nina Schenk Gräfin von Stauffenberg. Ein Porträt. Mit einem Vorwort und einer persönlichen Nachbemerkung der Autorin. audio media, München 2009, ISBN 978-3-86804-055-5 (Hörbuch mit 6 CDs).
- Berthold Schenk Graf von Stauffenberg: Ein Kind als „Volksfeind“. In: Thomas Vogel (Hrsg.): Aufstand des Gewissens. Militärischer Widerstand gegen Hitler und das NS-Regime 1933–1945. 6. Auflage. Mittler, Hamburg 2001, ISBN 3-8132-0708-0, S. 287–295.
- Harald Steffahn: Claus Schenk Graf von Stauffenberg. 3. Auflage. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 2002, ISBN 3-499-50520-7 (Rororo 50520 Rowohlts Monographien).
- Gerd R. Ueberschär: Stauffenberg. Der 20. Juli 1944. 2. Auflage. S. Fischer, Frankfurt am Main 2004, ISBN 3-10-086003-9.
- Eberhard Zeller: Oberst Claus Graf Stauffenberg. Ein Lebensbild. Schöningh, Paderborn 1994, ISBN 3-506-79770-0.
- Ursula Brekle: Familie Stauffenberg – Hitlers Rache. Bertuch, Weimar 2018, ISBN 978-3-86397-097-0.
- Sophie von Bechtolsheim: Stauffenberg. Mein Großvater war kein Attentäter. Herder, Freiburg/Basel/Wien 2019, ISBN 978-3-451-07217-8.
Weblinks
- Literatur von und über Nina Schenk Gräfin von Stauffenberg im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />netzeitung: Stauffenberg-Witwe gestorben ( vom 14. November 2013 im Internet Archive), 3. April 2006
- Thomas Widmer: Zweiter Weltkrieg – „Spielst du Verschwörerles?“, Weltwoche 19/08 vom 7. Mai 2008. Interview mit der Tochter Konstanze von Schulthess über ihre Eltern und das Buch Nina Schenk Gräfin von Stauffenberg
- Interview mit Konstanze von Schulthess über ihre Mutter Nina, Focus, 14. Juli 2008
- Kulturportal West-Ost. Schenk Gräfin von Stauffenberg, Nina
- Martina Meißner: 27.08.1913 – Geburtstag von Nina Schenk Gräfin von Stauffenberg. WDR ZeitZeichen vom 27. August 2013 (Podcast).
- Frauen gegen Hitler In: Zeitblende von Schweizer Radio und Fernsehen vom 3. Juli 2019 (Audio)
Einzelnachweise
<references> </references>
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Stauffenberg, Nina Schenk Gräfin von |
| ALTERNATIVNAMEN | Stauffenberg, Elisabeth Magdalena Schenk Gräfin von (vollständiger Name); Lerchenfeld, Elisabeth Magdalena Freiin von (Geburtsname) |
| KURZBESCHREIBUNG | deutsche Ehefrau des Claus Schenk Graf von Stauffenberg |
| GEBURTSDATUM | 27. August 1913 |
| GEBURTSORT | Kowno, damals Russisches Kaiserreich, heute Litauen |
| STERBEDATUM | 2. April 2006 |
| STERBEORT | Kirchlauter |
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- Claus Schenk Graf von Stauffenberg
- Person (Attentat vom 20. Juli 1944)
- NS-Opfer
- Person (Bamberg)
- Träger des Bundesverdienstkreuzes 1. Klasse
- Träger der Bayerischen Staatsmedaille für soziale Verdienste
- Familienmitglied des Adelsgeschlechts Lerchenfeld
- Familienmitglied des Adelsgeschlechts Stauffenberg
- Deutscher
- Deutsch-Balte
- Geboren 1913
- Gestorben 2006
- Frau