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Nike-Feuerstellung Kleingartach

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Die Nike-Feuerstellung Kleingartach der US-Streitkräfte befand sich auf dem Höhenrücken des Heuchelbergs zwischen Stetten am Heuchelberg und Haberschlacht im baden-württembergischen Landkreis Heilbronn und war während des Kalten Kriegs ein Standort für Atomwaffen. Die Stellung war von 1959 bis 1969 Teil der westlichen Luftverteidigung mittels Nike-Hercules-Raketen. Danach diente sie bis 1977 als Basis für Pershing-IA-Raketen. Die Abschussbasis wird seit Mitte der 1980er Jahre von einer Erddeponie überdeckt.

Lage

Die Verteidigungsstellung war während des Kalten Krieges Teil eines Flugabwehrgürtels gegen Luftangriffe aus dem Osten. Der Gürtel umfasste innerhalb Westdeutschlands insgesamt 52 Stellungen, die in einem Abstand von rund 150 Kilometern zur DDR-Grenze eingerichtet waren.<ref name="rabe">Karl-Klaus Rabe: Atomwaffen-Standorte in der Bundesrepublik. Forschungsinstitut für Friedenspolitik, Starnberg 1984, S. 8–9.</ref> Die auf dem Heuchelberg gelegene Abwehrstellung war nach der damals nächstgelegenen Stadt Kleingartach benannt, die 1971 nach Eppingen eingemeindet wurde. Zum Zeitpunkt ihrer Errichtung befanden sich die Anlagen auf den Gemarkungen von Kleingartach und Niederhofen (1971 nach Schwaigern eingemeindet).<ref name="nikesystem-2">Thomas Schulz: Zeittafel NIKE-Feuerstellung Kleingartach. 26. September 2010, ehemals im Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar); abgerufen am 20. November 2012.@1@2Vorlage:Toter Link/www.nikesystem.de (Seite nicht mehr abrufbar. Suche im Internet Archive )Vorlage:Toter Link/archivebot</ref> Heute gehören alle Flächen zu Schwaigern.<ref name="TK25">Nach TK-25</ref>

Die nächsten benachbarten Nike-Flugabwehrbatterien befanden sich nordöstlich bei Dallau, südwestlich bei Wurmberg und südlich bei Sachsenheim.<ref name="nikesystem-1">Rolf D. Goerigk: U.S. Nike Site in Germany: Kleingartach. 23. April 2011, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 15. September 2010; abgerufen am 20. November 2012.  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.nikesystem.de</ref>

Die Feuerstellung mit den Abschussbasen lag auf dem in West-Ost-Richtung verlaufenden Rücken des Heuchelbergs zwischen Stetten am Heuchelberg im Norden und Haberschlacht im Süden (

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  }}).<ref name="nikesystem-1" /> Sie konnte über einen Zufahrtsweg von der östlich vorbeiführenden Landesstraße 1107, die die beiden Orte verbindet, erreicht werden.<ref name="TK25" /> Zur Stellung gehörten jeweils räumlich getrennt der Leitstand (Integrated Fire Control, IFC) und eine Unterkunft für die Mannschaften.<ref name="nikesystem-1" /> Der Feuerleitstand befand sich rund 1600 Meter südwestlich inmitten von Feldern (
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  }}).<ref name="nikesystem-1" /> Die Mannschaftsunterkunft lag dazwischen, nahe der Kreisstraße von Haberschlacht nach Kleingartach (
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  }}).<ref name="nikesystem-1" />

Geschichte

Datei:Nike-Feuerstellung Kleingartach Zufahrt Unterkünfte 2012 11 09.jpg
Zufahrtsweg zur ehemaligen Mannschaftsunterkunft (Nov. 2012)

Ende 1957 kamen in der Bevölkerung erste Gerüchte über den Bau einer Flugabwehrstellung auf dem Heuchelberg auf, worauf sich eine Protestbewegung organisierte.<ref name="nikesystem-2" /> Der Heilbronner Gemeinderat forderte im Februar 1958 die Einstellung der Arbeiten.<ref name="hst-1983-09-28">Gerd Kempf: „Raketen-Debatte“ im Heilbronner Gemeinderat. In: Heilbronner Stimme. 28. September 1983 (stadtarchiv-heilbronn.de [abgerufen am 26. November 2012]).</ref> Dessen ungeachtet begann am 28. September 1958 offiziell der Bau.<ref name="nikesystem-2" /> Am 15. August 1959 war die Anlage einsatzbereit, die offizielle Eröffnung fand am 15. Dezember 1959 statt.<ref name="nikesystem-2" /> Die bis zu 220 Mann starke<ref name="hst-2011-04-11">Herbert Kaletta: 35 000 Bäume und ein neuer Gipfel. In: Heilbronner Stimme. 11. April 2011 (bei stimme.de [abgerufen am 9. November 2012]).</ref> C-Battery des 3rd Missile Battalion der 71th US-Artillery-Group besetzte die Stellung mit atomar bestückten Flugabwehrraketen vom Typ Nike-Herkules.<ref name="nikesystem-1" /> Um 1965 wurde das Kommando der NATO unterstellt.<ref name="nikesystem-2" />

Bereits 1969 wurde der Heuchelberg als Standort für das sukzessive ausgedünnte Nike-System aufgegeben.<ref name="rabe" /><ref name="nikesystem-2" /> Im Anschluss richtete das in der Neckarsulmer Artillerie-Kaserne stationierte 3rd Battalion des 84th Field Artillery Regiment hier eine QRA-Stellung mit ebenfalls atomar bestückten Pershing-IA-Raketen ein.<ref name="nikesystem-1" /> 1977 endete die militärische Nutzung, nachdem die Pershing-Raketen auf die Waldheide bei Heilbronn verlegt worden waren.<ref name="hst-2011-04-11" />

1984 wurden die Gebäude und Bunker der Abschussbasis gesprengt.<ref name="hst-2011-04-11" /> Das Gelände dient seitdem als Erddeponie und wird bis heute (Stand 2012) nach und nach mit Erdaushub überdeckt.<ref name="hst-2011-04-11" /> Ein Gipfel der Deponie bildet mit einer Höhe von 353 m ü. NN mittlerweile den höchsten Punkt des Heuchelbergs.<ref name="hst-2011-04-11" /> Auf dem Gelände der Feuerleitstellung befindet sich heute ein Modellflugplatz. Von der Mannschaftsunterkunft sind minimale Reste erhalten geblieben.

Weblinks

Commons: Nike-Feuerstellung Kleingartach – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

<references />

Koordinaten: 49° 6′ 28,8″ N, 9° 0′ 28,8″ O

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