Naćmierz (Postomino)
Naćmierz (Vorlage:DeS) ist ein Dorf in der polnischen Woiwodschaft Westpommern. Es gehört zur Gmina Postomino (Gemeinde Pustamin) im Powiat Sławieński (Schlawer Kreis).
Geographische Lage
Das Dorf liegt in Hinterpommern, etwa 20 Kilometer nördlich von Sławno (Schlawe) und 17 Kilometer nordöstlich von Darłowo (Rügenwalde). Östlich des Dorfkerns fließt der Bülsbach, der bei Łącko (Lanzig) in den Vietzker See mündet. Das Dorf liegt drei bis vier Kilometer von der Ostsee entfernt, nördlich der Ausläufer des Baltischen Höhenrückens.
Die Gemarkung wird umgrenzt von Rusinowo (Rützenhagen) und Bylica (Schönenberg) im Westen, Jezierzany (Neuenhagen, Amt) und Jarosławiec (Jershöft) im Norden, Łącko (Lanzig) im Osten und Wszedzień (Scheddin) im Süden.
Geschichte
Der Ort ist nach der in Pommern ansässigen Gründerfamilie von Natzmer benannt. Dass der Ort Natzmershagen auf eine deutsche Gründung zurückgeht, lässt sich aus der Form des Dorfes (Reihendorf) und aus der Namensgebung („-hagen“) schließen. Es dürfte sich um eine der ersten ritterlichen Hagen-Siedlungen in diesem Raum handeln. Siedlungsunternehmer könnte ein Gneomarius Dobescicz von Natzmer gewesen sein, der um 1260 subcamerarius in Stolp war und mehrfach als Zeuge des Klosters Buckow und des Klosters Belbuck auftrat. Vielleicht kommt auch sein Sohn Johannes, der sich Hennecke de Ristow nannte, in Frage, der um 1300 mit Ristow und Järshagen belehnt war.
Irgendwann ist dann der Ort in herzoglichen Besitz gekommen. In der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts schenkte Herzogin Adelheid das Dorf dem Kloster Marienkron. Bei bzw. nach der Gründung hatte Natzmershagen 12 Bauern, 2 Kossäten und 1 Mühle. Etwa hundert Jahre später wurde Natzmershagen in das Amt Rügenwalde eingegliedert, bei dem es dann verblieb.
Anfang der 1930er Jahre hatte die Gemarkung der Landgemeinde Natzmershagen einen Flächeninhalt von 8,3 km². Innerhalb der Gemeindegrenzen gab es nur einen einzigen Wohnort, der für die Landgemeinde namensgebend war.<ref name="Stuebs" /> Um 1935 gab es in Natzmershagen unter anderem zwei Gemischtwarenläden, eine Molkerei, zwei Mühlen und eine Schmiede.<ref>Klockhaus' Kaufmännisches Handels- u. Gewerbe-Adressbuch des Deutschen Reichs, Band 1 A, Berlin 1935, S. 1075 (Google Books).</ref>
Bis 1945 gehörte Natzmershagen zum Kreis Schlawe im Regierungsbezirk Köslin der preußischen Provinz Pommern des Deutschen Reichs. Das Dorf war Teil des Amtsbezirks Neuenhagen Amt. Es gehörte zum Amtsgerichtsbezirk Rügenwalde.
Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs wurde die Region von der Roten Armee besetzt. Am Abend des 7. März 1945 rückten sowjetische Truppen ohne Kampfhandlungen in den Ort ein. Hier befanden sich alle Einwohner, zahlreiche Flüchtlinge aus Ost- und Westpreußen, mehrere nach hier aus Schlawin evakuierte Familien, französische und sowjetische Kriegsgefangene sowie polnische Fremdarbeiter. Einige Männer wurden sofort in die Sowjetunion verschleppt, in der Karwoche 1945 dann alle deutschen Einwohner bis Pfingsten nach Alt Bewersdorf evakuiert. Bald nach Beendigung der Kampfhandlungen wurde die Region zusammen mit ganz Hinterpommern mit Ausnahme militärischer Sperrgebiete von der Sowjetunion der Volksrepublik Polen zur Verwaltung überlassen. Es begann danach die Zuwanderung polnischer Zivilisten. Im Juli und September 1945 wurden die Höfe von Polen übernommen. Im November 1945 wurden alle einheimischen Familien bis auf zehn von der polnischen Administration vertrieben. Am 1. Juni 1946 wurden auch die letzten einheimischen Dorfbewohner ausgewiesen.
Heute ist das Dorf mit dem Namen Naćmierz ein Teil der Gmina Postomino im Powiat Sławieński der Woiwodschaft Westpommern. Bis 1998 gehörte es zu der Woiwodschaft Stolp.
Demographie
- Einwohnerzahlen
- 1818: 240, Dorf mit einer Wassermühle, königliche Besitzung<ref name="Krug" >Alexander August Mützell und Leopold Krug: Neues topographisch-statistisch-geographisches Wörterbuch des preußischen Staats, Band 3: Kr–O, Halle 1822, S. 252, Ziffer 202 (Google Books).</ref><ref name="FvR" >Friedrich von Restorff: Topographische Beschreibung der Provinz Pommern mit einer statistischen Uebersicht, Nicolaische Buchhandlung, Berlin und Stettin 1827, S. 262, Ziffer 32 (Google Books).</ref>
- 1905: 414
- 1910: 389<ref name="mgaz" >Natzmershagen, Dorf, Kreis Schlawe, Regierungsbezirk Köslin, Provinz Pommern. In: Meyers Gazetteer, mit Eintrag aus Meyers Orts- und Verkehrslexikon, Ausgabe 1912, sowie einer historischen Landkarte der Umgebung von Natzmershagen (meyersgaz.org).
</ref>
- 1925: 401, darunter 398 Evangelische sowie eine katholische und eine jüdische Person<ref name="Stuebs" >Die Gemeinde Nartmershagen im ehemaligen Kreis Schlawe in Pommern (Gunthard Stübs und Pommersche Forschungsgemeinschaft, 2011).</ref>
- 1933: 395<ref name="Vwg" >Vorlage:Verwaltungsgeschichte.de
</ref>
- 1939: 408<ref name="Vwg" />
Standesamt Natzmershagen
Bis 1945 waren die Gemeinden Jershöft, Neuenhagen, Amt, Lanzig, Körlin, Natzmershagen, Rützenhagen, Scheddin, und Schönenberg zum Standesamt Natzmershagen vereinigt, das seinen Sitz jedoch in Schönenberg hatte.
Kirche
Kirchspiel
Vor 1945 war die Bevölkerung überwiegend evangelisch. Natzmershagen gehörte zum Kirchspiel Lanzig im Kirchenkreis Rügenwalde der Kirchenprovinz Pommern der Kirche der Altpreußischen Union.
Dss katholische Kirchspiel war in Schlawe i. Pom.
Die seit 1945 und Vertreibung der einheimischen Bewohner in dem Dorf anwesenden Polen sind überwiegend römisch-katholischer Konfession. Der Ort gehört zur Pfarrei Łącko (Lanzig) im Dekanat Ustka (Stolpmünde) im Bistum Köslin-Kolberg der Katholischen Kirche in Polen.
Schule
Der erste Schulmeister in Natzmershagen wurde im Jahre 1737 angestellt.<REF NAME="PZ">Die Pommersche Zeitung. Nr. 4/2008, S. 8.</REF> Ein neues Schulgebäude wurde für die einklassige Volksschule im Jahre 1825, ein wiederum neues 1912–1914 erbaut.<REF NAME="PZ"/> Letzter deutscher Lehrer war Gustav Böttcher von 1907 bis 1945.
Verkehr
Dss Dorf ist über die Woiwodschaftsstraße 203 Koszalin (Köslin)–Darłowo–Ustka (Stolpmünde) im Abzweig bei Masłowice (Masselwitz) in Richtung Jarosławiec (Jershöft) zu erreichen.
Bahnanbindung besteht über Darłowo (Rügenwalde).
Siehe auch
Literatur
- Natzmershagen, Dorf, Kreis Schlawe, Regierungsbezirk Köslin, Provinz Pommern. In: Meyers Gazetteer, mit Eintrag aus Meyers Orts- und Verkehrslexikon, Ausgabe 1912, sowie einer historischen Landkarte der Umgebung von Natzmershagen (meyersgaz.org).
- Ludwig Wilhelm Brüggemann: Ausführliche Beschreibung des gegenwärtigen Zustandes des Königl. Preußischen Herzogthums Vor- und Hinter-Pommern. II. Teil, 2. Band, Stettin 1784, S. 855, Ziffer (19) (Google Books).
- Manfred Vollack (Hrsg.): Der Kreis Schlawe. Ein pommersches Heimatbuch. 2 Bände, Husum 1989.
Weblinks
- Die Gemeinde Nartmershagen im ehemaligen Kreis Schlawe in Pommern (Gunthard Stübs und Pommersche Forschungsgemeinschaft, 2011).
- Amtsbezirk Neuenhagen (Territorial.de)
Fußnoten
<references />